Freitag, 17. August 2018

Herzschmelze


Schau doch Mama, schau nach draußen!

Der kleine Mann nimmt mich an der Hand und zieht mich zum Fenster.

Die Nacht, sie ist kohlrabischwarz!

Prompt hat die Herzschmelze eingesetzt.



Wassermelonensalat mit Kohlrabischnitzerl

Zutaten für 2 Portionen

Für die Kohlrabischnitzerl
1 Kohlrabi
griffiges Mehl
2 Eier
ein Schuss Schlagobers
Salz, Pfeffer
Semmelbrösel
Butterschmalz zum Ausbacken

Für den Salat
1 Bund Radieschen
4 Stangen Sellerie
1 kleine Zwiebel (rot am besten, weiß geht aber auch)
¼ Wassermelone

Für das Dressing
1 Messerspitze Wasabipaste (ersatzweise Oberskren)
4 EL Olivenöl
Saft von 1 Zitrone
1 TL Honig

Außerdem
60 g Ziegenfrischkäse
Minze- und Basilikumblätter
Zitronenspalten

1. Für die Schnitzerl den Kohlrabi schälen und in 5 mm dicke Scheiben schneiden.

2. 3 Suppenteller herrichten: In das erste kommt das Mehl, im zweiten werden Eier mit Schlagobers, Salz und Pfeffer verschlagen, in das dritte kommen die Semmelbrösel.

3. Die Kohlrabischeiben zuerst in Mehl wenden, dann in die Eiermischung tauchen, abtropfen lassen und zuletzt noch in den Semmelbröseln wälzen.

4. Für den Salat die Radieschen putzen und vierteln. Die Selleriestangen in feine Scheiben, die Zwiebel in feine Ringe schneiden. Die Wassermelone zuerst in Scheiben und dann in Stücke schneiden.

5. Alle Zutaten für die Marinade vermischen und abschmecken. Das Dressing mit Radieschen und Sellerie vermengen.

6. Butterschmalz in einer beschichteten Pfanne erhitzen und die Kohlrabischnitzerl darin auf beiden Seiten bei mittlerer Hitze goldbraun und knusprig ausbacken. Fertige Schnitzerl auf Küchenkrepp abtropfen lassen.

7. Die Melonenstücke auf Tellern anrichten, darauf kommt der marinierte Salat, die Kohlrabischnitzerl und der Ziegenfrischkäse. Das Gericht noch mit groß zerzupften Kräutern bestreuen. Wer mag, legt noch eine Zitronenspalte dazu.


Nach einem Rezept aus dem frisch gekocht Magazin.
Mittwoch, 15. August 2018

alt│ba│cken – Resteküche für altes Brot


Ganz regelmäßig wird in unserem Haushalt Brot alt, das ist der normale Lauf der Dinge. Sobald frisches Brot nachgebacken oder –gekauft wird, bleibt das ältere links liegen. Das ist manchmal ärgerlich, verständlich aber auch. Frisches Brot schmeckt einfach zu gut!
Solange es keinen Schimmel angesetzt hat, werfen wir altbackenes Brot aber nicht weg. Trockenes Weißbrot schneide ich zu Knödelbrot, Schwarzbrot würfle ich grob und röste es in wenig Öl knusprig – eine Suppeneinlage, die meinen Kindern wundersamerweise lieber ist als diese vermaledeiten Backerbsen (die eine Plage sind, btw…). Und über einen guten Teil freut sich auch unser Pferd Phoenix, der alte Kerl.

Aus alt mach neu, das geht auch so:

* Geriebenes Altbrot lässt sich in neu angesetztem Brotteig verwerten, es erhöht den Wassergehalt im Teig und verbessert dadurch die Saftigkeit und Frischhaltung. Das Aroma des Altbrotes gibt dem frischen Brot noch mehr Geschmack. Man kann die Brötbrösel vor der Verwendung auch noch trocken rösten! Rezepte finden sich zuhauf im Netz, beispielsweise dieses oder jenes von Zorra.
* Brösel im Eis? Brotbröseleis? Warum nicht? Rezept folgt.
* Weißbrot als Knödelbrot für, ähm, genau, Knödel, Laibchen oder, wie lustig, Knödelbrot.
* Brennnessel-Rarebits oder andere überbackene Brote
* Susanna hat eine eigene Kategorie für Resteküche mit Brot und die Gerichte sind allesamt zum Niederknien: Salbeignocchi, Panzanella, Zwiebelsuppe, Bostock, Gazpacho, Brotbuletten, Gnocchi di pane, Fattoush, …
* …


Kreative Verwertungsideen und gelingsichere Altbrotrezepte sind wichtig und man kann nie genug davon haben, finde ich. Über Christines Thema zum aktuellen Blogevent bei Zorra habe ich mich deshalb sehr gefreut und ich warte schon gespannt auf die Zusammenfassung. Ich für meinen Teil steuere gerne einen Klassiker bei:


Scheiterhaufen oben ohne

Einem Scheiterhaufen wird ja üblicherweise noch eine Schneehaube aufgesetzt. Egal. Wenn ein erwachsener Mann mit Scheiterhaufen-Internats-Trauma befindet, das hier sei der beste Scheiterhaufen seines Lebens gewesen, dann kann man diesem Rezept wohl vertrauen …

Zutaten für 4 Portionen

350 g altbackener Brioche (oder 6 – 8 altbackene Semmeln)
¾ l Milch
1 Prise Salz
abgeriebene Schale von 1 Zitrone
1 EL Vanillezucker
80 g Braunzucker
3 Eier
4 Äpfel
Saft von ½ Zitrone
4 EL Butter
50 g Rosinen
50 g Mandelstifte
Staubzucker zum Bestäuben

1. Brioche in Würfel von etwa 1,5 cm Seitenlänge (oder auch in feine Scheiben) schneiden und in eine Schüssel geben.

2. Milch mit Salz, Zitronenschale, Vanillezucker, Braunzucker und den Eiern verquirlen und über die Briochewürfel gießen. Zugedeckt durchziehen lassen.

3. In der Zwischenzeit das Obst vorbereiten: Die Äpfel schälen, entkernen und in dünne Scheiben schneiden. Mit Zitronensaft beträufeln und vorsichtig vermischen.

4. Den Backofen auf 200 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

5. Eine Auflaufform mit 2 EL Butter ausstreichen. Etwa 1/3 der Briochemasse einfüllen. Die Hälfte der Äpfel draufgeben, mit der Hälfte der Rosinen und der Mandelstifte bestreuen. Das zweite Drittel der Briochemasse einschichten, mit den restlichen Äpfeln, Rosinen und Mandelstiften belegen. Mit den restlichen Briochewürfeln bedecken.

6. Falls Eiermilch in der Schüssel zurückgeblieben ist, diese darüber gießen. Die restliche Butter in Flöckchen über den Auflauf geben.

7. Im vorgeheizten Rohr etwa 40 – 45 Minuten backen.

8. Mit Staubzucker bestreut servieren.


Montag, 13. August 2018

Ich lass für dich das Licht an …


Komisch, was man für seine Kinder alles macht. Tragikomisch. Ehrlich, bevor ich selbst Kinder hatte, war ich wenig verständnisvoll, wenn wieder mal einer dieser verzogenen Fratzen plärrend am Boden lag, weil er nicht genau das bekommen hatte, was er wollte. So etwas wird mir nicht passieren, dachte ich dann immer. Meine Kinder werden anders. Und: Ich mach das alles seeeehr viel besser, geschickter und klüger.


Tja, einige Jahre später. Mein Mann hat es gewagt, unser Mittelkind im Auto anzuschnallen. In einem Moment, da es sich eingebildet hat, das müsse jetzt mal seine Mama machen. Das Kind hat gekreischt. Gekreischt durch die Siedlung, gekreischt auf der Hauptstraße. So lange gekreischt, bis seine Mama an den Straßenrand gefahren und ausgestiegen und ums Auto herumgelaufen ist und es abgeschnallt und wieder angeschnallt hat. Dann war Ruh.

Oder soll ich vom dicken Ast erzählen, den ich gestern heimtransportiert hab und der so groß und sperrig war, dass er die ganze Diagonale meines PKWs ausgefüllt hat? Ach nö. Dann doch lieber davon, dass ich zur Meisterin im Schlafen mit Beleuchtung geworden bin, seit das Käferlein meint, die Zeit zwischen 1 und 5 Uhr früh sei doch peeerfekt zum Spielen. Hm, Mama, was meinst du?

Ähm… ja.


Coffee Frozen Yogurt

Müde Mamas brauchen Kaffee. Morgens, mittags, abends. In allen erdenklichen Variationen. Auch als Eis, na sicher! Coffee Frozen Yogurt weckt die Lebensgeister und macht glücklich – vor allem mit einer filigranen Schokofeder obendrauf. Die sind relativ leicht herzustellen, Anfänger machen sie aber besser nicht zu fein. Nach dem Aushärten kann man sie einige Zeit in den Tiefkühler stellen, damit sie noch stabiler werden.

Zutaten für etwa 8 Kugeln

Für die Eismasse
100 ml Schlagobers
1 Prise Salz
½ gestrichener TL Johannisbrotkernmehl
125 g griechisches Naturjoghurt
50 g Zucker
25 g Invertzuckersirup
125 ml Espresso, auf Raumtemperatur abgekühlt
1/8 TL fein gemahlener Kaffee

Zum Dekorieren
dunkle Schokofedern (Anleitung dazu hier)

1. Schlagobers mit Salz und Johannisbrotkernmehl halbsteif schlagen.

2. Alle anderen Zutaten dazu geben und gut vermischen.

3. Die Masse für mindestens 2 Stunden zum Durchziehen in den Kühlschrank stellen.

4. In der Eismaschine gefrieren, in einen Kunststoffbehälter umfüllen und 1 – 2 Stunden im Tiefkühler nachhärten lassen.

5. Das Eis mit Schokofedern dekoriert servieren.


Abgewandelt nach einem Rezept von David Lebovitz.
Samstag, 11. August 2018

Megatrend Tierwohl


Für den dritten Ernährungsreport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wurden 1000 Deutsche zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Unter anderem gaben 90 % der Befragten an, sie wären bereit, für mehr Tierwohl höhere Preise für Lebensmittel zu bezahlen. Oh wie schön! Einfach vorbildlich! Ein ähnliches Bild hätte vermutlich auch eine Befragung in Österreich ergeben.
Allerdings: Wohin verschwindet sie eigentlich, diese Bereitschaft von 90 % der Konsumenten, wenn sie dann wirklich an der Kasse stehen? Wenn keiner zusieht, keiner fragt? Möglicherweise wird sie vertagt aufs nächste Mal. Oder sie verpufft im Nirgendwo. Denn die Wahrheit im Einkaufswagen, die sieht ganz anders aus.


Die Wissenschaft hat für dieses Phänomen sogar einen Namen: Kognitive Dissonanz. Der Zustand der kognitiven Dissonanz ist unangenehm, aber wir Menschen halten das aus. Wir sind wahre Meister im Verdrängen, so schnell macht uns das keiner nach. Im vergangenen Jahr wollte zum Beispiel ein geschäftstüchtiger Bauer bei uns im Ort einen großen, industriellen Hühnermastbetrieb errichten. Was haben sich die Leute gewehrt! Ein halber Volksaufstand war das! Woraufhin der Bürgermeister den Bau gestoppt und das Projekt abgeblasen hat. Der Stall wird nun woanders aufgestellt. Und das billige Hendl aus diesem Stall, es wird gekauft werden. Ist ja schließlich aus der Region.



Und ihr, ihr Handelsfirmen, was ist das eigentlich mit eurem Tierwohlaktivismus? Ein Megatrend, der sich gut verwerten lässt, nicht wahr? Die Weltrettung, sie ist doch ein äußerst profitables Geschäftsmodell. Schweine auf Stroh? Die Kühe tagtäglich auf der Weide? Alle gesund, artgerecht ernährt und gut drauf? Hey, ich weiß, dass es viele, viele Bauern gibt, denen das Wohl ihrer Tiere am Herzen liegt. Dafür brauche ich keine Logos am Produkt und auch keine plakative Werbung. Aber solange es zentrierte Schlachthäuser mit schlecht bezahlten Akkordarbeitern, ständige Ausnahmeregelungen vom Verbot der Anbindehaltung bei Milchkühen, das Entfernen von Zähnen, Schwänzen und Hoden bei Schweinen ohne Betäubung gibt, ja solange es Ställe mit Spaltenböden gibt und Tiere, die nie in ihrem Leben nach draußen dürfen (jaha, jetzt mach ich‘s mir einfach, gell?), solange glaube ich euch KEIN WORT.

If slaughterhouses had glass walls everyone would be vegetarian.
Sir Paul McCartney



Ich entschuldige mich an dieser Stelle nicht für meinen Zynismus. Man muss zynisch werden in dieser Welt, so traurig es ist. Weil es so traurig ist. Die Bilder von vorletzter Woche sitzen mir noch immer in den Gliedern, heimlich gefilmte Schlachthausszenen von unglaublicher Brutalität, bei denen ich den überwältigenden Impuls verspürt habe, durch den Fernseher zu springen und den Mann dort mit aller Kraft niederzuwerfen, bis seine Knochen brechen und ihm dann noch eins über den Schädel zu ziehen, wie er es gerade bei dem kleinen Schäfchen gemacht hat, dem die Verzweiflung eingegeben hatte, sich zu wehren. Warum nur muss so etwas sein? Warum ist es nicht genug, diesen unschuldigen Tieren das Leben zu nehmen, an dem sie genauso hängen wie wir? Warum müssen sie dazu auch noch geschlagen, gequält und misshandelt werden? So etwas kann ich nicht begreifen und die Hoffnung auf Veränderung, ach, sie scheint weiter weg denn je. Da kann ich mit anderen Gleichgesinnten den Konsum von billigst produziertem Fleisch verweigern, solange ich will, da kann Astrid Lindgren Spaß für ihre Kühe fordern, so laut sie mag: Manchmal glaube ich, wir Menschen sind einfach zu dumm für diese Welt.



Wir brauchen nicht so fort zu leben, wie wir gestern gelebt haben. Macht euch von dieser Anschauung los, und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein.
Christian Morgenstern



Mühlviertler Feuerflecken mit Eierschwammerln & Lauch

Feuerflecken, das ist die Mühlviertler Antwort auf Flammkuchen. Sie sind so unglaublich köstlich, dass ich davon nur sehr, sehr schwer genug kriegen kann. Feuerflecken lassen sich wunderbar mit den verschiedensten Belägen variieren. Sie schmecken aber auch einfach nur in Stücke gerissen oder eingerollt und in den Knoblauchrahm getunkt ganz hervorragend.
Ihren Ursprung haben die Feuerflecken in der Tradition des Brotbackens: Sie wurden früher dazu genutzt, um die Temperatur des Holzbackofens vor dem Brotbacken einschätzen zu können (ihr Name kommt vom noch nicht ausgeloderten Feuer). Andere Quellen weisen auf ihre Funktion als Resteverwertung von kleinen Brotteigmengen hin, die keinen ganzen Laib mehr ergaben.
Heute bäckt man sie in der Pfanne, früher wurden die Teigfladen einfach auf die heiße Herdplatte gelegt.

Zutaten für etwa 5 Stück

Für den Teig
150 g Roggenmehl T960
100 g glattes Weizenmehl
20 g weiches oder geschmolzenes Butterschmalz
125 g lauwarmes Wasser
1 TL Salz
10 g frische Hefe (oder ½ Packung Trockengerm)

Für den Knoblauchrahm
2 – 3 Knoblauchzehen
125 g Crème fraîche
125 g Sauerrahm
Salz
Pfeffer

Zum Belegen
500 g Eierschwammerl
Salz
Pfeffer
Thymian
1 Stange Lauch

Außerdem
Pfeffer aus der Mühle
frische Thymianzweige

1. Alle Zutaten für den Teig in die Küchenmaschine geben und mit dem Knethaken bei mittlerer Geschwindigkeit etwa 5 Minuten lang zu einem eher festen, glatten Teig verkneten. Den Teig abdecken und an einem warmen Ort etwa 1 Stunde ruhen lassen.

2. Den Teig auf eine leicht bemehlte Arbeitsfläche geben und in 5 Teile teilen. Jedes Teigstück zu einem Durchmesser von 20 – 25 cm (etwa 2 mm dick) rund ausrollen.

3. Das Backrohr auf 50 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

4. Eine beschichtete Pfanne am Herd heiß werden lassen. Die Teigfladen nacheinander in der Pfanne ohne Fett auf beiden Seiten backen. Der Teig bläht sich dabei recht hübsch auf. Die fertig gebackenen Fladen im Rohr direkt auf dem Gitterrost warmhalten, bis alle Fladen gebacken sind und die Füllung vorbereitet ist.

5. Für den Knoblauchrahm die Knoblauchzehen schälen und pressen und mit den restlichen Zutaten glattrühren.

6. Die Eierschwammerl verlesen und putzen. In einer heißen beschichteten Pfanne bei relativ starker Hitze ohne Fett und unter ständiger Aufsicht rösten, bis sie Wasser lassen und dann weiterbraten, bis sämtliche Flüssigkeit eingekocht ist. Vom Herd nehmen und mit Salz, Pfeffer und Thymian würzen.

7. Den Lauch in feine Ringe schneiden.

8. Feuerflecken auf Teller anrichten und mit Rahm bestreichen. Mit Eierschwammerln und Lauch belegen. Noch eine Runde mit der Pfeffermühle und mit Thymian dekorieren – fertig.


Weitere Möglichkeiten sind Feuerflecken mit
Schnittlauchrahm
Knoblauchbutter
Knoblauchrahm, Schafkäse, Mangold und Äpfeln
Wildkräutern
Räucherforelle und Pflücksalat

Abgewandelt nach diesem Rezept.
Donnerstag, 9. August 2018

Erstaunlich


Dieses Selbstbewusstsein, das die Jugend von heute an den Tag legt … erstaunlich.


Wenn einer mit seinem Handy gerne Portraits fotografiert, fotografiert er gleich professionell. Wer ein Rezept nachkocht und zum Schluss noch eine Kirsche obendrauf setzt, hat das Rezept entwickelt. Und diese feste Überzeugung, dass es andere Menschen interessiert, wo man gerade ist, was man gerade macht, wie man gerade aussieht! Tsss, Bescheidenheit wär manchmal eine Zier …



Andererseits … Nun ist es also so weit: Ich rede über die Jugend. Pfff … Heißt also: Ich gehör nicht mehr dazu. Und ebenso, wie das Minimädel gestern gemeint hat, sie wär zurzeit Mittklässlerin (weil nicht mehr in der zweiten und noch nicht in der dritten Klasse), so fühl auch ich mich grad ein wenig zwischen den Stühlen: Nicht mehr jung, noch nicht alt… Seltsam ist das schon.


Deshalb: Ab unter die Beerensträucher! Das wohltuende Gefühl der Alterslosigkeit lässt sich dort ganz besonders gut spüren.


Vanilleeis mit Jostabeeren

Jostabeeren, die Kreuzung aus Johannisbeeren und Stachelbeeren, habe ich erst vor wenigen Jahren für mich entdeckt, was im Nachhinein betrachtet ebenfalls erstaunlich ist – bei diesem Wahnsinns-Aroma! Die Idee zu diesem wunderbaren Eis kam mir beim Blättern im Buch Ein Jahr auf Fern Verrow von Harry Astley und Jane Scotter, das Rezept hab ich mir dann selbst zusammengeschustert.

Zutaten für etwa 12 – 15 Kugeln

Für die Vanillemasse
150 ml Schlagobers
300 ml Vollmilch
150 g Mascarpone
70 g Zucker
½ TL Johannisbrotkernmehl
1 TL Vanillepulver
1 TL Vanilleextrakt

Für das Jostabeerenpüree
100 g Zucker
200 g Jostabeeren

1. Für die Vanillemasse das Schlagobers steif schlagen. Die restlichen Zutaten glattrühren, dann das Schlagobers unterziehen. Die Masse kaltstellen.

2. Jostabeeren und Zucker gemeinsam mit einem Schuss Wasser in einen kleinen Topf geben und aufkochen lassen. Bei kleiner Hitze zugedeckt köcheln lassen, bis die Beeren aufplatzen. Die Beerenmasse pürieren, durch die Flotte Lotte passieren und ebenfalls kaltstellen.

3. Die gut durchgekühlte Vanillemasse in der Eismaschine gefrieren. Sobald sie fest geworden ist, das kalte Beerenpüree in dünnem Strahl in die laufende Maschine gießen und das Eis damit marmorieren. Nicht zu lange weiterrühren, damit die Beerenmasse noch schlierenartig sichtbar bleibt.

4. Das fertige Eis in einen Kunststoffbehälter füllen, gut verschließen und zum Festwerden noch etwa 2 Stunden in den Tiefkühler stellen.


Montag, 6. August 2018

In den Heidelbeeren


Wo bin ich gewesen? Nun rat‘ einmal schön!
Im Wald bist du gewesen, das kann man ja sehn:
Spinnweben am Kleid, Tannennadeln im Haar,
das bringt doch nur mit, wer im Tannenwald war.

Was tat ich im Walde? Sprich, weißt du das auch?
Hast Beeren gepflückt, vom Heidelbeerstrauch.
Oh, sieh nur, wie blau um das Mündchen du bist!
Das kriegt man doch nur, wenn man Heidelbeeren isst!
Johannes Trojan



Lustig war das schon, damals, als ich noch klein war, mir Hände und Zunge mit Heidelbeeren einzufärben und dann die anderen Kinder damit zu necken und zu schrecken. Heute weiß ich, dass die hartnäckige blaue Farbe dieser dunklen Kugelfrüchte nicht nur unterhaltsam, sondern auch sehr gesund ist: Dafür verantwortlich sind die so genannten Anthocyane, Pflanzenstoffe, die entzündungshemmend wirken, das Immunsystem stärken und freie Radikale im Körper einfangen können, die die Zellalterung beschleunigen.



Ein Effekt übrigens, bei dem die großen, gezüchteten Heidelbeeren mit weißem Fruchtfleisch nicht mithalten können – und wieder einmal ein Beweis dafür, dass nicht unbedingt Gold ist, was makellos glänzt. Heidelbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Erdbeeren aus dem Wald sind klein und optisch vielleicht nicht einwandfrei – aber was Geschmack und Inhaltsstoffe betrifft ganz sicher nicht zu schlagen.


Heidelbeerknödel aus Brandteig

Fairerweise muss ich zugeben, dass die Knödel bei meinen Kindern nicht sonderlich gut ankamen. Mir hingegen haben sie aber richtig gut geschmeckt! Vor allem die Kombination aus Brandteig und Topfenmasse für die Knödelhülle fand ich spannend.
Ohne es ausprobiert zu haben, könnte ich mir vorstellen, dass die Heidelbeerknödel auch in Wasser gekocht und in Butterbröseln gewälzt oder wie die Zwetschkenknödel im Rohr gebacken wunderbar funktionieren.

Zutaten für 12 Stück (für etwa 4 Portionen als Hauptspeise)

Für den Brandteig
250 ml Milch
60 g Butter
1 Prise Salz
150 g Mehl
3 Eier

Für die Topfenmasse
100 g weiche Butter
50 g Staubzucker
2 Eier
250 g Topfen
1 EL Vanillezucker
abgeriebene Schale von ½ Zitrone
140 g Semmelbrösel

Außerdem
200 g Waldheidelbeeren
Rapsöl oder Butterschmalz zum Ausbacken

Zum Anrichten
Staubzucker
4 Marillen
1 Handvoll Kirschen
1 Handvoll Erdbeeren

1. Den Brandteig herstellen: Dafür Milch mit Butter und Salz aufkochen lassen, dann das Mehl auf einmal zugeben und mit einem Kochlöffel gut verrühren. Nun auf mittlerer Hitze den Teig abbrennen, also gut mit dem Kochlöffel schlagen, bis sich am Topfboden ein weißlicher Belag bildet. Von der Hitze nehmen und kurz überkühlen lassen. Dann einzeln die Eier einarbeiten. Das nächste Ei immer erst dann zugeben, wenn sich die Masse wieder gut verbunden hat. Abkühlen lassen.

2. Butter mit Staubzucker schaumig rühren, dann die Eier einzeln einarbeiten.

3. Topfen mit Vanillezucker und Zitronenschale vermischen.

4. Abtrieb und Topfenmasse vermengen, die Semmelbrösel unterheben.

5. Den Brandteig nach und nach unter die Topfenmasse rühren und danach etwa ½ Stunde in den Kühlschrank stellen.

6. Teig aus dem Kühlschrank nehmen, auf eine leicht bemehlte Arbeitsfläche geben und in 12 Stücke teilen. Jedes Teigstück mit frischen Heidelbeeren füllen und zu runden Knödeln formen. Jeden Knödel vorsichtig etwas flach drücken.

7. Rapsöl oder Butterschmalz in einer beschichteten Pfanne erhitzen und die Knödel darin portionsweise und sehr langsam, also bei geringer bis mittlerer Hitze, auf beiden Seiten goldbraun herausbacken.

8. Die Knödel auf Küchenpapier abtropfen lassen und auf Tellern anrichten.

9. Mit Staubzucker bestreuen und mit den restlichen Heidelbeeren sowie Marillen, Kirschen und Erdbeeren garnieren.


Ein Rezept aus dem Buch Das österreichiche Knödelbuch von Thomas Edlinger.