Samstag, 25. April 2015

Bevor sie ganz verblühen…


… noch schnell zwei Erkenntnisse aus meiner Veilchenküche:

Erstens
Der kostbare und exquisite Veilchensirup ist ein Solokünstler und kommt am besten im Alleingang zur Geltung. Als Krönung einer Panna Cotta beispielsweise. Oder als aromatisierende Zutat in milchigen Nachspeisen. In fruchtigen Desserts hingegen verliert sich das zarte Aroma und wird zur leisen Ahnung: Immer noch sexy, immerhin, aber fast schon eine kleine Verschwendung.

Zweitens
Veilchenzucker macht man gleich, aus den frischen Blütenblättern. Dann braucht man nicht auf sein blaues Wunder zu warten, sondern kann sich gleich an der umwerfenden Farbe erfreuen.


Veilchenzucker

Duftveilchen sammeln – mit der Hilfe des Minimädels geht das ganz fix und auf unterhaltsame Weise. Die Veilchenblütenblätter aus den Blütenkelchen zupfen (was schneller geht als vermutet!) – alles Grüne muss weg. Die Blütenblätter mit derselben Volumenmenge an Kristallzucker mischen und in der elektrischen Kaffeemühle fein vermahlen. Die blaue, feuchte Zuckermasse auf einem Teller ausbreiten und in der Küche bei Zimmertemperatur trocknen lassen, dabei öfter wenden – das dauerte bei mir einen Tag lang.


Himbeer-Veilchen-Fool

Das Veilchenaroma wird durch die Himbeeren ganz schön überdeckt – aber allein das Wissen um die feine Zutat macht das Dessert anregend und betörend.

Zutaten für 4 Portionen

250 g Himbeeren (perfekt wären Waldhimbeeren …)
2 EL Zucker
250 g Schlagobers
einige frische Veilchen zum Garnieren

1. Himbeeren mit 2 EL Veilchensirup und Zucker in einer kleinen Schüssel vermischen und einige Zeit marinieren lassen. Mit einer Gabel zerdrücken.

2. Schlagobers mit 2 EL Veilchensirup steif schlagen.

3. Vier Esslöffel vom steif geschlagenen Obers zur Seite geben, den Rest unter die zerdrückten Himbeeren ziehen.

4. Himbeer-Obers-Masse auf vier Schüsserl aufteilen, mit dem restlichen Schlagobers und einigen frischen Veilchen garnieren.


Mandelmilchpudding mit Veilchen

Dieses türkische Dessert wird eigentlich mit Duftrosen geadelt, aber ich finde, hier machen sich auch Veilchen sehr fein.

Zutaten für 6 Personen

155 g blanchierte und gehäutete Mandeln oder Mandelblättchen
100 g Kristallzucker
1 Liter Vollmilch
45 g Reismehl
4 – 5 EL Veilchensirup

Zum Garnieren
200 ml Schlagobers
2 EL Mandelblättchen
verzuckerte Veilchen- und Fliederblüten
frische Veilchenblüten

1. Die Mandeln bzw. Mandelblättchen mit dem Kristallzucker in der Kaffeemühle zu einem feinen Pulver vermahlen.

2. Einen Großteil der Milch, etwa 850 ml, aufkochen.

3. In der Zwischenzeit die restliche Milch mit der Mandel-Zucker-Mischung und dem Reismehl verrühren. Die Mischung in die heiße Milch rühren und aufkochen.

4. Auf mittlerer Hitze einige Minuten köcheln lassen, bis die Masse eindickt.

5. Den Pudding von der Hitze nehmen und kurz überkühlen lassen, dann den Veilchensirup unterrühren und auf 6 Schälchen aufteilen.

6. Vollständig auskühlen und fest werden lassen.

7. Schlagobers steif schlagen und Mandelblättchen ohne Fett hellbraun rösten.

8. Den Pudding mit dem Obers, den Mandelblättchen und den Blüten garnieren.

Mandelmilchpudding nach einem Rezept aus dem Buch Pișmek – Kochen auf türkisch von Leanne Kitchen, erschienen bei Collection Rolf Heyne.

Sonntag, 19. April 2015

Wie Maria zum Kind


Der Huflattich kam so unschuldig dazu wie Maria zum Kind: Als die moderne Analytik die so genannten Pyrrolizidinalkaloide in ihm entdeckte, eine Wirkstoffgruppe, die die Pflanze zum Schutz vor Fraßfeinen bildet und die im Tierversuch Leberschäden und Krebs verursachen kann, stand er in Nullkommanix auf dem Index. Seither wird vor dieser altbewährten Heilpflanze gewarnt, als sei sie giftig. Auch dem Beinwell haftet der Nimbus des Giftigen an, aus demselben Grund. Ich erinnere mich an ein Erratum in der Kundenzeitschrift eines Naturkostherstellers, in dem darauf hingewiesen wurde, dass in der vorangegangenen Ausgabe bedauerlicherweise ein Rezept für Wildkräutersalat mit Beinwell vorgestellt worden war, welches natürlich nicht empfehlenswert sei.

Wolf-Dieter Storl hat dieses Thema bei seiner Kräuterwanderung angesprochen und den Huflattich, seine Seelenpflanze, vehement verteidigt. Um eine giftige Wirkung hervorzurufen, müssten Unmengen der Pflanze konsumiert werden, was praktisch unmöglich sei. Die Dosis mache das Gift, wie so oft.


Für mich ist diese Thematik einmal mehr ein Beweis dafür, wie sehr und stark wir uns von unserer Natur entfremden, immer mehr. Von der Natur um uns herum, von ihren Schätzen und Gaben und dem damit verbundenen alten, bewährten Wissen. Aber auch von unserer eigenen Natur, von dem Gespür für das, was uns gut tut, von Hausverstand und Körpergefühl. Das ist schade, traurig, muss aber noch lange nicht so bleiben. Mein Gefühl sagt mir jedenfalls, dass der Huflattich nach wie vor wertvoll ist, eine Pflanze, deren Kraft ich guten Gewissens für mich nutzen kann.


Hustenhonig

Huflattich ist eine starke Hustenpflanze, er lindert den Hustenreiz und wirkt schleimlösend. Im Hustenhonig wird er durch Veilchen und Schlüsselblumen unterstützt, die ebenfalls eine lange Tradition als Hustenmittel besitzen.

Ein Schraubglas mit Huflattichblüten, Veilchenblüten und Schlüsselblumenblüten füllen (ich habe ein Verhältnis von etwa 2:1:1 gewählt) und die Blüten mit flüssigem Honig bedecken. Vorsichtig durchmischen und verschließen. Das Glas kommt nun für etwa 2 Wochen an einen hellen Ort (nicht in die pralle Sonne!) und wird hin und wieder leicht geschüttelt. Nach dieser Zeit wird der Honig durch ein Sieb abgeseiht und in saubere Gläser abgefüllt. Bei Bedarf einen Teelöffel davon einnehmen oder den lauwarmen Tee damit süßen.


Nach einem Rezept von Kräuterexpertin Heidi Entacher.

Sonntag, 12. April 2015

Post-Fasten-Gedicht


Er fastete und fastete / verschmähte Brot und Pastete.

Wie genial ist das denn? Bei diesem Zweizeiler des Wiener Autors Daniel Wisser kann man es sich aussuchen, ob er sich reimen soll oder ob die Betonung stimmt. Beides gleichzeitig geht nicht. Ich finde das sooo witzig!

Eigentlich hatte ich nach der Entdeckung dieses Kurzgedichts selbst das Verlangen, einen solchen leicht hinkenden Reim zu formulieren, aber das ist schwerer als man denken mag. Ich hab es nicht geschafft. Stattdessen:

Die Fastenzeit ist jetzt vorbei / ich gönn mir Schinken und ein Ei.

Zugegeben, die große Dichtkunst ist das nicht. Wenn man aber beide Reime zusammennimmt, ergibt das ins Kulinarische übersetzt:


Schinkenpasteten mit Giersch

Diese kleinen Hand Pies leben von guten Grundprodukten, dem ersten zarten Grün und dem Topfenblätterteig nach Hedi Klinger, der über Nacht ruhen darf und sich beim Backen auf fast vier Zentimeter aufplustert. Heraus kommen sehr köstliche Pastetchen, die Groß und Klein schmecken – daheim und unterwegs.

Zutaten für etwa 20 Stück

Für den Topfenblätterteig
250 g glattes Mehl
1 Prise Salz
250 g Butter
250 g Topfen

Für die Füllung
75 g Saftschinken vom Weideschwein
2 Handvoll Giersch
1 gekochtes (Oster)Ei
1 Eiklar
Salz, Pfeffer, etwas Senf

Zum Bestreichen
1 Dotter
2 EL Milch

1. Am Vortag den Topfenblätterteig zubereiten. Dafür das Mehl mit dem Salz auf eine Arbeitsfläche geben, Butter in kleinen Stücken dazugeben und verbröseln. Topfen dazugeben und kneten, bis ein glatter und geschmeidiger Teig entsteht (das Teigkneten kann natürlich auch die Küchenmaschine mit dem Knetwerkzeug übernehmen).

2. Arbeitsfläche bemehlen und den Teig darauf zu einer Rolle formen. Etwa 1 cm dick und rechteckig ausrollen,sodass eine lange Seite zum Körper zeigt. Eine einfache Tour machen (den Teig gedanklich dritteln und von links und rechts je ein Drittel einschlagen). Teig um 90 °C drehen, sodass wieder eine lange Seite zum Körper zeigt. Nochmals 1 cm dick und rechteckig ausrollen. Nun eine doppelte Tour machen (Teig gedanklich vierteln, von links und rechts zur Mitte einschlagen und nochmals zusammenklappen). Beim Tourieren ist es wichtig, das Mehl beim Einschlagen immer wieder vom Teig abzukehren.

3. Das Teigstück in Butterpapier einschlagen, in Frischhaltefolie verpacken und über Nacht im Kühlschrank ruhen lassen.

4. Am nächsten Tag wird noch einmal eine doppelte Tour wie oben beschrieben gemacht. Dann wird der Teig nochmals in Butterpapier und Frischhaltefolie verpackt und darf weitere 2 Stunden im Kühlschrank rasten.

5. Backofen auf 180 °C vorheizen.

6. Für die Fülle den Saftschinken klein würfeln, den Giersch und das gekochte Ei fein hacken. Alles mit dem Eiklar vermischen und mit Salz, Pfeffer und Senf kräftig abschmecken.

7. Teig aus dem Kühlschrank nehmen und halbieren. Die erste Hälfte auf der bemehlten Arbeitsfläche etwa 3 mm dick ausrollen. Mit einem runden Ausstecher (meiner hatte einen Durchmesser von 6,5 cm) Kreise markieren (es sollten sich etwa 20 ausgehen) und je einen Teelöffel Fülle in die markierten Kreise setzen.

8. Dotter mit Milch gut verquirlen und um die Häufchen herum pinseln.

9. Die zweite Teighälfte ebenfalls 3 mm dick zur Größe der ersten Teigplatte ausrollen und auf die erste Teigplatte legen. Um die Fülle herum jeweils gut andrücken. An den Oberseiten mit einem Partyspießchen einstechen und nochmals andrücken, damit die Luft aus dem Inneren entweicht.

10. Nun werden die Pastetchen mit Hilfe des Ausstechers ausgestochen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech gelegt. Den Rand der Pasteten rundherum mit den Zinken einer Gabel gut andrücken.

11. Die Pastetchen mit der restlichen Dotter-Milch-Mischung bestreichen und in 20 – 25 Minuten goldgelb backen.

Sonntag, 5. April 2015

Rosi und Anna werden sich freuen


Rosi Anna, Rosi Anna, freuet euch, der Herr ist da!

Das Minimädel hüpft fröhlich singend durch die Wohnung, das Lied eine Nachwehe vom vergangenen Palmsonntag. Als ihr das zu langweilig wird, verabschiedet sie sich Richtung Oma und huscht die Treppen hinab. Etwa eine Stunde später ist das Minimädel wieder da.

Die Oma schaut jetzt Barbara Karli!

Barbara Karli… Ich schmunzle.

Mama, darf ich auch schauen? Da, hier ist die Fernbesteuerung!

Das Minimädel steht vor mir, blinzelt mich fragend an und hält mir das kleine schwarze Gerät unter die Nase. Ich liebe sie, diese witzigen und skurrilen Wortwelten, die sich meine Kleine zurechtzimmert …

Vor dem Fernseher saß sie dann übrigens nicht, denn zum Glück braucht es keine allzu großen Überredungskünste, um sie von Alternativen zu überzeugen. Also ab in die Küche, wir backen noch schnell etwas für Ostern.


Linzer Osterfleck

Der Osterfleck oder Osterfladen ist eines der ältesten Osterbrote. Es hat eine einfache runde und flache Form und ist meist mit Stichelungen verziert, die eine Sonne darstellen sollen. Auf der Suche nach einem Rezept bin ich bei zwei Autoren fündig geworden, nämlich bei Georg Friedl und bei Franz Maier-Bruck. Beide Rezepte ähneln sich, meines ist eine Melange aus beiden. Der Osterfleck wurde traditionell im Umland von Linz gebacken und gerne am Ostermontag mit einem roten Ei in der Mitte verschenkt. Er schmeckt sehr fein und leicht und nicht zu süß.

Zutaten für 1 Stück

250 g glattes Mehl
20 g frische Germ (1/2 Würfel) oder 1 Packerl Trockengerm
2 Dotter
50 g Zucker
1 Prise Salz
1 EL Rosinen
125 ml lauwarme Milch

1 Ei zum Bestreichen

1. Mehl in eine Schüssel geben, frische Germ hineinbröseln bzw. Trockengerm dazugeben.

2. Dotter, Zucker, Salz, Rosinen und lauwarme Milch dazugeben und alles mit dem Knethaken der Küchenmaschine (oder mit dem Mixer) etwa 5 Minuten lang auf mittlerer Stufe zu einem glatten Germteig verkneten.

3. Den Teig mit einem Geschirrtuch abdecken und an einem warmen Ort etwa 1 Stunde gehen lassen, bis der Teig sein Volumen verdoppelt hat.

4. Eine Tortenform (26 – 28 cm Durchmesser) mit Backpapier auslegen oder befetten und bemehlen.

5. Den Teig gut durchkneten und dann auf der bemehlten Arbeitsfläche kreisrund auf die Größe der Tortenform ausrollen.

6. Die Teigscheibe in die Tortenform legen, mit dem Geschirrtuch abdecken und noch einmal 30 – 45 Minuten gehen lassen.

7. Backrohr auf 170 °C vorheizen.

8. Ei zum Bestreichen gut versprudeln.

9. Den Germteig mit dem versprudelten Ei bestreichen und mit Hilfe eines dickeren Partyspießchens oder ähnlichem mit Stichen verzieren.

10. Im vorgeheizten Rohr etwa 30 – 35 Minuten backen, dabei nach der Hälfte der Backzeit abdecken, damit der Osterfleck nicht zu dunkel wird.

11. Aus dem Ofen nehmen, etwas überkühlen lassen, vorsichtig den Rand von der Tortenform lösen, vollständig aus der Form nehmen und auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.


FROHE OSTERN!

Donnerstag, 2. April 2015

Evergreen


Diesen Gründonnerstag gibt es bei mir keinen Brennnesselspinat und auch keine Neunkräutersuppe, sondern einen äußerst feinen Wildkräutersalat. Ein Salat, der als Evergreen in meine Küchengeschichte eingehen wird - weil er so köstlich ist, so knackig, zart und frisch. Selten hat mir das erste Grün des Jahres derart gut geschmeckt. Beide Portionen waren mein.


Wildkräutersalat mit Veilchen und Avocado

Zutaten für 2 Portionen

2 große Handvoll Wildkräuter (Löwenzahnblätter, Labkraut, Giersch, Taubnessel, Schafgarbenblätter, Spitzwegerichblätter, Veilchenblätter, Veilchenblüten)
1 reife Avocado

Für das Dressing
1 EL Veilchensirup
1 EL Wasser
2 EL Traubenkernöl oder ein anderes neutrales Öl
2 EL Himbeeressig (oder Veilchenessig, wer hat)
Salz

1. Die Wildkräuter waschen und trocken schleudern.

2. Alle Zutaten für die Marinade verrühren.

3. In einer großen Schüssel die Wildkräuter mit der Marinade vermischen.

4. Die Avocado schälen und in Scheiben schneiden. Auf zwei Tellern anrichten und jeweils eine große Handvoll Salat darauf setzen.

Montag, 30. März 2015

SPEZIAL: Kulinarischer Osterführer


Ostern, das Fest des Lebens. Zu kaum einem anderen Zeitpunkt macht es mir mehr Freude, christliches und heidnisches Gedankengut zusammen zu fangen, Hintergründe und Gemeinsamkeiten zu erkunden und diese besonderen Tage ganz bewusst zu erleben. Bestimmt genieße ich diese Zeit aber auch deshalb so sehr, weil nun auch in der Natur wieder alles anders wird – grüner, heller, lebendiger.

Das Osterwochenende wird von Region zu Region und auch in den Familien selbst sehr unterschiedlich begangen. Eines ist jedoch – so vermute ich – überall gleich: Kaum ein anderes Fest ist so stark mit kulinarischen Traditionen und Besonderheiten verwoben wie dieses. Ostern will daher gut vorbereitet sein.

Dieser Osterfahrplan ist meine persönliche Gedankenstütze für ein aus meiner Sicht gelungenes Osterfest. Wunsch und Wirklichkeit werden sich aber – soviel ist klar – heuer ganz gewiss nicht decken.


Gründonnerstag

Sein Name leitet sich nicht etwa von der Farbe Grün, sondern von greinen, also weinen ab. In früherer Zeit wurden an diesem Tag kurz vor Ostern die Büßer wieder in die Kirchengemeinschaft aufgenommen, dabei weinten sie Tränen der Reue und Freude. Es ist aber auch der Tag, an dem Jesus zusammen mit seinen Jüngern ein letztes festliches Mahl genoss, es gab Lammfleisch, ungesäuertes Brot und Bitterkräuter. Danach ging er in die Nacht hinaus, wurde verraten und gefangen genommen.

Am Gründonnerstag ist es seit langem Brauch, grüne Speisen zu servieren, denen man eine starke und reinigende Kraft nachsagt. In unserer Region kommt zumeist Spinat mit Spiegelei und Kartoffelschmarren auf den Tisch. Ich bevorzuge dagegen die wilde Variante, etwa als Brennnesselspinat, Neunkräutersuppe oder in Form eines feinen Wildkräutersalats.

Spätestens jetzt werde ich auch unsere Ostereier hart kochen und färben. Vielleicht schaffe ich es ja, meine Hendln zu besuchen und mir ihre besonderen Gründonnerstagseier zu sichern. Früher wurden nämlich Eier, die an diesem Tag gelegt wurden, geweiht und dann das ganze Jahr über aufbewahrt. Man sagte ihnen besondere Kräfte nach, sie sollten vor Unwetter, Hagel und Blitzschlag schützen, eine fruchtbare Ernte sichern und böse Hexen abwehren.
Nun gut, einen Lagertest dieser Art werde ich wohl nicht starten. Stattdessen hoffe ich auf ihren Zauber (welcher Art auch immer) während der Feiertage.

Karfreitag

Der Name des Karfreitags kommt vom altgermanischen kara, was soviel wie Trauer oder Klage bedeutet. An diesem Tag erinnern wir uns an den Tod Jesu am Kreuz. Wir gehen den Kreuzweg und finden uns um 15 Uhr, in der Todesstunde Jesu, in der Kirche zur Karfreitagsliturgie zusammen.

Am Karfreitag wird gefastet, man gibt sich mit einem einfachen Fisch- oder Mehlgericht zufrieden. Bei einer Freundin habe ich die Tradition kennen gelernt, an diesem Tag bei Suppe und Brot zu fasten. Die Familie isst sich nur einmal satt, dann gibt es ein einfaches Kartoffelgulasch, dazu Fastenbeugeln. Das ist eine Art des Fastens, die ich gut nachvollziehen kann und die für mich sehr stimmig ist. Beugeln und Brezeln sind übrigens die typischen Gebildbrote der fleischlosen Fastenzeit.

Nicht vergessen: Anis in Wein ansetzen, für die Osterpinzen.

Karsamstag

Der Karsamstag war früher einer der stillsten Tage im Kirchenjahr. Jesus ist begraben, Totenstille liegt über der Welt, alles hält den Atem an. Die Christen warten mit Fasten und Beten auf ein Wunder: dass die Kraft Gottes stärker ist als die Macht des Todes. Der Tag endet freudig mit der Auferstehungsfeier in der Kirche, Osterfeuer werden entfacht und aus der Bibel wird die frohe Botschaft vorgelesen: Jesus ist auferstanden, er lebt. Die Feier der Auferstehung in der Osternacht ist in der katholischen Kirche einer der wichtigsten Gottesdienste des ganzen Jahres und besonders eindrucksvoll. Das Osterlicht darf mit nach Hause genommen werden.

Am Karsamstag wird bis Mittag gefastet, dann gibt es traditionell eine einfache Mehlspeise. Vielleicht Apfelzweckerl oder pikante Topfenfleckerl?

Der Rest des Tages steht dann ganz im Zeichen der Vorbereitungen für den Ostersonntag: Ich backe die Osterpinzen nach dem Rezept von Katha (die zwar für unsere Region nicht typisch sind, aber einfach so gut schmecken) und das süße Kuchenlamm für das Osternesterl vom Minimädel.
Möglicherweise versuche ich mich auch an einer anderen Art von Gebildbrot, das zu Ostern Tradition hat: Der dottergelbe Osterfladen mit gesticheltem Muster reizt mich sehr, er gilt als das älteste der Osterbrote und wird gerne als eine Darstellung der Sonne gedeutet. Hier muss ich allerdings noch recherchieren. Schön finde ich auch eine Sonderform der österlichen Zopfgebäcke, das Haarwied. Das ist ein auf eine Seite hin spitz zulaufendes Briochegebäck, an seiner dicksten Stelle wird oft ein buntes Ei eingebacken (ich denke, der wunderbare Osterzopf von Frau Ziii stellt so ein Haarwied dar). Mancherorts wird ihm auch noch ein flaches Lebensbaummotiv aufgesetzt. Ebenso verführerisch: ein gefüllter Osterzopf, wie beispielsweise dieser hier.

Außerdem richte ich in Gedanken meinen Weihekorb für die Speisenweihe bei der abendlichen Auferstehungsfeier her. Er ist gefüllt mit den Pinzen oder einem anderen österlichen Brauchtumsgebäck, dem süßen Osterlamm, frischem Brot, Salz, gutem Schinken (vielleicht auch in Brotteig eingewickelt und gebacken?) oder Selchfleisch, bunten Ostereiern (die wurden früher oft an beiden Enden angepeckt, damit die Weihe besser hineingeht), Butter und Kren, vielleicht noch mit Radieschen und Kresse. Abgedeckt ist er mit einem karierten Tuch und obenauf liegt ein Sträußchen mit frischen Kräutern aus dem Garten.
Warum nur in Gedanken? Weil ein Abendtermin derzeit einfach nicht drin ist.


Ostersonntag

Am Ostersonntag feinern wir die Auferstehung Jesu. Mit der Osternacht ist die Fastenzeit beendet und es wird wieder ordentlich zugelangt.

Der gut gefüllte Weihekorb, den ich gedanklich in die Kirche getragen habe und der dort geweiht wurde, würde an diesem Tag alles für einen ausgiebigen Osterbrunch bieten. Stünde er vor uns, so würden wir vermutlich mit einem wahrhaft gesegneten Appetit zugreifen (Geweihtes soll man übrigens nüchtern essen, damit der Segen [besser] wirkt). Wir werden uns jedoch in diesem Jahr mit einer schmaleren Version zufrieden geben, die uns aber sicher genauso zufrieden macht. Am Morgen werden wir den Tisch besonders schön schmücken und den Tag mit frischem Brot, Butter und Kresse, Weideschwein-Saftschinken und weich gekochten Eiern, Milchkaffee und einigen Scheiben von den Osterpinzen beginnen.

Für ein festliches Menü, zu dem in vielen Familien gerne ein Lammgericht serviert wird, fehlen mir Zeit und Muse. Außerdem ist da ja noch die Schwiegermama, die an diesem Tag die ganze Familie bekocht. Ich überlasse das Mittagessen also ihr.

Am Nachmittag werden fleißig Osternesterl versteckt und gesucht und Eier gepeckt. Beim Eierpecken hat man früher den Kindern die Ostergeschichte anschaulich gemacht: Das Eigelb symbolisiert den gekreuzigten Leib Jesu, das Eiweiß die Grabtücher und die Schale das Grab selbst.
Auch für das Osternesterlsuchen findet sich eine theologische Erklärung: Sage mir, wohin du ihn gelegt hast!, fragte Maria Magdalena, die im Garten nach dem Leichnam Jesu suchte.

Ostermontag

Der Ostermontag steht noch einmal ganz im Zeichen der Familie. Ein gemeinsamer, besinnlicher Osterspaziergang, der so genannte Emmausgang, ist ein christlicher Brauch, der in Erinnerung an den Gang zweier Jünger nach Emmaus, denen sich Jesus Christus unerkannt anschloss, heute noch lebendig ist.

Am Vormittag backe ich das Godnkipferl für mein Patenkind. Vielleicht ein riesiges, im Mühlviertel gab es früher Exemplare mit einer Spannweite von 60 cm! Oder ganz was anderes? Mal sehen. Auf jeden Fall werden noch einige kleine Geschenke und Süßes eingepackt und dann besuchen wir meine Familie. Dort werden wir von meiner Mama mit Sicherheit ganz ausgezeichnet verpflegt. Und wenn es das Wetter zulässt, werden wir am Nachmittag durch die erwachende Natur spazieren und den Frühling genießen.

Welche kulinarischen Traditionen verbindet ihr mit Ostern?

Samstag, 28. März 2015

Rezension: Hedi Klingers Familienküche


Dieses Mal kommt mein Fazit nicht zum Schluss, sondern gleich zu Beginn: Über Hedi Klingers Familienküche lass ich nix kommen, es ist grandios, fabelhaft und sehr zu empfehlen. Warum? Ach, da gibt es viele Gründe. Vielleicht ganz einfach der Reihe nach:

Die Aufmachung

Wie alle Bücher des Brandstätter Verlags punktet Hedi Klingers Familienküche gleich einmal mit super Griff, schönem Papier und matten, aber ausdrucksstarken Farben. So etwas liebe ich. Die Bilder lassen Wirtshausatmosphäre aufkommen. Und die kleinen, eingestreuten Anekdoten um die Familie Klinger und den Schriftsteller Thomas Bernhard habe ich verschlungen. Überhaupt ein Pluspunkt: Das Wirtshaus Klinger steht in Gaspoltshofen und das ist in Oberösterreich, meinem Heimatbundesland.


Die Rezepte

Sehr überzeugend. Beim Schmökern ist es, als würde ich mich durch meine Kindheit blättern. Ich kenne beinahe alle Gerichte und das liegt vermutlich wieder daran, dass die Autoren (Mutter und Sohn) Oberösterreicher sind. Das sympathische Vorwort von Hedi Klinger mag ich übrigens sehr: Mag sein, mein Kochbuch dreht sich etwas zu sehr um Fleischgerichte, steht da zu lesen, gemeinsam mit der Befürchtung, es könnte deshalb nicht zeitgemäß sein. Und dann: Ich verstehe nicht, warum viele Köche aus ihren Rezepten ein Geheimnis machen. Schließlich fielen die Gerichte beim Nachkochen ohnehin bei jedem etwas anders aus. Wie recht sie hat! Viele der Rezepte sind übrigens mit einem Weintipp von Willi Thomas Klinger ausgestattet.

Folgende Kapitel finden sich im Buch:

* Jausen & Kalte Vorspeisen
* Suppen
* Hausmannskost
* Hauptspeisen
* Beilagen
* Mehlspeisen
* Grundrezepte

Bei den Rezepten merkt man sofort, dass hier ein Profi am Werk ist. Jeder Zubereitungsschritt ist genau beschrieben, viele Tipps (beim Apfelstrudel für mehr Geschmack die Äpfel nicht schälen!) und Variationsmöglichkeiten werden aufgezählt. Das Wichtigste aber: Hedi Klinger liebt offenbar, was sie tut. Da wird das Hendl während des Bratens im Ofen ganze vier Mal gewendet. Der Topfenbutterteig darf sehr, sehr lange rasten. Und überhaupt: Wenn die Knödel tanzen und das Fett nicht mehr redet, dann passt’s.

Nachgekocht

Suppe,  Hauptspeise und Mehlspeise hab ich aus dem Buch nachgekocht – die ganz klassische Speisenfolge also.


Die Rahmsupp’n liebe ich seit meiner Kindheit. Auch wir haben sie, wie es im Buch erwähnt wird, oft gemeinsam mit einem gekochten Erdapfel gegessen. Interessant: Hedi Klinger verwendet eine Mischung von saurem und süßem Rahm für die Suppe. Sie hat wunderbar geschmeckt, allerdings ist mir der Sauerrahm ein klein wenig ausgeflockt.


Für die Hausruckviertler Grammelknödel habe ich mir Weideschwein-Grammeln besorgt. Die Knödel sind ausgesprochen gut gelungen – sowohl der Erdäpfelteig als auch die Fülle schmeckten sehr gut. Wir haben grünen Salat dazu gegessen.


Der süße Abschluss waren die Apfelmanderl, die mit Topfenblätterteig (Hedi Klinger nennt ihn Topfen-Butterteig) zubereitet werden – was für ein Genuss! Der splittrige, knusprige Teig in Verbindung mit den weichen, karamelliserten Äpfeln hat mich mehr als überzeugt. Hier bin ich allerdings mit den Mengenangaben für die Fülle nicht ganz zurecht gekommen (12 Äpfel ergeben nach meiner Rechnung 24 (und nicht 18) Apfelmanderl J - und auch die Menge an Zucker für die Fülle kann nicht wirklich stimmen). Schön und stimmig finde ich übrigens die Idee, die Teigenden mit einer Gewürznelke festzustecken.

To Cook-Liste

Schwierig, schwierig … Da möchte ich so gut wie alles ausprobieren. In der nächsten Zeit werden es vermutlich folgende Gerichte in meine Küche schaffen:

Hedis cremiger Kochkäs
Rindssuppe mit Butternockerl
Spargelsamtsuppe
Saure Erdäpfelsteckerl
Spinatnocken mit Nussbutter
Pikant-scharfes Lammgulasch
Brathendl
Die Original Klingertorte
Hedi Klingers Apfelbunkerl
Ausgezogener Apfelstrudel
Erdäpfelsteckerl mit Zucker und Zimt

Fazit: Siehe oben. Und: Ich liebe dieses Buch.

Hedi Klingers Familienküche
von Willi Klinger
Gebundene Ausgabe, 208 Seiten
Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2015
ISBN: 978-3850338882
Preis: € 29,90

Dank an den Brandstätter Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.