Sonntag, 18. Februar 2018

Ein Herz für Schneeflocken


Frage ich meine beiden älteren Kinder, was sie einmal werden wollen, so lauten die Antworten: Pferdeflüsterin und Traktorfahrer. Es sind stereotype Antworten auf die immer gleiche Erwachsenenfrage – aber es ist einfach zu schön, auch mit ihrer Hilfe einordnen zu können, aus welchem magischen Brunnen die kindliche Welt der zwei gerade schöpft.





Ich für meinen Teil möchte nichts mehr werden – ich bin ja schon, beruflich gesehen. Aber wenn, dann vielleicht … Schneeflockenforscherin? Dann würde ich herausfinden, dass Schneeflocken mit ihrer unendlich vielfältigen Gestalt Botschaften des Himmels sind, dass sie ähnlich einem Morsealphabet funktionieren, und ich würde den Code entschlüsseln, mit dessen Hilfe wir die Nachrichten würden lesen können. Der Draht nach oben wäre hergestellt! Und der Nobelpreis praktisch in der Tasche. Puh.


Coeur à la crème

Es gibt Küchenutensilien in meinem Haushalt, die ein sehr jungfräuliches Dasein führen. Eine Coeur à la crème-Form gehört dazu. Wobei sich das jetzt ändern wird, denn dieses Dessert hat es uns angetan. Was war das für ein Anblick, alle Fünfe haben am Valentinstag selig gelöffelt, bis nichts mehr ging. Wenig Aufwand, großes Glück!
Wer keine spezielle Herzform mit Löchern am Boden besitzt oder sich zulegen will (was ich völlig verstehe!), kann die Creme in einem herkömmlichen, mit Mulltuch ausgelegten Sieb abtropfen lassen, mit einem großen Löffel Nocken abstechen und diese dann auf Desserttellern servieren.

Zutaten für 1 große Herzform (etwa 20 cm) oder 4 – 6 Personen

Für die Creme
1 Vanilleschote
250 g Rahmtopfen 40 % Fett i. Tr.
250 g griechisches Naturjoghurt 10 % Fett
50 g Staubzucker
Schale von 1 Zitrone
200 g Schlagobers

Für die Sauce
125 g Himbeeren (ich habe tiefgekühlte verwendet)
1 – 2 EL Zucker
Saft von ½ Zitrone

Außerdem
125 g Himbeeren (tiefgekühlte)
kandierte Fliederblüten
Zitronenmelisse und / oder anderes Grün wie etwa Basilikum oder Zitronenverbene

1. Die Vanilleschote der Länge nach halbieren und das Mark herauskratzen.

2. Topfen, Joghurt, Staubzucker, Vanillemark und Zitronenschale mit den Quirlen des Mixers verrühren, bis sich der Zucker aufgelöst hat.

3. Schlagobers steif schlagen und unterheben.

4. Die Herzform (oder ein Sieb) mit zwei Lagen Mulltuch oder Käsetuch auslegen – man soll das Tuch noch über der Creme einschlagen können. Die Herzform auf ein Gitter mit Füßchen und dieses dann in ein geeignetes Gefäß stellen, beispielsweise in eine Auflaufform. (Das Sieb über eine geeignete Schüssel hängen.)

5. Die Creme einfüllen und glattstreichen. Das Tuch über der Creme einschlagen. Alles in den Kühlschrank stellen und über Nacht abtropfen lassen.

6. Für die Sauce die Himbeeren auftauen lassen und mit Zucker und Zitronensaft fein pürieren. Wer keine Kerne mag, streicht die Sauce noch durch ein Sieb.

7. Die Creme auspacken und vorsichtig auf ein ausreichend großes Teller stürzen. Die Form abnehmen und das Tuch entfernen.

8. Die Sauce rund um das Cremeherz anrichten.

9. Mit Himbeeren, kandierten Blüten und Kräutern garnieren.


Tipp: Zum Garnieren eignen sich auch – je nach Jahreszeit – Erdbeeren und Kirschen, frische Rosenblätter, zerbröselter Baiser und / oder ein Hauch Staubzucker.


Dienstag, 13. Februar 2018

Wenn keine Narren auf der Welt wären …


… was wäre dann die Welt?

Einsam wäre sie, sehr einsam. Denn:

Ich schätze, wir sind alle Narren. Von Geburt an, wahrscheinlich.

Goethe und Twain wussten halt, wovon sie reden.



Falsche Faschingskrapfen

Es gibt Rezepte, die sprechen mich durch ihren bloßen Namen an – so wie diese Falschen Faschingskrapfen aus jenem alten Kochbuch meiner Mutter, das sie in sehr jungen Jahren in der Hauswirtschaftsschule in Verwendung hatte. Falsch daran ist wohl das Füllen und Zusammensetzen von zwei Teigscheiben vor dem Backen sowie das Backen selbst im Rohr und nicht in heißem Fett. Oder auch der Kartoffelanteil in der Germteigmasse.
Ich muss zugeben: Ganz so gelungen ist mir das Originalrezept nicht. Die Krapfen behielten beim Backen nicht wirklich ihre Form, sie schossen in die Höhe, alles verrutschte irgendwie. Kurzum: Sie gerieten nicht besonders ansehnlich.
Aber, und jetzt kommt das Aber: Der Teig ist richtig, richtig gut. Es ist kein ultraflauschiger, eher ein bodenständiger Germteig, super zu verarbeiten und durch die Erdäpfel sehr aromatisch. Ich habe daher nach der ersten Ladung missratener Krapfen nach einer optisch ansprechenderen Lösung gesucht und da stachen mir plötzlich die kleinen Teigreste ins Auge, die vom Ausstechen übrig waren. Sie waren mittlerweile wieder aufgegangen und hatten sich zu dicken Pausbacken aufgeplustert.
So habe ich also den restlichen Teig unregelmäßig ausgestochen und beschlossen, diese Krapfenhäppchen – ganz Verkehrte Welt – nach dem Backen nicht mit Marmelade zu füllen, sondern sie mit einem Schüsselchen davon zum Tunken zu servieren. Ich bin zufrieden!

Zutaten für etwa 3 Backbleche

Für den Teig
250 g mehlige Kartoffeln
600 g glattes Mehl
3 Dotter
1 Würfel frische Hefe (oder 2 Packungen Trockenhefe)
150 g Zucker
150 g weiche Butter
1/8 l lauwarme Milch
abgeriebene Schale von ½ Zitrone
1 Prise Salz

Zum Bestreichen
1 Ei

Zum Bestreuen
Staubzucker

Zum Servieren
Marillenmarmelade oder andere Lieblingsmarmelade

1. Die Kartoffeln weich dämpfen, schälen und noch heiß durch die Kartoffelpresse drücken. Lauwarm abkühlen lassen.

2. Alle Zutaten für den Germteig in die Rührschüssel der Küchenmaschine geben und in etwa 5 – 10 Minuten auf mittlerer Stufe zu einem mittelfesten Germteig kneten. Mit einem Küchentuch abdecken und an einem warmen Ort etwa 1 Stunde gehen lassen.

3. Den Teig vorsichtig auf eine nur ganz leicht bemehlte Arbeitsfläche kippen und etwa 1 cm dick ausrollen.

4. Mit einem runden Ausstecher mit gewelltem Rand unregelmäßige Formen ausstechen und auf mit Backpapier ausgelegten Blechen verteilen – dabei etwas Abstand dazwischen lassen.

5. Wieder abdecken und weitere 30 Minuten gehen lassen.

6. In der Zwischenzeit den Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

7. Das Ei verquirlen und die Teigstücke rundherum damit bestreichen.

8. Nacheinander im vorgeheizten Rohr etwa 15 Minuten goldbraun backen.

9. Noch heiß mit Staubzucker bestreuen.

10. Warm in Marillenmarmelade getunkt schmecken sie am besten!

Das Rezept stammt aus dem Buch Kochrezepte für die bäuerliche Küche.

Sonntag, 11. Februar 2018

Schluss mit lustig


Am Aschermittwoch ist Schluss mit lustig! Der Fasching ist vorbei, die Fastenzeit steht an. Rund um mich gibt es immer mehr Menschen, die diese 40 besonderen Tage tatsächlich nutzen, um wieder freier zu werden und festgefahrene Gewohnheiten neu zu überdenken. Wobei es dabei interessanterweise vor allem um kulinarische Themen geht: Verzicht auf Alkohol, Fleisch, Zucker und Kaffee oder gleich auf alles Tierische, das sind die Vorhaben, die ich für die Fastenzeit 2018 in meinem Umkreis so vernommen habe.

Für mich selbst wäre es ein Fasten vom Fasten, das ich mir vornehmen könnte – oder zumindest wünschen würde. Der Abschied von mageren Bloggerzeiten nämlich, von einem Blog, der momentan so gar kein Fleisch auf seinen Rippen hat. Vielleicht gelingt es mir ja.

Kein Fleisch und nur einmalige Sättigung: Das sind die Fastengebote der katholischen Kirche für den Aschermittwoch. Als typisches Gericht hat sich dabei allerhand mit Fisch, vor allem aber der Heringsschmaus etabliert. Weil in diesem Jahr der Aschermittwoch allerdings mit dem Valentinstag zusammenfällt, habe ich ein leichtes und feines Fischgericht für euch, das wohl beiden Ansprüchen gerecht werden dürfte.


Rauna-Mousse mit Räucherforelle & Wintersalat

Der allergrößte Rauna-Fan bin ich ja nicht, aber das hier ist so gut, dass ich tatsächlich zu einem werden könnte. Das erste Mal gekocht habe ich diese feine Vorspeise schon vor Jahren, als wir eine große Runde zu einem abendlichen Wintermenü eingeladen hatten. Es war ein Gericht, das begeistert hat – und das tut es auch heute noch!

Zutaten für 4 Personen als Vorspeise

Für das Rauna-Mousse
200 g Rauna / Rote Rüben
2 ½ EL frisch gerissener Kren
100 g Rahmtopfen (40 % Fett i. Tr.)
Salz
Pfeffer
1 Prise Zucker
1 ½ - 2 Blatt Gelatine
70 ml Schlagobers

Für das Dressing
3 EL Walnussöl
1 gestrichener TL Senf
1 TL Honig
Saft von ½ Zitrone
Salz
etwas Cayennepfeffer
1 kleiner Spritzer Wasser

Außerdem
25 g Walnusshälften
4 Handvoll frischer, knackiger Pflücksalat
200 g Räucherforelle (am besten in Bioqualität, wie diese hier)
grober Pfeffer
Radieschensprossen
frische Kräuter (Dill und / oder Basilikum)
4 Zitronenscheiben

1. Die Roten Rüben schälen und so viel beiseitelegen, dass man davon 8 dünne Scheiben abhobeln kann. Den Rest fein reiben und mit Kren und Topfen vermischen. Mit Salz, Pfeffer und Zucker würzen.

2. Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Tropfnass in einen kleinen Topf geben und bei vorsichtiger Hitze auflösen.

3. 3 EL der Rote Rüben-Masse in den Topf zur Gelatine geben und glattrühren. Dann das Ganze unter die restliche Rote Rüben-Masse rühren.

4. Schlagobers steif schlagen und unterheben.

5. Die Masse mindestens 2 Stunden (oder über Nacht) kalt stellen.

6. Die Zutaten für das Dressing in ein kleines Glas mit Schraubdeckel füllen und kräftig schütteln.

7. Walnüsse grob hacken und in einer kleinen Pfanne trocken rösten, bis sie zu duften beginnen.

8. Die beiseitegelegte Rote Rübe in 8 dünne Scheiben hobeln.

9. Pro Portion 2 Scheiben davon leicht überlappend auf Tellern anrichten.

10. Vom Rote Rüben-Mousse mit einem Esslöffel Nocken abstechen und auf die Raunascheiben legen.

11. Den Pflücksalat mit dem Dressing vermischen und ebenfalls auf den Tellern anrichten.

12. Forelle in größere Stücke reißen und neben Mousse und Salat auf die Teller setzen. Mit grobem Pfeffer bestreuen.

13. Mousse mit Walnüssen und Radieschensprossen bestreuen und das Gericht mit Kräutern und Zitronenscheiben garnieren.



Einige meiner Bloggerkolleginnen haben ebenfalls Fischgerichte für euch:

Bei Sina gibt es ein bodenständiges gebackenes Karpfenfilet,
bei Michaela feines Tatar vom geräucherten Saibling,
bei Christina geräuchertes Forellenfilet auf Salatbett mit Oberskren und
bei Friederike erfährt man einiges über guten Waldviertler Karpfen.

Klickt euch durch!


Sina, wiedermal ein großes Dankeschön, dass du die Organisation dieser Gruppe übernommen hast – trotz Extremzeitmangels bin ich immer wieder gern mit von der Partie!
Donnerstag, 18. Januar 2018

Vater Erde


Nix gegen den ein Meter großen Holzpenis, der unter geheimnisvollen Umständen seinen Weg auf den Ötscher fand – aber mit der schnöden Menschenhand kann es die Natur schon längst aufnehmen. Da demonstrierte mir im vergangenen Herbst doch tatsächlich Vater Erde auf imposante Art und Weise seine Männlichkeit … oder so. Wer bei diesem Anblick keine eindeutigen Assoziationen vor dem inneren Auge hat, der dürfte immun gegen das Thema als solches sein:


Im Weitergehen setzte sich in meinen Gedanken eine Kettenreaktion in Gang – ein Reigen entstand, an dem Schnitzler seine pure Freude gehabt haben dürfte:

Wald und Sex. Erst kürzlich habe ich im Buch Der Biophilia-Effekt – Heilung aus dem Wald von Clemens Arvay gelesen, die Natur sei die beste Sexualtherapeutin. Der Wald als Ort der Vielfalt und des Lebens aktiviere Sinne, Phantasie und Körperwahrnehmung und könne als besonders anregendes Ambiente dienen für Abenteuer ebensolcher Art. Hm, jaja …

Dann: Sex und Essen, das ist ja klar. Die sprichwörtliche Liebe geht durch den Magen, immer. Da braucht es nicht einmal die oft zitierten Aphrodisiaka dazu. Und überhaupt: Everything about food and cooking is a metaphor for sex. Alles, echt? Äh …



Essen und Wald, damit schließt sich der Kreis. Giersch, Brennnesselkraut und -samen, Taubnesselblüten, Bärlauch, Löwenzahn, Sauerklee, Fichtentriebe, Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Hagebutten, Blätter von Himbeeren, Brombeeren und Erdbeeren für den Tee, Holunderblüten und -beeren, Pilze so vieler Art, junge Buchen- und Lindenblätter, Birkenwasser, Bucheckern, Lindenknospen, Löwenzahnwurzeln und Eicheln für Kaffee, Knoblauchsrauke, Gundelrebe, Waldmeister, Bärenklau, Engelwurz, Bitteres Schaumkraut, Schlehdorn – ach, die Natur kann uns aufs Beste und Feinste versorgen, völlig kostenlos, rund ums Jahr. Was für ein schönes, was für ein beruhigendes Gefühl.

Schlaraffenwald, ich komme!


Haselnuss-Grünkern mit Pilzen & Zucchini

Ein wunderbares Rezept der Kategorie Vollwertküche 1.0, als sich noch niemand für Qualitäten wie laktosefrei oder fettarm interessierte. Es stammt von Barbara Rütting und hat mir sehr gut geschmeckt.

Zutaten für 3 – 4 Portionen

Für den Grünkern
250 g Grünkern
450 g Wasser
1 Gemüsesuppenwürfel (alternativ würzen mit Salz, Pfeffer, Kräutern, …)
1 Stich Butter
60 g Haselnusskerne

Für das Gemüse
½ Zwiebel
1 Knoblauchzehe
250 g Pilze (ich habe 125 g Champignons und 3 Stück Parasol verwendet)
1 Zucchini
1 EL Butter
1 EL Rapsöl
3 EL Crème fraîche
2 EL gehackte Petersilie
Salz, Pfeffer

Zum Garnieren
frische, gehackte Petersilie

1. Am Vortag den Grünkern im Wasser einweichen und über Nacht quellen lassen.

2. Am nächsten Tag den Grünkern mitsamt dem Wasser und dem Gemüsesuppenwürfel aufkochen und auf kleiner Flamme etwa 20 – 25 Minuten ausquellen lassen.

3. In der Zwischenzeit die Haselnüsse trocken rösten, auf ein Geschirrtuch geben, einschlagen und so gut es geht die Schale abreiben. Haselnüsse grob hacken.

4. Zwiebel und Knoblauch schälen und fein hacken.

5. Pilze klein schneiden, Zucchini in Scheiben schneiden und je nach Größe auch halbieren.

6. Butter und Rapsöl in einer Pfanne erhitzen und Zwiebel sowie Knoblauch darin hell anschwitzen. Pilze und Zucchini zugeben und bei mittlerer Hitze braten, bis das Gemüse zu bräunen beginnt. Von der Hitze nehmen, Crème fraîche und Petersilie unterrühren und mit Salz und Pfeffer würzen.

7. Sobald der Grünkern gar ist, die Butter untermischen.

8. 1 EL der Haselnüsse für die Dekoration beiseitelegen und den Rest kurz vor dem Servieren ebenfalls unter den Grünkern mischen.

9. Grünkern auf Tellern anrichten, das Gemüse daraufsetzen und mit Nüssen und frischer Petersilie bestreuen.


Sonntag, 14. Januar 2018

Der ig und sein Bruder


Bei uns am Land ist es Brauch (geworden), runde Geburtstage marktschreierisch vor der Haustür anzupreisen: Große Tafeln mit Wünschen, Reimen und oft arg unvorteilhaften Fotos, bunte Luftballons und zuweilen auch lebensgroße Puppen, die den Gratulanten à la Heiteres Beruferaten in für ihn typischen Positionen / Aktionen zeigen, werden von Verwandten, Freunden und Kollegen in Nacht-und-Nebel-Aktionen heimlich und zeitgerecht positioniert, auf dass sich das Geburtstagskind am Morgen darüber freue.

Nun darf das ja jeder so halten, wie er mag, da bin ich eh nicht so. Nach anfänglicher Fremdschämerei hab ich mich mittlerweile sogar daran gewöhnt. Nur halt an einen nicht, an einen furchtbar hartnäckigen Zeitgenossen, der Hand in Hand mit diesem Brauch durch die Lande zieht: an den ig. Der ig ist, so vermute ich, ein direkter Nachkomme vom Katastrophenapostroph und feiert auf den Tafeln fröhliche Urständ‘: Hans, du bist 60ig! Alles Gute!, lässt sich da dann lesen, oder: Hurra, Hurra, die Rosa, die ist 40ig Jahr! Und nein, hier rede ich nicht von Einzelfällen – der ig hat sich tatsächlich etabliert.

Wenn ich den ig sehe, muss ich lachen. Weniger lauthals, mehr in mich hinein: Der Hans ist also sechzigig, hihi. Dieses Lachen blieb mir kürzlich allerdings fast im Halse stecken – hab ich doch entdeckt, dass der ig einen Bruder bekommen hat. Sie haben ihn auf den Namen ert getauft.



Orangensalat mit Aroniabeeren und Berberitzen

Ein saftigiges und cremigiges Dessert, das mich so richtigig verzaubertert hat … :-)
Verzeiht, das konnte ich einfach nicht lassen. Aber ganz im Ernst: Der Salat an sich schmeckt schon absolut himmlisch, ist leicht und ohne Aufwand zuzubereiten. In meinen Nachtisch-Himmel hebt ihn dann aber erst eine meiner Entdeckungen aus dem Buch Vegane Vorratskammer von Miyoko Schinner: Die bessere Schlagsahne. Ich bin regelrecht verblüfft! Sie wird zwar nicht so fluffig wie herkömmliches Schlagobers, ist aber doch locker und stabil und lässt sich wunderbar dressieren. Ich bin mir sicher, dass sie sich auch als Füllung in Torten oder Rouladen hervorragend verwenden lässt. Noch dazu schmeckt sie mir so richtig gut! Laut Miyoko Schinner kann sie außerdem sogar mit Wasser statt mit Pflanzenmilch zubereitet werden.

Zutaten für 4 Portionen

Für den Orangensalat
4 TL getrocknete Aroniabeeren
4 TL getrocknete Berberitzen
4 Orangen
4 TL Ahornsirup

Für das vegane / bessere Schlagobers (ergibt mehr als für 4 Personen benötigt wird)
25 g Cashewkerne
125 g raffiniertes Kokosnussfett
250 ml Sojamilch oder andere Pflanzenmilch (ich habe Mandelmilch verwendet)
50 – 80 g Zucker (der Zucker trägt zur Stabilität der Masse bei; ich habe 70 g verwendet, was ausreichend süß für mich war)
1 TL Vanilleextrakt

1. Aroniabeeren und Berberitzen mit kochendem Wasser übergießen und 30 Minuten quellen lassen. Abseihen und gut abtropfen lassen.

2. Die Orangen filetieren und dabei den Saft auffangen. Den Saft mit dem Ahornsirup vermischen.

3. Aroniabeeren und Berberitzen mit Orangensaft und Orangenfilets vorsichtig vermengen. Abdecken und über Nacht im Kühlschrank durchziehen lassen (mindestens jedoch 1 Stunde).

4. Für das vegane Schlagobers die Cashewkerne mit kochendem Wasser übergießen und 30 Minuten einweichen. Abgießen und gut abtropfen lassen.

5. Das Kokosfett schmelzen und überkühlen lassen.

6. Alle Zutaten für das Schlagobers in den Standmixer geben und etwa 1 Minute auf höchster Stufe glatt pürieren. In einen Behälter füllen und gut verschlossen ebenfalls über Nacht kalt stellen. [Diese Masse hält sich im Kühlschrank bis zu einer Woche und lässt sich anscheinend sogar gut tiefkühlen, was ich jedoch nicht ausprobiert hab.]

7. Am nächsten Tag die Orangenfilets auf Tellern anrichten und mit dem Saft und den Beeren übergießen.

8. Die gut durchgekühlte Schlagobersmasse in eine (idealerweise gekühlte) Schüssel geben und mit dem Handmixer auf hoher Stufe 5 – 8 Minuten aufschlagen, bis sich weiche Spitzen bilden. Das Volumen nimmt durch das Schlagen nicht großartig zu, die Masse wird jedoch luftiger.

9. Schlagobers in einen Dressiersack füllen und auf den Orangensalat dressieren.


Idee für den Orangensalat aus: Essbare Stadt von Maurice Maggi.
Donnerstag, 28. Dezember 2017

New Year, new You


2018 wird vieles anders, vieles neu. Die Arbeitswelt erwartet mich bereits mit offenen Armen (wo ist bloß die Zeit geblieben!?), Kinder, Haus und Hund werden in diesem Jahr meinem Mann überlassen sein. Prioritäten werden sich verschieben, Gewohnheiten müssen aufgegeben, Festgefahrenes muss neu durchdacht werden.

Aber vieles, so hoffe ich, wird beim Alten bleiben. So wie die Begeisterung für gutes, hochwertiges, satt und glücklich machendes Essen und der Wunsch, diese Begeisterung weiterzutragen, hinein in meine kleine Familie, hinaus zu allen, die sich davon angesprochen fühlen.   



Und hey, wer könnte außerdem noch auf diese wunderbaren kulinarischen Zusammenkünfte verzichten, wie die der Rettungstruppe oder der Genussmannschaft in rot - weiß - rot? Ich nicht mehr!

Kurz vor Silvester haben wir (Danke Sina und Susi!) noch einmal einige Inspirationen aus dem österreichischen Küchenkastl für euch zusammengetragen: Glück zum Essen! Denn: Wie der Anfang, so das Ganze…


Neujahrsradl

Auch heuer wieder gibt es bei mir traditionelles Gebäck zu Silvester. Nach dem Neujahrsstern vom letzten Jahr darf heuer ein sogenanntes Neujahrsradl auf meinen Tisch. Dieses achtspeichige Wirbelrad zählt zu den Spiralgebäcken. Es verkörpert die Sonne und gilt als Symbol für Wärme, Licht und Fruchtbarkeit und das ewige, unendliche Leben. Einst wurde ihm eine schützende Kraft zugeschrieben – es sollte Unheil fernhalten und ein gesundes, langes und glückliches Leben bescheren.
Beim Teig habe ich mich für eine Rezeptur von Katharina entschieden – Vorteig und Mehlkochstück machen das Gebäck wunderbar weich und saftig. Dabei habe ich mir einige kleine Änderungen wie einen geringen Vollkornanteil und eine Reduktion der Salzmenge erlaubt.

Zutaten für 2 kleine oder 1 großes Neujahrsradl

Für den Vorteig
1 g frische Hefe
100 g Vollmilch
50 g glattes Weizenmehl
50 g Dinkel-Vollkornmehl

Für das Mehlkochstück
25 g glattes Weizenmehl
125 g Vollmilch

Für den Hauptteig
Vorteig
Mehlkochstück
80 g Vollmilch
75 g Butter
5 g Gerstenmalzextrakt
20 g Zucker
4 g frische Hefe
375 g glattes Weizenmehl
5 g Salz

Zum Bestreichen
1 Ei
1 Prise Salz
1 Prise Zucker

Zum Bestreuen (optional)
Staubzucker

1. Am Vortag den Vorteig herstellen: Die Hefe in der Milch auflösen, dann die beiden Mehle zugeben und alles gut vermischen. Abdecken und 1 – 2 Stunden bei Zimmertemperatur anspringen lassen. Danach für 18 – 24 Stunden in den Kühlschrank stellen.

2. Auch das Mehlkochstück am Vortag zubereiten: Mehl und Milch in einen kleinen Topf geben und mit dem Schneebesen glattrühren. Unter ständigem Rühren erhitzen, bis die Masse eindickt. Abkühlen lassen, abdecken und ebenfalls für 18 – 24 Stunden in den Kühlschrank stellen.

3. Am Backtag den Vorteig, das Mehlkochstück, Milch und Butter auf Raumtemperatur bringen.

4. Alle Zutaten bis auf die Butter in die Rührschüssel der Küchenmaschine geben und mit dem Knethaken 10 Minuten auf niedriger Stufe kneten. Dann die weiche Butter in Stückchen zugeben und den Teig weitere 5 – 10 Minuten zu einem geschmeidigen und glatten Teig verkneten. Abdecken und bei Raumtemperatur 60 – 90 Minuten gehen lassen, bis er sein Volumen merklich vergrößert hat.

5. Teig kurz durchkneten, dann in vier (für ein Neujahrsradl) oder acht (für zwei) Portionen teilen. Die Teiglinge rund schleifen und unter einem Küchentuch 10 Minuten entspannen lassen.

6. Blech(e) mit Backpapier auslegen.

7. Die Teiglinge zu Strängen von 50 bzw. 60 cm ausrollen, dabei die Enden spitz zulaufen lassen. Nacheinander auf das Backpapier legen und die Enden ein Stück weit gegengleich schneckenförmig einrollen. Pro Neujahrsradl werden vier Stränge verwendet, diese werden wie acht Speichen eines Rades angeordnet.

8. Die Zutaten für die Eistreiche verquirlen. Neujahrsradl damit einstreichen.

9. Abdecken (zum Beispiel eine große Schüssel darüber stülpen oder das Blech in einen Plastiksack geben, den man soweit aufbläst, dass er das Gebäck nicht berührt, und dann verschließt) oder zumindest vor Zugluft schützen und etwa 45 Minuten gehen lassen.

10. Das Backrohr auf 190 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

11. Das Gebäck kurz vor dem Backen nochmals einstreichen und in 20 – 25 (für die zwei kleineren) bzw. 25 – 35 Minuten (für das größere) goldgelb backen.

12. Auf einem Kuchengitter abkühlen lassen oder schon lauwarm genießen.

Tipp: Das Neujahrsradl sieht auch unter einer dicken Staubzuckerschicht zum Anbeißen aus. Dann braucht es keine Eistreiche.

Tipp: Das Radl noch lauwarm in einem Plastiksackerl einfrieren. Bei Bedarf über Nacht im Sackerl auftauen und morgens 10 Minuten bei 200 °C aufbacken – schmeckt wie frisch gebacken!

Und außerdem noch am Silvesterbuffet:

Sina, die giftige Blonde mit einem Haselnusseis mit Eierlikör und Schokolade
Susi von Prostmahlzeit serviert eine Gulaschsuppe
Bei Christina von the Apricotlady gibt's einen Partysalat
Verena von Verena kocht bringt uns traditionelle Schweinshaxerl mit
Michaela von Genussatelier Lang hat Glücksbringer aus Germteig
Friederike von Fliederbaum hat Krenkekse aufs Silvesterbuffet gestellt.


Zu Neujahr

Will das Glück nach seinem Sinn
dir was Gutes schenken,
sage Dank und nimm es hin
ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt,
doch vor allen Dingen:
Das, worum du dich bemühst,
möge dir gelingen.

Wilhelm Busch

Viel Glück im neuen Jahr – und ganz viel Sonne im Herzen …

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