Montag, 18. August 2014

Nix für hangry kids: Sommerwiesenpicknick


Klüger werde ich fast jeden Tag, seit ich Mama bin. So weiß ich etwa seit kurzem: Der Zustand, wenn das Kind grund- und sinnlos randaliert, völlig unzufrieden ist und ihm kein elterlicher Interventionsversuch zu passen scheint, hat einen Namen. Dann ist es nämlich möglicherweise: hangry. Es ist angry, weil es hungry ist. Oder ach, manchmal auch umgekehrt, ist ja auch egal.

In diesem Zusammenhang wird mir bewusst: Sogar in ganz banalen Werbebotschaften steckt oft ein Körnchen Wahrheit. Du bist nicht du, wenn du hungrig bist!, möchte ich dann zum Minimädel sagen, das gerade monster- und / oder divamäßig vor mir tobt, weiß aber gleichzeitig um die arg vergebene Liebesmüh’. Da hilft nur eins: Essen. Schnell. 

Dann, genau dann ist ein Sommerwiesenpicknick genau gar nix für das Kind. Dafür braucht es nämlich Zeit. Und Muse. Beides hat es nicht, wenn es hangry ist. Ist hingegen alles entspannt, der Hunger erträglich, dann gibt es keine schönere Möglichkeit, Natur und Kulinarik zusammenzubringen. Die Grundausstattung für ein Wiesenpicknick ist fix eingepackt, die paar Halbfertiggerichte schnell zusammengerührt – und schon geht’s los. Auf dem Weg zum Lieblingsplatz werden Kräuter, Blüten und Früchte gesammelt und das Essen dann direkt auf der Picknickdecke gemeinsam fertig gekocht. Schön ist das …


Einpacken
* Decke
* Schneidebrett
* kleine Teller
* kleine Becher
* Flasche mit Wasser oder gespritztem Apfelsaft
* Schneidemesser
* Buttermesser
* Butter (am besten in einem kleinen Marmeladenglas)
* Topfenbasis süß oder salzig (Topfen mit etwas Sauerrahm glattrühren, für die süße Variante mit Honig, für die salzige Variante mit Salz, Pfeffer, etwas Senf und einem Spritzer Zitronensaft verrühren)
* hauchdünn geschnittene Käsescheiben
* Brotscheiben
* Äpfel
* Salz
* Kristallzucker
* Palatschinken, fertig gebacken
* Servietten

Sammeln
* Früchte vom Wegesrand (Himbeeren, vielleicht noch ein paar Erdbeeren, Heidelbeeren, …)
* Kräuter und Blüten (Quendel, Labkraut, Schafgarbe, Giersch, Rotklee, Weißklee, Löwenzahn, Gänseblümchen, Taubnessel, …)


Kochen
* Kräuter-, Frucht- und Blütenwasser oder Wiesendudler: Kräuter und Früchte in einem kalten Glas Wasser sind optisch und geschmacklich ein Genuss. Wer längere Zeit auf seiner Picknickdecke verbringen möchte, kann auch einen Wiesendudler ansetzen (beispielsweise nach diesem Rezept)

* Kräutertopfen oder Blütentopfen: Die süße oder salzige Topfenbasis wird mit Blütenblättern oder würzigen Kräutern vermischt und als Brotaufstrich verwendet.


* Kräuterbutter oder Blütenbutter: Ähnlich wie der Topfenaufstrich lässt sich auch die Butter (die, am Picknickplatz angekommen, sicher schon weich geworden ist) gut mit Kräutern oder Blüten würzen.

* Käseröllchen mit Quendel: Frischer Feldthymian wird in die Käsescheiben eingerollt und einfach mit der Hand verputzt.

* Apfelstücke in Blütenzucker: Auf einem kleinen Teller werden verschiedenste Blüten (zum Beispiel von Rotklee, Weißklee, Löwenzahn) mit Zucker vermischt. Apfel in Stücke schneiden und das Kerngehäuse entfernen. Die feuchten Schnittflächen im Blütenzucker wälzen und gleich genießen.


* Butterbrot mit Gänseblümchen: Ein Klassiker aus der Wildkräuterküche.

* Palatschinken mit Blütenzucker und Wildfrüchten: Die Palatschinken werden mit Blütenzucker bestreut, eingerollt und mit der Hand gegessen, Wildfrüchte machen das Ganze noch besser.


Einige Anregungen für dieses Sommerwiesenpicknick hab ich mir im Servus Kinder-Magazin sowie beim LFI-Lehrgang Kräuterpädagogik geholt.

Mittwoch, 13. August 2014

Gegenseitigkeit


Der respektvolle Umgang mit den Pflanzen an sich hat schon eine Heilwirkung – die Erkenntnis, dass alles Leben miteinander verbunden und voneinander abhängig ist, hilft sich selbst als Mensch im Universum wieder zu finden, hilft das Leben, woher es auch kommen mag, mit einem Sinn zu belegen – nämlich der Gegenseitigkeit.
Christian Rätsch

Schafgarben-Hühnerspieße mit Wildkräuter-Taboulé

Vor dem Kochen geht es erst einmal ans Wildkräuter sammeln: Man braucht schöne und kräftige Schafgarben für die Spieße und das Würzsalz, eine gute Handvoll Quendel und gemischte Kräuter für das Taboulé. Die klassischen Kräuter im Taboulé sind Petersilie und Minze, weshalb hier vor allem deren wilde Geschmacksgeschwister Giersch und Gundelrebe gut passen.
An diesem Rezept mag ich besonders die Idee, die Schafgarbe als essbare und dekorative Spieße zu verwenden. Ihre Stängel sind so stabil, dass sie das Aufspießen und Braten leicht überstehen. Sie geben außerdem noch zusätzliche Würze an das Fleisch ab. 
Wer mag, kann übrigens noch klein gewürfelte Tomaten unter das Taboulé mischen.

Zutaten für 4 Portionen

Für das Schafgarbensalz
3 blühende Schafgarben
Salz

Für das Wildkräuter-Taboulé
200 g Couscous
1 kleines Körbchen voller frischer Wildkräuter (Giersch und Gundelrebe sollten den Hauptanteil ausmachen, dazu noch Schafgarbenblättchen, Quendel, Knoblauchsrauke, Sauerampfer, …)
4 Frühlingszwiebeln
Olivenöl
Zitronensaft
Salz, Pfeffer

Für die Hühnerspieße
400 g Bio-Hühnerfleisch (gekauft bei Sonnberg, dort gibt es das Bio-Hühnerfleisch aus dem Waldviertel nur auf Bestellung, was ich super finde)
etwa 12 kräftige und blühende Schafgarben
Schafgarbensalz (siehe oben)
frischer Quendel (Feldthymian)
Olivenöl

1. Für das Würzsalz Blüten und Blättchen von 3 blühenden Schafgarben mit etwa der gleichen Menge Salz fein mörsern oder vermahlen (Schafgarbensalz lässt sich natürlich auch gut in größeren Mengen für den Vorrat herstellen, in dem Fall das Kräutersalz vor dem Abfüllen in Gläser noch trocknen lassen).

2. Couscous in eine Schüssel geben und mit mindestens der doppelten Menge an kochendem Wasser übergießen. Abdecken und etwa 20 Minuten ziehen lassen.

3. In der Zwischenzeit für die Spieße das Hühnerfleisch in etwa 2 x 2 cm große Stücke schneiden. Die Schafgarben auf eine Länge von etwa 20 cm zurechtschneiden und die unteren Blättchen abstreifen – sie kommen dann mit den anderen Wildkräutern zum Taboulé. Die Hühnerfleischstücke aufspießen und von beiden Seiten mit Schafgarbensalz, Quendelblättchen und Olivenöl einreiben. Im Kühlschrank kurz durchziehen lassen.


4. Für das Taboulé die Wildkräuter fein hacken und die Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden. Couscous bei Bedarf abseihen und mit den Wildkräutern, den Frühlingszwiebeln und reichlich Olivenöl vermischen. Mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer würzig abschmecken.

5. Die Hühnerspieße in Olivenöl von beiden Seiten goldbraun braten.

6. Währenddessen vier Puddingförmchen oder andere passende Formen (z. B. runde Kaffeetassen) mit kaltem Wasser ausspülen, Taboulé einfüllen und mit dem Löffelrücken gut andrücken.

7. Taboulé auf Teller stürzen, die Hühnerspieße ebenfalls auf den Tellern anrichten, mit etwas Schafgarbensalz bestreuen und mit frischen Wildkräutern garnieren.


Das Rezept für die Schafgarben-Hühnerspieße habe ich während meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin am LFI kennen und lieben gelernt.

Freitag, 8. August 2014

Mühlviertler Gold


In der Kulturgeschichte des Mühlviertels spielte die Leinpflanze Jahrhunderte lang eine bedeutende Rolle. Im Frühsommer waren die Felder von zartblauen, feinen Blüten übersät, im Herbst wurde die gesamte Pflanze geerntet und verwertet: Aus den Samenkapseln, den so genannten Bollen, gewann man Leinsaat und das hochwertige Leinöl, aus den Stängeln die langen Flachsfasern, die in den Bauernhäusern und den vielen kleinen Webereien des Mühlviertels zu Leinenstoffen verarbeitet wurden.

Dann kam die billigere und einfacher zu verarbeitende Baumwolle – und mit ihr verschwand der Flachs. Unaufgeregt, fast lautlos verlor er innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten seinen herausragenden Wert für diesen Landstrich, die Zeit des Mühlviertler Golds war vorbei.

Aber wie so oft im Leben: Alles kommt wieder. Luxuriöse Leinenstoffe zieren wieder öfter Tisch & Bett (gesehen beispielsweise im Mühltalhof in Neufelden) und das herbe, bodenständige und sehr empfindliche Leinöl wird nicht nur aus gesundheitlicher Sicht immer beliebter. Na gut, das ist nicht neu. Aber das hier, das ist neu:


Ein Flachsfeld, (wieder-) entdeckt ganz in meiner Nähe, blassblau und wunderschön.


Mittlerweile sind die Samenkapseln ausgebildet – sie reifen gemächlich in der Augustsonne vor sich hin.


Leinölbrot

Dieses Brot gehört wohl in die Kategorie der No-knead-Breads, denn der Teig wird nur gemischt und nicht geknetet. Das Leinöl schmeckt charakteristisch durch, was ich sehr mag. Dazu passt perfekt frisch abgemachter Leinkas, ein einfacher Aufstrich aus Topfen, etwas fein gehackter Zwiebel und Salz, der mit Leinöl verfeinert wird.

Zutaten für eine Kastenform von 30 cm

250 g Kamutmehl
250 g Weizenmehl
1 EL Salz
10 EL Leinsamen
½ Würfel Germ
450 ml lauwarmes Wasser
50 ml Leinöl

1. In einer großen Schüssel das Mehl mit Salz und Leinsamen vermischen.

2. Germ hineinbröckeln.

3. Wasser und Leinöl dazugeben und alles locker verrühren, nicht kneten.

4. Die Schüssel abdecken und 1 – 2 Stunden gehen lassen.

5. Den Backofen auf 220 °C vorheizen.

6. Eine Kastenform mit Backpapier auslegen und den Teig einfließen lassen.

7. Die Kastenform in den Backofen geben. Nach 15 Minuten die Ofentür für kurze Zeit weit öffnen, um den Dampf abzulassen, dabei die Hitze auf 180 °C reduzieren.

8. Etwa 1 Stunde lang fertig backen, dann das Brot aus der Form nehmen und auf einem Kuchengitter vollständig abkühlen lassen.


Nach einem Rezept aus dem Mühlviertler KOCH:BUCH von Georg Friedl, erschienen im Verlag Bibliothek der Provinz.


Zum Weiterlesen und Informieren:


Montag, 4. August 2014

Himbeerwege


Sie kann ihren gezüchteten Gartenverwandten nicht das Wasser reichen, was Größe, Anmut, Makellosigkeit betrifft. Aber dieser Geschmack! Dieser unvergleichliche, unübertrefflich gute Geschmack… Die Waldhimbeeren sind reif!


Himbeerwege
Eine Fruchtgeschichte

Es war einmal im Wald eine Lichtung
(so schrieb es jedenfalls die Dichtung),
da wohnte einst ein Mädchen, das war schlau
und überdies eine gar mutige Frau.

An einem heißen Tage, es war August,
hört sie ’nen Schrei, hat gleich gewusst,
ein Mann in Not war’s, der hier schrie,
sie läuft gleich los, denn er braucht sie.

Sie findet einen Prinzen, gut gebaut und hochgeschossen,
im stacheligen Blätterdickicht eingeschlossen.
Der kämpft und jammert und ist verzagt
Und schreit: „Ach, mein Navi, das hat versagt!

Das GPS-System ging im Wald wohl flöten,
drum bin ich in so großen Nöten.
Ich fand den Weg nicht, hab’ nichts gegessen.
Hab’ sicher Fieber, kann’s jedoch nicht messen.

Mein Auto steht nicht weit von hier –
hoffentlich zerkratzt den Lack kein wildes Tier?
Befreie mich aus dieser Qual!
Du hast dann einen Wunsch zur Wahl.“

Das Mädchen hört des Prinzen Sermon
und denkt sich: „Ich helf’ dem Herrn schon!“
Sie entfernt die Stacheln von seinen Waden –
ohne freilich seinem Anzug zu schaden.

Sie pflückt die roten Beeren von dem Strauch,
füttert ihn und sagt: „Das nährt den Bauch,
und senkt das Fieber, stärkt das Blut,
es fördert auch den Wagemut.“

Darauf nimmt sie ihn bei der Hand,
führt ihn aus dem Wald zum Unterstand,
von wo der Wagen schon zu sehen ist.
„Ganz heil!“, spricht erleichtert der Automobilist.

Er dankt dem Mädchen mit großem Getue,
sucht nach einem Geschenk, einer Schatztruhe,
etwas, das er dem Mädchen überreichen will,
doch dieses sagt zu ihm ganz still:

„Mein Prinz, du hast den Zweck schon erfüllt,
bevor ich dich traf, war ich schon fast gewillt,
mir zu suchen einen edel geborenen Mann.
Nun weiß ich, dass ich es auch bleiben lassen kann.

Denn edel ist ein Mann nur dann,
wenn er das Glück auch ohne Navi finden kann,
wenn er weder Blut noch Dornen scheut,
und mich mit Witz, Geist und Süßerem erfreut.“

So mancher Weg mag neu beginnen,
vertraut man der Kraft der Frucht und seinen Sinnen.     
(Anita Zieher)


Joghurt Ispahan wild & zahm

Die beste Möglichkeit, Waldhimbeeren zu genießen ist, die noch warmen, prallen Früchte direkt vom Strauch zu naschen. Wer sie behutsam sammelt und nach Hause trägt, macht Saft, Marmelade, Sirup, Kompott, Likör oder Milchshakes daraus oder serviert sie heiß zu Vanilleeis. Freilich: Das Ernten ist mühsam, die Beeren haben Miniformat und sind sehr empfindlich. Aber mit den kleinen Wilden schmeckt halt alles weitaus intensiver, fruchtiger, besser als mit deren gezähmten Kollegen. Auch die Geschmackskombination Ispahan, ein signature flavour des Franzosen Pierre Hermé, bestehend aus Himbeere, Rose und Lychee.

Zutaten für 4 Portionen

400 g Naturjoghurt
12 Lychees (frisch oder aus der Dose)
200 g frische Himbeeren und / oder Waldhimbeeren
2 EL Rosenwasser
2 EL Staubzucker
Rosenblüten zum Dekorieren

1. Himbeeren in einem Suppenteller mit der Gabel zerdrücken, mit Staubzucker und Rosenwasser vermischen.

2. Himbeerpüree auf vier Schüsseln verteilen.

3. Frische Lychees schälen, halbieren und entkernen, Lychees aus der Dose abtropfen lassen. Lychees auf die Himbeeren setzen.

4. Das gekühlte Naturjoghurt darauf verteilen und mit Rosenblüten dekorieren.

Dienstag, 29. Juli 2014

Ich und mein neues, altes, großes, farbiges Backbuch


Ich musste mich auf meine Zehenspitzen stellen, um auf die Arbeitsfläche sehen zu können, auf der meine Mama Zutaten abwog, auf der sie die Backform mit Butter ausfettete und mit Mehl bestreute und auf der sie auch das einzige, was ich als Kind beim Kuchenbacken nie selbst machen, nicht einmal versuchen durfte, in sanften und vorsichtigen Schwüngen erledigte: das Unterheben des Eischnees unter den fast fertigen Teig. An dieses körperliche Gefühl, an das angestrengte nach oben Wollen, erinnere ich mich, als wäre es erst gestern gewesen. Genauso wie an die Bilder, die ich damals erhaschte: die alte Küchenmaschine, die Guglhupfform, verstreute Mehlreste und da, das Backbuch! Der Umschlag kräftig rotorange, viele bunte Bilder, Teigspritzer auf der aufgeschlagenen Seite.

Dieses Buch war damals eine Sensation, hat mir meine Mama kürzlich erzählt, ein Kochbuch mit vielen (!) bunten (!) Bildern (!). Wenn ich es heute durchblättere, muss ich ständig schmunzeln. Zum einen, weil die Fotos so herrlich retro sind, zum anderen, weil mir fast jedes von ihnen sehr, sehr vertraut ist. Dieses Buch habe ich mir in meiner Kindheit wohl ziemlich oft angesehen: Das neue große farbige Backbuch von Silke Andersen, erschienen im Jahr 1979. Und ich muss sagen, es ist auch heute noch toll. Die Rezepte funktionieren (was ja bei den Neuerscheinungen heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich ist) und es sind alle Klassiker drin.

Eine andere, tief verankerte Kindheitserinnerung ist der Duft und Geschmack der Klaräpfel, der ersten Äpfel im Jahr. Die Schale zart, hellgelb, wie durchscheinend und mit vereinzelten Sommersprossen, das Fruchtfleisch saftig und säuerlich. Die Saison dieser Sorte ist kurz und für heuer auch schon wieder vorbei. Einen köstlichen gedeckten Apfelkuchen habe ich daraus gemacht, dazu sage ich an dieser Stelle aber nur: Offene Autotür und ungezogener Golden Retriever. Ein echt unglückliche Kombination.

Dann aber noch diese Apfelbrötchen, perfekt für die Kaffeejause und für kleine Kinderhände mit wenig Zeit für so nebensächliche Dinge wie Essen. Das Rezept stammt aus meinem neuen, alten Lieblingsbackbuch und weil es so gut ist, habe ich es gleich zweimal hintereinander gebacken: Neben der Küchenmaschine das aufgeschlagene Buch (jetzt mit einigen Teigspritzern mehr) und an meiner Seite das Minimädel, auf Zehenspitzen.


Apfelbrötchen

Schmecken übrigens auch am Tag nach dem Backen noch ganz hervorragend.

Zutaten für 10 Stück

Für den Teig:
250 g Mehl
½ Würfel Germ oder 1 Packerl Trockengerm
1/8 l Milch
50 g Zucker
1 Prise Salz
40 g Butter

Für die Fülle:
375 g Äpfel
30 g Rosinen oder getrocknete Marillen
2 EL Zucker
etwas Zitronensaft
30 g Butter

1 Eigelb zum Bestreichen, Staubzucker zum Bestreuen

1. Für den Germteig Mehl mit Zucker und Salz in einer Rührschüssel vermischen. Germ hineinbröseln bzw. den Trockengerm dazugeben.

2. Milch  mit der Butter leicht erwärmen und zur Mehlmischung geben. Den Teig mit den Knethaken der Küchenmaschine etwa 5 Minuten gut verkneten.

3. In der Zwischenzeit das Backrohr auf 50 °C vorheizen, dann wieder ausschalten.

4. Die Rührschüssel mit einem sauberen Tuch abdecken und für 1 – 2 Stunden im warmen Backofen gehen lassen, bis sich das Teigvolumen verdoppelt hat.

5. Für die Fülle die Äpfel schälen, in Spalten schneiden, vom Kerngehäuse befreien und fein blättrig schneiden. Mit Zucker und Zitronensaft vermischen, Rosinen oder klein geschnittene, getrocknete Marillen dazu geben.

6. Die Butter in einem kleinen Topf schmelzen.

7. Den Germteig auf einer bemehlten Arbeitsfläche kurz durchkneten, dann etwa 3 mm dick ausrollen. Mit einer runden kleinen Schüssel (meine hatte einen Durchmesser von 12 cm) 10 Scheiben ausstechen.

8. Jede Teigscheibe mit geschmolzener Butter bestreichen und 1 EL der Fülle in die Mitte setzen.

9. Den überstehenden Teig wie zu einem Säckchen zusammennehmen und durch Andrücken gut verschließen. Vorsichtig zu runden Brötchen formen und mit der Nahtstelle nach unten auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen. Mit einem Tuch abdecken und nochmals etwa 20 Minuten gehen lassen.

10. Das Backrohr auf  200 °C vorheizen.

11. Die Brötchen mit verquirltem Eigelb bestreichen und etwa 15 – 20 Minuten backen.

12. Auskühlen lassen und mit Staubzucker bestreuen.

Samstag, 26. Juli 2014

Leider geil


Ausgerechnet das Minimädel, das manchmal mitten in der Nacht aufwacht und sagt: Mama, ich hab dich lieb, das so gern betont: Ich bin die Freundin aller Tiere, und das des Öfteren beim Abendessen ausruft: Mmmh, das schmeckt grooooßartig! Einfach wunderbar! Ausgerechnet dieses Minimädel sagt jetzt: Geil.

Der Ausdruck hat sich wie über Nacht in den Wortschatz meiner Tochter geschlichen und als der erste Schock nachgelassen hatte, wurden mir zwei Dinge klar: Nein, es ist nicht der Verfall der Sprachkultur in unserem Haus, es ist einfach ein Zeichen der Zeit. Und ja, auch das Minimädel wird irgendwann erwachsen und mich nicht mehr brauchen und überhaupt und sowieso.

Da holte ich mir eine Flasche vom heurigen Hollersekt aus dem Keller. Lauschte dem kräftigen Zischen beim Öffnen, beobachtete das Moussieren beim Eingießen und das zarte Beschlagen des Glases. Genoss den Hollerblütenduft, das Perlen auf der Zunge, die angenehme Süße. Schmeckt grooooßartig!, dachte ich mir. Und alles war wieder gut.


Hollersekt

Für Hollersekt gibt es eine Vielzahl von Rezepten, das Grundprinzip ist jedoch immer gleich: Wasser + Hollerblüten + Zucker + Säure = ungeahnte Köstlichkeit. Die vier Zutaten werden für einen Tag bei Zimmertemperatur angesetzt. Der Ansatz dient dazu, die auf den Blüten natürlich vorkommenden, zuckerliebenden Hefen möglichst gut zu vermehren und die Gärung zu starten. Gleichzeitig verhindert die Säure im Ansatz (je nach Rezept können Zitronensaft, Zitronensäure oder Essig verwendet werden) ungewolltes Schimmelwachstum. Nach dem Abfüllen in die Flaschen arbeiten die Hefen dann auf Hochtouren und setzen den Zucker in Kohlensäure und geringe Mengen an Alkohol um. Das fertige Getränk enthält dann zwischen 1 und 2 % davon.
In den meisten Rezepten wird die Flüssigkeit in stabile Glasflaschen abgefüllt und mit Korken und Schnur verschlossen, ich gehe hier jedoch einen pragmatischen Weg und fülle in Kunststoffflaschen ab. Das mag zwar ästhetisch nicht der Knaller sein, dafür bleiben mir unkontrollierte Keller-Knaller erspart.
Der verwendete Essig in diesem Rezept ist im fertigen Getränk noch ganz leicht spürbar. Mich stört das nicht, wer sich das jedoch nicht vorstellen kann, verwendet stattdessen Zitronensäure oder –saft (zu den dann benötigten Mengen kann ich derzeit leider nichts sagen – vielleicht im nächsten Jahr).
So ein Sekt lässt sich übrigens offenbar auch mit anderen Blüten herstellen, zum Beispiel mit Lindenblüten.


Zutaten für etwa 6 Liter

20 voll aufgeblühte Hollerblütendolden
750 g Zucker
5 Liter Wasser
1 unbehandelte Zitrone, in Scheiben geschnitten
125 ml Weinessig

1. Zucker im Wasser vollständig auflösen.

2. Hollerblüten, Zitronenscheiben und Essig dazugeben und die Mischung unbedeckt 24 Stunden stehen lassen (eventuell mit einem Netz abdecken, um sie vor neugierigen Krabbeltieren zu schützen).

3. Die Flüssigkeit abseihen, in stabile Kunststoffflaschen abfüllen und verschrauben.

4. Der Sekt bleibt nun etwa 3 – 4 Wochen stehen, er sollte dunkel und stehend gelagert werden. Vor dem Genuss im Kühlschrank gut durchkühlen lassen.

Nach einem Rezept aus dem Buch „Die österreichische Vorratskammer“ von Ingrid Pernkopf und Willi Haider, erschienen im Pichler Verlag.

Mittwoch, 23. Juli 2014

Fool for Forest fruits


Ich muss sagen, das ist schon ganz schön praktisch, wenn die Schwiegermama nix lieber tut, als in den Wald zu gehen und Heidelbeeren zu sammeln. Derzeit stehen die dunkelblauen, so herrlich aromatischen Früchte deshalb auch kübelweise bei uns im Keller und ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, warum sie bis vor einigen Jahren nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeeren zählten. Hach, ihr süßen, kleinen Dinger. Ich hab euch so unrecht getan … Verzeiht ihr mir?


Heidelbeeren mit Schlag

Das Minimädel und ich, wir lieben Heidelbeeren mit Staubzucker. Und wir lieben Heidelbeeren mit Schlag. Was im englischsprachigen Raum als Fool bezeichnet wird, gibt es hier immer wieder als heißgeliebten und schnellen Nachtisch, auch im Winter, dann werden dafür die gefrorenen Früchte verwendet. Wenn es passt, nehme ich gerne auch noch etwas Rum dazu.

Zutaten für 4 Portionen

350 g frische Waldheidelbeeren, verlesen
2 EL Zitronensaft
4 EL Zucker
¼ TL Zimt
1 Prise Salz
400 g Schlagobers

1. Die Hälfte der Heidelbeeren, Zitronensaft, Zucker, Zimt und Salz in einen kleinen Topf geben, gut vermischen und aufkochen lassen.

2. Die Heidelbeeren etwa 5 Minuten köcheln lassen und noch heiß pürieren.

3. Die restlichen Heidelbeeren zum Püree in den Topf geben, vermischen und vollständig auskühlen lassen. Im Kühlschrank gut durchkühlen lassen.

4. Das Schlagobers in einer großen Schüssel steif schlagen und die gekühlten Heidelbeeren nur kurz unterziehen, sodass noch Schlieren zu sehen sind.

5. Auf vier Schüsseln oder Teller aufteilen und kühl servieren.



Wo bin ich gewesen?

Wo bin ich gewesen?
Nun rat einmal schön!

Ich Wald bist gewesen,
das kann ich ja sehn.
Spinnweben am Kleidchen,
Tannnadeln im Haar,
das bringt ja nur mit,
wer im Tannenwald war!

Was tat ich im Wald?
Sprich, weißt du das auch?

Hast Beerlein gepickt
vom Heidelbeerstrauch.
O sieh nur, wie blau um das Mündchen du bist!
Das bekommt man ja nur,
wenn man Heidelbeeren isst!

(Johannes Trojan)