Samstag, 24. Januar 2015

Süßer Samstag: Buchteln


WENN …

das Minimädel beim Abendessen ihr ganzes Gesicht inklusive Haaransatz mit einer fettigen Palatschinke bedeckt und sich daran freut, wie warm sich das anfühlt,

mich der kleine Mann beim Wickeln in hohem Bogen und sehr hingebungsvoll segnet und das ganze Kinderzimmer noch dazu,

mir das Minimädel erzählt, es habe am Auto des Onkels soooo viele Eiszapfen gefunden, richtig schöne, und es habe auch daran gelutscht, aber ich solle beruhigt sein, sie seien eh nicht überall dreckig gewesen, nur am Rand,

ich aus der Dusche steige und noch während ich mir denke, dass der kleine Mann, der beim Minimädel auf der Couch liegt, irgendwie komisch weint, hinüber sprinte und sehe, wie das Minimädel mit ihrer Hand auf seinen Mund klopft, damit er wenigstens klingt wie ein Indianer, während sie Yakari schaut,

das Minimädel sagt, es gehe in sein Zimmer arbeiten, den gesamten Boden mit dem Inhalt ihres Kleiderschranks auslegt und dann von mir verlangt, diese Unordnung wieder aufzuräumen, schließlich falle so das Spielen schwer,

DANN wird mir immer wieder schlagartig klar, dass ich nun Zweifachmami bin mit allen Höhen und Tiefen, die dazu gehören.

Dann wird es ebenso Zeit, mir bewusst zu machen, wie gerne ich das bin und welches Glück es ist, zwei gesunde und fröhliche Kinder zu haben. Dieses Bewusstmachen ist auch gar nicht schwer: Dazu muss mich nur der kleine Mann ansehen mit seinen großen, wachen Augen und anlachen mit seinem süßen Babymund. Oder das Minimädel erzählt mir eine Geschichte* und nicht umgekehrt.

Manchmal wird es in solchen Momenten aber auch Zeit für echtes comfort food, Essen für die Seele. Wie die Buchteln meiner Mama. Ihr Rezept verrate ich jetzt:


Buchteln

Zutaten für etwa 20 Stück

400 ml Milch
100 g Butter
1 kg griffiges Mehl
3 Packerl Trockengerm (ich habe abweichend von diesem Rezept nur 2 Packerl verwendet und es war ebenfalls ausreichend) oder 1 ½ Würfel frische Germ
1 Prise Salz
abgeriebene Schale von ½ Zitrone
150 g Zucker
3 – 4 Eier (je nach Größe)
feste Marmelade nach Geschmack (ich verwende meist Marille) zum Füllen
etwa 200 g Butter  zum Eintauchen

1. Milch mit Butter in einem kleinen Topf erwärmen.

2. In einer großen Rührschüssel Mehl mit Germ (wird frische Hefe verwendet, die Hefe hineinbröseln), Salz, Zitronenschale und Zucker vermischen.

3. Eier und Milch-Butter-Mischung dazugeben und mit dem Knethaken von Küchenmaschine oder Mixer einige Minuten lang zu einem eher weichen Teig schlagen.

4. Die Schüssel mit einem sauberen Geschirrtuch abdecken und an einem warmen Ort etwa 1 Stunde rasten lassen, bis sich das Teigvolumen verdoppelt hat.


5. Ein tiefes Backblech (30 x 40 cm) mit Backpapier auslegen und bereitstellen, die Butter zum Eintauchen in einem kleinen Topf schmelzen. (Auf den Bildern ist eine alte, kleinere Form mit Blümchendekor zu sehen, ich wollte sie aus nostalgischen Gründen für die Fotos verwenden – das war dann im Nachhinein betrachtet nicht ganz ideal, siehe weiter unten.)

6. Den Backofen auf 160 °C vorheizen.


7. Mit einem großen Esslöffel eine Kugel vom Teig abstechen, diese zu einem Viereck auseinander ziehen und einen Teelöffel Marmelade in die Mitte setzen.


8. Den Teig wie ein kleines Sackerl zusammenfassen und in die flüssige Butter tauchen (so lassen sie sich nach dem Backen schön teilen). Dann mit der Verschlussseite nach unten in das Blech setzen.


9. Den restlichen Teig ebenso verarbeiten, die Masse ergibt etwa 20 Stück. Darauf achten, die Buchteln nicht zu dicht nebeneinander zu setzen, weil sie beim Backen stark aufgehen (bei dem Backblech mit 30 x 40 cm ergibt sich eine Schlichtung von 4 x 5 Buchteln).

10. Die Buchteln in ungefähr 30 Minuten goldgelb backen.

11. Aus dem Ofen nehmen, überkühlen lassen und mit  Staubzucker bestreuen.

12. Rein in die Komfortzone!


P.S.: 9 Stück waren für meine Blümchenform zu viel. Die unbarmherzigen Buchteln haben beim Backen einfach eine Dreierreihe nach draußen verdrängt J.


*Und die Geschichte vom Minimädel, die ging so:
Es war einmal eine Blume, die kam nie aus der Erde heraus, nie, nicht einmal im Sommer (Wow, dachte ich mir, die Geschichte könnte spannend werden). Dann kam ein Traktor und der ist über die Blume in der Erde gefahren (Oh, was wird wohl jetzt passieren?). Und dann war die Blume tot .
Die Geschichte war übrigens an dieser Stelle zu Ende.

Montag, 19. Januar 2015

Rezension: Meine Ayurveda-Familienküche


Volker Mehl ist ein witziger Kerl. Eigentlich hätte er ja vorgehabt, so schreibt er im Vorwort seines neuen Buches Meine Ayurveda-Familienküche, ein erotisches Ayurveda-Kochbuch im Stil von Helmut Newton zu machen. Die Hürde von der Erotik zum Breikochen sei dann aber doch nicht so unüberwindbar gewesen wie zunächst vermutet. Gottseidank. Denn heraus gekommen ist ein schönes Familienkochbuch, das die ayurvedische Ess- und Kochtradition im Hintergrund hat, aber ganz ohne erhobenen Zeigefinger auskommt. Man könne sich direkt und guten Gewissens vom Quatsch eines Alles-oder-nichts-Ayurveda verabschieden, meint Volker Mehl, denn das wahre und reine Ayurveda gebe es nicht. Wichtig sei: Regelmäßig, warm und leicht verdaulich, darüber hinaus solle man einfach entspannt bleiben. Das klingt doch ganz gut, finde ich.

Meine Ayurveda-Familienküche startet mit einigen ayurvedischen Grundbegriffen gefolgt von den Kapiteln Wie man Kindern Appetit macht, ADHS & Ayurveda, Die sechs Geschmäcke, Was warmes Essen mit guter Ausstrahlung zu tun hat sowie Informationen über Ghee (geklärtes Butterfett) und die klassischen Gewürze, die in der ayurvedischen Küche Verwendung finden. Alles in einem Stil geschrieben, der rockt. Ja, tatsächlich lesen sich diese knapp 40 Seiten spannend und kurzweilig, die Erklärungen sind nachvollziehbar und machen durchaus Sinn. Die wichtigste Grundregel, um den Kleinen einen guten und gesunden Zugang zum Essen zu vermitteln sei, selbst gut zu essen, so der Autor, und dem kann ich uneingeschränkt zustimmen.

Das Buch ist im klassischen Stil des TRIAS Verlags aufgemacht und mit sehr witzigen und liebevoll gemachten Illustrationen versehen. Nicht jedes Rezept ist bebildert. Die Fotos selbst laden auf jeden Fall zum Nachkochen ein und wirken authentisch. Jedes Rezept ist mit Angaben zum Zeitaufwand und zur Personenanzahl ausgestattet. Das Buch ist in folgende Rezeptkapitel eingeteilt:

* Satt und glücklich in den Tag
* Magische Suppen
* Warme Hauptmahlzeiten für alle zusammen
* Süßes Seelenfutter
* Handliches für Unterwegs
* Leckerer Spezialspaß für die Kleinen
* Romantikdinner für die Großen
* Flüssige Freuden

Zum Schluss folgen Rezept- und Zutatenregister sowie ein kurzes Stichwortverzeichnis.

Volker Mehl kombiniert ayurvedische Kochtraditionen mit heimischer Hausmannskost und geht mit großer Kreativität an seine Rezepturen heran. Manchmal schießt er dabei allerdings übers Ziel hinaus: Gibt es tatsächlich Kinder, die sich über Wirsing-Rotkohl-Gemüse mit Zimt freuen? Oder über eines der vielen Chutney-Rezepte? Hm. Und warum der Autor durchgehend Sojasahne statt normalem Schlagobers verwendet, bei Milch und Butter aber auf die tierischen Varianten setzt, erschließt sich mir auch nicht ganz. Gefreut habe ich mich hingegen sehr über die beiden Wildkräutersalat-Rezepte.

Volker Mehl hat selbst keine Kinder, dennoch fühle er sich bemächtigt, ein Familienkochbuch zu schreiben, denn: Jeder ist Teil einer Familie, natürlich auch er. Ja, stimmt schon, grundsätzlich. Bei Tipps wie „Wenn die Kids nach Gummibärchen verlangen … Überraschen Sie sie mit diesem Fladenbrot und frischen Gemüsesticks. Die Gummibärchen sind garantiert ganz schnell vergessen!“ muss ich dann aber doch ein wenig schmunzeln. Und würde Herrn Mehl raten, zumindest das Wörtchen garantiert wegzulassen (das übrigens öfter vorkommt).


Nachgekocht

Die Mangoldtaler mit Vanillekarotten haben mich angelacht. Mangold und Karotten waren daheim, die anderen Zutaten großteils auch. Die getrockneten Tomaten habe ich weggelassen, ebenso den frischen Basilikum. Das Rezept hat gut funktioniert, wobei die Anleitung nicht zu 100 % schlüssig geschrieben ist (dass die gehackten Cashewkerne in die Laibchenmasse kommen, musste ich mir zusammenreimen). Die Karotten sind umwerfend gewürzt, die Kombination aus Vanille, Orangensaft, Chili, Kreuzkümmel, Salz und Ahornsirup ist sehr gelungen. Alles in allem ein tolles Rezept, die getrockneten Tomaten und die frischen Kräuter wären dabei, im Nachhinein betrachtet, sicher noch das i-Tüpferl gewesen.

To Cook-Liste

Herzhafter Grießbrei
Schoko-Mohn-Brötchen
Buchweizen-Kürbis-Risotto mit Wildkräutersalat
Gebackener Brokkoli mit Selleriecreme
Kartoffelkuchen mit Kräuterdip
Große Apfel-Mandel-Tarte
Roter Bohnenaufstrich
Sesam-Mohn-Sticks
Vollkorn-Ciabatta
Ciabatta Speziale
Tomaten-Oliven-Scones mit Pesto
Schatzsucherbrötchen (in einem der Brötchen ist eine Mandel versteckt)
Kartoffelecken aus dem Ofen, dazu vegane Mayonnaise und selbst gemachtes Tomatenketchup
Gemüse-Glückstaler
Milchpudding mit Rosenwasser

Sondertipp

Wie ich Gemüse in mein Kind kriege? Ich frage nicht. Frage nicht, was es essen will (weil Antwort: Palatschinken). Frage auch nicht, ob es dies oder jenes essen will (weil Antwort: Nein). Koche das, was ich nach meinen Maßstäben für gesund und richtig halte und setze es ihm vor. Sicher: Nicht nur einmal hat das Minimädel in der Folge nichts gegessen. Aber gekostet zumindest und das halte ich für das Wichtigste.

Fazit: Je öfter ich mich durch Meine Ayurveda-Familienküche blättere, desto besser finde ich es. Über manche Rezepte und Alltagstipps ließe sich streiten, aber im Großen und Ganzen ist dem Autor ein gangbarer Weg zu einer soliden und genussorientierten Küche für die ganze Familie gelungen.

P.S.: Volker Mehl konnte übrigens nicht ganz von seinem ursprünglich angepeilten Thema lassen. Da liest man nämlich plötzlich von Sauberem Sex unterm Sternenhimmel und den Unterschied, den es macht, ob ein Kind mit Liebe und Hingabe gezeugt oder eben nur gemacht wird. Hm, ja, das ist wohl auch eine Überlegung wert …

Meine Ayurveda-Familienküche: Gemeinsam isst man glücklicher
von Volker Mehl
Gebundene Ausgabe, 188 Seiten
TRIAS Verlag, 1. Auflage 2014
ISBN: 978-3830469056
Preis: € 19,99

Dank an den TRIAS Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Donnerstag, 15. Januar 2015

Über meinen Lieblingskoch, sein Fiakergulasch, die EU und was das alles mit uns zu tun hat


Ja, der Mann hat eine Stirnlampe auf. Weil er sonst nichts sieht an seinem Tischherd. Die Beleuchtung, die dort hin gehören würde, ist noch nicht montiert, geschweige denn gekauft. Der Mann hat nämlich ganz andere Talente. Der Mann ist Koch. Mein Lieblingskoch. Einladungen beim ihm sind kostbar und haben noch jedes Mal meinen kulinarischen Horizont erweitert. Gerichte, von denen ich nicht geglaubt hätte, dass sie mir jemals schmecken würden, schmecken mir an seinem Tisch: Beef tartare, das Rindfleisch (ein sehr gutes, aus dem Ort) feinst gehackt und perfekt gewürzt. Und diese Räucherfisch-Sulz! Ich, mit Wonne Sulz essend - wer hätte das gedacht.

Vor einigen Tagen kam ich wieder in den Genuss: Fiakergulasch, mit allem, was dazu gehört – für geschätzte 30 Leute (Geburtstag, nicht seiner). Alleine die Unmengen an (unbedingt gezuckerten!) Zwiebeln brauchten zum Anschwitzen zwei Stunden. Liebevoll angerichtet mit einem Frankfurter Würstel, einem Spiegelei, einem aufgefächerten Essiggurkerl, einem Löffel Sauerrahm und zwei Scheiben knusprig gebratenem Speck. Voilà: Das Fleisch zerfiel im Mund und alles war viel zu schnell gegessen, um es fotografieren zu können.

Das Tischgespräch war, dem Essen entsprechend, heiter und ausgelassen. Plötzlich kam die Frage auf:

Wie schaut es denn eigentlich mit den Allergenen aus, hier, bei deinem Gulasch?

Die Frage war ironisch gemeint und ihre Beantwortung hätte den Hochgenuss dieses Wiener Traditionsgerichtes nur gestört. Genauso schnell wie sie auftauchte, versank sie daher auch wieder im aromatischen, dickflüssigen Gulaschsaft. Dabei ist die Sache mit den Allergenen eine höchst aktuelle, natürlich nicht für solche privaten Kochereien, aber sehr wohl für die Gastronomie und alle anderen Akteure in der so genannten Außer-Haus-Verpflegung. Bestelle ich heute beim Wirt ums Eck ein Fiakergulasch, so müsste er mir, so ich das denn will, Auskunft geben können, ob in dem Gericht Zutaten enthalten sind, die Allergien auslösen könnten und wenn ja, welche. Klingt nicht unbedingt einladend? Nach Krankenhausküche, nach Diät? Stimmt, trotzdem ist es notwendig, sogar rechtlich verpflichtend. Die Schuldige ist in diesem Fall ein weiterer Koloss der EU-Rechtssprechung, die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV), die mit Mitte Dezember des vergangenen Jahres in Kraft getreten ist. Sie fordert neben vielen anderen Neuerungen auch eine lückenlose Kennzeichnung von allergenen Zutaten in Lebensmitteln, seien sie nun verpackt oder unverpackt. Betroffen ist daher auch das Fiakergulasch beim Wirt ums Eck.

Die strengere Allergenkennzeichnung ist eine Reaktion auf die stetig wachsende Zahl von Lebensmittelallergikern und Menschen mit Unverträglichkeiten. Warum diese Zahl im Steigen begriffen ist, sei hier nicht diskutiert, das ist ein ganz anderes Thema. Was aber hat der Wirt ums Eck zur neuen Regelung gesagt? Der war eher, na sagen wir einmal: verzweifelt. Ellenlange Speisekarten, den Beipackzetteln von Medikamenten gleich, wurden befürchtet – und waren auch tatsächlich in Diskussion. Die berechtigte Frage lautete: Wo bleibt der Genuss, wenn man sich erst durch ausführliche Zutatenlisten, Warnhinweise und Fußnoten arbeiten muss? Die österreichische Auslegung der LMIV fiel Gott sei Dank pragmatisch aus: Der Gastronom darf selbst entscheiden, ob er seine Speisekarte umgestalten will. Will er nicht, so genügt eine kundige und geschulte Person, die im Bedarfsfall Auskunft geben kann.

Puh, das war knapp. Der Wirt ums Eck hat die Kurve gekratzt. Wie sieht es aber bei den Herstellern von verpackten Lebensmitteln aus? Die hatten wohl im letzten Jahr ziemlich viel zu tun, denn sie mussten jede einzelne Verpackung ändern und an die neuen Regelungen anpassen. Die Nährwerttabelle musste auf den Kopf gestellt, allergene Zutaten optisch hervorgehoben, verwendetes Pflanzenöl näher spezifiziert werden, … Nicht alles halte ich dabei für sinnvoll, einiges hat aber durchaus seinen Wert. Stichwort Pflanzenöl: Da staunt man plötzlich nicht schlecht, wo sich überall Palmöl findet …


Die Intention der LMIV war und ist es, den Verbraucher einheitlich und besser über seine Lebensmittel zu informieren. Ob ihr das gelingen wird, bleibt fraglich. Kann eine andere / erweiterte Kennzeichnung das Interesse an gesundem Essen, die Freude an hoher Lebensmittelqualität, das Kochen-Können (also ganz konkret: kulinarische Bildung) ersetzen? Nein, das kann sie nicht. Dieser Weg, ausschließlich begangen, muss in eine Sackgasse führen, an deren Ende der Konsument noch mehr von seiner eigenen Verantwortung für eine gute und ausgewogene Ernährung abgibt. Sicher, das ist der einfachere Weg. Nichts leichter, als sich über die böse Lebensmittelindustrie zu beschweren. Dabei vergessen wir aber allzu schnell: Die Lebensmittelwelt, in der wir heute leben, wurde von uns mit geschaffen. Wenn beim Einkauf der (billige) Preis über allem anderen steht, muss damit gerechnet werden, dass hinter diesen Produkten auch günstige Rezepturen stehen.

Besser, als wissenschaftlich anmutende Etiketten zu studieren, bleibt daher: Selber frisch kochen. So behalten wir die Kontrolle. Die Kontrolle darüber, woher unser Essen kommt, wie es hergestellt wurde und welche Zusatzstoffe darin gelandet sind. Würde jeder auch nur ansatzweise so kochen wie mein Lieblingskoch (und damit meine ich keineswegs sein handwerkliches Geschick, sondern vor allem seine Freude und die Leidenschaft, mit der er bei der Sache ist), wäre eine Neuregelung dieser Größenordnung nicht notwendig gewesen. Sein Fiakergulasch besteht zum guten Teil aus Basics, aus Grundzutaten einer guten und frischen Küche. Aus Zutaten, bei denen er die Qualität selbst bestimmen konnte und die er dann zu einem wohlschmeckenden Ganzen verarbeitet hat. Kochen, was für eine Kunst …

P.S.: Wer sich in die neue Verordnung einlesen und mehr Details erfahren möchte: Bitteschön.

P.P.S.: Nicht auf die Zitronenschale im Fiakergulasch vergessen!

Dienstag, 30. Dezember 2014

Rezension: VEGAN international


Für einen Foodblogger wie mich gibt es wenige Dinge, die mehr Anziehungskraft besitzen als: Ein neues Kochbuch. Folglich fallen mir auch keine großartigen Gegenargumente ein, wenn ich von einem Verlag gebeten werde, eine Neuerscheinung zu rezensieren. Natürlich, gerne, bitteschön. Es ist spannend und sehr interessant, sich ein Kochbuch genau, ganz genau anzusehen. Das mache ist sonst zwar auch, lese mit Vorliebe Vorwörter, Einleitungen und Informationen über den Autor. Aber bei einer Rezension schaue ich vermutlich noch genauer hin.

Den Anfang macht VEGAN international von Gabriele Lendle, erschienen im TRIAS Verlag. Das Hardcover-Buch ist hochwertig verarbeitet, die Gerichte sind kreativ präsentiert. Es ist nicht jedes der 115 Rezepte abgebildet, ein Umstand, der mich hin und wieder schon mal stört, weil ich gerne wissen möchte, wie das Endprodukt aussehen könnte. Andererseits genieße ich es geradezu, ein Rezept zu lesen und dabei das Gericht in meinem Kopf nachzukochen und entstehen zu lassen …

Nach einer kurzen Einleitung über die Erfahrungen der Autorin mit fremden Ländern und Esskulturen folgen zwei Grundrezepte: Cashewcreme und Dattelsirup. Gabriele Lendle verwendet zum Süßen nur noch selbst gemachten Dattelsirup und verzichtet in ihren Rezepten weitgehend auf Pflanzenmargarine. Diese ersetzt sie durch Cashewcreme und kaltgepresstes Sonnenblumenöl, was ich klug und sympathisch finde. Sie schneidet in diesem Zusammenhang kurz die Palmöl-Problematik an und hebt dann die (gesundheitlichen) Vorzüge der Cashewkerne hervor. Hier ist der Autorin allerdings ein aus meiner Sicht nicht unwesentlicher Fehler passiert, wenn sie schreibt, dass die Cashewnuss im botanischen Sinne keine Nuss ist und daher für Nussallergiker geeignet ist. Hm, eine Aussage, die so pauschal formuliert nicht stimmt. Denn die Cashewnuss kann sehr wohl Allergien hervorrufen und muss auch mit dem Inkrafttreten der Lebensmittelinformationsverordnung der EU Mitte Dezember dieses Jahres verpflichtend in der Zutatenliste von Lebensmitteln als Allergen gekennzeichnet werden.

Internationale vegane Küche – da denke ich an Pasta mit aromatischer Tomatensauce, indische Gemüsecurrys, asiatische Wokgerichte. Alles Speisen, die sowieso vegan sind und immer schon waren. Dem trägt die Autorin Rechnung: Etwa zwei Drittel der Rezepte kommen ohne Ersatzprodukte wie Pflanzensahne, vegane Wurst oder veganen Käse aus. Schön! Da finde ich es fast schade, wenn in der Safran-Paella mit Gemüse vegane Riesengarnelen verkocht werden. Ich denke, das braucht es ganz einfach nicht. Braucht es das?

Der Aufbau des Buches ist eine kleine Reise um die Welt. Die einzelnen Kapitel sind bestimmten Ländern, Regionen oder Kontinenten gewidmet:
* Italien
* Alpen
* Mittelmeer
* Afrika
* Vorderer Orient
* Asien
* Indien
* Amerika
* Karibik

Die Auswahl der Rezepte ist gelungen, es finden sich vegane Klassiker (Minestrone) ebenso wie veganisierte Lieblingsrezepte (Lasagne, mit veganem Käse überbacken). Die Linzer Torte kommt tatsächlich ohne Margarine aus, statt Speck wird Räuchertofu verwendet, Eier werden durch Kichererbsenmehl ersetzt. Die Rezeptanleitungen sind sehr ausführlich und genau beschrieben, zwischendurch finden sich immer wieder kleine Tipps und Infos, die zumindest mir so manches Aha-Erlebnis beschert haben (Hirschhornsalz kann auch nicht vegan sein? Die marokkanische Gewürzmischung Ras el Hanout enthält mitunter Spanische Fliege, einen getrockneten und gemahlenen Käfer? In Currypasten finden sich des Öfteren getrocknete Shrimps?). Das Buch schließt mit einem Stichwortverzeichnis ab, das sowohl Rezepte als auch Zutaten abdeckt.


Nachgekocht habe ich bisher zwei Gerichte: Pasta alla Norma und Pizza funghi. An beiden Rezepten haben mich vor allem die selbst gemachten Käse-Alternativen interessiert, nämlich ein Ricotta aus Cashewkernen und so genannter Hefeschmelz statt Pizzakäse. Der Ricotta hat mich und meine Familie überzeugt (trotz getrockneten Tomaten, die ich normalerweise gar nicht mag), er schmeckt würzig und cremig und fügt sich harmonisch ins Ganze. Im Gegensatz dazu hätte in den Hefeschmelz auf der Pizza nicht unbedingt gebraucht, die Pizza an sich aber gelang wirklich gut.


Auf meiner To Cook-Liste stehen noch:
Erdäpfel-Strudel
Linzer Torte
Schweizer Älplermagrone
Berner Lebkuchen
Feurige Paprika-Chili-Tortilla
Spanische Zitronen-Kartoffeln
Französische Fenchel-Suppe
Pissaladière
Türkisches Fladenbrot mit Auberginencreme
Basmati-Pilaw
Pizza Lahmacun
Tajine mit Süßkartoffeln, Früchten und Nüssen
Gemüse mit Harissa auf Couscous
Arabisches Reisgericht mit Früchten
Rote-Linsen-Dal mit Naan-Fladenbrot
Indisches Curry
Kokosreis mit Gemüse und Cashewkernen
Amerikaner
Guacomole mit Tortilla-Chips
Empanadas mit fein gewürzter Seitan-Füllung
Linsensuppe mit Bananen- und Kokoschips
Karibischer Kichererbsen-Knusperspaß
Mango-Schoko-Rum-Milchreis

Fazit: Bei VEGAN international merkt man, dass die Autorin kein Neuling auf dem Gebiet ist. Die Rezepte funktionieren, besitzen (zumindest für mich) einigen Neuigkeitswert und sind alltagstauglich. Von einigen kleineren Fehlern abgesehen (sind es nun 115 oder 80 vegane Rezepte? Nachzählen hilft…) finde ich das Buch gut gemacht und durchdacht, was durchaus als Empfehlung gelesen werden kann.

VEGAN international – mit 115 veganen Rezepten um die Welt
von Gabriele Lendle
Gebundene Ausgabe, 160 Seiten
TRIAS Verlag, 1. Auflage 2014
ISBN: 978-3830469988
Preis: € 19,99

Dank an den TRIAS Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Dienstag, 23. Dezember 2014

Gesegnete Weihnachten!


In den Nächten vor Weihnachten
tritt man gerne einmal vor die Türe
und steht alleine unter dem Himmel
nur um zu spüren, wie still es ist
wie alles den Atem anhält
um auf das Wunder zu warten.

Karl Heinrich Waggerl

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Eine Weihnachtslegende oder Wie der Apfel zum Menschen kam


Christkind kam in den Winterwald,
der Schnee war weiß, der Schnee war kalt.
Doch als das heil’ge Kind erschien,
fing’s an, im Winterwald zu blüh’n.

Christkindlein trat zum Apfelbaum,
erweckt ihn aus dem Wintertraum –
„Schenk’ Äpfel süß, schenk’ Äpfel zart,
schenk’ Äpfel mir von aller Art!“

Der Apfelbaum, er rüttelt sich,
der Apfelbaum, er schüttelt sich.
Da regnet’s Äpfel ringsumher;
Christkindleins Taschen wurden schwer.

Die süßen Früchte alle nahm’s,
und also zu den Menschen kam’s.
Nun, holde Mäulchen, kommt verzehrt,
was euch Christkindlein hat beschert!

Ernst von Wildenbruch


P.S.: Wer diese Keks-Spielerei nachbacken möchte: Die Apfelkekse sind aus normalem 3-2-1-Mürbteig gemacht (300 g Mehl, 200 g Butter, 100 g Zucker, 1 Ei, eine Prise Salz). Ein Drittel davon habe ich mit 20 g pulverisierten, gefriergetrockneten Himbeeren und 1 EL Milch verknetet. Nach dem Rasten werden die beiden Teige etwa 4 mm dick ausgerollt, mit Hilfe zweier runder Ausstecher (eine Ausstecher sollte im Durchmesser etwa 0,5 cm kleiner sein als der andere) ausgestochen und die beiden Farben zusammengesetzt. Als Apfelkerne kommen noch Kakaonibs auf den Teig, bei 180 °C etwa 10 Minuten sehr hell backen (da sonst das Rosa des äußeren Teigs komplett verschwindet).