Montag, 15. September 2014

Sommersüß (aus dem Eis), gleich dreimal


Wohin mit all den schönen Rezepten? Ach, ich komme mit dem Posten nicht nach. Daher dieses Mal: Eine kleine Zusammenschau, drei süße Glücklichmacher und hoffentlich genügend Sommeraromen in eurem Tiefkühlschrank.


Labneh mit Waldheidelbeeren

Labneh ist ein Frischkäse aus dem Nahen Osten, der durch simples Abtropfen-Lassen aus Joghurt hergestellt wird. Je nachdem, wie das Joghurt vor dem Abtropfen gewürzt wird, sind unterschiedlichste Varianten möglich – von süß bis salzig, von würzig bis mild. Eine kleine Labneh-Einführung gibt es hier im Kuriositätenladen zu lesen.

Zutaten für 6 Portionen

1,5 kg Vollmilchjoghurt
1 Prise Salz
Schale von ½ unbehandelten Orange
100 g Zucker
1 EL Vanillezucker
300 g Waldheidelbeeren
2 TL Speisestärke
3 EL Zitronensaft
100 g Pistazien, geröstet und gesalzen
2 EL Honig

1. Joghurt mit Salz, Orangenschale, 70 g Zucker und Vanillezucker verrühren. Die Hälfte der Waldheidelbeeren vorsichtig untermischen.

2. Ein feines Sieb mit einem sauberen Mulltuch (ein sauberes Geschirrtuch geht auch, ebenso Küchenrolle) auslegen und über eine Schüssel hängen. Die Joghurtmasse hineingeben, alles abdecken (wird ein Mull- oder Geschirrtuch verwendet, einfach die Enden des Tuches einschlagen, ansonsten einen Teller oder einen passenden Topfdeckel zum Abdecken verwenden) und über Nacht in den Kühlschrank stellen. Die Masse sollte mindestens 12 Stunden abtropfen.

3. Für die Waldheidelbeersauce die restlichen Heidelbeeren mit Zitronensaft und dem restlichen Zucker (30 g) aufkochen.

4. Speisestärke mit etwas kaltem Wasser glatt rühren, in die heißen Beeren einrühren und die Sauce etwa 1 Minuten köcheln lassen. Die Sauce auskühlen lassen.

5. Pistazienkerne aus den Schalen lösen und grob hacken.

6. Den abgetropften Frischkäse auf eine Platte stürzen. Mit einem großen Löffel Nocken abstechen, auf Dessertteller setzen, mit Waldheidelbeersauce, Pistazienkernen und Honig anrichten.

Nach einem Rezept aus dem Living at home-Magazin.



Republikcreme

Schweizer Soldaten bekommen ab 2015 – wo möglich – nur noch Lebensmittel aus dem eigenen Land aufgetischt. Dafür werden nicht unwesentliche Mehrkosten in Kauf genommen. Eine Art von Patriotismus, die mir sehr gefällt – genau wie das folgende Rezept: Flag food in rot-weiß-rot. Das Rezept stammt aus dem Jahr 1932 und ich vermute, dass damals die Gelatineblätter eine andere Größe hatten – die im Rezept verlangten 6 Blatt führen nämlich zu einem texturmäßig ziemlich ungenießbaren Nachspeis-Brocken …

Zutaten für 4 Portionen

3 Dotter
70 g Zucker
1 EL Vanillezucker
3/16 l Milch (= ca. 2 EL)
1 ½ Blatt Gelatine
¼ l Schlagobers
3 EL Himbeermark (am besten aus Waldhimbeeren)
3 EL Erdbeermark (am besten aus Walderdbeeren)

1. Dotter mit Zucker, Vanillezucker und Milch in einer metallenen Schüssel verrühren und mit dem Schneebesen unter ständigem Rühren über dem heißen Wasserbad dicklich aufschlagen (nicht zu heiß werden lassen!).

2. Gelatine in kaltem Wasser einweichen, ausdrücken und unter die heiße Creme mischen. Vom Wasserbad nehmen.

3. Schlagobers steif schlagen und unter die schon etwas abgekühlte Dottermasse rühren.

4. Creme dritteln.

5. Unter ein Drittel das Himbeermark mischen, unter ein weiteres Drittel das Erdbeermark.

6. Die drei Cremesorten schichtweise in Dessertgläser füllen, dabei mit einer roten Sorte beginnen, dann kommt Vanille und dann die andere rote Sorte.

7. Die Creme kühl stellen, bis sie fest geworden ist.

Nach einem Rezept aus dem Buch Kulturgeschichte der österreichischen Küche von Peter Peter, erschienen bei C.H. Beck.



Grießkuchen mit Kirschen

Dieser Kirschkuchen ist einer meiner liebsten: buttrig, fruchtig, durch den Grieß leicht knusprig. Ein echter Allrounder, den ich schon oft gebacken habe und der einfach jedem schmeckt.

2 Eier
150 g Zucker
150 g Mehl
1 Prise Salz
70 g Grieß
150 g zerlassene Butter
500 g Kirschen (entsteint oder auch nicht)
Butter und Semmelbrösel für die Form

1. Backofen auf 200 °C vorheizen.

2. Die Backform (ca. 24 cm Durchmesser, ich habe eine flache Tarteform verwendet, es geht aber natürlich auch eine normale runde Springform) mit Butter einfetten und mit Semmelbröseln ausstreuen oder mit Backpapier auslegen.

3. Eier und Zucker dickschaumig aufschlagen.

4. Mehl mit Salz und Grieß vermischen und gemeinsam mit der zerlassenen Butter unter den Eierschaum heben.

5. Den Teig in die Form füllen, die Kirschen darauf verteilen und leicht andrücken.

6. Den Kuchen etwa 30 Minuten backen.

Nach einem Rezept aus dem Buch Backen mit Leila von Leila Lindholm, erschienen im AT Verlag.

Montag, 8. September 2014

Voll am Trend vorbei


Woher kommt es eigentlich, dieses komische Gefühl beim Einkaufen und Essen, diese Unsicherheit, was uns gut tut und was nicht? Weshalb dieser Run auf immer neue, scheinbar Wunder hervorbringende Zutaten und Ernährungsformen? Aus Stevia wird Birkenzucker. Aus Vegan wird Rohvegan wird Freevegan wird Paläo wird …. was? Warum fokussieren wir lieber auf Superfoods anstatt auf das kulinarische Ganze?

Ich habe mir neulich ein aktuelles amerikanisches Kochbuch gekauft. Es ist in seiner Hauptbotschaft keineswegs für Allergiker oder Menschen mit Intoleranzen gedacht. Trotzdem wird darin bei jedem Rezept aufgelistet, was das fertige Gericht NICHT enthält: Nut-free, soy-free, sugar-free, refined sugar-free, gluten-free, oil-free, grain-free steht da zu lesen. Für mich hört sich das fast ein wenig nach Paranoia an. Haben wir mittlerweile Angst vor dem, was wir essen?

Warum unsere Zeit genau diese Ernährungstrends hervorbringt und nicht andere, ist eine sehr komplexe Frage. Vermutlich findet jede Entwicklung ihren Anfang in einer Art Unzufriedenheit mit dem Status quo, in dem Wunsch, etwas zu verändern. Dann probieren wir aus, sind neugierig auf Unbekanntes, gehen auf die Suche – es wohnt ja jedem Anfang ein Zauber inne, warum sollte es bei unserer Ernährung anders sein? Manchmal erkennen wir dann, dass die alten Zeiten doch gar nicht so übel waren, aus Trend wird Gegentrend und schwupps, kommt alles irgendwann wieder.

Ich versuche daher, aktuellen Strömungen gelassen zu begegnen. Meist sind sie kurzlebig, schnell überholt und vergessen. Was nicht heißt, dass ich mich ihnen gegenüber komplett verschließe, im Gegenteil. Ich picke mir mit Freude die sprichwörtlichen Rosinen heraus, lasse mich inspirieren, integriere manches in meinen Ernährungsalltag, anderes amüsiert mich oder ärgert mich gewaltig. Was die gegenwärtige Frei von-Kultur unserer kulinarischen Landschaft anbelangt: Sie stört mich. Machen wir sie doch zur Voll von-Kultur. Vergessen wir das, was nicht drin ist in unserem Essen und schauen wir stattdessen, was in ihm steckt: Geschmack, Tradition, Heimat, Natur, Energie, Stimmung, Genuss. Was noch?


Waldhimbeer-Veilchen-Parfait

Skeptische Menschen werden dieses Parfait nicht ausprobieren. Es enthält Himbeeren aus Wildsammlung (Fuchsbandwurm?), Wildblumen (Hunde-Pipi?), weißen Zucker, rohe Eier, Schlagobers und den fettesten Topfen, den es gibt. Obwohl: Es wäre ja frei von Nüssen, Soja, Gluten, Öl und Getreide.
Gleichzeitig könnte man aber auch sagen: Das Parfait ist voll von angenehmer, zuckriger Süße, frischen Herta-, Berta- oder Cindy-Eiern, aromatischen und sonnenverwöhnten Himbeeren, dem konservierten Duft des Frühlings, cremigem Wohlgeschmack, optischen Highlights.

Oder?

Eben.

Zutaten für 8 Portionen

250 g Waldhimbeeren (ersatzweise Gartenhimbeeren) – aus dem TK-Vorrat oder frisch
400 ml Schlagobers
5 sehr frische Eidotter
1 EL Vanillezucker
80 g Zucker
150 g Speisetopfen mit 40 % Fett i. Tr.
Essbare Blüten, Zitronenverbene und Himbeeren zum Garnieren

1. Eine Kastenform von 30 cm Länge mit Frischhaltefolie auskleiden (ich habe mein Parfait in eine Kartonschachtel, ausgelegt mit Butterpapier, gefüllt, was, im Nachhinein betrachtet, doch eher suboptimal war – Kastenform und Frischhaltefolie funktionieren sicher besser).

2. Schlagobers steif schlagen und kühl stellen.

3. In einer Metallschüssel die Dotter mit Veilchensirup, Vanillezucker und der Hälfte des Zuckers verrühren. Dann über einem heißen Wasserbad mit einem Schneebesen einige Minuten vorsichtig aufschlagen (die Masse darf nicht zu heiß werden – Eierspeis-Gefahr!), bis die Mischung dick-cremig wird. Vom Wasserbad nehmen, auf eine kalte Fläche stellen und unter Rühren abkühlen lassen.

4. Topfen unterrühren, Schlagobers unterheben.

5. Den restlichen Zucker mit 150 g Himbeeren (falls tiefgekühlte verwendet werden, diese vorher auftauen) vermischen und mit einer Gabel zu einem Püree zerkleinern.

6. Die Hälfte der Eiermasse in die Form füllen, das Himbeerpüree und die restlichen Himbeeren darauf verteilen. Dann die zweite Hälfte der Eiermasse darüber geben.

7. Mit einer Gabel mehrmals spiralförmig durch die gesamte Masse ziehen, damit eine Marmormuster entsteht.

8. Das Parfait für mehrere Stunden tiefkühlen, am besten über Nacht.

9. Das Parfait etwa 15 Minuten vor dem Servieren aus dem Tiefkühlfach nehmen, die Form kurz in heißes Wasser tauchen und auf eine Platte stürzen. Folie abziehen und mit Blüten, Zitronenverbene und Himbeeren garnieren.


Nach einem Rezept aus dem Living at Home-Magazin.

Samstag, 23. August 2014

Voll im Trend



Ja, ich weiß, damit setze ich keinen Trend, sondern ich setz mich mitten rein, in den Trend: Dass Kleinhäusler ein paar Hendln für den Eigenbedarf halten, ist in einem bemerkenswert knappen Zeitraum zu erstaunlicher Normalität geworden. Sobald der Garten geeignet und die Nachbarschaft tolerant genug erscheint, ziehen auch schon gefiederte, geflügelte, gackernde Zweibeiner ein. Und es ist ja auch wirklich schön zu wissen, wie die Hühner, die meine Frühstücks-, Kuchen- und Eierspeis-Eier legen, tatsächlich leben. Dass sie gut leben. Wahre Glücks-Eier sind das.


Zumindest bilde ich es mir ein, dass meine Hendln glücklich sind. Vor einigen Wochen bekam ich drei wunderschöne Exemplare von meiner Mostviertler Tante geschenkt, aus eigener Zucht. Herta, Berta und Cindy zogen aber nicht in meinen Garten ein, sie verbringen stattdessen ihre Tage in der nun 14-köpfigen Hühnergemeinschaft  am Hof meines Bruders. Jedes Wochenende darf ich mir meinen Eiervorrat holen. Und bin sehr dankbar für diesen kleinen, aber wahren Luxus.

Montag, 18. August 2014

Nix für hangry kids: Sommerwiesenpicknick


Klüger werde ich fast jeden Tag, seit ich Mama bin. So weiß ich etwa seit kurzem: Der Zustand, wenn das Kind grund- und sinnlos randaliert, völlig unzufrieden ist und ihm kein elterlicher Interventionsversuch zu passen scheint, hat einen Namen. Dann ist es nämlich möglicherweise: hangry. Es ist angry, weil es hungry ist. Oder ach, manchmal auch umgekehrt, ist ja auch egal.

In diesem Zusammenhang wird mir bewusst: Sogar in ganz banalen Werbebotschaften steckt oft ein Körnchen Wahrheit. Du bist nicht du, wenn du hungrig bist!, möchte ich dann zum Minimädel sagen, das gerade monster- und / oder divamäßig vor mir tobt, weiß aber gleichzeitig um die arg vergebene Liebesmüh’. Da hilft nur eins: Essen. Schnell. 

Dann, genau dann ist ein Sommerwiesenpicknick genau gar nix für das Kind. Dafür braucht es nämlich Zeit. Und Muse. Beides hat es nicht, wenn es hangry ist. Ist hingegen alles entspannt, der Hunger erträglich, dann gibt es keine schönere Möglichkeit, Natur und Kulinarik zusammenzubringen. Die Grundausstattung für ein Wiesenpicknick ist fix eingepackt, die paar Halbfertiggerichte schnell zusammengerührt – und schon geht’s los. Auf dem Weg zum Lieblingsplatz werden Kräuter, Blüten und Früchte gesammelt und das Essen dann direkt auf der Picknickdecke gemeinsam fertig gekocht. Schön ist das …


Einpacken
* Decke
* Schneidebrett
* kleine Teller
* kleine Becher
* Flasche mit Wasser oder gespritztem Apfelsaft
* Schneidemesser
* Buttermesser
* Butter (am besten in einem kleinen Marmeladenglas)
* Topfenbasis süß oder salzig (Topfen mit etwas Sauerrahm glattrühren, für die süße Variante mit Honig, für die salzige Variante mit Salz, Pfeffer, etwas Senf und einem Spritzer Zitronensaft verrühren)
* hauchdünn geschnittene Käsescheiben
* Brotscheiben
* Äpfel
* Salz
* Kristallzucker
* Palatschinken, fertig gebacken
* Servietten

Sammeln
* Früchte vom Wegesrand (Himbeeren, vielleicht noch ein paar Erdbeeren, Heidelbeeren, …)
* Kräuter und Blüten (Quendel, Labkraut, Schafgarbe, Giersch, Rotklee, Weißklee, Löwenzahn, Gänseblümchen, Taubnessel, …)


Kochen
* Kräuter-, Frucht- und Blütenwasser oder Wiesendudler: Kräuter und Früchte in einem kalten Glas Wasser sind optisch und geschmacklich ein Genuss. Wer längere Zeit auf seiner Picknickdecke verbringen möchte, kann auch einen Wiesendudler ansetzen (beispielsweise nach diesem Rezept)

* Kräutertopfen oder Blütentopfen: Die süße oder salzige Topfenbasis wird mit Blütenblättern oder würzigen Kräutern vermischt und als Brotaufstrich verwendet.


* Kräuterbutter oder Blütenbutter: Ähnlich wie der Topfenaufstrich lässt sich auch die Butter (die, am Picknickplatz angekommen, sicher schon weich geworden ist) gut mit Kräutern oder Blüten würzen.

* Käseröllchen mit Quendel: Frischer Feldthymian wird in die Käsescheiben eingerollt und einfach mit der Hand verputzt.

* Apfelstücke in Blütenzucker: Auf einem kleinen Teller werden verschiedenste Blüten (zum Beispiel von Rotklee, Weißklee, Löwenzahn) mit Zucker vermischt. Apfel in Stücke schneiden und das Kerngehäuse entfernen. Die feuchten Schnittflächen im Blütenzucker wälzen und gleich genießen.


* Butterbrot mit Gänseblümchen: Ein Klassiker aus der Wildkräuterküche.

* Palatschinken mit Blütenzucker und Wildfrüchten: Die Palatschinken werden mit Blütenzucker bestreut, eingerollt und mit der Hand gegessen, Wildfrüchte machen das Ganze noch besser.


Einige Anregungen für dieses Sommerwiesenpicknick hab ich mir im Servus Kinder-Magazin sowie beim LFI-Lehrgang Kräuterpädagogik geholt.

Mittwoch, 13. August 2014

Gegenseitigkeit


Der respektvolle Umgang mit den Pflanzen an sich hat schon eine Heilwirkung – die Erkenntnis, dass alles Leben miteinander verbunden und voneinander abhängig ist, hilft sich selbst als Mensch im Universum wieder zu finden, hilft das Leben, woher es auch kommen mag, mit einem Sinn zu belegen – nämlich der Gegenseitigkeit.
Christian Rätsch

Schafgarben-Hühnerspieße mit Wildkräuter-Taboulé

Vor dem Kochen geht es erst einmal ans Wildkräuter sammeln: Man braucht schöne und kräftige Schafgarben für die Spieße und das Würzsalz, eine gute Handvoll Quendel und gemischte Kräuter für das Taboulé. Die klassischen Kräuter im Taboulé sind Petersilie und Minze, weshalb hier vor allem deren wilde Geschmacksgeschwister Giersch und Gundelrebe gut passen.
An diesem Rezept mag ich besonders die Idee, die Schafgarbe als essbare und dekorative Spieße zu verwenden. Ihre Stängel sind so stabil, dass sie das Aufspießen und Braten leicht überstehen. Sie geben außerdem noch zusätzliche Würze an das Fleisch ab. 
Wer mag, kann übrigens noch klein gewürfelte Tomaten unter das Taboulé mischen.

Zutaten für 4 Portionen

Für das Schafgarbensalz
3 blühende Schafgarben
Salz

Für das Wildkräuter-Taboulé
200 g Couscous
1 kleines Körbchen voller frischer Wildkräuter (Giersch und Gundelrebe sollten den Hauptanteil ausmachen, dazu noch Schafgarbenblättchen, Quendel, Knoblauchsrauke, Sauerampfer, …)
4 Frühlingszwiebeln
Olivenöl
Zitronensaft
Salz, Pfeffer

Für die Hühnerspieße
400 g Bio-Hühnerfleisch (gekauft bei Sonnberg, dort gibt es das Bio-Hühnerfleisch aus dem Waldviertel nur auf Bestellung, was ich super finde)
etwa 12 kräftige und blühende Schafgarben
Schafgarbensalz (siehe oben)
frischer Quendel (Feldthymian)
Olivenöl

1. Für das Würzsalz Blüten und Blättchen von 3 blühenden Schafgarben mit etwa der gleichen Menge Salz fein mörsern oder vermahlen (Schafgarbensalz lässt sich natürlich auch gut in größeren Mengen für den Vorrat herstellen, in dem Fall das Kräutersalz vor dem Abfüllen in Gläser noch trocknen lassen).

2. Couscous in eine Schüssel geben und mit mindestens der doppelten Menge an kochendem Wasser übergießen. Abdecken und etwa 20 Minuten ziehen lassen.

3. In der Zwischenzeit für die Spieße das Hühnerfleisch in etwa 2 x 2 cm große Stücke schneiden. Die Schafgarben auf eine Länge von etwa 20 cm zurechtschneiden und die unteren Blättchen abstreifen – sie kommen dann mit den anderen Wildkräutern zum Taboulé. Die Hühnerfleischstücke aufspießen und von beiden Seiten mit Schafgarbensalz, Quendelblättchen und Olivenöl einreiben. Im Kühlschrank kurz durchziehen lassen.


4. Für das Taboulé die Wildkräuter fein hacken und die Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden. Couscous bei Bedarf abseihen und mit den Wildkräutern, den Frühlingszwiebeln und reichlich Olivenöl vermischen. Mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer würzig abschmecken.

5. Die Hühnerspieße in Olivenöl von beiden Seiten goldbraun braten.

6. Währenddessen vier Puddingförmchen oder andere passende Formen (z. B. runde Kaffeetassen) mit kaltem Wasser ausspülen, Taboulé einfüllen und mit dem Löffelrücken gut andrücken.

7. Taboulé auf Teller stürzen, die Hühnerspieße ebenfalls auf den Tellern anrichten, mit etwas Schafgarbensalz bestreuen und mit frischen Wildkräutern garnieren.


Das Rezept für die Schafgarben-Hühnerspieße habe ich während meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin am LFI kennen und lieben gelernt.

Freitag, 8. August 2014

Mühlviertler Gold


In der Kulturgeschichte des Mühlviertels spielte die Leinpflanze Jahrhunderte lang eine bedeutende Rolle. Im Frühsommer waren die Felder von zartblauen, feinen Blüten übersät, im Herbst wurde die gesamte Pflanze geerntet und verwertet: Aus den Samenkapseln, den so genannten Bollen, gewann man Leinsaat und das hochwertige Leinöl, aus den Stängeln die langen Flachsfasern, die in den Bauernhäusern und den vielen kleinen Webereien des Mühlviertels zu Leinenstoffen verarbeitet wurden.

Dann kam die billigere und einfacher zu verarbeitende Baumwolle – und mit ihr verschwand der Flachs. Unaufgeregt, fast lautlos verlor er innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten seinen herausragenden Wert für diesen Landstrich, die Zeit des Mühlviertler Golds war vorbei.

Aber wie so oft im Leben: Alles kommt wieder. Luxuriöse Leinenstoffe zieren wieder öfter Tisch & Bett (gesehen beispielsweise im Mühltalhof in Neufelden) und das herbe, bodenständige und sehr empfindliche Leinöl wird nicht nur aus gesundheitlicher Sicht immer beliebter. Na gut, das ist nicht neu. Aber das hier, das ist neu:


Ein Flachsfeld, (wieder-) entdeckt ganz in meiner Nähe, blassblau und wunderschön.


Mittlerweile sind die Samenkapseln ausgebildet – sie reifen gemächlich in der Augustsonne vor sich hin.


Leinölbrot

Dieses Brot gehört wohl in die Kategorie der No-knead-Breads, denn der Teig wird nur gemischt und nicht geknetet. Das Leinöl schmeckt charakteristisch durch, was ich sehr mag. Dazu passt perfekt frisch abgemachter Leinkas, ein einfacher Aufstrich aus Topfen, etwas fein gehackter Zwiebel und Salz, der mit Leinöl verfeinert wird.

Zutaten für eine Kastenform von 30 cm

250 g Kamutmehl
250 g Weizenmehl
1 EL Salz
10 EL Leinsamen
½ Würfel Germ
450 ml lauwarmes Wasser
50 ml Leinöl

1. In einer großen Schüssel das Mehl mit Salz und Leinsamen vermischen.

2. Germ hineinbröckeln.

3. Wasser und Leinöl dazugeben und alles locker verrühren, nicht kneten.

4. Die Schüssel abdecken und 1 – 2 Stunden gehen lassen.

5. Den Backofen auf 220 °C vorheizen.

6. Eine Kastenform mit Backpapier auslegen und den Teig einfließen lassen.

7. Die Kastenform in den Backofen geben. Nach 15 Minuten die Ofentür für kurze Zeit weit öffnen, um den Dampf abzulassen, dabei die Hitze auf 180 °C reduzieren.

8. Etwa 1 Stunde lang fertig backen, dann das Brot aus der Form nehmen und auf einem Kuchengitter vollständig abkühlen lassen.


Nach einem Rezept aus dem Mühlviertler KOCH:BUCH von Georg Friedl, erschienen im Verlag Bibliothek der Provinz.


Zum Weiterlesen und Informieren:


Montag, 4. August 2014

Himbeerwege


Sie kann ihren gezüchteten Gartenverwandten nicht das Wasser reichen, was Größe, Anmut, Makellosigkeit betrifft. Aber dieser Geschmack! Dieser unvergleichliche, unübertrefflich gute Geschmack… Die Waldhimbeeren sind reif!


Himbeerwege
Eine Fruchtgeschichte

Es war einmal im Wald eine Lichtung
(so schrieb es jedenfalls die Dichtung),
da wohnte einst ein Mädchen, das war schlau
und überdies eine gar mutige Frau.

An einem heißen Tage, es war August,
hört sie ’nen Schrei, hat gleich gewusst,
ein Mann in Not war’s, der hier schrie,
sie läuft gleich los, denn er braucht sie.

Sie findet einen Prinzen, gut gebaut und hochgeschossen,
im stacheligen Blätterdickicht eingeschlossen.
Der kämpft und jammert und ist verzagt
Und schreit: „Ach, mein Navi, das hat versagt!

Das GPS-System ging im Wald wohl flöten,
drum bin ich in so großen Nöten.
Ich fand den Weg nicht, hab’ nichts gegessen.
Hab’ sicher Fieber, kann’s jedoch nicht messen.

Mein Auto steht nicht weit von hier –
hoffentlich zerkratzt den Lack kein wildes Tier?
Befreie mich aus dieser Qual!
Du hast dann einen Wunsch zur Wahl.“

Das Mädchen hört des Prinzen Sermon
und denkt sich: „Ich helf’ dem Herrn schon!“
Sie entfernt die Stacheln von seinen Waden –
ohne freilich seinem Anzug zu schaden.

Sie pflückt die roten Beeren von dem Strauch,
füttert ihn und sagt: „Das nährt den Bauch,
und senkt das Fieber, stärkt das Blut,
es fördert auch den Wagemut.“

Darauf nimmt sie ihn bei der Hand,
führt ihn aus dem Wald zum Unterstand,
von wo der Wagen schon zu sehen ist.
„Ganz heil!“, spricht erleichtert der Automobilist.

Er dankt dem Mädchen mit großem Getue,
sucht nach einem Geschenk, einer Schatztruhe,
etwas, das er dem Mädchen überreichen will,
doch dieses sagt zu ihm ganz still:

„Mein Prinz, du hast den Zweck schon erfüllt,
bevor ich dich traf, war ich schon fast gewillt,
mir zu suchen einen edel geborenen Mann.
Nun weiß ich, dass ich es auch bleiben lassen kann.

Denn edel ist ein Mann nur dann,
wenn er das Glück auch ohne Navi finden kann,
wenn er weder Blut noch Dornen scheut,
und mich mit Witz, Geist und Süßerem erfreut.“

So mancher Weg mag neu beginnen,
vertraut man der Kraft der Frucht und seinen Sinnen.     
(Anita Zieher)


Joghurt Ispahan wild & zahm

Die beste Möglichkeit, Waldhimbeeren zu genießen ist, die noch warmen, prallen Früchte direkt vom Strauch zu naschen. Wer sie behutsam sammelt und nach Hause trägt, macht Saft, Marmelade, Sirup, Kompott, Likör oder Milchshakes daraus oder serviert sie heiß zu Vanilleeis. Freilich: Das Ernten ist mühsam, die Beeren haben Miniformat und sind sehr empfindlich. Aber mit den kleinen Wilden schmeckt halt alles weitaus intensiver, fruchtiger, besser als mit deren gezähmten Kollegen. Auch die Geschmackskombination Ispahan, ein signature flavour des Franzosen Pierre Hermé, bestehend aus Himbeere, Rose und Lychee.

Zutaten für 4 Portionen

400 g Naturjoghurt
12 Lychees (frisch oder aus der Dose)
200 g frische Himbeeren und / oder Waldhimbeeren
2 EL Rosenwasser
2 EL Staubzucker
Rosenblüten zum Dekorieren

1. Himbeeren in einem Suppenteller mit der Gabel zerdrücken, mit Staubzucker und Rosenwasser vermischen.

2. Himbeerpüree auf vier Schüsseln verteilen.

3. Frische Lychees schälen, halbieren und entkernen, Lychees aus der Dose abtropfen lassen. Lychees auf die Himbeeren setzen.

4. Das gekühlte Naturjoghurt darauf verteilen und mit Rosenblüten dekorieren.