Freitag, 17. November 2017

Nur ned hudeln


Als Georg, ein Unsympathler wie er im Buche steht, erfährt, dass er pleite ist, erklärt er seiner zugegebenermaßen etwas naiven Frau Maria auf aggressiv machend arrogante Art und Weise, wie das so läuft in seiner Welt:

Ich weiß, dass wir pleite sind, aber wir sind nicht pleite. Erst, wenn nach draußen dringt, dass wir pleite sind, dann sind wir pleite.

Woraufhin Maria ihm das eh schon allzu Offensichtliche eröffnet, nämlich, dass sie schwanger ist – natürlich nicht von ihm. Und erklärt:

Das ist genauso wie mit der Pleite. Du weißt, du bist nicht der Vater, aber du bist der Vater. Erst wenn irgendjemand erfährt, dass du nicht der Vater bist, bist du nicht der Vater und das willst du doch nicht, oder?*


Schöner Schein, makellose Welt. In diesem Sinne: Meine heurigen Allerheiligenstriezel sind sowas von perfekt geflochten, gell?


Next level Brioche

Heuer war es an der Zeit, die Allerheiligenstriezel für meine drei Patenkinder auf die nächste Ebene zu hieven: Mit der Einarbeitung eines Mehlkochstücks, auch Water-roux oder Tangzhong genannt, wurden die Brioches so wunderbar flaumig, saftig und watteweich, wie ich sie noch nie zusammengebracht hab. Warum ich das nicht schon früher ausprobiert hab?
Water-roux stammt aus dem asiatischen Raum und ist besonders gut für die Verwendung in süßen Germteigen geeignet. Durch die Verkleisterung der Mehlstärke beim Erhitzen lassen sich Teige mit deutlich höherem Flüssigkeitsanteil herstellen, was das Gebäck lockerer, saftiger und weicher macht und auch die Haltbarkeit verbessert. Gehalten habe ich mich dabei zum guten Teil an das Rezept von Ursula.
Lediglich beim Flechten hatte ich so meine Probleme – kein einziger Zopf ohne Flechtfehler! Argggh. Dabei zeigt es Dietmar eh so klasse vor, wie man einen schönen hohen Vierstrangzopf zusammenbringt … Merke: Hudeln ist beim Zopfflechten ein Kardinalfehler! Da gibt es doch dieses alte österreichische Sprichwort: Vom Hudeln kumman schiache Kinder. Na eben – und schiache Striezel a.

Zutaten für drei Striezel

Für das Kochstück
20 g Weizenmehl Type 700
100 ml Wasser

Für den Hauptteig
75 g weiche Butter
50 g feiner Kristallzucker
1 gehäufter TL Vanillezucker
1 Ei
1 Dotter
40 g Schlagobers (oder Sauerrahm)
1 gestrichener TL Salz
125 ml lauwarme Milch
20 g frische Hefe oder 1 Packerl Trockengerm
430 g Weizenmehl Type 700

Zum Bestreichen
1 Dotter
1 EL Milch

Zum Bestreuen
Mandelblättchen
Hagelzucker

1. Für das Kochstück Mehl und Wasser in einem kleinen Topf mit dem Schneebesen glattrühren. Erhitzen, bis die Masse puddingartig eindickt, dabei aber nicht aufkochen. Von der Hitze nehmen, abdecken und auf Raumtemperatur abkühlen lassen.

2. Für den Hauptteig die Butter mit Kristallzucker und Vanillezucker mit Hilfe der Küchenmaschine hellcremig rühren.

3. Ei und Dotter unterrühren.

4. Schlagobers, Salz, Milch, Hefe, das Kochstück und ein Drittel des Mehls dazugeben und unterrühren.

5. Auf den Knethaken wechseln und das restliche Mehl einarbeiten.

6. Den Teig 5 Minuten bei mittlerer Geschwindigkeit zu einem eher weichen Teig verkneten.

7. Die Teigschüssel abdecken und bei Raumtemperatur etwa 90 Minuten gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat.

8. Den Teig aus der Schüssel nehmen und auf der gut bemehlten Arbeitsfläche kurz durchkneten. In 12 Stücke teilen, die Stücke rund schleifen und auf ein bemehltes Küchentuch setzen. Abdecken.

9. Die Teiglinge nacheinander zu etwa 30 cm langen Strängen ausrollen. Je 4 davon nach Dietmars Anleitung zu einem hohen Vierstrangzopf flechten. Und dabei nur ja ned hudeln!



10. Die Striezel auf Bleche mit Backpapier setzen (zwei pro Blech gehen sich aus).

11. Dotter mit Milch versprudeln und die Striezel sorgfältig rundherum damit einpinseln. Gehen lassen.


12. Nach 30 Minuten noch einmal einstreichen und mit Mandelblättchen und Hagelzucker bestreuen (diese Kombi finde ich übrigens wahnsinnig hübsch!). Unmittelbar danach den Ofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

13. Sobald der Ofen vorgeheizt ist, die Striezel hineingeben und in etwa 25 Minuten goldbraun backen.


14. Aus dem Ofen nehmen und auf einem Kuchengitter abkühlen lassen.


*aus der TV-Serie Vorstadtweiber
Montag, 30. Oktober 2017

Die Superfoods in meinem Garten


In Wohlstand und Überfluss lebend wendet sich der Mensch gerne von grundlegenden Dingen ab und scheinbar weniger Banalem zu: Er sucht sich ein Luxusproblem, an dem er kiefeln kann. Das ist beim Essen nicht anders - gerade dieser Bereich ist so breit und dick eingestreut, dass er es sich auf einem dicken Bett an Meinungen, Theorien und Glaubenssätzen gemütlich machen kann. Hier darf er nun wählen zwischen einer omnivoren, flexitarischen, vegetarischen oder veganen Essweise, er kann auf Zucker, Fett oder Gluten verzichten oder er kann nach dem Heiligen Gral seiner Ernährung suchen, nach dem einen Nahrungsbestandteil, der alles gut macht, alles heilt, der ihn wenn schon nicht jünger, so zumindest alterslos macht.

Superfoods also. Sie sind bunt, exotisch, geheimnisvoll. Die Zuckerstreusel auf dem Sahnehäubchen der Ernährungsdiskussion. Ich muss zugeben: Von manchen, wie etwa Goji, Lucuma, Moringa oder Maca, weiß ich gar nicht, wie sie schmecken. Bei anderen wieder, Mandeln, Kürbiskernen oder Kokos, war mir ob ihrer Alltäglichkeit gar nicht bewusst, dass sie überhaupt dazu gehören.

Gersten- oder Weizengras, Moringa, Salate, Spinat, Gartenkräuter, Spirulina, Chlorella, Sauerkraut, Shiitake-Pilze, Mandeln, Brokkoli, Karfiol, Weiß- und Rotkraut, Kohlsprossen, Grünkohl, Rucola, Rettich, Radieschen, Kren, Kürbiskerne, Papaya, Traubenkerne, Himbeeren, Brombeeren, Ribisel, Stachelbeeren, Heidelbeeren, Kokos, Açai, Aronia, Goji, Acerola, Camu Camu, Granatapfel, Ingwer, Avocado, Kurkuma, Bienenpollen, Honig, Leinsamen, Chiasamen, Matcha, Sprossen, Datteln, Hanf, Baobab, Sonnenblumenkerne, Sauerkirschen, Cranberries, Äpfel. Außerdem: Wildpflanzen wie Löwenzahn oder Brennnesseln.

Die Liste an Superfoods ist ewig lang – und diese hier nur ein kleiner Auszug. Aber … was fällt auf? Von den Spezialisten aus exotischen Gegenden abgesehen sind es auch viele, viele ganz normale, heimische Lebensmittel, denen die Wissenschaft gesundheitliche Superkräfte zuschreibt. Ich überlege: Ließe sich denn die Superfooddebatte derart interpretiert gar auf den ganz basalen (und stinklangweiligen) Leitspruch Vielfältig essen umdenken? Ich glaube schon – auch wenn das weit weniger sexy ist als die magischen Teufelskerle aus Übersee. Superernährung statt Superfood!


Gerade in einer Welt, in der es die Hälfte aller Menschen schon super fände, überhaupt Food in ausreichender Menge (und hier sprechen wir noch gar nicht von Qualität!) zur Verfügung zu haben, klatsche ich den Spirulinas und Moringas einen blattgoldverzierten Dekadenzorden auf die geblähte Superbrust - und lobe mir die heimischen Alternativen, die etwas schüchtern in der zweiten Reihe stehen und im Gegensatz zu den Posern geduldig darauf warten, entdeckt zu werden. Auch mit ihnen lässt sich unser Essen aufwerten, ganz unaufgeregt und zu einem weitaus kleineren ökologischen und monetären Aufwand: Wie wäre es mit Brennnesselpulver statt Spirulina oder Chlorella, mit Dirndln statt Gojibeeren, Leinsamen statt Chiasamen, Aronia, Heidelbeeren oder Ribiseln statt Açai-Beeren, Himbeerblättermatcha statt Grünteematcha? Oder mit Brennnesselsamen, Braunhirse, Hagebuttenpulver, Leinöl, Walnüssen, Honig vom imkernden Nachbarn? Genauer hingeschaut ist mein ganzer Garten voller Superfoods!!!


Dieses Wissen, eingebettet in meine ganz grundsätzliche Ernährungsphilosophie*, macht schon ganz schön was her. Ich war daher auch ganz angetan von der Idee von Sina und Christina, ein Blogevent zum Thema Heimisches Superfood zu veranstalten. So was von gern bin ich dabei (wenn auch auf den letzten Drücker) – und freue mich schon sehr auf die Zusammenfassung. Danke ihr zwei Lieben!


Krafthonig mit Brennnesselsamen

Mein heimisches Superfood ist ganz klar die Brennnessel. Sie ist so vielfältig verwendbar, so reich in ihrer Verfügbarkeit, so voller Potenzial für die Gesundheit!
In diesem Honig steckt die ganze Kraft der Brennnesselsamen. Andernorts habe ich bereits über deren Vorzüge berichtet. Die Erntezeit ist leider so gut wie vorbei, hier und da werden sich aber vielleicht noch brauchbare Samenstände finden.
Der Honig schmeckt auf dem Butterbrot genauso gut wie im selbst gemachten Knuspermüsli oder über dickem, griechischem Naturjoghurt. Er stärkt und spendet Energie und Kraft für den Tag. Wer seinen Krafthonig gänzlich aus heimischen Nahrungsmitteln herstellen möchte, lässt Zitronenschale und Kurkuma weg.

Zutaten für ein kleines Glas

200 g Honig
20 g getrocknete Brennnesselsamen
20 g Blütenpollen
abgeriebene Schale von 1 Zitrone
¼ TL Kurkuma gemahlen

1. Alle Zutaten miteinander mischen und in ein sauberes Glas mit Schraubverschluss füllen.

2. Fertig!

3. Mit der Zeit setzen sich die federleichten Brennnesselsamen oben ab – vor dem Genuss daher immer kurz durchrühren.

Zuguterletzt noch ein (Zu-)Geständnis an mich selbst: Bei aller berechtigten Kritik an den Auswüchsen unserer globalen Nahrungswirtschaft – ganz ohne Avocados, Mandeln, Kokos, Ingwer oder Datteln möchte ich auch nicht sein. Und für Chiasamen … für die habe ich eine Schwäche entwickelt. So. Jetzt ist es raus.


*Wen es interessiert (und für mich zur Dokumentation):
©      Essen mit Bauchgefühl – was schmeckt mir, was tut mir gut?
©      Meinen Fokus richten auf regionale und saisonale Lebensmittel, Altes und Traditionelles bewahren.
©      Trotzdem aber offen bleiben für Neues, meine kulinarische Neugier nicht verlieren, vieles ausprobieren, meinen Horizont erweitern.
©      Nichts verbieten – von allem etwas, von nichts zu viel.
©      Vielfältig, abwechslungsreich, bunt essen. Reichlich Wildpflanzen inklusive!
©      Wissen, was ich esse – mein Essen kennen, mein Wissen darum erweitern.
©      Gelassen und entspannt sein im Umgang mit meiner Ernährung.
Donnerstag, 19. Oktober 2017

Glutenfrei mit Gurkenmehl


Meine jüngere Schwester und ich standen im alten Heustadl unseres Elternhauses und plauderten über das jüngste Ausbauprojekt unseres Bruders, als sich unser Vater, der Ausprobierer, dazugesellte. Euphorisch erzählte er uns von einer neuartigen Mehlmischung, eben erst erstanden, supergesund, alleskönnend, mit ausschließlich vollwertigen Zutaten wie zum Beispiel Gurkenmehl. Während ich mit meiner Schwester darüber diskutierte, ob es überhaupt möglich (und sinnvoll?) ist, Mehl aus Gurken herzustellen, machte er sich auf den Weg, seinen frisch daraus gebackenen Gugelhupf in Scheiben zu schneiden und uns zu präsentieren.


Der Gugelhupf schmeckte gut. So gut, dass das Minimädel, das normalerweise über eigentlich jeden Kuchen schnell einmal die Nase rümpft, ganz begeistert vier Stück am Stück wegschnabulierte und sich darüber hinaus diesen, genau diesen Kuchen zum Geburtstag wünschte. Prompt hatte ich ihn auch schon in der Hand, den angebrochenen Beutel Mehlmischung, aus der ich nach Packungsanleitung noch vier davon würde backen können: Glutenfreien Gugelhupf. Ich.


So kam es also, dass mein Minimädel und seine zahlreichen Partygäste einige Wochen darauf, zum siebten Geburtstag (der nun auch schon wieder eine ganze Weile her ist), glutenfreien Gugelhupf serviert bekam. Die Kinder waren glücklich, aßen artig und bemerkten wohl keinen Unterschied. Und das Minimädel? Nun, es wäre nicht mein Minimädel, wäre es anders gewesen: Sie aß keinen Bissen.
Ach ja, die Sache mit dem wunderlichen Gurkenmehl stellte sich bald als lustiger Lesefehler heraus: Guarkernmehl, Papa. Guarkernmehl!



Glutenfreier Gugelhupf zum siebten Geburtstag

In meiner Mehlmischung waren Kartoffelstärke, Maismehl, Maisstärke, Reismehl und Guarkernmehl als Verdickungs- und Bindemittel dabei und der relativ hohe Anteil an Stärke mit seiner rauen, körnigen Struktur ist es auch, den ich relativ deutlich herausspüre und der mir nicht ganz so gefällt. Im Großen und Ganzen aber, ich hab’s schon erwähnt, schmeckte der Kuchen gut. Die eigentliche Sensation, finde ich jedoch, ist die Seiltänzerin aus Papier von One Charming Party. Sie hängt kopfüber! In Netzstrümpfen! Was für eine superhübsche Idee, so einfach und richtig beeindruckend.

Zutaten für einen Gugelhupf

Für den Teig
200 g weiche Butter
225 g Zucker
1 EL Vanillezucker
5 Eier
250 g glutenfreie Mehlmischung
2 TL Backpulver
60 g gemahlene Mandeln
150 g Milchschokolade (ich habe Osterhasenreste verwertet)

Für die Form
Butter
Mehl

Zum Bestreuen
Staubzucker

Zum Dekorieren
Seiltänzerin aus Papier (hier downloaden, ausdrucken und ausschneiden)
2 Papierstrohhalme
ein zweifärbiges Seil aus verschiedenfarbigen Wollresten

1. Eine Gugelhupfform mit Butter befetten und mit Mehl bestäuben.

2. Den Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

3. Butter mit Zucker und Vanillezucker hell und cremig rühren.

4. Nach und nach die Eier unterrühren.

5. Mehl mit Backpulver und Mandeln vermischen. Die Mehlmischung unter die Butter-Ei-Masse rühren.

6. Schokolade grob hacken und unter den Teig heben.

7. Den Teig in die Form füllen und etwa 60 Minuten backen (Stäbchenprobe!).

8. Kuchen aus dem Ofen nehmen, überkühlen lassen, auf ein Kuchengitter stürzen und vollständig auskühlen lassen.

9. Mit Staubzucker bestreuen.

10. Die Strohhalme leicht schräg in den Kuchen stecken und das Seil daran befestigen. Die Seiltänzerin an den Knien umknicken und ans Seil hängen.
Donnerstag, 12. Oktober 2017

12 von 12 im Oktober 2017


Das Minimädel ist auf dem Weg zur Schule, ich sitze im Ohrensessel, trinke Kaffee, blättere durch das neue burda Heft und sehe mich gedanklich vor der Nähmaschine sitzen. Der kleine Mann und das Käferlein kramen in ihrem Spielzeug. Good bye du liebe Ordnung - Hallo Chaos!


Statt unserer obligatorischen Waldrunde geht es heute Vormittag in den Garten. Die Sonne wärmt und Chi will spielen, spielen, spielen.


 Es gibt immer noch Himbeeren! Als Dankeschön kocht mir der kleine Mann ein feines Menü in seiner Matscheküche.


Ausnahmsweise (sie hatte heute Schwimmunterricht) hole ich das Minimädel mit dem Auto von der Schule ab. Sie freut sich sehr über diese Bequemlichkeit. Zuhause dann esse ich mit meinen drei Zwergen zu Mittag – nachdem sie am Montag Erdäpfelschmarren (welches Kind mag keinen Erdäpfelschmarren?), am Dienstag Apfelringe in Backteig (welches Kind mag keine gebackenen Apfelringe??) und am Mittwoch aufwändig hausgemachte Lasagne (welches Kind mag keine Lasagne???) verschmäht haben, gibt es heute Toast, immerhin mit Salat. Sie essen artig (ist ja auch Ketchup dabei). Danach Hausübung.


Das Käferlein schläft am Nachmittag ungewöhnlich lang. Der kleine Mann und ich wecken ihn, damit er den schönen Tag nicht verschläft. Und ja, er trägt lila Strumpfhosen.


Das Minimädel hat mich zu einem Ausflug in die zwanzig Autominuten entfernte Agilityhalle überredet. Sie liebt es, mit Chi zu trainieren.


Wir schauen auch gleich noch bei meinen Eltern und meinem Bruder vorbei. Ich suche nach rotschaligen, knackigen Äpfeln für mein nächstes Backprojekt. Natürlich werde ich fündig.


Wir spazieren noch eine kleine Runde mit Chi und recken unsere Nasenspitzen Richtung Sonne. Vom kleinen Mann bekomme ich Blumen überreicht. Wie charmant!


Am Nachhauseweg eine Überraschung! Mein Bruder hat den Traktor gestartet und kommt uns entgegen. Wir genießen die kleine Ausfahrt über alle Maßen. Danach geht es heim, schmutzig, müde, glücklich. Jetzt noch Honigbrot und Kakao – und dann ab ins Bett.

Mme Kännchen sammelt natürlich wieder – und ich bin erstmals auch dabei. Wie schön! Hach, das war ein Spaß …
Dienstag, 10. Oktober 2017

Extraklasse


Am Morgen ist die Welt noch so klar. Der Ballast vom Vortag ist weggeschlafen, die Kinder sind ausgeruht, zufrieden, pflegeleicht. Während das Käferlein wie ein suchender, schnüffelnder Babyzeck auf den Spuren des kleinen Mannes durch die Wohnung rutscht, falte ich meine Glieder in den Ohrensessel, nippe an meinem Kaffee und drehe eine Runde um den Blog. In meinen Lieblingsblogs finde ich so vieles, was mir den Start in den Tag verschönt und jedes Mal aufs Neue bin ich inspiriert, ja gierig darauf, selbst zu schreiben. Überhaupt: Die Lust am Schreiben, sie war es ganz grundsätzlich, die mich erst zum Bloggen gebracht hat.


Dann beginnt der Tag, ein Alltag, der seit dem Schuleintritt des Minimädels nur noch wenig Spielraum lässt. Die Woche ist eingeteilt und mit vielen kleinen Fixpunkten markiert. Was getan werden muss, wird erledigt. Dazwischen genieße ich das Daheimsein und das Leben in meiner großen, fröhlichen Familie. Abends dann, wenn ich das Käferlein beim Einschlafen begleite, schließt sich der Gedankenkreis. Ich mache meine Augen zu und suche nach dem ersten Satz, den ersten Worten meines neuen Blogeintrags. Was kommen mir da für Ideen! Doch an dieser Stelle fordert jede einzelne Minute ihren Tribut: Je wärmer und kuscheliger es wird, je tiefer und ruhiger der Atem des Käferleins geht, desto bröckeliger wird sie, meine Motivation. Nach dem Bröckeln kommt das Rieseln und schließlich verschwindet sie ganz - zwischen den Laken, in den Ritzen, irgendwo im Nirgendwo. Und ward nicht mehr gesehen.


So geht es mir oft und diese Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit macht mich kribbelig. Es passieren nämlich so viele wunderbare Dinge. Dinge, die ich unbedingt erzählen will. Dinge sogar, die so verrückt sind, dass ich nicht weiß: Wache ich? Träume ich? So wie das: König Nesselbart goes China! Ja, tatsächlich – mein Kinderbuch wurde ins Chinesische übersetzt. Hach, ich freu mich riesig – und das gehört gefeiert. Mit einem Brennnesselrezept der Extraklasse, eines Königs würdig. Fürwahr!



Brennnesselpizza mit Kirschen

Das Rezept für diese Pizza stammt, bis auf den Teig, bei dem ich auf meine bewährte Rezeptur (statt Hartweizengrieß diesmal Vollkornmehl) zurückgegriffen habe, aus dem Buch Obst von Bernadette Wörndl. Sie hat die Nettle Pizza während ihrer Zeit im Chez Panisse bei Alice Waters kennen gelernt und ihr könnt mir glauben: Es ist die Beste. Brennnesselpizza. Ever. Und wird es auch bleiben.
Bei den Kirschen kann man um diese Zeit auf tiefgekühlte Früchte ausweichen, ich kann mir die Pizza aber auch sehr gut (vielleicht sogar noch besser?) mit Brombeeren vorstellen. Und Brennnesseln wachsen sowieso bis in den späten Herbst hinein. Nur eines sei euch noch empfohlen: Die Kirschen sollten, wie eigentlich eh im Rezept gefordert, vor dem Belegen halbiert und entkernt werden. Sonst sieht es schnell, wie bei mir, ein bisserl patschert aus.

Zutaten für 4 Pizzen

Für den Teig
350 g Pizzamehl Type 00
100 g Weizenvollkornmehl
300 g Wasser
3 EL Olivenöl
¾ TL Salz
20 g frische Hefe oder 1 Packerl Trockengerm

Für das Pesto
20 g geriebener Parmesan
1 Handvoll Mandelblättchen, trocken geröstet
1 Bund Basilikum
Saft von ½ Zitrone
etwas abgeriebene Zitronenschale
250 ml Olivenöl
Salz
Pfeffer

Für die weiße Creme
125 g Frischkäse
125 g Sauerrahm
3 EL geriebener Parmesan
3 EL Olivenöl
Salz
Pfeffer

Für den Belag
2 Kugeln Mozzarella
4 Handvoll Brennnesselblätter
Olivenöl
Salz
100 g Kirschen, halbiert und entsteint
Pfeffer
Basilikum


1. Für den Pizzateig die angegebenen Zutaten in die Schüssel der Küchenmaschine einwiegen. Mit dem Knethaken auf mittlerer Stufe einige Minuten kneten, bis ein elastischer und homogener Teig entstanden ist, der sich von der Wand der Rührschüssel löst. Die Schüssel abdecken und den Teig etwa 1 Stunde gehen lassen.

2. Währenddessen das Pesto vorbereiten. Dazu alle Zutaten mit dem Stabmixer fein pürieren. Beiseitestellen.

3. Für die Creme Frischkäse mit Sauerrahm, Parmesan und Olivenöl glatt rühren, mit Salz und Pfeffer würzen. Beiseitestellen.

4. Nach der Gehzeit den Pizzateig aus der Schüssel nehmen, auf der bemehlten Arbeitsfläche kurz durchkneten, in vier Stücke teilen, jedes Stück rund schleifen und auf ein sauberes, bemehltes Küchentuch setzen. Abdecken und weitere 25 Minuten gehen lassen.

5. Den Backofen auf 250 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

6. Den Pizzateig auf der bemehlten Arbeitsfläche auf die gewünschte Größe dünn ausrollen und auf mit Backpapier ausgelegte Bleche legen.

7. Die weiße Creme auf den Pizzaböden verstreichen.

8. Pesto darüber träufeln (etwa 2 EL pro Pizza).

9. Mozzarella in Stücke zupfen und auf den Pizzaböden verteilen.

10. Die Brennnesselblätter von den Stängeln zupfen und verteilen.

11. Mit etwas Olivenöl beträufeln, mit etwas Salz bestreuen.


12. Im vorgeheizten Rohr nacheinander in etwa 12 – 15 Minuten goldbraun backen.

13. Pizzen aus dem Ofen nehmen und kurz vor dem Servieren mit den Kirschen belegen.

14. Leicht pfeffern und mit frischem Basilikum garnieren.

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