Sonntag, 19. Oktober 2014

Ein e zuviel


Der typische Mühlviertler, so sagt man, ist fleißig, graniten, erdig, geradlinig, unauffällig, stur. Hm, ja, da ist schon was dran. Wir haben halt unseren eigenen Kopf und dass wir manchmal so richtige Schädeln sein können, ist auch kein Geheimnis. Aber Erdäpfelschädeln, das sind wir nicht. Und essen tun wir so was ebenso wenig.


Ja, es gibt in der traditionellen Mühlviertler Küche diese Gruppe von Speisen, die als Schedl bezeichnet wird (mehr darüber hier beim Dünnen Schedl) und ein Schädl wie beim Leberschädl von der Küchenschabe mag auch noch durchgehen. Aber nie, niemals darf so ein Gericht als Schädel bezeichnet werden, da bin ich genau. Deshalb, liebe Kunden- und Kochmagazin-Redakteure: Besser recherchieren, bitte!


Ach ja: Wer an dieser Stelle nun ein Schedl-Rezept erwartet hat, dem darf ich einen weiteren Charakterzug des typischen Mühlviertlers vorstellen: Seine Eigensinnigkeit. Und dieser Eigensinn steht mir heute nicht nach einem Schedl. Er steht mir nach Topfenmäusen. Nach flauschigen, süß-säuerlichen, knusprigen Topfenmäusen. Meine Großmutter servierte gerne Hexenschaum dazu, es passt aber auch Hollerkoch, Kompott oder Vanillesauce ganz hervorragend.

Topfenmäuse

Zutaten für 4 Personen

250 g glattes Mehl
1 Prise Backpulver
4 EL Zucker
1 EL Vanillezucker
1 Prise Salz
250 g Topfen
3 Eier
2 EL Rumrosinen (Rosinen in etwas Rum einlegen und dann abseihen) – die Rumrosinen weglassen oder durch normale ersetzen, wenn Kinder mitessen

Außerdem:
Fett oder Öl zum Ausbacken
Staubzucker zum Bestreuen

1. Mehl mit Backpulver, Zucker, Vanillezucker und Salz vermischen.

2. Topfen und Eier unterrühren. Den Teig 10 Minuten rasten lassen, dann die Rosinen untermengen.

3. Fett oder Öl erhitzen.

4. Aus dem Topfenteig mit zwei Esslöffeln Nockerln formen und schwimmend im heißen Fett goldgelb backen. Auf Küchenpapier abtropfen lassen.

5. Die Topfenmäuse mit Staubzucker bestreuen und beispielsweise mit Hollerkoch anrichten. Meine Oma servierte gerne Hexenschaum dazu.

Das Rezept ist leider nicht das Originalrezept meiner Oma, kommt ihm aber laut meiner Mutter sehr nahe. Es stammt aus dem Servus-Magazin.

Donnerstag, 16. Oktober 2014

In Worten tauchen und dabei Schnecken checken


Welche Kraft Worte haben. Falsche Worte und erst recht die richtigen. In ihnen kann ich versinken, sie machen mich fröhlich, sie schnüren mir das Herz zu. Der Panther von Rainer Maria Rilke: Mein liebstes Gedicht, es besteht aus solchen Worten, es bewegt mich immer wieder.

Ähnlich ergeht es mir bei der Ballade vom Brennnesselbusch von Börries Freiherr von Münchhausen.  Die Geschichte ist so schön, so romantisch, so tragisch: Zwei Menschen schwören sich die ewige Liebe, verlieren sich im Strudel gesellschaftlicher Konventionen, finden schließlich nicht mehr zueinander.

Die Ballade beginnt mit den Worten:

Liebe fragte Liebe: „Was ist noch nicht mein?“
Sprach zur Liebe Liebe: „Alles, alles dein!“
Liebe küsste Liebe: „Liebste, liebst du mich?“
Küsste Liebe Liebe: „Ewig, ewiglich!“

Und sie endet so:

Liebe fragte Liebe: „Sag, weshalb du weinst?“
Raunte Lieb zur Liebe: „Heut ist nicht mehr wie einst!“
Liebe klagte Liebe: „Ists nicht wie vorher?“
Sprach zur Liebe Liebe: „Nimmer – nimmermehr.“

Hach … Lassen wir uns doch gemeinsam mit diesen Worten gleich auch noch ein Brennnesselgericht auf der Zunge zergehen:


Brennnesselsamen-Schnecken

Das Minimädel und ich, wir waren heuer fleißig und haben uns einen üppigen Vorrat an Brennnesselsamen angelegt. Die Erntezeit für die Brennnesselsamen erstreckt sich je nach Region von August bis Oktober, wie sie geerntet werden, ist hier nachzulesen.

Zutaten für etwa 15 Schnecken

Für das Brennnesselsamen-Pesto:
20 g getrocknete Brennnesselsamen
20 g fein geriebener Parmesan
30 g gemahlene Mandeln oder Walnüsse
100 ml Olivenöl
2 fein gehackte Knoblauchzehen
Salz

Für den Kartoffelteig:
250 g Kartoffeln
100 g Vollkornmehl
150 g glattes Mehl
50 g Kartoffelkochwasser
1 EL Olivenöl
½ Packerl Trockengerm
1 TL Salz

1. Für das Brennnesselsamen-Pesto alle Zutaten vermischen und mit Salz kräftig abschmecken. Die angegebene Menge an Pesto wird nicht ganz verbraucht, es schmeckt aber auch sehr gut zu Pasta oder mit frischem Weißbrot. Das übrige Pesto am besten in ein Schraubglas geben, mit etwa Olivenöl bedecken und im Kühlschrank aufbewahren.

2. Kartoffeln schälen, in Scheiben schneiden, in einem kleinen Topf mit Wasser bedecken und weich kochen. Abseihen, dabei das Kochwasser auffangen. Die Kartoffeln mit einer Gabel fein zerdrücken.

3. Die restlichen Zutaten zu den Kartoffeln geben und alles etwa 10 Minuten lang auf niedriger Stufe mit dem Knethaken zu einem geschmeidigen Teig kneten. Der Teig erscheint anfangs sehr kompakt, fast bröselig, das ändert sich aber, nur Geduld.

4. Die Teigschüssel mit einem sauberen Geschirrtuch abdecken und den Teig an einem warmen Ort etwa 1 – 2 Stunden gehen lassen.

5. Den eher weichen Teig auf einer gut bemehlten Arbeitsfläche etwa 5 mm dick zu einem Rechteck ausrollen. Dünn mit Brennnesselsamen-Pesto bestreichen und von einer Längsseite her aufrollen.

6. Die Rolle in 2 cm dicke Scheiben schneiden. Die dabei entstehenden Schnecken auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen, mit einem sauberen Geschirrtuch abdecken und nochmals 30 Minuten gehen lassen.

7. In der Zwischenzeit das Backrohr auf 250 °C vorheizen.

8. Die Schnecken mit Wasser besprühen und in den Ofen geben, dabei auch noch etwas Wasser in den Backraum sprühen.

9. Nach 10 Minuten Backzeit die Ofentüre kurz weit öffnen, um den Dampf abzulassen, gleichzeitig die Temperatur auf 190 °C reduzieren.

10. In weiteren 10 – 15 Minuten fertig backen.

11. Die Schnecken aus dem Ofen nehmen und auskühlen lassen. Ganz frisch schmecken sie am besten!


Das Rezept für den Kartoffelteig entstand in Anlehnung an dieses Kartoffelbrötchen-Rezept von Lutz Geissler. 

Montag, 13. Oktober 2014

Hollerdrio-o-o


Fröhlich jodeln und aus vollem Herzen juchizen – das könnte ich, wenn ich es könnte, das Jodeln. Ich erwähne das deshalb, weil rund um mich Nasen schniefen und Kehlen krächzen, aber ich, ich könnte, wie gesagt. Vielleicht liegt es an meiner neu entdeckten Wunderwaffe, der Hollersulz, dass ich bis jetzt vor derartigen Erscheinungen verschont geblieben bin? 


Hollersulz

Hollersulz ist ein althergebrachtes und wirksames Mittel bei aufkeimenden Infekten, sie stärkt und schützt vor Husten, Heiserkeit und Schnupfen. Bei den ersten Anzeichen einer Erkältung einen Teelöffel davon in heißem Wasser auflösen und schluckweise trinken.

Zutaten

reife Hollerbeeren
Wasser
Zucker

1. Die Hollerbeeren von den Dolden streifen, in einen Topf geben und mit wenig Wasser aufkochen.

2. Köcheln lassen, bis die Beeren zerplatzen, dann mit einem Kartoffelstampfer gut zerdrücken.

3. Die Hollermasse durch ein Sieb streichen und den Saft auffangen.

4. Hollersaft abmessen und mit halb so viel Zucker zu einer Sulz einkochen. Das Einkochen dauert je nach Menge ungefähr 30 – 60 Minuten.

5. Um zu prüfen, ob die Hollersulz fertig ist, hin und wieder eine Sulzprobe machen. Dazu einen Tropfen der Fruchtmasse auf einen kleinen Teller geben – beim Abkühlen sollte sich ein dünnes Häutchen bilden. Alternativ kann man den Teller auch schräg halten – rinnt der Tropfen hinunter, muss die Sulz noch weiterköcheln, bleibt er haften, ist sie fertig.

6. Sobald die Hollersulz fertig ist, kochend heiß in saubere Gläser füllen und gut verschließen.



Der Holunder kam in früheren Zeiten einer kompletten Hausapotheke gleich, er galt als heilig und mächtig, wachte über Haus, Hof und Acker und begleitete den Menschen von der Geburt bis zum Tod. Auch heute finde ich diesen Schutzgedanken schön und bereichernd, ebenso wie das Gefühl, die Kraft des Hollers körperlich spürbar bei mir zu tragen: Holunderperlen lassen sich kinderleicht anfertigen, denn die Zweige des Holunders haben einen weichen Kern. Man schneidet einen Zweig mit etwa 1 cm Durchmesser ab und entfernt die Rinde. Den Zweig lässt man ein wenig trocknen, teilt ihn mit einer kleinen Säge in Stücke von der gewünschten Größe, entfernt das weiche Innere und schleift die Perlen rundherum mit feinem Schleifpapier ab. 

Montag, 29. September 2014

Süße Samstage


In meiner Kindheit wurde samstags gebacken. Jeden Samstag. Damals gehörte es zum guten Ton, zu jeder Zeit Kuchen servieren zu können, auch wenn unangekündigter Besuch vor der Haustür stand. Das war eine Sache der hausfräulichen Ehre und außerdem: In unserer sechsköpfigen Familie wurde der Kuchen auch ohne Gäste nicht schlecht. Beim Backen halfen wir Kinder fleißig, besonders natürlich beim Aus- und Abschlecken von Schüsseln und Rührwerkzeug. In Wahrheit mochte ich den ungebackenen Teig sogar fast lieber und in späteren Jahren war dann auch eine kleine Menge frisch hergerichteter Biskuitteig eine durchaus gängige Zwischenmahlzeit bei mir.

Die Auswahl an Mehlspeisen war groß, denn meine Mutter war (und ist) eine begnadete Kuchen- und Tortenbäckerin und probierte gerne Neues aus. Trotzdem gab es da diese Klassiker, die uns allen schmeckten und deshalb immer wieder ihren Weg ins Backrohr fanden:

* Ameisenkuchen
* Biskuitkuchen
* Gesundheitskuchen (wie der wohl zu seinem Namen kam?)
* Goldkuchen (wird nur mit Eidottern gemacht, ohne Eiklar)
* Linzer Schnitten
* Marmorkuchen (ich glaubte als Kind, der heißt Mamakuchen)
* Süße Spiegeleier
* Versunkener Pfirsichkuchen (ein Retro-Rezept mit Dosenpfirsich)
* Wia da wö-Gugelhupf (ein einfacher Gugelhupf aus Rührteig, den meine Mutter ohne Rezept zubereitete)

Irgendwann hat das Samstags-Backen dann aufgehört. Ich erinnere mich noch, dass meine Mutter sich gelegentlich über unser immer geringer werdendes Kucheninteresse beschwert hat. Vermutlich haben sich ganz einfach die Zeiten geändert, im Großen wie im Kleinen.
Aber: Sie können sich ja wieder ändern. Und die Rezepte sind noch da. Ich habe daher vor, den Süßen Samstag wieder aufleben zu lassen, ohne verbissene Regelmäßigkeit, mit den Lieblingen aus meiner Kindheit. Den Anfang machen die begehrten Süßen Spiegeleier, damit liefere ich auch gleich das phantastisch einfache Biskuitrezept meiner Mutter, vielfältig einsetzbar für Rouladen, Tortenböden und Schnitten aller Art.


Süße Spiegeleier

Das Biskuit meiner Mutter ist ein so genanntes verkehrtes Biskuit und das Rezept kommt ohne Waage und nur mit einer Schüssel aus. Ich liebe es! Im englischsprachigen Raum würde es wohl One Bowl Biskuit heißen, was ich eigentlich ganz reizvoll fände, aber wie übersetzt man das in ansprechender Manier?

Zutaten für ein Backblech

5 Eier
5 sehr gut gehäufte Esslöffel Zucker
5 sehr gut gehäufte Esslöffel Mehl
½ Glas Marillenmarmelade
2 Becher Schlagobers
½ Glas Kompottmarillen (oder frische, halbierte Marillen)
gehackte Schokolade und Hagelzucker zum Bestreuen

1. Backrohr auf 180 °C vorheizen und ein Backblech mit Backpapier auslegen.

2. Für das Biskuit die Eier trennen.

3. Eiklar mit Zucker zu steifem Schnee schlagen. Ist der Eischnee fest genug, lässt sich die Schüssel auf den Kopf stellen, ohne dass der Schnee seinen Halt verliert – das war bei uns Kindern ein schaurig-schönes Ritual: Fällt mir jetzt der Schnee auf den Kopf oder nicht?

4. Die Eidotter nach und nach unterrühren.

5. Das Mehl zur Dottermasse geben und vorsichtig unterheben.

6. Den Biskuitteig auf das vorbereitete Backblech leeren und vorsichtig verstreichen. Wer mag, kann den Teig auch in kleineren ovalen Formen (als Eier sozusagen, wie auf den Bildern) auf das Backblech aufbringen, er ist stabil genug und hält auch beim Backen diese Form problemlos. Auf jeden Fall sind dann hier aber zwei Backbleche notwendig (außerdem Heißluft und 160 °C).

7. Biskuit in etwa 10 – 12 Minuten hellbraun backen, aus dem Ofen nehmen und auskühlen lassen. 

8. Marmelade glatt rühren und auf dem ausgekühlten Biskuitboden verstreichen.

9. Das Schlagobers steif schlagen und auf dem Biskuitboden verteilen.

10. Kompottmarillen abtropfen lassen.

11. Wurde das Biskuit im Ganzen gebacken: Marillen in passenden und regelmäßigen Abständen auf dem Biskuit verteilen, mit Schokolade und Hagelzucker (das sind Salz und Pfeffer) bestreuen und den Kuchen in Quadrate schneiden.

12. Wurde das Biskuit in kleineren ovalen Formen gebacken: Pro „Ei“ eine Marille auf das Schlagobers setzen und mit Schokolade und Hagelzucker bestreuen.


Dieses Rezept passt übrigens ganz ausgezeichnet zu Sandras Blogevent Kindheitserinnerungen, darum bringe ich es gleich noch in snuggs kitchen vorbei.

Donnerstag, 18. September 2014

Mit Liebe ummantelt

 

Mir scheint, ich sehe etwas Tieferes, Unendlicheres, Ewigeres als den Ozean im Ausdruck eines kleinen Kindes, wenn es am Morgen erwacht oder kräht oder lacht, weil es die Sonne auf seine Wiege scheinen sieht.
Vincent van Gogh

Babybauch-Pflegeöl

Die Babybäuche in meinem Umfeld wachsen und gedeihen prächtig – aber sie wollen natürlich auch gepflegt werden! Ein hochwertiges Pflegeöl mit dezentem Duft lässt sich ganz einfach selbst herstellen. Wer mag, gibt noch einige Tropfen ätherisches Öl dazu, ganz nach den eigenen Vorlieben. 

50 g frisches Frauenmantelkraut, gerne mit Blüten
50 g frische oder 30 g getrocknete Duftrosenblüten (gibt es beispielsweise von Sonnentor)
300 ml Mandelöl
200 ml Olivenöl

1. Das Frauenmantelkraut und die Rosenblüten in ein großes Schraubglas geben, mit den beiden Ölen auffüllen und etwa drei Wochen lang an einem sonnigen Ort ziehen lassen, dabei regelmäßig schütteln.

2. Das Öl abfiltern und in dunkle Flaschen füllen. Fertig!

Frauenmantel wächst auf vielen Wiesen oder an Bachufern und kann von Frühling bis Herbst gesammelt werden. 

Montag, 15. September 2014

Sommersüß (aus dem Eis), gleich dreimal


Wohin mit all den schönen Rezepten? Ach, ich komme mit dem Posten nicht nach. Daher dieses Mal: Eine kleine Zusammenschau, drei süße Glücklichmacher und hoffentlich genügend Sommeraromen in eurem Tiefkühlschrank.


Labneh mit Waldheidelbeeren

Labneh ist ein Frischkäse aus dem Nahen Osten, der durch simples Abtropfen-Lassen aus Joghurt hergestellt wird. Je nachdem, wie das Joghurt vor dem Abtropfen gewürzt wird, sind unterschiedlichste Varianten möglich – von süß bis salzig, von würzig bis mild. Eine kleine Labneh-Einführung gibt es hier im Kuriositätenladen zu lesen.

Zutaten für 6 Portionen

1,5 kg Vollmilchjoghurt
1 Prise Salz
Schale von ½ unbehandelten Orange
100 g Zucker
1 EL Vanillezucker
300 g Waldheidelbeeren
2 TL Speisestärke
3 EL Zitronensaft
100 g Pistazien, geröstet und gesalzen
2 EL Honig

1. Joghurt mit Salz, Orangenschale, 70 g Zucker und Vanillezucker verrühren. Die Hälfte der Waldheidelbeeren vorsichtig untermischen.

2. Ein feines Sieb mit einem sauberen Mulltuch (ein sauberes Geschirrtuch geht auch, ebenso Küchenrolle) auslegen und über eine Schüssel hängen. Die Joghurtmasse hineingeben, alles abdecken (wird ein Mull- oder Geschirrtuch verwendet, einfach die Enden des Tuches einschlagen, ansonsten einen Teller oder einen passenden Topfdeckel zum Abdecken verwenden) und über Nacht in den Kühlschrank stellen. Die Masse sollte mindestens 12 Stunden abtropfen.

3. Für die Waldheidelbeersauce die restlichen Heidelbeeren mit Zitronensaft und dem restlichen Zucker (30 g) aufkochen.

4. Speisestärke mit etwas kaltem Wasser glatt rühren, in die heißen Beeren einrühren und die Sauce etwa 1 Minuten köcheln lassen. Die Sauce auskühlen lassen.

5. Pistazienkerne aus den Schalen lösen und grob hacken.

6. Den abgetropften Frischkäse auf eine Platte stürzen. Mit einem großen Löffel Nocken abstechen, auf Dessertteller setzen, mit Waldheidelbeersauce, Pistazienkernen und Honig anrichten.

Nach einem Rezept aus dem Living at home-Magazin.



Republikcreme

Schweizer Soldaten bekommen ab 2015 – wo möglich – nur noch Lebensmittel aus dem eigenen Land aufgetischt. Dafür werden nicht unwesentliche Mehrkosten in Kauf genommen. Eine Art von Patriotismus, die mir sehr gefällt – genau wie das folgende Rezept: Flag food in rot-weiß-rot. Das Rezept stammt aus dem Jahr 1932 und ich vermute, dass damals die Gelatineblätter eine andere Größe hatten – die im Rezept verlangten 6 Blatt führen nämlich zu einem texturmäßig ziemlich ungenießbaren Nachspeis-Brocken …

Zutaten für 4 Portionen

3 Dotter
70 g Zucker
1 EL Vanillezucker
3/16 l Milch (= ca. 2 EL)
1 ½ Blatt Gelatine
¼ l Schlagobers
3 EL Himbeermark (am besten aus Waldhimbeeren)
3 EL Erdbeermark (am besten aus Walderdbeeren)

1. Dotter mit Zucker, Vanillezucker und Milch in einer metallenen Schüssel verrühren und mit dem Schneebesen unter ständigem Rühren über dem heißen Wasserbad dicklich aufschlagen (nicht zu heiß werden lassen!).

2. Gelatine in kaltem Wasser einweichen, ausdrücken und unter die heiße Creme mischen. Vom Wasserbad nehmen.

3. Schlagobers steif schlagen und unter die schon etwas abgekühlte Dottermasse rühren.

4. Creme dritteln.

5. Unter ein Drittel das Himbeermark mischen, unter ein weiteres Drittel das Erdbeermark.

6. Die drei Cremesorten schichtweise in Dessertgläser füllen, dabei mit einer roten Sorte beginnen, dann kommt Vanille und dann die andere rote Sorte.

7. Die Creme kühl stellen, bis sie fest geworden ist.

Nach einem Rezept aus dem Buch Kulturgeschichte der österreichischen Küche von Peter Peter, erschienen bei C.H. Beck.



Grießkuchen mit Kirschen

Dieser Kirschkuchen ist einer meiner liebsten: buttrig, fruchtig, durch den Grieß leicht knusprig. Ein echter Allrounder, den ich schon oft gebacken habe und der einfach jedem schmeckt.

2 Eier
150 g Zucker
150 g Mehl
1 Prise Salz
70 g Grieß
150 g zerlassene Butter
500 g Kirschen (entsteint oder auch nicht)
Butter und Semmelbrösel für die Form

1. Backofen auf 200 °C vorheizen.

2. Die Backform (ca. 24 cm Durchmesser, ich habe eine flache Tarteform verwendet, es geht aber natürlich auch eine normale runde Springform) mit Butter einfetten und mit Semmelbröseln ausstreuen oder mit Backpapier auslegen.

3. Eier und Zucker dickschaumig aufschlagen.

4. Mehl mit Salz und Grieß vermischen und gemeinsam mit der zerlassenen Butter unter den Eierschaum heben.

5. Den Teig in die Form füllen, die Kirschen darauf verteilen und leicht andrücken.

6. Den Kuchen etwa 30 Minuten backen.

Nach einem Rezept aus dem Buch Backen mit Leila von Leila Lindholm, erschienen im AT Verlag.

Montag, 8. September 2014

Voll am Trend vorbei


Woher kommt es eigentlich, dieses komische Gefühl beim Einkaufen und Essen, diese Unsicherheit, was uns gut tut und was nicht? Weshalb dieser Run auf immer neue, scheinbar Wunder hervorbringende Zutaten und Ernährungsformen? Aus Stevia wird Birkenzucker. Aus Vegan wird Rohvegan wird Freevegan wird Paläo wird …. was? Warum fokussieren wir lieber auf Superfoods anstatt auf das kulinarische Ganze?

Ich habe mir neulich ein aktuelles amerikanisches Kochbuch gekauft. Es ist in seiner Hauptbotschaft keineswegs für Allergiker oder Menschen mit Intoleranzen gedacht. Trotzdem wird darin bei jedem Rezept aufgelistet, was das fertige Gericht NICHT enthält: Nut-free, soy-free, sugar-free, refined sugar-free, gluten-free, oil-free, grain-free steht da zu lesen. Für mich hört sich das fast ein wenig nach Paranoia an. Haben wir mittlerweile Angst vor dem, was wir essen?

Warum unsere Zeit genau diese Ernährungstrends hervorbringt und nicht andere, ist eine sehr komplexe Frage. Vermutlich findet jede Entwicklung ihren Anfang in einer Art Unzufriedenheit mit dem Status quo, in dem Wunsch, etwas zu verändern. Dann probieren wir aus, sind neugierig auf Unbekanntes, gehen auf die Suche – es wohnt ja jedem Anfang ein Zauber inne, warum sollte es bei unserer Ernährung anders sein? Manchmal erkennen wir dann, dass die alten Zeiten doch gar nicht so übel waren, aus Trend wird Gegentrend und schwupps, kommt alles irgendwann wieder.

Ich versuche daher, aktuellen Strömungen gelassen zu begegnen. Meist sind sie kurzlebig, schnell überholt und vergessen. Was nicht heißt, dass ich mich ihnen gegenüber komplett verschließe, im Gegenteil. Ich picke mir mit Freude die sprichwörtlichen Rosinen heraus, lasse mich inspirieren, integriere manches in meinen Ernährungsalltag, anderes amüsiert mich oder ärgert mich gewaltig. Was die gegenwärtige Frei von-Kultur unserer kulinarischen Landschaft anbelangt: Sie stört mich. Machen wir sie doch zur Voll von-Kultur. Vergessen wir das, was nicht drin ist in unserem Essen und schauen wir stattdessen, was in ihm steckt: Geschmack, Tradition, Heimat, Natur, Energie, Stimmung, Genuss. Was noch?


Waldhimbeer-Veilchen-Parfait

Skeptische Menschen werden dieses Parfait nicht ausprobieren. Es enthält Himbeeren aus Wildsammlung (Fuchsbandwurm?), Wildblumen (Hunde-Pipi?), weißen Zucker, rohe Eier, Schlagobers und den fettesten Topfen, den es gibt. Obwohl: Es wäre ja frei von Nüssen, Soja, Gluten, Öl und Getreide.
Gleichzeitig könnte man aber auch sagen: Das Parfait ist voll von angenehmer, zuckriger Süße, frischen Herta-, Berta- oder Cindy-Eiern, aromatischen und sonnenverwöhnten Himbeeren, dem konservierten Duft des Frühlings, cremigem Wohlgeschmack, optischen Highlights.

Oder?

Eben.

Zutaten für 8 Portionen

250 g Waldhimbeeren (ersatzweise Gartenhimbeeren) – aus dem TK-Vorrat oder frisch
400 ml Schlagobers
5 sehr frische Eidotter
1 EL Vanillezucker
80 g Zucker
150 g Speisetopfen mit 40 % Fett i. Tr.
Essbare Blüten, Zitronenverbene und Himbeeren zum Garnieren

1. Eine Kastenform von 30 cm Länge mit Frischhaltefolie auskleiden (ich habe mein Parfait in eine Kartonschachtel, ausgelegt mit Butterpapier, gefüllt, was, im Nachhinein betrachtet, doch eher suboptimal war – Kastenform und Frischhaltefolie funktionieren sicher besser).

2. Schlagobers steif schlagen und kühl stellen.

3. In einer Metallschüssel die Dotter mit Veilchensirup, Vanillezucker und der Hälfte des Zuckers verrühren. Dann über einem heißen Wasserbad mit einem Schneebesen einige Minuten vorsichtig aufschlagen (die Masse darf nicht zu heiß werden – Eierspeis-Gefahr!), bis die Mischung dick-cremig wird. Vom Wasserbad nehmen, auf eine kalte Fläche stellen und unter Rühren abkühlen lassen.

4. Topfen unterrühren, Schlagobers unterheben.

5. Den restlichen Zucker mit 150 g Himbeeren (falls tiefgekühlte verwendet werden, diese vorher auftauen) vermischen und mit einer Gabel zu einem Püree zerkleinern.

6. Die Hälfte der Eiermasse in die Form füllen, das Himbeerpüree und die restlichen Himbeeren darauf verteilen. Dann die zweite Hälfte der Eiermasse darüber geben.

7. Mit einer Gabel mehrmals spiralförmig durch die gesamte Masse ziehen, damit eine Marmormuster entsteht.

8. Das Parfait für mehrere Stunden tiefkühlen, am besten über Nacht.

9. Das Parfait etwa 15 Minuten vor dem Servieren aus dem Tiefkühlfach nehmen, die Form kurz in heißes Wasser tauchen und auf eine Platte stürzen. Folie abziehen und mit Blüten, Zitronenverbene und Himbeeren garnieren.


Nach einem Rezept aus dem Living at Home-Magazin.