Sonntag, 15. März 2015

Rezension: No need for meat


Never judge a book by its cover – Na gut, dann lassen wir das Cover einmal außen vor, über Geschmack lässt sich ja streiten. Aber wer ist Andreas Bär Läsker? Ich muss zugeben, bis dato war mir dieser Mann kein Begriff. Wem es genauso geht wie mir: Durch die Lektüre seines Buches No need for meat lernt man ihn ganz gut kennen, glaube ich. Und er scheint ein ziemlich lässiger Kerl zu sein, manchmal sogar zu lässig, zumindest für meinen Geschmack.

Das Buch startet mit der Lebens- und Essgeschichte des Autors und erzählt, wie der Bär zu seinem Namen kam. Dieser Abschnitt ist sehr amüsant zu lesen, obwohl ich mich an den sehr saloppen Schreibstil von Andreas Bär Läsker erst gewöhnen musste. Plattitüden wie Ist das tote Fleisch verschwunden, kommt Leben in die Küche!, Nichts macht schneller süchtig als Zucker oder Latte macchiatto, für mich inzwischen die Ursuppe der Volkskrankheiten sind irgendwie nicht so ganz meins. Etwas mühsam dann die Seiten über die Küchenausstattung, die Läsker für unverzichtbar hält, hier besonders die Lobeshymne auf sein Schneidegerät, den Nicer Dicer. Naja …

Dann geht es aber los mit den Rezepten. Diese sind grundsolide, oft eher deftig und kommen ohne Schnickschnack aus. Vieles kennt man, manches hat mich jedoch (positiv) überrascht (siehe bei Nachgekocht). So gut wie jedes Rezept ist bebildert. Die Fotos selbst treffen nicht unbedingt meinen Geschmack, die Gerichte sind sehr unprätentiös in Szene gesetzt. Hier hätte man ruhig etwas kreativer an die Sache herangehen können. Die Themen Abnehmen (der Bär hat durch Sport und die konsequente Umstellung auf eine vegane Ernährungsweise gut 60 kg abgenommen) und Gesundheit blitzen auch bei den Rezepten immer wieder durch – viele Zutaten werden auf diese Aspekte hin durchleuchtet. Ich selbst bin zwar kein Anhänger von Infos wie Gurke enthält viel Kalium, Zink und Eisen, da ich der Meinung bin, dass das Große Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile, ich bin mir aber sicher, dass viele Leser dankbar dafür sind.
Die Rezeptauswahl soll vermutlich eher die Männerwelt ansprechen, in der Folge sind dann auch süße Gerichte Mangelware – leider.

Die Kapiteleinteilung des Buches orientiert sich nicht nach Rezeptkategorien, sondern nach Themen, die dem Autor wichtig sind, alles in gewohnt salopper Bären-Sprache formuliert. In Die Droge Gewohnheit beispielsweise beschäftigt er sich mit dem Inneren Schweinehund und wie aus seiner Sicht eingefahrene Essgewohnheiten geändert werden können. Kill to Grill? ist eine Hommage an rein pflanzliches Grillen und Ode an die Kartoffel widmet sich, genau, ausführlich der Kartoffel. Das Buch schließt mit einem kurzen Nachwort und einem zweiseitigen Rezept- und Zutatenregister.


Nachgekocht

Dieses Rezept hat mich definitiv überrascht: Eine Bolognese aus roter Quinoa. Saucen mit Sojagranulat oder Grünkern kennt man ja, diese Variante war mir jedoch wirklich neu. Und sie hat funktioniert und geschmeckt, ohne Wenn und Aber. Die Gurken-Zucchini-Spaghetti habe ich mir an dieser Stelle geschenkt und stattdessen richtige Nudeln gekocht (der Hype um Spaghetti aus Gemüse geht bis heute nicht so recht in meinen Kopf …). Volltreffer!


To Cook-Liste

Selbstgemachte Maultaschen
Vuggets (trotz der Bezeichnung)
Vyros (siehe Vuggets)
Nussbraten
Gemischtes Doppel aus zwei Sellerie- und zwei Nusssorten

Fazit: Wer keine Berührungsängste mit dem verschwenderischen Gebrauch von Wörtern wie Wahnsinn, Mega oder intergalaktisch hat, den leicht missionarischen Unterton gut verträgt und darüber hinaus ein Mann ist, der wird No need for meat mögen - mein Fall ist es ehrlicherweise nicht so ganz. Dennoch liefert es tolle Rezepte und ist für den Einstieg in eine vegane Ernährung bestimmt gut zu gebrauchen – das bestätigt wohl auch die Top-Bewertung, die das Buch beispielsweise auf amazon hat. Streckenweise täte dem Buch eine etwas sachlichere Sicht auf die Dinge gut, wobei ich einräumen muss, dass dies bei einem so emotionalen Thema sicher nicht ganz einfach ist.

No need for meat – Oder: Vegan ist, wenn man trotzdem lacht
von Andreas Bär Läsker
Gebundene Ausgabe, 216 Seiten
TRIAS Verlag, 1. Auflage 2015
ISBN: 978-3830482321
Preis: € 24,99

Dank an den TRIAS Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Kommentare:

  1. hast du den Fehler im Buch-Rezept bemerkt? Er schreibt "Gurken und Spaghetti ... in Spaghettiform schneiden" statt Zucchini, witzig...
    jetzt weiß ich endlich, was man mit rotem Quinoa anstellen kann,
    lg

    die Aussage vom TOTEN Fleisch in der Küche macht mich nachdenklich

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  2. Ja, hab ich auch gemerkt, musste auch schmunzeln ;-)
    Die Bolognese war wirklich gut!
    So Aussagen sind schon sehr krass, aber leider hört man sie öfter - es ist schon etwas länger her, da las ich mal "Bienenkotze" als Synonym für Honig ...
    Grundsätzlich hab ich aber das Gefühl, dass solche Aussagen immer seltener werden - Gottseidank! So kommt etwas mehr Sachlichkeit in die Diskussion und das kann nur von Vorteil sein!
    Liebe Grüße!

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  3. Schön wär's, Mädel vom Land. Ich darf Ihnen empfehlen, sich mal auf der Facebook-Seite des Autors des von Ihnen rezensierten Buches umzusehen. Sie werden schnell feststellen, dass der Autor mit Schimpfwörtern nicht eben sparsam umgeht. Das Wort "Kadaverfresser" gehört noch zu den harmlosen Ausdrücken.

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    1. Oje ... Ich persönlich bin ja überzeugt, dass diese Art von Missionierung dem Ganzen weit mehr schadet als nützt ... Mit lieben Grüßen!

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