Donnerstag, 27. November 2014

Verwöhn Mi(l)ch, ganz ohne Klischee


Ich bin eine Sammlerin. Aber ich kann echt nix dafür. Meine Mama ist schuld, das hab ich von ihr. Wenn ich vor einem Stapel herausgerissener Seiten aus Zeitungen und Magazinen sitze und Rezepte ausschneide, um sie in einer von unzähligen Mappen zu archivieren, dann schüttelt jeder, der vorbei kommt, milde lächelnd den Kopf – und denkt sich seinen Teil.

Nur meine Mama nicht. Sie setzt sich dazu, blättert, gibt ihre Kommentare ab. Sie versteht mich und diese doch etwas irrationale Leidenschaft, natürlich tut sie das. Schließlich ist es eine Art von Begeisterung, die ich wie beiläufig von Kindesbeinen an von ihr übernommen habe. Lernen am Modell nennt man das. Man könnte auch sagen: Kopieren und Einfügen.

Meine Mutter hat nicht nur Rezepte gesammelt: Da gibt es heute noch diese eine Truhe, bis oben hin voll mit alten burda-Heften, gekauft seit den 1970er-Jahren. Ich liebe es, mich durch die vergilbten Seiten zu blättern, so viel Wunder- und Sonderbares gibt es dabei zu entdecken. Die folgende Werbung beispielsweise, die mich an die aktuelle Marketingstrategie eines bekannten Herstellers von Pflegeprodukten erinnert. In beiden Kampagnen geht es um Selbstwertgefühl, um die Schönheit, die von innen kommt. Der große Unterschied: Das Thema wird heute sehr subtil und mit großer Vorsicht angegangen. Damals hieß es schlicht und einfach: Wir suchen die fröhliche Dicke!


Im Text werden die gängigen Klischees um Dick-Sein und Übergewicht so offen und selbstverständlich formuliert, dass einer modernen Frau von heute die Spucke wegbleibt: Dicke Frauen, ja, sie sind schon undiszipliniert und inkonsequent. Aber hey, doch auch fröhlich, natürlich und selbstironisch! Denen ist klar, dass sie nicht zu den Schönsten gehören, aber wisst ihr was? Da stehen die drüber!

Was wohl die Frauen vor 40 Jahren über diese Botschaft dachten? Und was würde sie heute in unserer Gesellschaft auslösen? Klischees und Vorurteile, die in diese Richtung gehen, existieren schließlich nach wie vor in unseren Köpfen. Sie werden, so kommt mir vor, nur nicht mehr in dieser Deutlichkeit kommuniziert, sondern eher hinter vorgehaltener Hand.

Wo wir bei Binsenweisheiten und Allgemeinplätzen sind: Die Welt ist voll davon, wenn es um unsere Ernährung geht. Kohlenhydrate sind böse. Fett macht fett. Vegetarier und Veganer sind mangelernährt. Die Lebensmittelindustrie will uns vergiften. Wir brauchen Supplemente, um gesund zu bleiben. Cola löst Fleisch auf. Dicke essen mehr als Dünne. Eier sind schlecht für den Cholesterinspiegel. Morgens wie ein Kaiser speisen, dafür abends wie ein Bettelmann. Ach, das könnte stundenlang so weitergehen. Kein Wunder, dass Essen so kompliziert geworden ist.

Ich fange daher einfach einmal an und räume mit einem sehr persönlichen Vorurteil auf: Pflanzenmilch schmeckt ganz ok, aber nicht wirklich gut. Tatsächlich habe ich nämlich eine Milchalternative gefunden, die mich wirklich überzeugt. Ohne Wenn. Ohne Aber. Nämlich: Cashewmilch, selbst gemacht. Sie schmeckt cremig, rein, süßlich. Unaufdringlich. Köstlich! Also: Schublade auf, Pflanzenmilch raus, Schublade zu.


Cashewmilch

Ich war ziemlich geschockt, als ich in einer der letzten biorama-Ausgaben gelesen habe, dass Mandelmilch als Ersatz für Kuhmilch eher ungeeignet ist, und zwar aus ökologischen Gründen. 80 % der weltweiten Mandelernte stammt aus Kalifornien, wo der Anbau sehr wasserintensiv betrieben werden muss. Der Wasserverbrauch pro Mandel (und die Rede ist hier von Stück, nicht von Kilo) beträgt unglaubliche vier Liter! In der Folge habe ich versucht, mich auch über die Auswirkungen der Cashew-Produktion schlau zu machen. Aus ökologischer Sicht scheint die Nuss vertretbar zu sein, allerdings gibt es immer wieder Meldungen hinsichtlich Kinderarbeit und gesundheitlicher Schäden der Erntehelfer. Beim Knacken der Nüsse, das offenbar zum Teil immer noch händisch erfolgt, wird nämlich ein ätzendes Öl freigesetzt, das ohne entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu Hautverletzungen führt. Fair gehandelte Cashews sind hier einen Schritt voraus: Die Bauern müssen Schutzkleidung tragen und werden im Umgang mit den Früchten speziell geschult. Daten und Fakten zur Produktion von Cashewkernen sind bei mir übrigens herzlich willkommen!

Zutaten für etwa 800 ml

150 g Cashewkerne
2 entsteinte Datteln
750 ml Wasser
1 Messerspitze gemahlene Vanille
1 Prise Salz

1. Cashewkerne und Datteln in eine Schüssel geben, mit Wasser bedecken und über Nacht einweichen.

2. Das Einweichwasser abseihen und Cashewkerne und Datteln mit dem frischen Wasser, Vanille und Salz in einen Mixer geben.

3. Auf höchster Stufe einige Minuten mixen, bis die Milch glatt und cremig ist.

Cashewmilch muss nicht gefiltert werden und ist sofort trinkbereit. Im Kühlschrank hält sie sich mehrere Tage, sie schmeckt jedoch ganz frisch am besten.

Rezeptidee: Healthy Chef.

Kommentare:

  1. Also... falls es dich tröstet, ich liebe es Rezepte aus Zeitschriften auszuschneiden und diese zu archivieren...
    Und weißt du was.... ich laminiere die Rezepte sogar! ALLE! Damit sie nicht fleckig und fettig und schmutzig werden beim Kochen und Backen. Weil so kann ich sie leicht abwischen, sollte doch mal was danebengehen...
    So viel dazu *g*

    Alles Liebe,
    Viktoria

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    1. Hihi, gut zu wissen, dass nicht nur ich so ganz leicht verrückt bin :-) Liebe Grüße vom Mädel!

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  2. Guten Abend.Danke für die Idee ich probiers gleich mal aus. Hatte gerade die Kerne gekauft. Das ist ja ein Mist mit den Mandeln, ich wußte es nicht. Also das nächste mal in P auf der terra pflanzen wir mindestens 10 Mandelbäume. Liebe Grüße und eine ruhige Nacht
    a.

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    1. Also wenn du Gelegenheit hast, Mandelbäume selber zu pflanzen, dann beneid ich dich schon ...
      Die Nacht war ruhig, danke :-) Was für ein Braver!

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  3. Wie witzig!
    Bei meinen Versuchen Pflanzenmilch herzustellen habe ich auch Cashewnussmilch gemacht, ganz ähnlich wie du allerdings ohne irgendeine Art Zucker hinzuzufügen.
    Mir hat die am allerbesten von all meinen selbsthergestellten und auch den gekauften geschmeckt.
    Das einzige was mir nicht gefallen hat, dass sich auch diese Milch nicht aufschäumen ließ,..ich wollte ja nur Kaffee mit aufgeschäumter Milch damit machen, da ich die normale Kuhmilch nicht vertrage.

    Und zu deiner Sammelsucht: Ich mach das nicht, aber meine Mama hat ein ganzes Küchenkastel voll mit solchen ausgeschnittenen Rezepten und auch anderen Tipps und Tricks usw. Bei mir hat das Vorzeigen also nicht funktioniert, wohl aber dass auch ich alles lieber selbst herstelle wie meine Mama das meist getan hat.

    In diesem Sinne, weitersammeln :-) weiter solche schönen Beiträge posten bitte!
    lg. Sina

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    1. Na gut, wenn du mir das anschaffst, dann sammel ich halt weiter ;-)
      Deinen Cashewmilch-Versuch kenn ich, Sina! Das mit dem Aufschäumen liegt vermutlich am zu niedrigen Eiweißgehalt, würde ich meinen ...
      Liebe Grüße!

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    2. oh nein, kein Anschaffen,..:-)
      Möglich dass es daran lag, jedenfalls will ich ja Milch im Kaffee hauptsächlich wegen dem Schaum, weswegen es das jetzt fast gar nicht mehr bei mit gibt :-(
      lg. S.

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    3. Du Arme ... Aber Kaffee schon noch, oder? Ohne könnte ich nicht überleben ;-)

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  4. Das ist ja interessant!! Was du alles weißt.... :-) Danke für das tolle Rezept!
    Alles Liebe euch 4!

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    1. Euch 4 auch alles Liebe! Freut mich, wenn du das Rezept ausprobierst :-)

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