Samstag, 4. Januar 2014

2013 war eine Muse


Jetzt bin ich nicht nur wieder ein Jahr älter. Ich bin auch

… klüger: Endlich weiß ich, warum mir Matcha nicht schmeckt. Dem noch immer anhaltenden Hype um das leuchtend grüne und offenbar ausnehmend gesunde Teepulver stand ich bis jetzt ja eher ratlos gegenüber. Beide Rezepte, die vor Jahren schon den Weg in meine Küche fanden (Matcha-Cookies – ein Blogbuster der Nullerjahre – und Matcha-Eiscreme), haben mich geschmacklich enttäuscht. Zum Eis hab ich mir in meinem damals noch sehr unaufgeregt im Word geführten Koch-Tagebuch notiert: Schmeckt wie Heu mit Suppe. Und ha! Jetzt weiß ich auch wieso (und bin begeistert von meinem sensorischen Gespür). Da las ich doch im Büchlein Tee! Tee! Tee! von Anna Burghardt die folgenden Zeilen:
Um diesen herzustellen, wird die Teepflanze zwei bis vier Wochen vor der Ernte mit Netzen oder Ähnlichem beschattet. Dadurch, dass man der Pflanze 90 Prozent des Sonnenlichts nimmt, bildet sie Chlorophyll und Aminosäuren, die für den vielzitierten Umami-Geschmack verantwortlich sind, den man am besten als herzhaft und bisweilen auch süchtigmachend beschreibt.
Umami also! Und weil ja Suppe = Umami … Genau. Heureka!

… um einige Lieblingsrezepte reicher: Schokomousse, ohne Schlagobers, mit frischem Ei. Kaiserschmarren nach Sarah Wiener (laut einem zufällig mitgenießenden Freund, einem Koch wohlgemerkt, der beste Kaiserschmarren seines Lebens!). Grießnockerlsuppe aus dem Goldenen Plachutta (vom Angstgegner zur Angebervorspeise mutiert).

… inspiriert: Vegan. Green Smoothies. Dampfgaren. Sous-vide. Herkunft. Alte Rassen, alte Sorten. Bienen. Selbstversorgung. Wildkräuter. Omaküche. Chia-Samen. Resteküche. Brot. 15 Minuten-Küche. Undundund. Diese Vielfalt an Ernährungsthemen war und ist großartig.

sicher: Dass Cake-Pops und Cookie dough kulinarische Neuentdeckungen bleiben werden, die ich nicht brauche.

Auch 2014 wird spannend, das weiß ich von meinen Barbarazweigen: Sie sind in der Nacht vom 22. auf den 23. Dezember aufgeblüht. Was das zu bedeuten hat, überlasse ich ganz meinem Schicksal. In Sachen Kulinarik wage ich aber an dieser Stelle drei Prognosen für das kommende Jahr (und bin jetzt schon gespannt auf das dazugehörige Resümee in 12 Monaten):

1. Jamie Oliver wird ein veganes Kochbuch herausbringen.

2. Wir dürfen uns auf Paleo-Küche (kein Getreide, kein Zucker, keine Milchprodukte), rohköstliche Ernährung, Superfoods, Microgreens und Grünkohl-Rezepte (derzeit Megatrend in LA) freuen.

3. Metabolic balance und 10in2 werden von einer neuen Must-try-Diät abgelöst (vermutlich Grünkohl).

Ich mag solche Grübeleien. Über das, was war. Und das, was werden könnte. Bin ich mit dem Nachdenken fertig, freue ich mich auf Leben und Essen im Jetzt.

Jetzt: Mispeln. Nach der Ernte Mitte Dezember lagerten die bereits batzweichen Früchte noch einige Zeit draußen am Balkon, weil mir schlichtweg die Zeit fehlte, sie zu verarbeiten. Es hat ihnen nicht geschadet, gottseidank. Jetzt freue ich mich über die Mispel-Karamell-Creme, die ich daraus noch gemacht habe. Das Rezept stammt aus dem Buch Silvias Gemüseküche von Silvia Maritsch-Rager. Die Autorin nimmt einen für mich etwas brachialen Weg, um an das Fruchtmus zu gelangen: Sie püriert einfach die ganzen Früchte samt Kernen und Schale. Puh, ich weiß nicht. Dann doch lieber meine gewohnte Methode.
Mispelmus ist dick, teigig, süß und fruchtig im Geschmack. Hildegard von Bingen hat die Frucht wegen ihrer stärkenden Eigenschaften geschätzt und irgendwie spürt man diese Kraft auch, wenn man sie isst. Sie macht satt, im wahrsten Sinne des Wortes.


Mispel-Karamell-Creme

Zutaten für etwa 350 g

100 g Schlagobers
30 g Zucker
300 g Mispelfruchtfleisch (Anleitung hier)

1. Für das Karamell Schlagobers mit Zucker aufkochen und etwa 10 – 15 Minuten auf kleiner Flamme zu heller Karamellfarbe einkochen.

2. Das Mispelfruchtfleisch dazugeben, gut vermischen und kurz erhitzen.

3. In ein sauberes Glas füllen, gut verschließen und auskühlen lassen.

4. Im Kühlschrank nicht zu lange aufbewahren – durch den geringen Zuckergehalt ist die Creme nicht sehr lange haltbar.


Wieder grübeln: Nachdenken, was aus dieser Creme werden könnte.

1. Ein Brotaufstrich (statt Marmelade, Schoko-Nuss, Honig, …).

2. Eine Palatschinkenfüllung, ganz pur, die Palatschinken überzuckert.

3. Mispel-Topfen-Palatschinken: Ein gutes Rezept für überbackene Topfenpalatschinken nehmen, die Topfenfülle mit Mispelcreme anreichern (3 EL Mispelcreme für eine Fülle aus 250 g Topfen) und wie gewohnt weiterkochen.

4. Mispel-Schoko-Creme: Durch die teigige Konsistenz sollte sich Mispelfruchtfleisch ja auch ganz gut als Grundlage für ein Dessert eignen, hab ich mir gedacht. Und Schokolade bzw. Kakao passt hier wirklich hervorragend! Für 4 Personen habe ich 200 g Mispelcreme, 1 Banane, 1 TL Vanillezucker, 30 g ungesüßtes Kakaopulver, 20 g Agavensirup und je eine Prise Salz und Zimt im Mixer glatt und cremig püriert. Die Menge erscheint auf den ersten Blick sehr gering für vier, aber glaubt mir, es reicht.

5. Eine Beilage für Wildgerichte.

6. Ein Schicht-Dessert mit Apfel, Mispel und Vanille: Für 4 Personen 2 Äpfel schälen, entkernen, in Würfel schneiden und mit etwas Wasser und einem Spritzer Zitrone weich dünsten. Die weichen Apfelstücke dann mit einer Gabel zerdrücken, mit 4 EL Mispelcreme und 1 EL Grieß vermischen und noch einmal kurz erhitzen. Abkühlen lassen. 400 g Naturjoghurt mit 2 EL Vanillezucker vermischen. Apfel-Mispel-Creme und Vanillejoghurt schichtweise in Gläser füllen.

All diese Ideen lassen sich natürlich auch mit purem Mispel-Fruchtfleisch umsetzen, auch das schmeckt köstlich.

Auf ins Jahr 2014!

Kommentare:

  1. Haha, auf das vegane Jamie-Oliver-Kochbuch bin ich schon gespannt - das halte ich für genauso wahrscheinlich wie Du! Die Mispelcreme klingt toll. Schade, ich wüsste mal wieder nicht, wo ich die Früchte herkriegen sollte. Aber ich werde die Augen offen halten!

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    1. So verbreitet sind die Mispeln leider nicht mehr ... Aber sie werden wieder mehr!

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  2. Mispelfrüchte! Ich bin begeistert.
    Wo hast du sie gefunden?

    Matcha: Dem kann ich auch nichts abgewinnen.

    Cupcakes und CakePops: Cupcakes hab ich nicht mal angedacht zu backen, aber letztes Jahr hab ich mich hinreissen lassen Cake Pops zu backen, Fazit: Braucht kein Mensch, entweder war mein Rezept schlecht oder ich habe das Backen bei dieser Art Kuchen verlernt.

    Liebe Grüße!

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    1. Meine Mispelfrüchte stammen vom "Hochfeld" (heißt so, keine Ahnung warum) meines Bruders, an dessen Rand entlang sind lauter Sträucher und Stauden - dort stehen einige Mispelbäume, die superviele Früchte tragen!
      Bei Cupcakes lass ICH mich manchmal hinreißen, sie reizen mich irgendwie ... ;-) Liebe Grüße vom Mädel!

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  3. He, den Porzellancupcake hab ich auch :-)) Ist meine Zuckerdose. Ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr und schicke Dir einen lieben Gruß aus Wien
    PS... ein veganes Kochbuch von JO wird es in hundert Jahren nicht geben. Wie kommst denn auf so was?

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    1. Ich hab sogar zwei ;-)) Das wünsche ich dir auch, liebe Frau Ziii!
      P.S.: Weil JO so ziemlich jeden essbaren Trend aufgreift, der sich anbietet - und "vegan" kann ja derzeit gar nichts toppen ... Dann sind wir mal gespannt, oder?

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    2. Ich halte dagegen, denn mein Verdacht ist folgender... JO ist allen Küchen dieser Welt offen. Er greift Trends auf und vor allem macht er Trends. Aber eines wird er glaube ich niemals in seinem Leben tun... sich durch eine Diätvorschrift einschränken. Das widerspricht voll und ganz seinen Prinzipien und seinen Prinzipien ist er bisher immer treu geblieben. Steht die Wette? ;-))

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