Mittwoch, 9. Oktober 2013

Gruppenbild mit Dirndl


Dass ich auf Dirndln steh, ist ja nun echt kein Geheimnis mehr. Hier und hier und hier habe ich schon von meiner großen Liebe berichtet.  Heuer habe ich einen Blick über den Marmeladentopf hinaus riskiert – und bin verliebter als je zuvor. Schuld ist dieses Buch. Und mein Papa ein bisserl, der mich jedes Jahr wieder mit seinem Dirndlfieber ansteckt.

Wer die Sache mit den Kornelkirschen systematisch angehen möchte, der sollte sich zuerst einmal mit seinem Dirndlvorrat beschäftigen. Vier Rezepte lege ich euch ans Herz, nämlich Fruchtmark, Marmelade, Saft und Kompott. Dieses Vierergespann lässt sich wunderbar bevorraten und ist die Basis für die meisten Dirndlrezepte, die ich kenne. Und natürlich solltet ihr euch auch die Mühe machen, die Kerne der Früchte zu reinigen und zu trocknen.

Dirndln zu verarbeiten, das braucht seine Zeit. Wer die nicht hat oder, das gibt’s ja auch, wer sie sich nicht nehmen will, der fängt besser gar nicht erst an. Alle anderen: Kommt mit in die Dirndlküche!


Die Ernte

Kornelkirschen sind erst dann so richtig gut, weich und süß, wenn sie von selbst vom Baum fallen. Deshalb werden in der Regel zur Erntezeit (bei uns im Garten meist im September) unter den Bäumen Netze gespannt, aus denen die Früchte täglich eingesammelt werden sollten. Werden sie nicht gleich verarbeitet, sollten sie nach dem Waschen und Aussortieren eingefroren werden.
Für manche Rezepte wie etwa das Kompott ist es allerdings besser, Dirndln zu pflücken. So behalten sie beim Einkochen besser ihre Form.


Fruchtmark

Fruchtmark lässt sich am besten aus ganz weichen Früchten herstellen. Sie kommen in eine große Schüssel und werden mit dem Handmixer einige Minuten durchgemixt, sodass sich das Fruchtfleisch zum guten Teil von den Kernen löst. Diese Masse lässt sich danach relativ gut durch die Flotte Lotte passieren.
Das Fruchtmark lässt sich gut portionsweise einfrieren oder mit Gelierzucker zu ganz einfacher und schnörkelloser Marmelade weiterverarbeiten.
Den Rückstand aus der Flotten Lotte in eine große Schüssel geben und mit Wasser vermischen. Die Kerne sind meist gut vom Fruchtfleisch getrennt und lassen sich schön auslesen. Auf mehreren Lagen Papier trocknen.


Fruchtsaft

Auch für den Saft eher weiche Früchte nehmen. Die Kornelkirschen mit Wasser (etwa ein Drittel des Fruchtgewichts) aufkochen und die Masse dann über Nacht abkühlen lassen.
Am nächsten Tag nochmals etwas erwärmen (nicht mehr kochen, sonst verbrennt man sich beim Auspressen die Finger!). Ein großes Sieb mit einem sauberen Geschirrtuch auslegen und die Dirndlmasse hineinleeren. Durchtropfen lassen, dann das Geschirrtuch über der Masse zusammenschlagen und gut auspressen.
Den Fruchtsaft am besten gleich genießen, weiterverarbeiten oder einfrieren.

Kompott

Für Kompott verwendet man am besten gepflückte, nicht allzu weiche Dirndln. Sie lassen sich zum einen – wenn man das will – besser entkernen (geht mit einem Olivenentkerner), zum anderen platzen sie beim Einkochen nicht so leicht auf.
500 g Zucker mit 250 ml Wasser aufkochen und etwa 5 Minuten köcheln lassen. 1 TL Zitronensaft hinzufügen. 500 g gepflückte Dirndln dazugeben und einmal aufkochen lassen. In saubere Gläser mit Schraubdeckel füllen und gut verschließen.


Ach, was für ein wunderbarer Dirndlvorrat … Und die Ideen zum Verkochen, sie stauen sich schon in meinen Gehirnwindungen. Ihr werdet bald sehen!


Die Rezepte für Fruchtmark und Saft stammen aus dem Buch „Die Kornelkirsche“ von Manuela Grasmann, erschienen im Leopold Stocker Verlag.

Das Kompottrezept stammt aus dem Buch „Kraftcocktail Kornelkirsche“ von Eduard Gugenberger, erschienen im Österreichischen Agrarverlag.

Kommentare:

  1. Na super! Ich wollte meine Dirndln heuer still und heimlich am Strauch vertrocknen lassen, weil ich noch so viel Gelee und eingelegte Dirndln habe. Und jetzt machst du mich neugierig, was man noch alles draus machen könnte (Chutney hab ich auch schon mal gemacht). Ich denke, sicherheitshalber pflück ich sie doch mal und warte, was du noch alles hervorzauberst :-)

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    1. Nix da, Küchenschabe ... Fang mal mit dem Vorrat an ;-)

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  2. Hallo, Mädel vom Land,

    wozu die Kerne aufheben? Was kann man daraus machen, außer, dass sie ganz hübsch aussehen, zum Dekorieren etwa?

    LG
    Judith

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    1. Was ich unbedingt ausprobieren möchte, ist das Rösten, Vermahlen und Kaffee-damit-Verfeinern! Angeblich gaben schon früher die Dirndl-Kerne dem Wiener Kaffee seine typische vanillige Note ...
      Und außerdem lassen sich die Kerne auch super in Sackerl einnähen und zum Kühlen bzw. Wärmen verwenden - wie Kirschkernsackerl! Die kennst du sicher, Judith, oder?

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  3. Toll !! Spannst du tatsächlich Netze auf? Und so eine schöne Farbe...
    ich kenne leider keinen Dirndlbaum persönlich :-(
    lg

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    1. Keinen Dirndlbaum persönlich, echt??? Oje... Dann musst du mal ins niederösterreichische Pielachtal fahren, das gibts jede Menge ...
      Heuer haben mein Papa und ich keine Netze gespannt und die Ernte sogar teilweise übersehen!!! Ist das zu glauben ;-) Für nächstes Jahr nehme ich mir das aber ganz fest vor!

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  4. Ich kenne leider auch keinen Dirndlbaum, aber ich warte mal gespannt!

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    1. Super, puh, jetzt steh ich ja ganz schön unter Druck ;-)

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  5. Ich drücke auch mal mit und freue mich auf die Ergebnisse in Sachen Kerne als Kaffeezusatz. Seit ich das irgendwo gelesen habe, juckt es mich feste in den Fingern, es selber auszuprobieren. Nur leider fehlt mir die Kaffeemühle dazu. :-(

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    1. Ich freu mich auch schon sehr aufs Ausprobieren - und Berichten! :-)

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