Donnerstag, 4. November 2021

Hapunktzwetsche


Ich muss immer lachen, wenn ich daran vorbeigehe. Immer. H.zwetsche steht da auf dem hölzernen Schild neben dem noch jungen Zwetschkenbaum. Er gehört meinem Mittleren, dem kleinen Mann, und ist einer von elf Enkelbäumen, die quer durch den großen Garten verteilt rund um mein Elternhaus wachsen.

In meiner Familie wird die Ankunft jedes Enkerls mit einem kleinen Bäumchen gefeiert und weil ich und meine drei Geschwister mittlerweile für eine komplette Fußballmannschaft verantwortlich sind, steht der ohnehin schon vollgepflanzte Obstgarten nun noch üppiger da. Beim Minimädel war‘s ein Berner Rosen-Apfelbaum, beim kleinen Mann ein Zwetschken- und beim Käferlein ein Pfirsichbaum. Hach …



Nur mit der Beschriftung, da hapert‘s hier und da. Mal ist zu wenig Platz auf dem Brettl, mal verschwinden Buchstaben unter mysteriösen Umständen … Und so wurde aus der Hauszwetschke des kleinen Mannes ein Hapunktzwetschenbaum. Und der war heuer so hängvoll mit prächtigen, makellosen, so gut wie wurmfreien Früchten, dass ich und sein Besitzer ordentlich zu tun hatten, die alle zu ernten und zu verarbeiten.


In der ersten Schulwoche nach den Ferien hab ich einen Teil davon zu einer Ladung Zwetschkenröster verkocht. Und dann den kleinen Mann von der Schule abgeholt. Ja, richtig gelesen: Von der Schule! Wie die Zeit verfliegt! Und wie ich es liebe, mittags vorm Eingang zu warten und dabei zuzusehen, wie die Schule ein Kind nach dem anderen ausspuckt, zuerst nur wenige, dann immer mehr und plötzlich ist alles voller Knirpse und sie gehen nicht, sie rennen, sie flitzen kreuz und quer und irgendwann entdecke ich mittendrin ein fröhliches Gesicht, seins, und ja, auch dann muss ich immer lachen. Immer.


Topfenknödel mit Zwetschkenröster


Hier kommt ein gutes Basisrezept für Topfenknödel – sie sind gelingsicher, kompakt und schnell gemacht. Übrigens gibt es bei uns in Oberösterreich eine alte Regel: Junge Frauen haben erst dann das Zeug zum Heiraten, wenn die Knödel gut gelingen! Hey, Gottseidank hab ich die Knödel-Akademie gemacht. Und zack! Verheiratet.

Zutaten für etwa 4 Portionen

Für den Zwetschkenröster
1 kg reife und süße Zwetschken
100 g Braunzucker
Schale und Saft von einer Bio-Zitrone
4 Gewürznelken
1 Zimtstange
etwa 1/8 l Wasser (nach Bedarf)

Für die Knödel
250 g Topfen
1 Ei
3 EL Grieß
3 EL Semmelbrösel
1 EL Öl
1 Prise Salz
1 Prise Zucker
abgeriebene Schale von ½ Zitrone

Für die Butterbrösel
100 g Butter
etwa 150 g Semmelbrösel
2 EL Zucker

Außerdem
Staubzucker zum Bestreuen

1. Zunächst für den Zwetschkenröster die Zwetschken waschen, halbieren und entkernen. Zucker in einen breiten Topf einstreuen und bei mittlerer Hitze geduldig karamellisieren lassen - das dauert seine Zeit! Nicht umrühren dabei, einfach in Ruhe lassen.

2. Sobald der Zucker hell karamellisiert ist, die Zwetschken drauf kippen und unter gelegentlichem Rühren erhitzen. Zitronensaft und –schale, Gewürznelken und Zimtstange kommen ebenfalls dazu. Durch das Erhitzen schmilzt das Karamell wieder und verbindet sich mit dem austretenden Zwetschkensaft zu einer fruchtigen Sauce. Wird diese zu dick und besteht die Befürchtung, dass sich der Röster am Topf anlegt, kann man einen Schuss Wasser (oder auch Rotwein, wenn keine Kinder mitessen) nachgießen. Rösten, bis die Zwetschken gar sind und sich die Haut an den Rändern leicht nach außen rollt.

3. Für die Knödel alle Zutaten zu einem glatten Teig vermischen und abgedeckt 15 Minuten rasten lassen. In dieser Zeit einen großen Topf mit Wasser zum Kochen bringen und leicht salzen.

4. Mit Hilfe eines Eisportionierers aus der Masse Knödel formen und direkt ins heiße Wasser gleiten lassen. Hitze zurückdrehen und 10 – 15 Minuten ziehen lassen.

5. Für die Butterbrösel die Butter schmelzen lassen und Brösel sowie Zucker zugeben. Bei nicht allzu großer Hitze und unter gelegentlichem Wenden anrösten, bis die Brösel knusprig und appetitlich gebräunt sind.

6. Nun kann man den Röster bei Bedarf noch etwas nachsüßen. Wer mag und kinderlos is(s)t, schmeckt ihn noch mit etwas Rum ab.

7. Die Knödel mit einem Schaumlöffel aus dem Wasser heben und gut abtropfen lassen. Zu den Bröseln geben und schwenken. Auf Tellern anrichten und mit Staubzucker bestreuen. Den Zwetschkenröster dazu servieren.


Das Knödelrezept stammt aus den Oberösterreichischen Nachrichten.

8 Kommentare:

  1. eine süße Geschichte, in jeder Hinsicht :-))
    Bei uns wird eher zu runden Geburtstagen ein Bäumchen gepflanzt,
    lg

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    1. Das ist auch schön ... :-)
      Übrigens bekam ich irgendwann in der Volksschule einmal ein kleines Thujen-Bäumchen geschenkt, einen "Lebensbaum" - ich glaub, das war ein Geschenk einer Sparkasse oder so ;-)
      Die Thuje steht immer noch am Hauseck und ist an die 5 Meter hoch :-) Er darf natürlich nicht umgeschnitten werden, ist ja mein Lebensbaum ... ;-)
      Alles Liebe!

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  2. Liebe Maria,
    elf Enkelbäume, total berührend.
    Und wie immer ein leckeres Gericht, das mir das Wasser im Mund zusammen laufen lässt.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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    1. Ja, Wahnsinn oder? Was waren wir "fleißig" ;-)))
      Alles Liebe!!!

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  3. Was für eine schöne Idee - ein Bäumchen für jedes Enkelkind! Eine reiche Zwetschkenernte bei einem 6 Jährigen Bäumchen finde ich übrigens absolut sensationell! Unser ca. 5-6 Jahre altes Bäumchen war das erste, das im vor vier Jahren frisch gepachteten Garten gepflanzt wurde und hat außer ein paar Blüten noch nie auch nur ein Zwutschkerl-Zwetschkerl getragen. Aber das wird schon noch, Steinobst verlangt angeblich nach Geduld ... umso schöner, dass eure Hapunktzwetschke sich an derlei nicht hält und einfach jetzt schon Früchte und somit Freude schenkt ... Liebe Grüße von Irmi E. aus Wien

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    1. Liebe Irmi,
      ich denke, der Standort passt einfach optimal. Die Zwetschken von diesem Baum sind so wunderbar - prall und saftig. Große Zwetschkenliebe ♥
      Ganz liebe Grüße!

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  4. So eine idyllische Familie! Seufz. Ich hoffe bei euch dürfen auch Ledige diese herrlichen Knödel machen.
    Ich liebe deine Geschichten! Kommt gut durch den lockdown...

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