Dienstag, 24. August 2021

Wo ein Wille, da kein Steak


Grillzeit ist Billigfleischzeit und wenn ich die Fleischberge im Supermarkt sehe, die zu Dumpingpreisen verschleudert werden und dazu all die Menschen, die dieses Fleisch kaufen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wird mir traurig zumute und ich kanns einfach so gar nicht verstehen.

Die Stirn muss ich runzeln und die Mundwinkel nach unten ziehen, wenn ich in der Werbung Sätze höre wie: Weil Fleischgenuss und Tierwohl einander nicht ausschließen. Ähm, hä? Hab ich was verpasst? Fühlen sich Tiere neuerdings wohl, wenn sie abgestochen werden? Und wie gut können sie gelebt haben, wenn die Grillsauce dreimal teurer ist als das Fleisch selbst?

Ach herrje, ja ich weiß. Nicht missionieren, sondern inspirieren - das neue Mantra, jaja. Zeigen, dass es auch ohne Fleisch geht, Ideen liefern für richtig gutes, vegetarisches Essen. Offen sein, tolerant und heiter, Meinungen gelten lassen. Ja! Eh! Aber die heile Welt, sie bringt uns halt auch nicht immer weiter. Manchmal muss man auch sagen dürfen, dass es furchtbar ist, wie es im Normalfall so läuft.

Tiere sterben für unser Steak. Und zwar gewaltsam, ohne dass sie es wollen und nach einem kurzen, oft erbärmlichen Leben. So ist das. Aber wer denkt daran, wenn er in fröhlicher Runde um den Griller steht und bei einem Glas Wein über Gott und die Welt plaudert? Wer möchte schon daran denken?


Vor einigen Monaten habe ich angefangen, im Stall nicht nur mein Pferd zu besuchen, sondern immer auch die beiden Rinder, die dort gemästet werden. Ich habe ihnen Namen gegeben, locke sie mit Leckerlis, streichle und kraule ihr weiches, rotbraunes Fell. Mittlerweile haben sie Vertrauen gefasst und drängen sich nicht mehr im hintersten Winkel ihrer kleinen Box, in der sie tagein tagaus auf einem Spaltenboden ohne Einstreu stehen und liegen müssen, ohne Aussicht auf Weidegang, Bewegung oder Beschäftigung.

Den Entschluss, mich mit ihnen zu beschäftigen, habe ich gefasst, weil ich begonnen habe, darüber nachzudenken, warum es solche Tiere gibt und solche. Tiere, für die wir alles tun würden auf der einen Seite. Und Tiere, denen wir alles antun dürfen auf der anderen. Haustiere. Nutztiere. Der Unterschied, den wir machen, ist in seiner Wirkung katastrophal – für die Tiere, für die Umwelt und schließlich auch für uns selbst. Denn wenn wir unsere Empathie verlieren, wenn wir nicht mehr sehen, dass es anderen schlecht geht oder schlimmer noch – wenn es uns egal ist – dann ist etwas verloren, das uns in der Evolution doch eigentlich zu dem gemacht hat, was wir sind.

Wenn ich in die Augen meiner Rinder sehe, weiß ich oft nicht, was ich denken soll. Ich weiß nur, dass es sich richtig anfühlt, hin und wieder bei ihnen zu sein und ihr sanftes Wesen zu spüren. Viel mehr Menschen sollten diese Erfahrung machen können, damit es nicht mehr nur ein Stück Fleisch ist, das da auf ihrem Teller liegt.

Wenn ich in die Augen von Hedi und Billy sehe, weiß ich: Irgendwann, vermutlich schon bald, sind die zwei nicht mehr da.



Wilde Veggie-Grillwürstel mit Brennnessel

Eine Freundin fragte mich vor kurzem, was ich denn so essen würde, wenn ich abends auf die Schnelle noch Hunger hätte. Was, wenn nicht Fleisch oder Wurst …!?
Oft habe ich das Gefühl, dass mit dem hohen Fleischkonsum auch unsere kulinarische Kreativität verloren gegangen ist. Natürlich, es stimmt schon… Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Aber hin und wieder mal über den Tellerrand gucken, nur so ein klitzekleines bisschen?
Bei diesen Grillwürsteln dient Lauch als Wursthülle, in die die Linsenmasse gepackt wird – genial, oder? Und so köstlich noch dazu. Das Rezept stammt von Herbalista Gabriele Leonie Bräutig
am.

Zutaten für etwa 8 – 12 Stück

Für die Grillwürstel
200 g rote Linsen
400 ml Wasser
4 dicke Lauchstangen (etwa 4 cm Durchmesser)
2 Handvoll Brennnesselspitzen
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
2 EL Olivenöl
2 – 3 EL Semmelbrösel (oder Kichererbsen- oder Sojamehl)
Salz
Chili
Kreuzkümmel
Koriander gemahlen
Majoran

Zum Einstreichen
Olivenöl

1. Linsen spülen, abtropfen lassen und in 400 ml Wasser über Nacht einweichen.

2. Am nächsten Tag im Einweichwasser etwa 5 Minuten nicht zu weich kochen, sofort abgießen und abtropfen lassen.

3. Wurzeln und Grün von den Lauchstangen abschneiden. Es sollen etwa 20 cm lange, gerade weiße Stangen übrig bleiben. Aus diesen Stangen vorsichtig mit einem Kochlöffelstiel die inneren Lauchschichten herausdrücken. Dabei jeweils entweder eine oder zwei Schichten stehen lassen (doppelte Lauchschichten sind einfacher zum Grillen, das die Würstel dann stabiler sind). Jede Lauchstange ergibt auf diese Weise zwischen 2 und 4 Wursthüllen.

4. Die Brennnesselspitzen in dünne Streifen schneiden. Zwiebel und Knoblauch fein würfeln bzw. hacken.

5. Zwiebel und Knoblauch in Olivenöl glasig anschwitzen. Brennnesselstreifen und Linsen zugeben und alles gut vermengen.

6. Die Linsenmasse mit dem Pürierstab nicht zu fein pürieren. Mit Semmelbröseln zu einer formbaren Masse verarbeiten.

7. Mit Salz und Gewürzen abschmecken.

8. Die Linsenmasse mit Hilfe eines Kochlöffelstiels vorsichtig in die Lauchhüllen drücken. Dabei vorne und hinten etwas Platz lassen, da sich die Masse beim Grillen etwas ausdehnt.

9. Die Lauchwürstel rundherum mit etwas Öl bepinseln und etwa 10 Minuten lang von beiden Seiten grillen.

10. Die Veggie-Grillwürstel habe ich mit Salat, Oliven und einem Joghurt-Dip serviert.

10 Kommentare:

  1. Dieser Beitrag hat mich sehr berührt.

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    1. Das freut mich ... Es ist mein Wunsch, dass sich viele, viele Menschen von solchen Worten berühren lassen :-)
      Und fast als hätte ich es geahnt ... die beiden wurden tatsächlich vor wenigen Tagen abgeholt ...
      Alles Liebe!

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  2. Inspirieren statt missionieren - genau, das ist glaube ich das einzige, was geht.

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    1. Vermutlich hast du recht. Wobei ich es persönlich hin und wieder schon sehr schwierig finde ... Manches Mal stehen mir innerlich die Haare zu Berge - und dann ist es so, als "müsste" ich den Mund halten, obwohl ich eigentlich GANZ was ANDERES sagen möchte ...
      Liebe Grüße!

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  3. Wir essen nur noch Fleisch von Tieren, die auf der Wiese leben. Rinder wie Schweine. Ich tue mich auch mit der Pferdehaltung schwer. Das ist meiner Meinung nach auch nicht tiergerecht.

    Heidi

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    1. Das freut mich, liebe Heidi, und ist so wichtig.
      Die Pferdehaltung hat sich auch verändert, das stimmt. Wenn sie täglich gemeinsam mit Artgenossen auf die Weide dürfen, gut, gerecht und verständnisvoll behandelt werden, denke ich, ist es ok. Es ist aber natürlich etwas völlig anderes, wenn sie nur als Sportgeräte benutzt werden ... :-(
      Alles Liebe!

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  4. Mich macht das immer sehr traurig, wenn ich über das Leid der Nutztiere lese und deine Zeilen trieben mir direkt die Tränen in die Augen. Wie schön, dass du uns direkt solch ein spannendes Rezept als Alternative zur Seite gibst. Vielen Dank.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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    1. Mir geht's wie dir ... Es macht mich traurig - genauso wie die Tatsache, dass ich - relativ - wenig tun kann... Naja, einfach wegschauen und weitermachen ist für mich aber auch KEINE Option ... Da finde ich hier viele Gleichgesinnte, das ist schön ♥
      Alles Liebe!

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  5. Mich berühren Deine Gedanken sehr! D A N K E dafür und für die Empathie, den langen Atem und das immer wieder Konfrontieren mit dem Leid all dieser Tiere! Liebe Grüße von Irmi E.

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Über Kommentare freue ich mich immer. Herzlichen Dank dafür!
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