Donnerstag, 29. April 2021

#dankbar


Die Video-Aktion deutscher und österreichischer Künstler*innen, #allesdichtmachen, ließ mich wieder einmal kopfschüttelnd zurück. In ironischer Weise wollte sie aufmerksam machen auf … ja auf was eigentlich? Auf die Situation, in der wir uns gerade befinden? Ja! Sicher! Wir alle sind müde, wir alle wollen (das) nicht mehr. Aber, so leid es mir tut: Wenn ich etablierte Schauspieler*innen in ihren Lofts und Landhäusern jammern höre, kann ich nur mit den Augen rollen. Ja eh, ich kenne deren Konto- und Gemütszustände nicht. Aber die Vermutung liegt nahe, dass ihre Sorgen und Probleme doch ein wenig leichter wiegen als die der alleinerziehenden Mutter in der 50 Quadratmeter-Wohnung oder die jener Menschen, die in den Intensivstationen schuften. Ironie zeichnet mit einem feinen Pinselstrich – und wenn man dafür die Malerwalze nimmt, wird das nix.


In Ironie versuche ich mich nicht – stattdessen in Dankbarkeit. Ich bin dankbar, dass ich in einem Land lebe, in dem es der Regierung wichtig ist, kranke Menschen medizinisch versorgen zu können. Ich bin dankbar, dass ich gesund bin, genau wie meine Familie. Ich bin dankbar, dass meine Kinder genug zu essen haben, Schulbildung, ein kuscheliges Bett zum Schlafen. Dass sie nicht arbeiten müssen, um mitzuhelfen, die Familie zu ernähren. Ich bin dankbar, dass ich meine Meinung sagen kann, ohne Angst vor Verfolgung. Dass hier Frieden herrscht, dass ich einen Job habe, dass wir frische Luft atmen und sauberes Wasser trinken können. Nichts davon ist selbstverständlich.



Bärlauchtopfen mit Avocado & Limette


Nach unserem alljährlichen innerfamiliären Geburtstagsmarathon im April, in dem es immer gilt, sehr, sehr viel Kuchen zu backen, finde ich nun hoffentlich wieder etwas mehr Zeit, euch mit Geschichten, Gedanken und Rezepten zu versorgen. In der Zwischenzeit ist nämlich die Bärlauch-Saison schon fast wieder vorbei und das Minimädel hat ihre Liebe für Avocados entdeckt. Aus dieser Liaison ist ein wunderbarer Aufstrich entstanden, der so köstlich schmeckt, dass er am besten pur aus der Schüssel gelöffelt wird …
Die blauen Blümchen, die ihr am Bärlauchtopfen seht, wachsen in meinem Garten wild an den unterschiedlichsten Stellen in der Wiese und sind wohl vor Jahren einmal von meiner Schwiegermutter gepflanzt worden. Seitdem poppen sie mal hier auf, mal da … Ich fand sie hübsch und packte sie fürs Foto auf den Topfen, googelte dann aber erst später nach der Blume, die aussieht wie ein blauer Stern und auch dementsprechend heißt, nämlich – Überraschung! – Blaustern. Und sie ist giftig, so irgendwie, ein bisschen. Einer Eingebung folgend haben wir sie auch gar nicht mitgegessen. Danke, Bauchgefühl!

Zutaten für ein Schüsselchen

Für den Topfen
1 reife Avocado
Saft von ½ Limette (alternativ: Zitrone)
250 g Topfen 20 % Fett i. Tr.
1 kleiner Bund Bärlauchblätter
Salz
Pfeffer

Zum Garnieren
Bärlauchblätter und -knospen

1. Die Bärlauchblätter säubern und in feine Streifen schneiden.

2. Avocado halbieren, den Kern herauslösen und das Fruchtfleisch aus der Schale holen. Mit dem Limetten- oder Zitronensaft pürieren.

3. Avocado und Topfen glatt rühren, Bärlauch untermischen und mit Salz und Pfeffer würzig abschmecken.

4. In einem Schüsselchen anrichten und mit Bärlauchblättern und –knospen garnieren (NICHT mit Blaustern!).

14 Kommentare:

  1. Danke für das Bild vom Pinsel versus Walze. Und für die Erinnerung an all das krass Gute, das uns umgibt. Halbvoll statt halbleer – toujours.
    Herzlich: Charlotte

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    1. Ach ja ... niemand trifft es mit seinen Worten besser als du. Danke liebe Charlotte! :-)

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  2. Ich möchte für meine Zunft der Künstler in die Presche springen, liebe Maria! Die eine Fraktion von Menschen hat Angst, an einer Scheiß-Krankheit zu verrecken, die andere davor, ihre Freiheit zu verlieren. Die einen fürchten das eine mehr und andere schmerzt jenes gewaltig. Das muss, ja das sollte man nicht gegeneinander aufrechnen, sondern mehr Verständnis füreinander aufbringen. So leicht ist an den Pranger gestellt und verurteilt. Auseinandersetzung ist immer mühsamer.

    Unabhängig davon war die Pflege und die medizinische Versorgung in Krankenhäusern schon vor Covid in den meisten Ländern (ja, auch Europa) kaputt gespart. An allem ist die Pandemie nicht Schuld.

    Deshalb sind wir doch einer Meinung, dass man nie das Gute aus den Augen verlieren darf. Wie heißt der Schluß des schönen Gebets *Desiderata*: *Was auch deine Arbeit und dein Sehnen ist, erhalte dir den Frieden mit deiner Seele in der lärmenden Wirrnis des Lebens. Mit all der Schande, der Plackerei und den zerbrochenen Träumen ist es dennoch eine schöne Welt. Strebe behutsam danach glücklich zu sein.*

    Einen guten Start dir und deiner Familie in den Mai!

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    1. Liebe Micha,
      ich freu mich, dass du in die Presche springst für deine Zunft! Und möchte auch gar nicht mit einem ABER ... kontern. Du schreibst es so richtig: Auseinandersetzung ist immer mühsam. Aber trotzdem so wichtig.
      Und danke für diese schönen Zeilen, sie tun gut ...
      Alles Liebe!

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  3. Man braucht doch nur die Nachrichten hören, wie überall, wo das Gesundheitssystem nicht so gut ist wie bei uns, die Leute zu zigtausenden sterben. Ja, wir haben alle die Nase voll, und es ist vieles schlecht organisiert. Aber über diese völlig unlustige so genannte Satire konnte ich nicht ein einziges Mal lachen.

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    1. Mir gings genau so ... Vorgestern noch habe ich mit meiner Schwester darüber diskutiert und sie hat gemeint, ich hätte das alles völlig falsch verstanden (und ich solle das mit der Kunstkritik doch lieber sein lassen ... hä??? - nun gut, sie ist meine Schwester, sie darf das sagen ;-)). Aber ich denke mir, wenn es SO VIELE Leute (auch viele aus den eigenen Reihen) offenbar nicht oder falsch verstehen ... Dann wars halt einfach nicht gut gemacht!?

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  4. Liebe Maria, deine Aussagen kann ich nur bestätigen und gut heißen. Wir wissen alle die Zeiten die wir derzeit durchleben sind voller Widersprüche, jeder hat seine Sorgen und Nöte, a b e r man sollte mit seiner eigenen Meinungen nicht immer Negatives von sich geben und verbreiten, und die Menschen noch mehr verunsichern sondern ruhig einmal die Guten und positiven Ereignisse in unserem Land betonen und wertschätzen. Das gibt Stärke Mut und Zuversicht und tut uns allen sooo gut.
    Alles gute dir und deiner Familie
    Liebe Grüße Elisabeth

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    1. Das finde ich auch, liebe Elisabeth ... Ich halte es ganz mit dir. Natürlich ist es auch nicht gut, alles stillschweigend hinzunehmen. Zum Beispiel halte ich es für überzogen, dass SchülerInnen ab der Mittelstufe an ihrem Sitzplatz in der Klasse die Maske nicht runternehmen dürfen, obwohl sie jeden zweiten Tag getestet werden, Abstand halten, ... Trotzdem überwiegt für mich das Gute bei Weitem und das versuche ich auch in Gesprächen immer zu betonen ...
      Alles Liebe!!!

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  5. Du sprichst mir mit Deinen Worten aus der Seele! Danke dafür - und auch ich versuche, wo und wann auch immer es mir passend erscheint NUR Aufmunterndes von mir zu geben. Jammern und/oder anklagen hilft niemandem. MMn haben diese KünstlerInnen (?) voll daneben gegriffen bzw. argumentiert.
    Die momentane Lage ist für keine von uns "lustig" - aber wir werden gemeinsam diese schwierige Lage bewältigen.

    LG Elena

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    1. Ich glaube auch daran, liebe Elena! Danke für deine Zeilen :-)

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  6. Dankbarkeit ist immer ein wertvolles Gut, das uns hilft, nicht zu verzagen. Ich danke dir für deinen feinen Aufstrich.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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  7. Ja, ein wenig Dankbarkeit oder sogar Demut würde uns hier in Mitteleuropa ein wenig gut tun! Danke für deine Worte und das letzte Foto mit einer privaten Karawane, die ist ja entzückend.

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Über Kommentare freue ich mich immer. Herzlichen Dank dafür!
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