Freitag, 12. Februar 2021

Veganuary – Mein Fazit


Manche von euch warten schon gespannt auf mein Fazit zum Veganuary, meinem veganen Jänner 2021. Ich muss zugeben, es ist gar nicht so leicht, all die Eindrücke und Erlebnisse zusammenzufassen, denn es war eine sehr vielschichtige, komplexe und spannende Zeit. Aber natürlich: Ich will‘s versuchen. Also los:

Der Veganuary in Zahlen …

Aus einer Idee, die 2014 am Küchentisch entstand, wurde binnen weniger Jahre eine weltweite Bewegung, an der heuer 582.538 Menschen offiziell teilgenommen haben. Das finde ich ziemlich beeindruckend – und es deckt sich mit den Top-Ernährungstrends, die für 2021 prognostiziert wurden. Platz 1: Vegane & pflanzenbasierte Ernährung. Die Corona-Krise hat hier sicher ihren Beitrag geleistet, denn der kritische Blick der KonsumentInnen auf die Intensivtierhaltung hat sich durch die Covid-19-Ausbrüche in Schlachthäusern deutlich verstärkt.

… und wie es mir so ging

* Ich habe weitaus mehr Obst & Gemüse gegessen als normal und mich, so glaube ich, insgesamt gesünder ernährt.
* Wer vegan essen will, um abzunehmen: Das klappt nicht. Zumindest nicht bei mir.
* Meine Verdauung hat noch nie so gut und regelmäßig funktioniert wie in diesem Jänner.

Was mir am meisten gefehlt hat …

Guter, würziger, vollmundiger Käse.

… und was gar nicht

Pflanzliche Alternativen zu Milch, Joghurt und Butter schmecken mir erstaunlich gut. Und Fleisch fehlt mir sowieso nicht.

Wie es nun weitergeht …

Vegan ist super. Aber auch superkompliziert (und schlicht nicht praktikabel), wenn sich verschiedene Ernährungsstile und Meinungen in einem Haushalt treffen. Ich mag es sehr, gemeinsam mit meiner Familie am Tisch zu sitzen und zu essen – und dazu gehört auch, dass wir dasselbe essen.

… und was sich verändern wird

* Ich habe mir vorgenommen, die (komische) Angewohnheit, Vegetarisches für meine Kinder mit ein wenig Wurst oder Speck anzureichern, bleiben zu lassen.
* Ich koche weiterhin vegan, hin und wieder, werde daraus aber keine große Sache machen. Die Gerichte werden kein Vegan-Mascherl tragen und einfach das sein, was sie sind: gutes, frisch gekochtes Essen.

Was ich mich frage …

Warum eine vegane Ernährung andere Menschen so wütend machen kann.

… und was mir klar geworden ist

Argumente, die auf die Vernunft abzielen, verpuffen im Nichts und anderen mit dem erhobenen Zeigefinger zu kommen, geht immer nach hinten los. Wirkung hingegen zeigt schlichte Inspiration, die auf nichts und niemanden gerichtet ist. Dann werden Menschen plötzlich neugierig, kommen auf dich zu, schauen, was du so machst, öffnen sich.

Ob ich es wieder machen würde …

Ja! Trotz allem Widerstand hat es mir so viel Spaß gemacht, Neues auszuprobieren und über den Tellerrand zu schauen. Ich habe viele neue Rezepte und Produkte kennengelernt und mich in der veganen Ernährung so richtig wohl gefühlt.

… und was ich noch zu Ersatzprodukten zu sagen habe

Oft höre ich in meiner Foodie-Bubble: Ersatzprodukte sind nicht der richtige Weg / der richtige Zugang zu einer veganen Ernährung. Lange war ich auch dieser Ansicht, aber ich denke, es ist Zeit, sie zu korrigieren. Denn mittlerweile finde ich es geradezu anmaßend, die Nahrungsmittelauswahl vegan lebender Menschen zu beurteilen oder sie überhaupt zu kommentieren. Ich höre Sätze wie: Ich verstehe die Veganer nicht – wenn sie kein Fleisch essen wollen, warum essen sie dann vegane Wurst oder Schnitzel, das nur so tut als ob?

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun: Den meisten Veganern würde Fleisch und Wurst vielleicht sogar schmecken – aber sie haben die Entscheidung getroffen, es – aus ethischen, ökologischen, gesundheitlichen Gründen – nicht mehr zu essen. Das ist zu akzeptieren. Genauso wie die Tatsache, dass sie trotzdem hin und wieder Lust darauf verspüren und diese Lust dann mit Produkten stillen, die sie für geeignet halten und die ihnen schmecken.

Bei der Bratwurst-Eskalation mit meinem Mann ging es genau darum: Ich habe vegane Bratwurst gemacht, die die Form einer Bratwurst hatte, aber eben keine richtige Bratwurst war. Das (sein) Problem: Wenn mein Mann in etwas beißt, das wie Bratwurst aussieht, dann soll es auch (darf es nur!) echte Bratwurst sein. Ob er weniger enttäuscht gewesen wäre, wenn ich die Masse als Laibchen oder Taler geformt und gebraten hätte? Ja! Damit hätte er (eigenen Angaben zufolge) tatsächlich weniger Probleme gehabt.
Ich denke, das sehen viele so. Aber ist das nicht doch ein wenig ignorant? Und sind wir nicht alle erwachsen, können differenzieren und Dinge auseinanderhalten?

Ich habe im Jänner aus purer Neugier eine Reihe von Ersatzprodukten ausprobiert und war von einigen aus geschmacklicher Sicht echt positiv überrascht. Da hat sich viel getan in den letzten Jahren! Bitterer Beigeschmack: der hohe Verarbeitungsgrad und die oft elendslangen Zutatenlisten mit vielen Zusatzstoffen und Aromen. Wo Milchprodukte wie Butter oder Schlagobers nur aus einer oder maximal zwei Zutaten bestehen, ist die Liste von entsprechenden Ersatzprodukten elendslang.
Dennoch: Der Griff ins Regal ist legitim. Denn wer hat schon die Zeit, sich seinen Käse und seine Wurst im Alltag selbst zu machen? Das tun Omnivoren ja auch nicht.

Was meine größte kulinarische Enttäuschung war …

Ihr ahnt es vermutlich: Die wundervolle Sauerteigpizza mit dem furchtbar schmeckenden Reismozzarella oben drauf. Frisches, liebevoll zubereitetes Essen, das keiner mochte - mein Herz hat geblutet.

… und was mein Veganuary-Moment

Nachdem der Jänner vorbei war und ein großes Aufatmen durch die familiären Räume zog, kam völlig unerwartet folgender Vorschlag vom Minimädel:
Du, Mama, wir könnten doch einmal die Woche vegan kochen, was hältst du davon?

Mein ganz persönliches Fazit …

Im Januar fühlte ich mich – rein auf der Ernährungsebene betrachtet – frei und glücklich, denn all die Themen rund ums Essen, die mich so oft beschäftigen – Tierleid, Klimawandel, Welthunger – wogen nicht so schwer. Ich hatte das Gefühl, etwas richtiger zu machen.
Ja, richtiger … Denn so richtig richtig, geht das überhaupt? Wer tierische Produkte meidet, weicht oft auf andere Lebensmittel aus, die ihrerseits ihre Schatten werfen, denken wir nur an Palmöl und Kokosfett, Cashewnüsse und Avocados. Wie man’s macht, macht man’s falsch?

Bei allem Nachdenken darüber bin ich zum Schluss gekommen, dass ich es in der heutigen globalisierten Welt nicht 100 % richtig machen kann. Was mich aber nicht davon abhalten darf, es BESSER zu machen. Die Menschheit kann sich nicht von heute auf morgen rein pflanzlich ernähren und ich kann das auch nicht. Aber es ist wichtig, dass ich mich in diese Richtung bewege und etwas verändere, Schritt für Schritt. Die Welt braucht nicht einige perfekte VeganerInnen, sondern viele unperfekte! Als mir das klar wurde, war mir leichter ums Herz.



… und eins meiner Veganuary-Lieblingsrezepte: Apfel-Zwiebel Schmalz


Dieses Schmalz ist so gut! Am liebsten esse ich es auf Schwarzbrot, mit grobem Pfeffer (oder auch Paprikapulver) bestreut und mit Zwiebelringen belegt. Dazu passen Essiggurkerl ganz wunderbar.
Das Schmalz wird erst dann weiß, wenn es im Kühlschrank gut durchgekühlt ist. Die Zwiebel- und Apfelstücke sinken dabei auf den Boden des Glases.


Zutaten für 1 mittelgroßes Schraubglas

1 Zwiebel
1 Apfel
35 g + 1 EL Rapsöl
1 Knoblauchzehe
145 g raffiniertes Kokosfett
1 TL Majoranblättchen, getrocknet
½ TL Kümmel, gemahlen
1 – 1,5 TL Salz
Pfeffer

1. Zwiebel und Apfel schälen und fein würfeln und in 1 EL Rapsöl goldbraun anbraten.

2. Knoblauch fein hacken.

3. Das Kokosfett schmelzen und das restliche Rapsöl zugeben, ebenso wie Majoran, den Knoblauch und Kümmel. Etwa 10 Minuten bei geringer bis mittlerer Hitze ziehen lassen.

4. Salz und Pfeffer zugeben und in ein Schraubglas füllen. Überkühlen lassen, dann mit dem Deckel gut verschließen. Im Kühlschrank lagern.


Ach, übrigens: Heute ist ein Palindrom-Tag! Seht mal: 

12.02.2021 

Das heutige Datum liest sich von vorn und hinten gleich. Ist das nicht toll? 

12 Kommentare:

  1. ...viele unperfekte Veganer*innen!! Ich bin ganz bei dir. Und wenn der vegan-Vorschlag von den Kindern kommt, hast du alles richtig gemacht :-))

    Das Schmalz werde ich in kleiner Menge sicher ausprobieren! Bin allerdings beim Kokosfett zurückhaltender geworden und verwende es nur mehr selten. Die ominöse "Bratwurst" würde mich jetzt aber wirklich auch interessieren...
    lg

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    1. Haha, ja, die Bratwurst ;-)))
      Das Rezept kommt, wie versprochen, zumindest mir hat sie ja gut geschmeckt :-)))
      Liebe Grüße!

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  2. Danke für die ehrliche Einschätzung. Wir haben bisher viel vegetarisch gegessen und ab und zu aus Versehen vegan. Und wir haben jetzt veganes Hack ausprobiert - der Fleischesser mag es sehr, mir ist es fast zu nah an Fleisch. Gemüse mag ich :-)
    Ich find schön, das das Kind so mitmacht und reflektiert.
    Und ganz wichtig, es gibt kein "perfekt". Lassen wir uns nicht verrücktmachen.
    LG Ilka
    LG Ilka

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    1. Da hast du recht, liebe Ilka ... Am Perfektionismus lässt es sich wunderbar scheitern ;-)
      Alles Liebe und danke fürs Mitlesen hier!

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  3. Zu allererst: richtig cool, dass du trotz Gemotze durchgezogen hast - und ehrlich gesagt, ich wäre auf der Motz-Seite gewesen, was die vegane Wurscht betrifft. Ich hab das auch mal probiert, wäh war das grauslig, aber da soll es ja auch Unterschiede geben... aber gemotzt hätte ich auf jeden Fall ;-) Aber ich glaube auch, dass wenn man kein Tamtam draus macht, das es dann besser für alle Beteiligten ist... Wenn du mich in Tirol besuchen kommst, führ ich dich schick aus, vegan versteht sich ;-) und der Rest kann ja Wurschtsemmeln essen ;-)

    Das Zwiebelschmalz schaut gut aus, das werde ich testen. glg Uli

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    1. Na geh, Uli, erst kosten, dann darf gemotzt werden. Aber erst dann! Die Wurst war super, aber der Grant gegenüber hat mir den Appetit verdorben ;-)
      Aber mittlerweile ist eh alles vergeben und vergessen - und auf unser Date im veganen Restaurant freu ich mich schon jetzt ♥

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  4. Hm, ist mein erster Kommentar in den Orbit gegangen? Jedenfalls: Spannend! Spannend, was die "Form" bzw. der Name ausmacht, spannend, dass es das Minimädel ist, das mit so einem guten Vorschlag kommt – gespannt, was das langfristig für Euch bedeutet! Vive le flexitarisme!
    Sehr herzlich: Charlotte

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    1. Ja, so krass, oder? Allein die Form entscheidet darüber, ob etwas mehr oder weniger schmeckt. Und das, obwohl wir alle erwachsen sind und differenzieren können (wenn wir wollen...)!
      Alles Liebe :-)

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  5. Liebe Maria,
    vielen Dank für das Teilen deiner Erfahrungen. Als ich lesen musste wie wenig Rückhalt du in deiner Familie bekommst, wurde mir (wieder einmal) klar wie gut ich es (auch) in dieser Beziehung habe: Mein Mann war selbst Veganer als wir uns kennenlernten, jetzt ernähren wir uns vegan/ vegetarisch, auf jeden Fall also immer vorwiegend pflanzlich und vollwertig. Für unsere mittlerweile mitessende Tochter ist das ganz normal und es geht sogar so weit, dass sie- als ich es letztens wagte mal nicht Vollkornnudeln (ich selber finde sie so Aglio olio nämlich auch mal gut) zu kochen, schimpfte und sagte "Diese weißen langen Dinger schmecken mir nicht". Ok. Ziel erreicht ;-) und jaaa, ich habe auch deinen "Avocaro Post" gut im Gedächnis - bitte verzeih also ;-) Mit dem Formen von Vegetarischem in Wurstproduktform habe ich "andersherum" meine Schwierigkeiten: Da ich seit ich 6 Jahre bin (lange her) "Tiere sind meine Freunde und meine Freunde esse ich nicht", kein Fleisch gegessen habe, rolle ich Tempeh und Tofu oder was auchimmer lieber in Klöschen oder Bratlinge als sie zu "verwursten" ;-) Hoffe das kann man bei deinem besagten Bratwurstrezept auch. Auf das wie auf deine anderen bin ich nämlich sehr gespannt. Herzliche Grüße von Hannah

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    1. Wahnsinn, seit du 6 bist!? Wie sind deine Eltern damit umgegangen? Wie war das bei Kinderpartys, zu denen du eingeladen warst?
      Es ist schon toll, wie konsequent man als Kind schon sein kann ...
      Alles Liebe!!!

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  6. Liebe Maria,
    vielen Dank, dass Du so offen über die Hochs und Tiefs Deines Experiments berichtet hast, das war höchst interessant! Auf Milchprodukte könnte ich nicht verzichten, aber Fleisch ist bei uns mittlerweile etwas geworden, was es selten gibt und Geld kostet, weil wir auf die Herkunft achten. Ich bin gespannt auf die Bratwurst! Die Aufregung um die Form verstehe ich allerdings nicht, denn Bratlinge rufen in mir die Assoziation Bulette/Frikadelle hervor und andererseits haben Zucchini auch Bratwurstform...
    Liebe Grüße,
    Sabine B.

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    1. Ach ja, das ist so eine Sache mit der "Form" ... Undurchschaubar irgendwie ...
      Ich freu mich, dass dir mein Experiment gefallen hat und du gerne mitgelesen hast :-)
      Alles Liebe!

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Über Kommentare freue ich mich immer. Herzlichen Dank dafür!
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