Mittwoch, 13. Januar 2021

Veganuary: Zwei Schritte zurück & Tage 1 bis 3


Von Uli habe ich gelernt, dass Jahresende auf Isländisch árslok heißt – und jooaaa, was 2020 betrifft, da hat das schon was. Natürlich war im vergangenen Jahr nicht alles mies, ganz sicher nicht. Viele schöne Dinge sind passiert, für die ich dankbar bin. Viele kleine Momente gab es, in denen mir bewusst wurde, wie gut es uns geht. Aber da war eben auch dieses fiese kleine Corona-Ding, das uns nicht loslassen wollte und immer noch da ist und alles so anders macht, kälter, komplizierter, anstrengender. Der kleine Mann hat zu Silvester ganz rambomäßig gefragt, ob wir den Corona nicht einfach mit Raketen abschießen könnten – aber irgendwie … ganz schön hartnäckig dieses Virus, hat sich immer weggeduckt.


Gerade als mein Mann sich zum Jahresausklang dachte, 2021 könne wohl nur noch besser werden, habe ich ihm eröffnet, dass ich am Veganuary teilnehmen und versuchen möchte, einen Monat lang, den ganzen Jänner also, vegan zu essen. Huh! Auf einen ersten Moment schockierter Ungläubigkeit folgten akute Versorgungs- und Verlustängste sowie nagende Furcht vor Nahrungsmittelverknappung bis hin zum drohenden Hungertod. Hey, ich übertreibe kaum … er war wirklich not amused. Und das Minimädel? Sie sagte nur Du Arme … und zog ihrer Wege.

Den Veganuary (ein Unding von Wort, versucht mal, es auszusprechen!) gibt es bereits seit 2014. Ziel ist es, interessierte Menschen für eine pflanzliche Ernährung zu begeistern und auch Unternehmen an Bord zu holen, um das Angebot an guten veganen Produkten kontinuierlich wachsen zu lassen. Die Zahlen sind beeindruckend, die Idee finde ich ansteckend. Unmittelbar musste ich an Kathas veganen Selbstversuch denken, der ebenfalls 2014 über die Bühne ging. Mein Entschluss war schnell gefasst.

Warum das Ganze?

Ich bin der festen Überzeugung, dass für die Zukunft dieser wunderschönen Erde - und damit auch für unsere eigene – kein Weg daran vorbeiführt, weniger Fleisch und in der Folge pflanzenbetonter zu essen. Das ist wichtig – für unsere eigene Gesundheit, das Klima und nicht zuletzt die vielen Tiere, die unter unserer Idee einer Wohlstands-Ernährung leiden.

Können zwei Schritte zurück nicht auch zwei Schritte in die richtige Richtung sein? Darum geht es mir auch: Ich möchte in diesem Monat vieles ausprobieren und offen sein für Neues. Ich möchte ausgiebig aus meinem Vorrat kochen und mich auch aus ernährungswissenschaftlicher Sicht wieder ein wenig mehr mit dem Thema befassen. Ich möchte in mich hineinhorchen: Was fehlt mir? Und worauf kann ich getrost verzichten? Und was verändert sich – in mir, in meinem Körper?

Natürlich – vegan essen mit Kindern (und Mann!) ist nicht so leicht. Es bedeutet, sich Gedanken machen zu müssen, wie verschiedene Ernährungsstile unter einen Hut zu bringen sind. Es bedeutet Mehraufwand beim Kochen. Es bedeutet aber auch die Möglichkeit, meine Familie ein Stück vorwärts zu bringen in ihrer kulinarischen Identität – alleine dadurch, dass das Thema am Tisch ist, im wahrsten Sinne des Wortes.

Und danach?

Danach wird alles wieder so sein, wie es vorher war. Oder komplett anders. Oder von allem ein bisschen. Eher letzteres. Oder doch nicht? Ach, wir werden sehen …


Mein Veganuary – Tage 1 bis 3


Freitag, 01. Jänner 2021

Lange geschlafen – und erst um zehn meinen Morgenkaffee genossen, zum ersten Mal mit Mandelmilch. Leider habe ich beim Einkauf für die erste Woche eine gesüßte Variante erwischt – und das schmeckt mir dann doch nicht ganz so gut.

Mittags bin ich zum Neujahrswünschen kurz bei meiner Mama – und muss mir mein Essen selber kochen! Was mir als erstes einfällt, ist Porridge: Eine Birne würfeln, in etwas Rapsöl anbraten, Haferflocken zugeben und kurz mitrösten, mit Wasser aufgießen und einige Minuten zu einem Brei einkochen lassen. Mit Ahornsirup beträufeln und mit eigenen Haselnüssen aus heuriger Ernte bestreuen. Fertig – und keine Wünsche offen.

Nachmittags Kaffee mit Mandelmilch und ein paar Weihnachtkeks-Reste (es waren heuer nämlich – als hätte ich es gewusst – sogar drei vegane Sorten dabei!).

Abends richte ich mir einen fruchtigen Salat her aus fein gehobeltem Rotkraut, Apfel- und Orangenstücken, geraspelter Karotte, Mandeln, Datteln und einer feinen Marinade aus Zitronensaft, Olivenöl, Salz und etwas Ahornsirup. Dazu Brot. So vegan – so gut.

Samstag, 02. Jänner 2021

Vormittags Kaffee mit Mandelmilch (Falls ihr euch wundert: Ich bin Langschläferin und frühstücke nur in äußersten Notfällen) – leider schmeckt es immer noch nicht besser. Und dabei ist mir mein Kaffee heilig. Heilig!

Zu Mittag gibt es Pizza – ein Gericht, das jeder in meiner Familie mag und außerdem ganz locker personalisiert werden kann. Perfekt, oder? Unseren derzeitigen Standardpizzateig kennt ihr schon (halt ohne Tomatenblätter) – und belegt ist meine mit Tomatensauce, Knoblauch, roter Zwiebel, Oliven, Paprika, Champignons und Stangensellerie, zum Schluss kommen noch ein paar Tropfen Olivenöl darauf. Och, ich schwöre euch: Pizzahimmel! Der Käse fehlt mir sowas von gar nicht.

Nachmittags Kaffee mit Mandelmilch, etwas später dann ein Lassi, blitzschnell gemixt aus einer überreifen Mango, Kokosjoghurt und kaltem Wasser. Köstlich!

Zum Abendessen Linsensuppe mit Ingwer und Kurkuma, das Rezept dazu findet ihr im heutigen Beitrag. Zusammen mit etwas Brot wärmend und nährend, genau richtig zu dieser Jahreszeit. Auch einen kleinen Nachtisch gönne ich mir: Bananenscheiben, bestreut mit gehackter Zartbitterschokolade ♥.

Das Minimädel hält mir an diesem Tag übrigens ständig Käse oder Wurst unter die Nase – um dann demonstrativ genüsslich abzubeißen. Mein Mann kann sich angesichts meiner veganen Bestrebungen ein Herr im Himmel inklusive exzessiv zur Schau gestelltem Augenrollen nicht verkneifen. Ach, familiärer Rückenwind, da geht doch nichts drüber!

Sonntag, 03. Jänner 2021

Die Familie zickt voll rum. Bereits in der Früh werde ich mit der Frage konfrontiert, was es zu Mittag geben wird. Ein erster Gedanke ans Aufgeben blitzt in mir hoch. Doppelt kochen, separat denken – das ist schon irgendwie anstrengend. Und dann erst die Tatsache, dass im Kühlschrank noch so viel vom guten Käse liegt, vom richtig guten!

Erstmal Kaffee – heute mit Dinkelmilch. Der süße Geschmack ist weg und das mag ich. Die Kraft kehrt zurück, ich mache weiter. Und bereite einen Linsenbraten mit Kartoffelpüree und aromatischem Saftl vor. Die Kinder essen das Püree mit Begeisterung – mein Mann und ich von allem. Püree und Saftl schmecken richtig gut, der Braten weniger, den muss ich noch verbessern. Ach ja, die Rückmeldung meines Mannes: Der Salat hat gefehlt. Yup, ähm, genau. Begeisterung, verkehrt gelesen.

Premiere am Nachmittag: Da ist keine Lust auf einen zweiten Kaffee. Absolut keine! Hä? Stattdessen ein Apfel und ein paar Nüsse.

Abends eine weitere Portion der Linsensuppe von gestern, dazu frisches Sauerteigbrot von unserem Bio-Bäcker. Einfach gut.

Nach einem langen und befreienden Spaziergang mit Chi sind da noch ein Apfel und ein paar Energiekugeln aus Cashewnüssen, Datteln und Kakaopulver in meinem Magen gelandet.



Linsensuppe mit Kurkuma & Ingwer

Falls ihr keinen frischen Ingwer und Kurkuma zur Hand habt, geht natürlich auch beides in Pulverform – dann die Menge etwas reduzieren.

Zutaten für 3 Portionen

1 Zwiebel
1 Karotte
2 EL Olivenöl
2 Knoblauchzehen
1 TL Kreuzkümmel
½ EL frisch geriebener Ingwer
1 TL frisch geriebene Kurkumawurzel
½ TL getrockneter Oregano
1 Dose gewürfelte Tomaten (400 g)
100 g braune Linsen
375 ml Gemüsesuppe
250 ml Wasser
Salz
Pfeffer
Saft von ½ Zitrone

1. Zwiebel schälen und fein würfeln, Karotte schälen und ebenfalls würfeln. Beides im Olivenöl leicht anbraten.

2. Knoblauchzehen fein hacken und gemeinsam mit Kreuzkümmel, Ingwer, Kurkuma und Oregano beigeben und kurz mitbraten.

3. Tomatenwürfel zugeben und kurz einkochen lassen (einige Minuten). Dann Linsen, Gemüsesuppe und Wasser hinzufügen und mit ½ TL Salz und Pfeffer kräftig würzen. Aufkochen lassen, Hitze reduzieren und abgedeckt etwa 30 Minuten köcheln lassen, bis die Linsen gar sind.

4. Topf vom Herd nehmen und die Suppe mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken.

Nach einem Rezept vom Biohof Achleitner.

Kommentare:

  1. Liebe Maria – wie cool! Dass Du dieses Projekt startest, trotz des Supports Deiner Familie – und dass Du es so mit uns teilst! Wir verfahren hier nach dem Prinzip "flexitarisch", also: Viel und "zufällig" Veganes, aber eben auch der gute Käse und das Frühstücksei. Ich schwöre übrigens auf Hafermilch: mal die Aufschäumbare mit einem Schuss Soja von dm oder die stinknormale von Spar.
    Gespannt auf mehr: Charlotte

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    1. Jaja, trotz des NICHT-Supports ;-) Aber es wird besser - von Tag zu Tag!
      Schön, dass du mitliest, liebe Charlotte!

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  2. Bin auch gespannt auf weitere Berichte und finde es sehr toll, was du machst!! Halte durch! Mit deinen Lieben wird es sich schon einspielen, die müssen erst einmal meckern :-))

    Ich habe voriges Jahr beim "veganen Jänner" mit Kolleginnen mitgemacht, aber eher nur das Mittagessen geschafft. Jetzt nach zu viel Fleisch über die Feiertage schwenke ich auf viel Gemüsiges um, aber nicht oft vegan. Wäre aber auch eine Überlegung wert!

    Übrigens, wenn du ausprobierst Kaffee schwarz zu trinken, wirst du dich nach ein paar Tagen leicht daran gewöhnen. Ich (frühere "Kaffeeschwester") trinke seit Monaten aber gar keinen Kaffee mehr, er fehlt mir nicht einmal...
    lg

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    1. Deine Halte durch-Parole kam genau zum richtigen Zeitpunkt und jetzt schmeckt mir mein Kaffee plötzlich auch schwarz. Danke liebe Friederike, für deinen Rückenwind!!!

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  3. Ach schau, da ziehen wir zwei wieder am gleichen Strang, Maria!
    Und ich mußte direkt lächeln: Veganuary kann wirklich kein normaler Mensch normal aussprechen :))

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    1. Ach ja, wir zwei ... wir schwingen schon erstaunlich oft in dieselbe Richtung <3
      Deine Rezeptliste ist beeindruckend, danke du liebe!

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Über Kommentare freue ich mich immer. Herzlichen Dank dafür!
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