Samstag, 21. November 2020

Der Superheld in dir


Da sind wir also wieder – im Distance Learning. Oder eher doch nicht… Das Minimädel gehört nämlich zu jenen 15 % der Kinder, die auch jetzt im Lockdown in die Schule gehen, weil es betreuungstechnisch anders nicht geht. Ich will jetzt gar nicht lamentieren – sondern positiv bleiben. Es wird vorübergehen. Außerdem: Ihr gefällt es – und mir erspart es die Gefahr einer posthomeschoolischen Belastungsstörung (was für ein Wort – entdeckt bei Maximilian Buddenbohm).

Ach, es ist schon ein verrücktes Jahr … und dennoch: Trotz aller Veränderungen und Eingriffe in unser gewohntes Leben, trotz Abstand halten und Maske tragen, trotz Unsicherheit und Aufregung können und sollen wir diese Zeit nutzen – vielleicht für einen Blick nach innen? Wann habt ihr euch beispielsweise das letzte Mal Gedanken über euer Immunsystem gemacht? Wie es darum steht und wie ihr es stärken könnt?

Unser Immunsystem hat Superheldenqualitäten. Es schützt uns das ganze Jahr hindurch vor Viren und Bakterien – nicht nur jetzt, in der kalten Jahreszeit, nicht nur jetzt, während der Pandemie. Ein tatkräftiges, allzeitbereites, hochtourig laufendes Immunsystem ist immer von Vorteil - je aktiver es ist, umso besser. Um ihm den Rücken zu stärken, braucht es aber gar keine Präparate aus der Apotheke oder teure Nahrungsergänzung – mit ein wenig Geduld lässt es sich auch mit natürlichen und einfachen Mitteln auf die Sprünge helfen. Wie das geht?

Runter vom Sofa – und raus an die frische Luft
Regelmäßige, am besten tägliche Bewegung in der freien Natur tut einfach gut – bei Sonnenschein sowieso, aber auch bei Wind und Wetter. Mein Trick: Drei Kinder und ein Hund – mit ihnen muss ich raus!

Temperaturreize setzen
Der Körper freut sich über einen gelegentlichen Wechsel zwischen kalt und warm. Ob bei einer Wechseldusche (schaff ich nicht), beim Saunieren (geht besser), Tautreten (liebe ich) oder einer Barfuß-Runde durch den Schnee (super): Temperaturreize stärken ihn und wirken Wunder bei Müdigkeit, Antriebslosigkeit und schwachem Kreislauf.

Gut, bunt & fröhlich essen
Frisch kochen, abwechslungsreich essen, reichlich Obst und Gemüse, viel trinken – naja, eh schon wissen.

Ein gesunder Darm …
… ist die Basis für ein gut funktionierendes Immunsystem – denn etwa 80 % unserer Immunzellen sind dort zuhause. Forschungen der letzten Jahre haben hier einen Wahnsinns-Wissenszuwachs gebracht.
Gut tun ihm fermentierte, ballaststoffreiche Lebensmittel, die den Aufbau einer gesunden Darmflora fördern. Auch Bitterstoffe liebt er heiß – denn sie regen die Verdauungssäfte an und bringen alles so richtig in Schwung. Wie heißt es so schön? Was bitter im Mund, ist dem Magen gesund.

Scharfstoffe
Pflanzen mit scharf schmeckenden ätherischen Senfölen – Gartenkresse, Kapuzinerkresse, Kren, Senf, Rucola, Radieschen – wirken dreifach, nämlich antibakteriell, antiviral und antiinflammatorisch. Klingt sperrig, heißt aber nichts anderes als: Keine Chance den Krankmachern!
Übrigens habe ich in diesem Jahr die Kapuzinerkresse für mich entdeckt: Aus 6 kleinen Pflänzlein aus Minimädels Biologieprojekt während des ersten Lockdowns wurde kräftiges, wucherndes Grün quer über ein ganzes Beet mit einer unendlichen Fülle an Blättern und Blüten – monatelang! Jedes Mal, wenn ich daran vorbeiging, habe ich mir zwei oder drei Blüten abgezupft und mich an ihrem Geschmack erfreut – erst lieblich süß, dann Bäm! – die volle Schärfe. Ich bin davon überzeugt, dass mir die Kapuzinerkresse dabei geholfen hat, übers Jahr hinweg gesund zu bleiben. Erst vergangenes Wochenende, da hatte sie schon ein oder zwei Frostnächte hinter sich gebracht, habe ich sie aus meinem Garten entfernt – mit wehem Herz.

Bitterstoffe
Bitterstoffe helfen dem Darm – aber auch dem Immunsystem ganz direkt. Nämlich so: Im Bronchialtrakt gibt es spezifische Rezeptoren, die für die Ausschüttung antibakterieller Substanzen verantwortlich sind. Bitterstoffe können diese Rezeptoren stimulieren – und auf diesem Weg eine Stärkung des Immunsystems bewirken. Das Problem ist nur: Wo bekommen wir diese Bitterstoffe heutzutage her? Denn den modernen und kommerziellen Salat- und Gemüsezüchtungen wurde ihre Bitterkeit fast zur Gänze abgewöhnt. Nun ja, die Antwort ist einfach und liegt nahe, ihr ahnt es bestimmt: bei meinen geliebten Wildpflanzen mit ihrem ursprünglichen Geschmack. Zugegeben: An Schafgarbe, Löwenzahn, Gänseblümchen & Co. muss sich der Gaumen auch erst mal gewöhnen – deshalb mischt man sie zu Beginn einfach unter den Fadsalat. Auch jetzt noch ist einiges zu finden, geht man mit wachen Augen durch die Natur.

Helfer aus der Natur
Neben bitter schmeckenden Wildpflanzen gibt es noch eine Reihe anderer Gewächse, die eine Fülle an Nährstoffen liefern und so äußerst hilfreich sein können. Im Spätherbst und Winter sind das vor allem wilde Früchte wie Schlehen, Sanddorn oder Hagebutten, die bombastische Vitamin C-Quellen sind. Vielleicht habt ihr euch heuer sogar Hollersulz eingekocht?



Superhelden-Brot

Honig, Kren, Knoblauch, Quendel, Zitrone und dazu noch die Kapuzinerkresse – auf diesem Brot findet ihr lauter kulinarische Superhelden, die euch helfen können, gut durch die Herbst- und Wintermonate zu kommen.
Honig etwa ist ein altbekanntes Hausmittel bei Husten und Halsweh – und einer Studie zufolge wirkt er bei Infektionen der oberen Atemwege sogar besser als andere Behandlungen, Antibiotika inklusive! Das ist doch bemerkenswert … Und die Kombination aus Kren und Kapuzinerkresse soll der Forschung zufolge ganz besonders wirksam sein.
Dieses wunderbare Rezept für ein Anti-Erkältungsbrot habe ich bei Regina in ihrer wilden Weiberküche entdeckt, etwas abgewandelt habe ich es bei Karin gesehen. Auch Friederike hat es nachgemacht und war begeistert – genauso wie ich! Das müsst ihr unbedingt probieren, auch wenn ihr euch die ungewöhnliche Zusammenstellung der Zutaten auf dem Brot (noch) nicht vorstellen könnt. Es schmeckt so gut und so harmonisch, ihr werdet staunen… Genießt es so oft wie möglich!


Zutaten für 1 Portion

1 Scheibe frisches, gutes Sauerteigbrot
1 TL Butter
1 EL frisch geriebener Kren
½ - 1 Knoblauchzehe
1 TL frische Quendel- oder Thymianblätter (oder getrocknet, falls nicht zur Hand, dann etwas weniger)
½ TL Zitronensaft
1 TL Honig
Blüten und kleine Blätter von der Kapuzinerkresse (optional, es geht natürlich auch ohne)

1. Die Knoblauchzehe fein hacken und mit Butter und Kren vermischen.

2. Quendel oder Thymian im Mörser anstoßen und mit dem Zitronensaft vermischen.

3. Brot mit der Buttermischung bestreichen und dann den Honig drüber träufeln.

4. Marinierten Thymian darauf verteilen.

5. Mit Kapuzinerkresse dekorieren.


Bleibt gesund!

Kommentare:

  1. Ach wie wunderschön und lecker schaut das Brot aus. Kapuzinerkresse oder auch Brunnenkresse genannt schaut nicht nur schön aus schmeckt uns allen auch gut.
    Lg aus Wien

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, wird in meinem Garten sicher wieder angebaut im nächsten Jahr ... :-) Alles Liebe!

      Löschen
  2. Das ist so ein toller eintrag! Danke dir dafür.
    Leider ist bei mir die Kapuzinerkresse überhaupt nix geworden - dann wird's halt der Kren!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Im Frühjahr brauchte sie bei mir auch eine Weile, bis sie in die Gänge kam... Aber dann! :-)
      Danke für deine lieben Zeilen....

      Löschen
  3. Wir lassen die Kapuzinerkresse den Winter über auf den Beeten liegen (hervorragender Erosionsschutz) und im Frühjahr werden die Reste beim Umgraben untergearbeitet. Das sorgt nebenbei für unzählige neue Kapuzinerkressepflänzchen im Frühjahr. Wenn sie überhand nehmen: Einfach vorzu auszupfen und unter den täglichen Salat mischen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. So machst du das, das finde ich ja super... Merk ich mir, danke! Ganz liebe Grüße :-)

      Löschen
  4. Danke für den gescheiten und schönen Beitrag und das Loblied auf die Kapuzinerkresse! Ich habe diese Pflanze auch heuer erstmals so richtig für mich entdeckt :-) Noch nie ist sie im Garten so grandios gewachsen, wie diese Jahr und erst in den letzten Tagen hat der Frost ihr den Garaus gemacht. Soviel Pesto wie heuer (v.a. aus der Kapuzinerkresse) hat es noch nie gegeben und ich hab auch jedesmal ein paar Blätter genascht, wenn ich im Garten war :-) Liebe Grüße von Irmi E. aus Wien

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Und du bist auch gesund geblieben, hoffe ich :-)
      Ich hab zwar noch keinen Vergleich, aber bei mir wuchs sie auch so üppig, unglaublich :-)
      Alles Liebe!

      Löschen
  5. Kapuzinerkresse merke ich mir gleich für nächstes Jahr vor!!
    Danke für die Erinnerung an das gesunde Brot, ich richte mir jetzt gleich eines her oder zwei...
    lg

    AntwortenLöschen
  6. Auch bei mir blüht derzeit die Kapuzinerkresse. Ich säe die immer sehr spät, weil sie verlaust bei mir immer heillos, aber um diese Jahreszeit ist es den Läusen schon zu kalt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Guter Trick ;-) Ich bin restlos begeistert, wie robust und grandios diese Pflanze ist <3

      Löschen
  7. Oh, das ist ja die geballte Ladung von Vitalstoffen auf dem Sauerteigbrot, da nehme ich mir gerne eine Scheibe.
    Liebe Grüße
    Sigrid

    AntwortenLöschen
  8. Wahrlich ein Superhelden-Brot. Bei uns ist die Kapuziner- (oder auch Cappucino)-Kresse schon ewig over. Aber Gott sei Dank bin ich so gscheid und hab Essig und Pesto gemacht ;-)

    Homeschooling läuft bei uns, ich hab aber auch schon Nervenkekse gebacken, eigentlich mein Mann, weil ich beim Teig die Nerven verloren habe ;-) Bleibt's xund, glg Uli

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Schade um die Cappuccino-Kresse, aber vermutlich ist es bei euch in Tirol nochmal ein oder zwei Grad frostiger als bei uns ;-) Dann halt wieder im nächsten Jahr ...
      Hast Glück, dass du einen Mann hast, der einspringt beim Backen :-) Meiner würd mich nur verständnislos angucken und die Küche verlassen ;-))))
      Alles Liebe!!!

      Löschen

Über Kommentare freue ich mich immer. Herzlichen Dank dafür!
Hinweis: Mit dem Abschicken deines Kommentars erklärst du dich damit einverstanden, dass der von dir geschriebene Kommentar sowie personenbezogene Daten, die damit verbunden sind (beispielsweise Username, Mailadresse, IP-Adresse), an Google-Server übermittelt werden.
Mehr Informationen dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.