Sonntag, 29. März 2020

Vollbremsung


Schulen geschlossen, Ausgangsbeschränkungen, Versammlungsverbot, soziale Kontakte aufs Minimum reduziert: Wer hätte das noch vor wenigen Wochen gedacht… Unsere Gesellschaft hat quietschend eine Vollbremsung hingelegt – und die Reifen qualmten gewaltig. So fühlt sich also Stillstand an.

Diesen Beitrag wollte ich eigentlich schon vergangene Woche schreiben, aber da kam mir eine ganz fiese Bettlägrigkeit dazwischen, die all meine Kraft gefordert und aufgefressen hat. Nun haben wir schon die zweite Woche Ausnahmesituation hinter uns und ich frage mich, was das jetzt gerade ist, diese komische Mischung an Gefühlen, die ich irgendwie nicht so recht einordnen kann.

Ich freue mich an der Natur, alles sprießt und wächst. Vor allem freue ich mich mit ihr bei dem Gedanken, dass sie zum ersten Mal seit langer, langer Zeit wieder einmal aufatmen kann und reinere, bessere Luft in ihre Lungen strömt. Ich wundere mich über den klaren, streifenfreien Himmel und über diese ungewohnte Stille und Abgeschiedenheit. Mir gefällt der behutsame Umgang miteinander, die viele Zeit, die ich plötzlich mit meinen Kindern verbringen kann, dass die Jungs im Spiel gerade so richtig zusammenwachsen. Und dass momentan so viel gekocht wird wie nie und ich regelmäßig Nachrichten bekomme, welche Rezepte aus dem Blog gerade in kulinarischer Bearbeitung waren.

Ich bin dankbar, dass wir das Glück haben, einen großen Garten zu besitzen, in dem die Kinder schreien und toben können, soviel sie wollen. Dass das Minimädel eine engagierte Lehrerin hat, die alles gibt und keine Mühen scheut, um ihre Schützlinge auch aus der Ferne voranzubringen. Und dass ich mir seit kurzem Milch und Eier von einem Bio-Hof bei uns im Ort holen kann, der meinen Vorstellungen von einer vernünftigen, guten, zukunftsträchtigen Landwirtschaft schon sehr, sehr nahe kommt.



Der Wald ist unser Freund, mehr noch als sonst, in ihm sind wir frei und dennoch ganz geborgen. Wir atmen seine Luft, die uns stark und zuversichtlich macht. Und was andere Waldbaden nennen, nehmen wir als ganz selbstverständlich wahr. Auch meine geliebten Wildpflanzen haben nun, in dieser Zeit, ihren besonderen Platz: Das Wissen, dass die (wilde) Natur uns ernähren kann, dass sie großzügig ist und uns reich beschenkt, gibt mir Mut und Halt. Wie wenig brauchen wir doch zu unserem Glück …

Aber ich frage mich natürlich auch, was da noch kommen wird. Wie sich die Zahlen entwickeln, ob meine Kinder vor dem Sommer überhaupt noch einmal die Schule, den Kindergarten, die Krabbelstube von innen sehen werden. Wie meine längerfristigen Berufsaussichten sind. Ob wir alle gesund bleiben oder eh schon krank waren, ohne es zu wissen. Es ist eine spannende Zeit – und weil Blicke in die Zukunft naturgemäß nicht funktionieren, wie wäre es da mit dem Gegenteil? Der Blick von der Zukunft aus zurück ins Heute – ein spannendes Gedankenexperiment…

Lasst mich noch die großartigen Corona-Tipps der italienischen Nonna mit euch teilen (die ihr bestimmt schon kennt) – und kocht euch gesund und zuversichtlich!



Bratkartoffelsalat mit Giersch

Kartoffeln und eine Runde durch den Garten – mehr braucht es für dieses schlichte und doch so feine Gericht nicht. Absolut quarantänetauglich!

Zutaten pro Portion

Für den Salat
2 – 3 Kartoffeln (je nach Größe)
Salz
Olivenöl
1 Doppelhandvoll junger, knackiger Giersch (so wie jetzt – im Gourmetstadium …)

Für das Dressing
Zitronensaft
Zitronenschale
Salz
Galgant gemahlen
Senf
Ahornsirup
Olivenöl
ein klein wenig Wasser

1. Das Backrohr auf 200 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

2. Die Kartoffeln schälen und der Länge nach vierteln. Größere Exemplare eventuell noch einmal teilen.

3. Die Kartoffeln auf ein Blech geben, salzen und mit etwa 2 EL Olivenöl beträufeln und mit den Händen gut durchmischen. In den Ofen geben.

4. Die Kartoffeln etwa 30 Minuten garen, bis sie durch und stellenweise schon goldgelb gebräunt sind. Dabei eventuell nach 20 Minuten wenden.

5. In der Zwischenzeit alle Zutaten für das Dressing in der individuell gewünschten Menge verquirlen und beiseitestellen.

6. Den Giersch verlesen und die Blätter von den Stängeln zupfen. Waschen und trocken schütteln.

7. Die Kartoffeln aus dem Ofen nehmen und in eine Schüssel geben. 2 – 3 Minuten überkühlen lassen, dann mit dem Dressing vermengen. Giersch unterheben und sofort anrichten und servieren.

Kommentare:

  1. Liebe Maria,
    die grandiose Nonna ist tatsächlich bislang an mir vorbeigegangen... danke! Auch wir sind wahnsinnig dankbar – dafür, dass wir beide von zuhause aus arbeiten können und dürfen, dafür, dass wir gesund und beieinander sind, dafür, dass wir immer noch raus dürfen und dem Frühling nicht nur zusehen müssen. Kleine, so große Dinge!
    Herzlich vom anderen Ende Österreichs: Charlotte

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    1. Tatsache??? Ich dachte mir, ich wär heillos hinten damit, wollte es mir aber doch merken - eher für mich als für euch ;-) So aber freuts mich natürlich, dass ich dir etwas Neues zeigen konnte, liebe Charlotte :-)
      Und ich freue mich, dass es euch gut geht ... Wirklich. Passt auf euch auf, gell?
      Alles Liebe, wir lesen uns!

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  2. Ja, ein großer Garten und der Wald vor der Tür hat zurzeit schon große Vorteile! Unser Garten bietet mit seinen 70qm nicht gerade die große Fläche für Spaziergänge, aber zum Tanken von Sonnenstrahlen reicht es ;-)
    Bleibts gesund und liebe Grüße, Julia

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  3. Gut dass du dich erholt hast. In diesen Zeiten krank zu werden ist ein Alptraum.. niemand weiß was kommt, aber ihr macht es euch schön. Liebe Grüße!

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  4. Nicht, dass ich in den letzten Jahren daran gezweifelt habe, auf dem Land zu leben - aber jetzt zeigen sich die vielen Vorteile gegenüber der Stadt. Glücklicherweise fühlt man sich mit viel Natur um sich, räumlich kaum eingeschränkt. Wie viel das wert ist, oder? Ach, Natur - für mich immer der Ort um aufzuladen. Aber wem sag ich das ;-)

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    1. Heute in der Früh habe ich eine Runde mit dem Rad gedreht - der Wuff soll ja seine Kondition nicht vollends verlieren (me too). Ich traf eine Nachbarin, wir haben geplaudert, es war eigentlich wie immer ... Nur mit großem Abstand zwischen uns ;-) Würde ich das ausblenden und würde nicht hin und wieder die Polizei durch unsere Siedlung patrouillieren - es wäre nicht besonders anders.
      Ja, es ist einfach so viel wert ... Liebe Grüße!

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  5. also die Nonna kannte ich auch nicht...
    Ihr könnt euch wirklich glücklich schätzen auf dem Land zu wohnen und den Wald nah zu haben! Fast paradiesisch!
    lg und bleibt alle gesund

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    1. Das stimmt, wir wissen es auch zu schätzen...
      Unfassbar, dass du die Nonna auch nicht kanntest!!! :-)
      Liebe Grüße!

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  6. Durch Friederike von Fliederbusch Blog bin ich zu dir gekommen.
    Viele Interessante Beiträge. Werde jetzt öfter hier mitlesen.
    Lg ins Mühlviertel aus Wien

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    1. Das freut mich sehr :-))) Wer Friederike mag, ist mir augenblicklich und automatisch sympathisch! Bis bald und liebe Grüße!

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  7. Liebe Maria, Gott sei Dank bist du wieder fit, krank sein ist zur Zeit ja noch unlustiger als sonst. Ich finde mich in deinen Geanken sehr gut wieder: ich genieße zwar die Ruhe, die Langsamkeit, die Zeit mit den Kindern, aber auf der anderen Seite habe ich große Zweifel in mir, was "danach" kommt. Wir sind auch in der glücklichen Lage, einen Garten zu haben, in einer Sackgasse zu wohnen und hinterm Zaun ist auch schon der Wald. Aber dieses "Eingesperrtsein" in unserer Ortschaft ist schon ein eigenartiges Gefühl... nicht dass ich raus muss, sondern eher dass ich nicht raus darf. Alles Liebe an euch und glg Uli

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    1. Liebe Uli,
      ja, es ist eigenartig, einfach ungut. Als ich diese Woche das erste Mal mit Mundschutz einkaufen war, kamen mir fast die Tränen. Es ist so eine fremde Stimmung, die mir die Knie weich macht. Was allein so ein Mundschutz für Distanz schaffen kann zwischen Menschen - nicht nur körperlich.
      Alles Liebe, passt auf euch auf!

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