Donnerstag, 27. Februar 2020

Scheinheilig



Manchmal finde ich ihn schon ziemlich nervenaufreibend, den Aschermittwoch. Genauer gesagt: den fast schon missionarischen Eifer, mit dem allerorts geboten wird, an diesem Tag nur ja kein Fleisch zu essen. Nervenaufreibend deshalb, weil dieser Eifer so oft von überzeugten Viel-Fleischessern kommt, die ziemlich ungut werden können, wenn man ihnen die Fülle an Gründen darlegt, warum es vielleicht doch nicht ganz so klug ist, täglich Fleisch zu essen. Und für die im Normalfall eine fleischlose Mahlzeit vor allem eines ist: keine Mahlzeit.

Ganz ehrlich: Von solchen Menschen will ich mir nicht sagen lassen, dass ich an bestimmten Tagen kein Fleisch essen darf. Lieber möchte ich ihnen sagen, dass es nicht reicht, an einigen wenigen Tagen im Jahr auf Fleisch zu verzichten. Dass es bei weitem nicht reicht. Dass es besser ist, immer wieder einmal zu verzichten. Regelmäßig und ganz bewusst. Dass es wohltut, hin und wieder den Hunger zu spüren am eigenen Leib. Und dass vegetarisches Essen so voller Leben steckt, bunt ist und reich an Geschmäckern, fein und unaufgeregt sein kann oder auch überraschend und wild. Die Vielfalt zählt und die Abwechslung! Nicht nur am Aschermittwoch …


Lachsaufstrich vegetarisch

Dieser Aufstrich ist ein Hit! Zum einen, weil er wahnsinnig gut schmeckt. Und zum anderen, weil mein Mann immer noch glaubt, er habe Lachs gegessen. Ich sehe ihn noch am Esstisch sitzen, mir gegenüber, und vor den Kindern (die den Aufstrich nicht kosten wollten) dozierend, was für ein wertvolles Lebensmittel doch Fisch sei – und überhaupt: Lachs!
Unglaublich, dieser Aufstrich, ganz unglaublich.

Zutaten für etwa 4 – 6 Portionen

Für den Aufstrich
200 g Räuchertofu
1 Noriblatt
100 g Topfen
20 g Schlagobers
frischer Dill
1 EL Tomatenmark
etwas Zitronensaft
Salz
Pfeffer

Zum Dekorieren
frischer Dill
Zitronenscheiben

1. Zunächst von etwa der Hälfte des Räuchertofus die äußere Rinde wegschneiden, damit der Aufstrich nicht zu rauchig schmeckt (diese kann man super zu Gyros verarbeiten beispielsweise, einfach würzen und anbraten!). Tofu in Würfel schneiden.

2. Das Noriblatt fein mahlen, zum Beispiel in einer elektrischen Kaffeemühle.

3. Tofu, Topfen, Schlagobers und Nori mit dem Mixstab zur gewünschten Konsistenz pürieren.

4. Dill fein hacken und gemeinsam mit dem Tomatenmark und dem Zitronensaft unterrühren.

5. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

6. Etwa 1 Stunde im Kühlschrank durchziehen lassen (der Aufstrich lässt sich eigentlich aber auch gleich genießen).

7. Mit Dill und Zitronenscheiben dekorieren und servieren.


Vegane Variante: Topfen und Schlagobers durch etwa dieselbe Menge an veganem Frischkäse (Natur oder Kräuter) ersetzen (wie auch im Originalrezept vorgesehen).

Nach diesem Rezept von Franzi.

8 Kommentare:

  1. von Noriblatt habe ich schon gehört, dürfte eine interessante Sache sein!
    lg

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    1. Liebe Friederike,
      Nori macht einen sehr köstlichen Geschmack, fischig, umami, salzig, alles dabei :-)
      Liebe Grüße!

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  2. Ahahahaha, ich hau mich ab. Die bessere Hälfte so reinzulegen, mit dem wertvollen Fisch ;-)

    Ich seh das Ganze gleich wie du, Moral-Apostel und beim Heringschmaus am Aschermittwoch fast speiben vor lauter Völlerei, aber is ja koa Fleisch dabei.

    Mein Sohn meinte letztens zu mir: "Du Mama, sein mir jetzt Vegetanerer, weil nix vom Viech im Essen ist?" Ich merke das gar nicht, weil wir sehr selten Fleisch essen und manchmal auch nichts anderes tierisches dabei ist, aber Vegetanerer sind wir nicht, nur Teilzeit ;-)

    Dein Rezept schaut wirklich total lecker aus, aber ich kann mich halt soooo nicht mit Tofu anfreunden - welche Marke verwendest du denn? Vielleicht komm ich ja doch noch auf den Geschmack ;-)

    glg Uli

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    1. Haha, Vegetanerer, das ist ja witzig ;-)))) Kindermund ist einfach der Wahnsinn.
      Ich verwende sehr gerne den Mühlviertler Bohnenkas, den ich schon einmal vorgestellt hab:
      https://dasmaedelvomland.blogspot.com/2014/02/tierfreitag-nr-2-der-tofu-und-ich.html
      Den gibts aber natürlich nicht überall - ansonsten auch mal den normalen Tofu aus dem Supermarkt. Probier den Aufstrich! Ich wär gespannt, was du dazu sagst :-)
      Alles Liebe!

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  3. Mhh, klingt total gut! Noriblatt gibts vermutlich in Asialäden?
    Liebe Grüße von Irmi E.
    PS: die Bauernkrapfenvariante im Backrohr ist grandio, Danke! In Fett schwimmend rausbacken verweigere ich zuhause ...

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    1. Auch im ganz normalen Supermarkt, liebe Irmi!
      Und dass du die Bauernkrapfen schon nachgebacken hast, freut mich extrem :-)
      Liebe Grüße!

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  4. Dankeschön, das muss ich probieren! Die Bauernkrapfen ähnelten bei mir mehr Keksen, da hab ich was verkehrt gemacht, oder der eingefrorene und wiederaufgetaute Germ war schon ein wenig schlapp ;-) Aber geschmeckt haben sie trotzdem :-)

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  5. Schaut gut aus, dein pesce finto! Möchte ich ausprobieren. Und das katholische Fischfestival.. wenn ich in der Zeitung lese, 1.000 Portionen Skrei für eine Promiveranstaltung - da kann es einem Angst und Bange werden

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