Sonntag, 12. Januar 2020

Herbstkatzerl


Die Katzen haben sich gemausert: Vom bäuerlichen Nutztier für die Mäusejagd zum verhätschelten, wohlgenährten Stubentiger. Und ob im Frühjahr oder Herbst geboren – kein Hahn kräht mehr danach. Früher war das anders: Herbstkatzerl waren gewissermaßen zweite Wahl. Sie galten als weniger robust, schwächer und kleiner als ihre Frühlingsgeschwister – und bei den damaligen Lebensbedingungen am Hof traf das vermutlich auch zu.

Ich überlege, ob nicht vielleicht auch etwas dran sein könnte, was unsere Menschenkinder betrifft – sind im Herbst und Winter Geborene doch tendenziell weniger an der frischen Luft, weniger an der Sonne, mehr belastenden Keimen ausgesetzt. Und ich habe sogar den direkten Vergleich: Das Minimädel, im Frühling geboren, ist eine äußerst robuste Natur und krank so gut wie nie. Die beiden Jungs hingegen, beides Novemberkinder und somit waschechte Herbstkatzerl, sind doch etwas empfindlich und den ganzen Winter über empfänglich für Bakterien, Viren und alles andere, was man als working mum so gar nicht braucht.

Gottseidank (und überraschenderweise!) mögen sie unseren selbst gemachten und recht wirksamen Hustensaft aus schwarzem Rettich gerne – der leicht scharfe Geschmack sticht wohl nicht allzu sehr vor den Freuden des Aushöhlens (Scharfes Werkzeug? Ich? Ich darf scharfes Werkzeug?) und Befüllens der Knolle (Kandiszucker!!!) hervor. Und so löffeln wir munter vor uns hin…



Hustensaft aus schwarzem Winterrettich

Rettich-Hustensaft ist ein altes Hausmittel, um festsitzenden Schleim zu lösen und das Abhusten zu erleichtern und ist besonders wirksam bei erkältungsbedingtem Husten und Halsschmerzen.
Seine Wirkung verdankt er den im Rettich enthaltenen Senfölen, die antibakteriell und schleimlösend wirken. Außerdem helfen die enthaltenen Vitamine A, C und E dabei, das Immunsystem zu stärken. Honig wirkt ebenfalls antibakteriell und entzündungshemmend und beruhigt die gereizten Schleimhäute.

Zutaten

1 fester und nicht zu kleiner schwarzer Rettich
Brauner Kandiszucker
1 EL Honig

1. Zuerst vom oberen Ende des Rettichs (dem Ende, wo das Grün war) eine Kappe abschneiden.

2. Dann den Rettich aushöhlen, sodass rundherum ein Rand von etwa 1 – 1,5 cm (je nach Größe des Rettichs) verbleibt. Ich mache das mit einem Kugelausstecher, wie man ihn beispielsweise für Melonen verwendet. Kinder benötigen hierzu unbedingt Hilfe, da das Fruchtfleisch des Rettichs relativ hart ist. Das ausgehöhlte Fruchtfleisch kann frisch geknabbert werden oder es kommt klein geschnitten in den nächsten Salat oder in die nächste Suppe.

3. Das untere Ende ebenfalls kappen, aber nicht allzu sehr. ES reicht, die Spitze wegzuschneiden.

4. Nun werden mit einer Stricknadel oder einem Spieß 3 – 4 Löcher in das untere Ende gebohrt. Durch diese Löcher wird später der Hustensaft fließen.

5. Den Rettich bis obenhin mit Kandiszucker füllen und dann auf ein kleines Glas stellen, sodass der Saft in das Glas abfließen kann. Das Glas dabei nicht zu groß wählen, denn der Rettich schrumpft innerhalb von einem Tag ordentlich zusammen!

6. Nun kommt noch der Honig obenauf und dann noch dem Rettich seine Kappe aufsetzen. Fertig.

7. Nun heißt es warten … Der Zucker beginnt, dem Rettich seine Feuchtigkeit zu entziehen – und mit ihr auch seine Wirkstoffe. Er verflüssigt sich und fließt – mit gesundmachenden Substanzen angereichert – nach unten. Schon nach einigen Minuten kommen die ersten Tropfen!

8. Sobald genügend Flüssigkeit herausgetropft ist, kann der Hustensaft auch schon eingenommen werden! Täglich etwa 3 Löffel (Kinder nehmen Tee-, Erwachsene Esslöffel) sind ideal.


Tipps:

* Rinnt mehr Hustensaft ins Glas als man akut verbrauchen kann, den Saft in ein sauberes Marmeladenglas umfüllen und im Kühlschrank lagern.

* Zur Herstellung des Hustensafts gibt es mehrere Methoden. Eine weitere ist, vorerst nur etwa 1/3 des Fruchtfleisches mittig aus dem Rettich zu schneiden und den Saft wie beschrieben herzustellen. Am nächsten Tag, wenn der Zucker geschmolzen ist, schneidet man eine weitere Schicht aus dem Rettich, füllt wieder mit Zucker auf, etc. So lassen sich noch mehr Inhaltsstoffe aus dem Rettich ziehen. Für diese Vorgehensweise eignen sich vor allem große Knollen.

* Statt Kandiszucker kann auch brauner, grobkörniger Kristallzucker verwendet werden. Allerdings löst Kandiszucker mehr Wirkstoffe aus dem Rettich heraus, weil er länger zum Auflösen braucht.

* Oder so: Das ausgehöhlte Fruchtfleisch klein hacken, mit etwa der gleichen Menge Braunzucker mischen und wieder in den Rettich füllen. Die Menge, die nicht hineinpasst, abgedeckt in einem Schüsselchen zwischenparken – sie kann nach einigen Stunden, wenn alles schon ein wenig zusammengesunken ist, nachgefüllt werden. Weiter wie beschrieben.

* Vor der Entnahme den Hustensaft immer kurz durchrühren, weil sich der Honig gerne am Boden des Glases sammelt.

* Der Sirup ist durch seinen hohen Zuckergehalt relativ gut haltbar, allerdings schmeckt er frisch am besten.

Kommentare:

  1. Ich, Septemberkind: Hatte alle Kinderkrankheiten und wenn jemand auch nur eine Grippe erwähnt, liege ich flach.
    Schwesterherz, Dezemberkind: Die liegt nur flach, wenn sie von einem Traktor überrollt wurde... :D

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    1. Na gut, über die These lässt sich sicher diskutieren ... ;-))) Und ich hoffe, der Traktor ist nicht tatsächlich über deine Schwester gerollt ...!
      Liebe Grüße!

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  2. Hm, als Mama dreier eher Frühlingskinder tue ich mir schwer mit Vergleichen, aber im Moment trifft deine Theorie tatsächlich zu! Und als ebenfalls working mum ich möchte auch gern daran glauben :-)
    Liebe Grüße Elisabeth

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    1. Ja, und die Kinder geben es ja ständig unter sich weiter ... Uahhhh ... ;-)
      Liebe Grüße!
      P.S.: Wegen deines Mails melde ich mich noch separat!

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  3. Bei uns stimmt die Herbstkatzerltheorie nicht so, das Junikind war oft krank...
    Der Hustensaft ist sicher eine tolle Sache, oft davon gehört, nie probiert. Danke für die Anleitung lg

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    1. Es ist wirklich ganz einfach und hilft sehr gut! wir mögen ihn sehr :-)
      Liebe Grüße!

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  4. Liebe Maria, endlich mal eine Anleitung für diesen Hustensaft, von dem ich schon so oft gehört habe. Zum Glück haben wir hier gerade keinen Husten, aber jetzt weiß ich, wo ich nachgucken könnte, wenn wir wieder Bedarf hätten. Liebe Grüße von Hannah

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    1. Das freut mich, liebe Hannah ... Er schmeckt zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber er wirkt! :-) Liebe Grüße!

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  5. Oh! Noch nie gehört, ich probiere den Saft dankbar beim nächsten (hoffentlich noch etwas entfernten) Infekt aus. Meiner Tochter kommt der Zwiebel-Honig-Sirup schon zu den Ohren raus und "duften" tut der Rettich sicher auch besser. Zur Jahreszeitenstatistik: Anfang März geboren, ab Kita-Eintritt von Oktober bis März quasi dauerkrank. Aber auch stattliche Polypen und Mandeln, wir kamen -leider- um eine OP nicht rum. Seitdem ist bis auf wenige, leichte Infekte Ruhe. Liebe Grüße Christina

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