Freitag, 1. November 2019

Das Leben ist bunt, der Tod irgendwie auch


Wenn man es genau nimmt, bin ich schon etwas melancholisch veranlagt. Braucht im Fernsehen nur eine Merci-Werbung laufen, braucht sich im Radio nur jemand wahnsinnig über einen Gewinn freuen – von innerfamiliären Ereignissen wie Hochzeiten oder Taufen ganz zu schweigen. Braucht es also nur einen Anlass und ein paar Takte anrührender Melodien dazu: Schon läuft es über, das Fass.

Diese Melancholie in mir empfinde ich nicht als schlimm. Sie beschwert mich nicht und manchmal genieße ich dieses Gefühl sogar. Außer, es geht um den Tod. Doch selbst da wohnt der allergrößten Traurigkeit immer ein Funken Ruhe, etwas Tröstendes inne. Denn der Tod gehört zum Leben – das ist ganz einfach so. In Lateinamerika heißt das: Viva la muerte! Es lebe der Tod! In bunte Farben gehüllt wird dort gefeiert. Bei uns hingegen ist Stille und Andacht. Beide Strategien, mit dem Tod umzugehen, sind gut, eingebettet in Kultur, Tradition und Wesen der Menschen. Und auch wenn ich mir nicht vorstellen könnte, ausgelassen auf dem Grab meiner Ahnen zu tanzen – das Bunte, das mag ich doch, auch zu dieser Zeit und gerne auf meinem Teller.


Totenkopf-Palatschinken

Am Obst erkennt ihr, dass es schon eine Weile her ist, dass ich diesen Teller für euch hergerichtet hab. Im Spätherbst kaufe ich keine Beeren mehr. Aber jetzt, um diese Zeit könnte man die Palatschinken doch auch mit dunklen Weintrauben, Brombeeren und Heidelbeeren aus dem Tiefkühler und eventuell ein paar übrig gebliebenen Zwetschken verzieren? Diese Farbgebung würde auch unserer Tradition ganz gut entsprechen …

Zutaten für 4 – 5 Portionen

Für den Palatschinkenteig
500 ml Milch
250 g Mehl
1 Prise Salz
3 Eier

Öl oder Butter zum Ausbacken

Zum Füllen
Rote Lieblingsmarmelade

Zum Verzieren
Obst nach Saison und Geschmack
Sonnenblumenkerne
Blüten und Kräuter

1. Alle Zutaten für den Palatschinkenteig mit dem Schneebesen oder Handmixer glatt rühren. Kurz quellen lassen.

2. Zwei beschichtete Pfannen mit etwas Öl oder Butter erhitzen (ich arbeite immer parallel mit zwei Pfannen, damit es schneller geht). Dünne Palatschinken beidseitig ausbacken. Die fertigen Palatschinken auf einem Teller stapeln. Beim Ausbacken nicht auf die Totenköpfe vergessen: einer pro Person soll es sein. Dazu mit Hilfe eines Löffels Teig in der gewünschten Form in die Pfanne gießen und wieder auf beiden Seiten ausbacken. Die Totenköpfe können ruhig etwas dicker sein.

3. Das Obst gefällig zurechtschneiden oder Scheiben schneiden und mit einem Keksausstecher Formen ausstechen.

4. Pro Person eine Palatschinke auf ein Teller legen. Marmelade aufstreichen und mit einer zweiten Palatschinke bedecken. Alternativ kann man die Palatschinken auch einzeln füllen und zu Dreiecken einschlagen. Pro Teller dann etwa 4 solcher Dreiecke zu einem Kreis arrangieren. Mittig einen Totenkopf platzieren.

5. Mit Früchten, Nüssen, Blüten und Kräutern dekorieren. Das ist eine Spielerei und doch etwas aufwändig, aber mir gefällt das.


Inspiration bei Geolino.

Kommentare:

  1. Was für ein buntes Treiben auf deinem Teller - herrlich! Hm, ich kann dem Tanz zum Tod nicht allzu viel abgewinnen, vor allem, wenn es um Trauer geht, die einen ganz nah ergreift. Es liegt noch nicht allzu weit zurück, da hat uns selbst das Schicksal getroffen, ganz tief. Tanzend und bunt hätte ich mir das nicht vorstellen können. Auch heute noch werden wir ganz still, wenn wir uns solchen Feiertagen nähern. Inzwischen haben wir aber auch wieder genug Kraft das Bunte in unser Leben zu lassen - den Tod zu feiern, das würde mir nicht richtig vorkommen, aber das Leben zu genießen, das geht (wieder). Alles Liebe, Eva

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