Montag, 11. November 2019

Avocarooooo!!!


Solche Kinder gibt es und solche. Auf der einen Seite die, die so sind wie meine: Die lieber Kakao trinken als ordentlich zu essen, die von Toastbrot mit Ketchup und Backerbsen leben könnten und die Unbekanntes meiden wie Dracula den todbringenden Knoblauch. Und auf der anderen Seite die … anderen. Die, die dankbar essen, was auf den Tisch kommt. Die, die gerne (!) kosten und neugierig sind, ob es ihnen schmeckt. Die, denen noch kein größeres Geschwisterkind als Baby Schokolade in den Mund geschmuggelt hat.

Überhaupt sind größere Geschwisterkinder nicht gerade hilfreich, wenn es darum geht, einem Kleinkind ein gesundes und vernünftiges Essverhalten beizubringen. Sie mäkeln – und das Kleine mäkelt mit. Sie stehen auf Süßes – und das Kleine ebenso. Sie haben keine Zeit zum Essen – und das Kleine? Genau. Mehrfachmamas können ein melancholisch-anrührendes Lied davon singen.

Was waren das für Zeiten, das Minimädel und ich in trauter Zweisamkeit: Keks und Schokolade unbekannt, keine Verführungen auf weiter Flur, Süßkramgeschenke von vornherein abgeblockt. Herrlich! Einkindmamas sind – was das betrifft – glitzernde Glückseinhörner.

Eine von ihnen, meine liebe Freundin M. aus dem Salzburger Land, habe ich kürzlich besucht. Das mache ich immer gern - nicht nur, weil ich sie so mag, sondern auch, weil sie eine phantastische Köchin ist. Bei ihr essen zu dürfen ist ein wahrer Segen!

Jedenfalls: Ihr Sohn ist 3 Jahre alt – und im Gegensatz zu meinen Kindern aus kulinarischer Sicht gänzlich unverdorben. So ließ er gleich die von mir unbedachterweise mitgebrachten Gummibärchen links liegen (was sind Gummibärchen???) und nahm mich mit auf Erkundungstour durch den Garten. Er nannte mir alle Kräuter beim Namen! Estragon, Salbei, Petersilie, … Könnt ihr euch vorstellen, wie unfassbar süß es ist, einen blonden Menschenzwerg Zitronendimian wispern zu hören???

Vom Salbei zupfte er ein paar Blätter ab und brachte sie in die Küche. Passte schließlich hervorragend zu seinem Kindergericht, hausgemachten, frischkäsegefüllten Teigtaschen. Die hat seine Mama dann halt noch in Salbeibutter geschwenkt. Ähm… ouuukaaay. Ein Abendessen sieht bei uns definitiv anders aus.

Aber wartet – bevor ihr jetzt entnervt das Geschirrtuch schmeißt und euren Kindern ihre Pommes bringt: Der Kleine kann auch anders. Ha! Völlig aufgedreht und übermüdet wehrte er sich lautstark gegen das Zubettgehen. Nein! Ich will …! Nein! Ich will …!, zappelte er in den Armen seines Vaters. Genau wie meine! Ha! Oder? Naja, doch nicht so ganz: Er wollte kein Fernsehen, keine Schokolade. Er hatte auch nicht auf die Schnelle einen unerfüllbaren Traktorspielzeug-Wunsch. Nein. Er wollte sein Lieblingsessen: Avocado mit Leinöl. Ich höre ihn noch kreischen, wie er die Treppen hochgetragen wurde:

Avocaroooo!!! …. Avocarooo!! … Avocarooo! ….Avocarooo …

Ja, so war das und so ist das noch immer. Avocado mit Leinöl. Tss. Hätte ich meine Freundin nicht so lieb, ich würde sie nicht mögen.



Roggen-Buttermilch-Brötchen

Diese wunderbaren, weichen, aromatischen Roggenbrötchen von Stefanie serviert ihr am besten mit Avocado & Leinöl, die ihr, wenn ihr mögt, noch mit feinen Kräutern und Gewürzen (Tomaten- und Zitronenflocken sowie Pfeffer wären recht) bestreut.
Ein Brötchenstempel ist kein Muss, aber definitiv eine Hilfe, wenn es schnell hübsch aussehen soll.

Zutaten für 12 Brötchen

200 g Roggenmehl R960
300 g Weizenmehl W700
230 g Wasser
100 g Buttermilch
10 g Malzmehl
10 g Hefe
10 g Salz
40 g Butter

1. Alle Zutaten in die Rührschüssel der Küchenmaschine einwiegen und mit dem Knethaken 5 Minuten auf langsamer und 8 Minuten auf schneller Stufe kneten.

2. Die Schüssel mit einer Duschhaube oder ähnlichem abdecken und über Nach tin den Kühlschrank stellen.

3. Am nächsten Tag den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und in 12 Teile teilen (im Original sind es 10 Brötchen aus dieser Teigmenge). Jeden Teigling (ohne Mehl!) rund schleifen und mit Schluss nach unten auf die bemehlte Arbeitsfläche setzen.

4. Mit dem Brötchenstempel tief eindrücken (fast ganz durchdrücken). Die eingedrückte Seite in Mehl tauchen und mit dieser eingekerbten Seite nach unten auf ein kräftig mit Roggenmehl bemehltes Tuch setzen. Abdecken.

5. Bei Raumtemperatur etwa 75 Minuten gehen lassen.

6. In der Zwischenzeit den Ofen auf 230 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

7. Die Brötchen mit Schluss nach oben auf zwei mit Backpapier ausgelegte Bleche verteilen. Das erste Blech in den vorgeheizten Ofen schieben. Zuerst 10 Minuten mit reichlich Schwaden anbacken. Nach 10 Minuten die Backofentür für etwa 10 Sekunden weit öffnen, um den Dampf abzulassen. In weiteren 10 – 15 Minuten fertig backen, dabei noch ein oder zwei Mal den Ofen kurz öffnen, damit der Wasserdampf entweichen kann.

8. Beim zweiten Blech genauso verfahren.

Kommentare:

  1. Mmhm, Toastbrot mit Ketchup! Und Backerbsen! Was für Feinschmecker deine Kinder sind! Ich lach mich schlapp.
    Und das bei einer Mama, die SOLCHE Semmerln bäckt. Tssss.

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  2. Ich habe gerade herzhaft gelacht. Und an eine Freundin gedacht, die Kind 1 die ersten zwei Jahre auch ganz zuckerfrei ernährte. Bei Kind 2 war dann die erste "feste" Nahrung ein Löffel Fruchtzwerg, den die große Schwester großzügig mit dem kleinen Geschwisterchen teilte.
    Die Brötchen würde ICH aber durchaus mit Avocado essen - ich freue mich, dass dir das Rezept gefällt!

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    1. Und wie es mir gefällt :-) Danke für deinen Kommentar, liebe Stefanie :-)

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  3. Ahahahaha, ich hau mich ab: jetzt haben deine Kinder eine Mutter, die ich kulinarisch sofort heiraten würd und dann Toast mit Ketchup, sehr cool. Wenns nach meinen gehen würde auch nur Toast, Pizza, Würschtl und Palatschinken... das gibt es immer, wenn der Papa kocht. "Kochen" ist vielleicht der falsche Ausdruck ;-) Achja, und ich mag deine Freundin nicht, egal wie lieb sie ist, aber in der Hinsicht mag ich auch meine beste Freundin nicht, wenn ihre Kinder Hirse-Gemüse-Öko-Öko-Laibchen essen.

    Ich habe meine Große auch bis zum ersten Geburtstag Zucker vorenthalten, der Kleine hat dann mit 7 Monaten eine Packung Manner verdrückt... aber im Allgemeinen habe ich brave Esser, also meistens... lg Uli

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  4. Irgendwie kommen mir diese Geschichten so bekannt vor. Das kann man wirklich nur mit Humor tragen. Und deinen Humor liebe ich, einschließlich der feinen Brötchen.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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  5. Oh die Brötchen sehen ja lecker aus, ich bin immer auf der Suche nach neuen Rezepten (obwohl ich schon so viel Bewährtes habe). Mit Avocado und Leinöl ... lecker!!

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    1. Sowas von köstlich, unbedingte Nachbackempfehlung!!!
      Liebe Grüße!

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Über Kommentare freue ich mich immer. Herzlichen Dank dafür!
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