Donnerstag, 23. Mai 2019

Entpört euch … nicht!?


Kennt ihr diese Schilder, die den Ackerrand so mancher Getreidefelder in unserer Gegend zieren? Hey, glaubt mir, ich bin da auch empfindlich. Auch für mich gibt es nur wenige Dinge, die übler sind als fies stinkende Hundekacke am Schuh. Deshalb bin ich, was die Hinterlassenschaften meines Vierbeiners betrifft, gewissenhaft: Spaziergang? Haufisackerl? Check!
Aber: Wenn ich den durchgestrichenen Hund sehe und die Aufschrift Nicht vergessen, hier wächst dein Essen! lese und knapp dahinter ein überdimensionaler Traktor mit Feldspritze und Pestiziden im Tank vorüberfährt – da komme ich schon ins Grübeln ob der Verhältnismäßigkeit, mit der hier diskutiert wird.

Mir stehen die Haare zu Berge: Österreichische Erdäpfelbauern verlangen eine Aufweichung gesetzlicher Bestimmungen, um Pflanzenschutzmittel einsetzen zu dürfen, die bei uns und EU-weit verboten sind. Echt jetzt? Noch mehr Pestizide? Ist das euer Ernst?

Und dann diese Geschichte mit dem ukrainischen Geflügelkonzern, der seit Jahren die streng reglementierte Importquote der EU für Hühnerbrüste mit einem supertollen Ra-Ru-Rick-Zaubertrick umgeht! Er lässt einfach ein Stück Knochen im Hühnerfleisch zurück – dann wird es als minderwertig eingestuft und darf unbeschränkt in die EU exportiert werden. Dort angekommen, wird der Knochen in einem konzerneigenen Betrieb entfernt und das Fleisch zu einem EU-Produkt. Tada! Im Gegenzug hält der Konzern europäische Tierschutzrichtlinien freilich genau gar nicht ein. Danke sag ich da! Ganz großes Dankeschön auch.

Vor einiger Zeit habe ich im Radio mein derzeitiges Mantra aufgeschnappt: ENTpört euch! Ich flüstere es jedem ins Ohr, der angesichts unseres Luxuslebens hier allzu viel jammert – mir selbst inklusive. Aber hey, ganz ehrlich: Es gibt einfach zu viel, über das man sich aufregen kann. Und wenn sogar tiefenentspannte Yoga-Mamis das Lob des Fluchens propagieren (Hannas grandioser Newsletter dazu ließ sich online leider nirgends finden), dann halt auch ich:

Scheiße!!!

Womit wir wieder beim Anfang wären. Bei der Kacke nämlich, die ordentlich am Dampfen ist. Leute: Ich bin in der Küche, die Welt ein kleines bisschen gerader kochen. Ohne Hühnerfleisch, dafür mit viel ungespritztem Wildkraut aus dem Garten. Hochbiologisch!, würde mein Papa jetzt sagen. Und nach dem Abwasch: Drücken.


Gierschsuppe

Greift zu! Und zwar schnell – sein Gourmetstadium hat der Giersch nämlich fast schon wieder hinter sich. Die jungen Blätter dieser wunderbaren Pflanze gehören zu den ersten, die nach dem Winter geerntet werden können. Dann sind sie leicht und frisch, glänzend und knackig – und mit einer köstlichen Würze ausgestattet!
Das Sammeln ist keine Tragik, denn Giersch wächst überall in Massen! Und auch die Kinder sind gerne bei der Ernte dabei.
Der Sauerrahm macht diese feine Suppe schön rund und säuerlich. Wer mag, ersetzt ihn durch Schlagobers.

Zutaten für 4 Portionen

1 Zwiebel
30 g Butter
1 l Gemüsesuppe
1 große Schüssel voll frisch gepflückter Gierschblätter
30 g Mehl
125 g Sauerrahm
Salz
Pfeffer
Muskatnuss

1. Zwiebel fein hacken.

2. Butter in einem Topf schmelzen und die Zwiebel darin hell anschwitzen.

3. Mit Suppe aufgießen und aufkochen lassen.

4. Gierschblätter verlesen, grob hacken und dazu geben. Etwa 5 - 10 Minuten köcheln lassen, bis Blätter und Stiele gar sind.

5. Die Suppe vom Herd nehmen und mit dem Mixstab fein pürieren.

6. Mehl mit etwas kaltem Wasser glattrühren und in die Suppe geben. Nochmals aufkochen lassen. Den Herd abschalten.

7. Sauerrahm mit etwas kaltem Wasser versprudeln und in die heiße Suppe gießen. Gut einrühren, aber nicht mehr aufkochen, sonst flockt der Sauerrahm aus.

8. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.

9. In Suppentellern anrichten und mit Gierschblättern und Blümchen garnieren.


Dieses Rezept von Marie-Therese Bosse stammt aus dem Buch Zu Gast bei Arche Noah von Gertrud Hartl / Arche Noah, erschienen im löwenzahn Verlag.

Kommentare:

  1. Ich finde es aber auch traurig, dass es diese Schilder überhaupt geben muss. Ich könnte dir da einige unlustige Geschichten erzählen :-(
    Liebe Grüße, Julia

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