Donnerstag, 7. März 2019

Konsumkram


Da lässt sich doch immer wieder ganz hervorragend der Kopf schütteln, wenn man beim Friseur durch die Zeitschriften blättert:

Gleich neben der Rezeptüberschrift Böhmische Honigtorte im Glas ein prominent platzierter Button: mit Honig. Ähm, ooouuukay, auffallend kreativ, die Botschaft.

Oder: Tipp: Mit dem Backpapier von Toppits kleben die Kekse nicht am Blech an. Super! Solche Tipps kann man natürlich immer brauchen.

Und die Braut von heute braucht tatsächlich drei Kleider? Eins fürs Standesamt, eins für die Kirche, eins für die Party? Hurra! Es lebe die Konsumgesellschaft!

Aber dann das: Eine Homestory über eine strahlende Jungmami und ihr supersüßes, superkleines Baby, daneben der stolze Vater, alle top gepflegt und gestylt, vermutlich sogar die Babyakne weg retuschiert. Daneben der Satz: TOTAL VERLIEBT – Sila (Ohrringe: Aigner) und Samuel können kaum die Augen von ihrem Sohn lassen.


Ehrlich: Hätte man mir diese unendlich intensiven und zarten Momente in den ersten Tagen nach der Geburt eines meiner Kinder so unfassbar grob und klotzig durch eine Werbeunterbrechung ruiniert, ich wäre wohl ein wenig, ähm, ausfällig geworden.

Die Friseurin übrigens war von meinem permanenten Kopfschütteln ähnlich genervt wie ich von diesen lähmenden Glitzer-Glamour-Konsumkram-Reportagen. Haareschneiden und Kopfschütteln, das passt nicht zusammen, schon klar. Könnte aber durchaus auch als Plädoyer für anständiges Lesematerial verstanden werden, oder?

Dort, wo alles glitzert und funkelt, […], ist es tatsächlich besser, nicht mehr zuzuhören.
Konrad Paul Liessmann



Wurzelkinder mit Sauerkraut

Da braucht es jetzt was Bodenständiges: Brot mit Sauerkraut. Da glitzert nix, da funkelt nix. Es schmeckt einfach nur gut.
Das Lutz’sche Rezept für seine Sauerkraut-Zwirbel habe ich ein wenig abgeändert. Statt Ruchmehl habe ich Kamutmehl verwendet, das Wasser ein wenig reduziert und kleine Wurzelkinder statt großer Zwirbel daraus gemacht.

Zutaten für 4 Stück

250 g helles Kamutmehl
60 g Kamutvollkornmehl
175 g kaltes Wasser
2,5 g Frischhefe
25 g Roggen-Anstellgut aus dem Kühlschrank
4 g Salz
75 g Sauerkraut, abgetropft

1. Am Abend alle Zutaten bis auf das Sauerkraut in die Rührschüssel der Küchenmaschine einwiegen und mit dem Knethaken 5 Minuten auf niedrigster und 8 Minuten auf zweiter Stufe verkneten. Abgetropftes Sauerkraut dazugeben und weitere 2 Minuten auf zweiter Stufe kneten.

2. Den Teig abdecken und 1 Stunde bei Raumtemperatur gehen lassen.

3. Den Teig auf die bemehlte Arbeitsfläche kippen und vierteln. Jedes Teigstück in die Länge ziehen und dann mit viel Mehl in sich verdrehen.

4. Teiglinge auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen, abdecken und über Nacht (für etwa 12 Stunden) im Kühlschrank gehen lassen.

5. Am Morgen das Backrohr auf 250 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

6. Die Teiglinge direkt aus dem Kühlschrank in den vorgeheizten Ofen schieben und mit Schwaden anbacken. Nach 10 Minuten die Ofentüre für einige Sekunden weit öffnen, um den Dampf abzulassen, gleichzeitig die Temperatur auf 220 °C reduzieren.

7. Die Backofentür wieder schließen und die Wurzelkinder in weiteren 15 - 20 Minuten fertig backen. Eventuell die letzten Minuten des Backvorganges einen Kochlöffelstiel in die Ofentüre klemmen, damit der restliche Dampf entweichen kann und die Wurzelkinder noch knuspriger werden. Die gesamte Backzeit beträgt 25 – 30 Minuten.

Tipp: Wer mag, gibt gemeinsam mit dem Sauerkraut noch 40 g in kleine Würfel geschnittenen und bei mäßiger Hitze knusprig angebratenen Speck zum Brotteig.

Kommentare:

  1. Da lobe ich mir deine bodenständigen Sauerkraut-Wurzelkinder, da weiß ich, was ich habe. Eine köstliche Brotmahlzeit!!!
    Liebe Grüße
    Sigrid

    AntwortenLöschen
  2. Da kann ich dir nur recht geben! Seit unserer Reise ist uns erst richtig bewusst mit wie wenig man auskommt und glücklich ist... Lg, Julia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Glücklich, wer das erkennt - weniger ist halt manchmal einfach mehr :-)
      Alles Liebe!

      Löschen
  3. Also ich tausche alle meine nicht vorhandenen Aigner-Ohrringe gegen die Wurzelbrote mit dem Sauerkraut. Und für die Hochzeit hab ich auch nur ein Kleid gehabt, wohlweislich eines, das man danach noch anziehen kann. Ich bin auch in den romantischsten Momenten meines Lebens praktisch veranlagt ;-) Die Brotln schauen verlockend aus, kommen gleich auf meine Liste. glg Uli

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wie schön ;-)
      Und ich hatte übrigens auch nur eins!
      Liebe Grüße :-)

      Löschen

Über Kommentare freue ich mich immer. Herzlichen Dank dafür!
Hinweis: Mit dem Abschicken deines Kommentars erklärst du dich damit einverstanden, dass der von dir geschriebene Kommentar sowie personenbezogene Daten, die damit verbunden sind (beispielsweise Username, Mailadresse, IP-Adresse), an Google-Server übermittelt werden.
Mehr Informationen dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.