Donnerstag, 18. Oktober 2018

Vüle Hönde, schnölles Önde


Ehrlich, wäre ich genötigt, einen Wordrap über mich ergehen zu lassen, bei zumindest einer Frage käme die Auflösung aus mir heraus geschossen wie der Pfitzipfeil aus dem Bogen des Minimädels:

Welcher Spruch aus deiner Kindheit hat dich am meisten geprägt?

Pfoooooo … schon wäre sie da die Antwort, die Reaktionszeit läge bei Null, wohlgemerkt, wir reden hier nicht von etwaigen Nachdenk-Sekundenbruchteilen oder anderweitigen Mini-Verzögerungen knapp um die Nachweisgrenze, wir reden von: Null. 


Vüle Hönde, schnölles Önde.


Viele Hände, schnelles Ende – im Sprachgebaren meiner Oma mit merkwürdigen Üs und Ös versehen – war ein Satz, den ich als Kind wirklich oft gehört hab. Beim Rüben vereinzeln, beim Stroh pressen, beim Äpfelklauben. Sie hatte recht, meine Oma. Beim Zusammenhelfen teilt man nicht nur die Arbeitslast unter mehreren auf, man rückt auch so zusammen. Und so oft es mich auch als Kind und in meiner Jugend angeödet hat – das Zusammengehörigkeitsgefühl, der Stolz auf das Geschaffte und die gemeinsam getane Arbeit waren danach stets größer als der Ärger um die Plackerei.

Vor einigen Wochen lud mein Bruder mit genau diesen Worten meiner Oma zum gemeinsamen Äpfelklauben ein. Den ganzen Tag lang streiften wir rund um unser Elternhaus und sammelten Früchte verschiedenster Sorten ein: Süße, rotbackige, kleine Kinderäpfel, riesenhafte Strudeläpfel, Mauthausner Lemoni, superhübsche, hellgrüne, namenlose Äpfel mit pinkfarbenen Bäckchen - die Apfelvielfalt, die sich dabei offenbarte, ist einzigartig.

Früher hat mein Vater, wie es sich für einen Mühlviertler Bauern gehört, den Apfelsaft noch selbst gepresst, um daraus Most zu machen. Der wunderbare Geschmack des ersten Süßmostes, der frisch und so fruchtig aus der Presse kam, liegt mir noch heute auf der Zunge. Über die Pressrückstände freuten sich unsere Pferde und die Rehe im Wald.

Heute lassen wir pressen – und bringen dafür unsere Äpfel zum Pankrazhofer, einem Bauern ein paar Orte weiter. Dort verwandelt sich das eingesammelte Obst in Nullkommanix in klaren, köstlichen Apfelsaft und ist nur kurze Zeit später in Beutel abgefüllt wieder am Hänger. Der Apfelsaftvorrat fürs nächste Jahr ist gesichert!



Lustigerweise war eine Woche später, Ende September, bei genau diesem Pankrazhofer ein Bloggerevent angesetzt, zu dem ich eingeladen war. Die kurze Anfahrtszeit (5 Minuten, ha!) und das Thema – Blog trifft Apfel – haben mir gefallen. Anlass zum Event war der erste Geburtstag des Ernährungsblogs des Landes Oberösterreich – Schmeck’s. Und der Name war Programm: Wir haben Äpfel gesammelt (das hab ich, ich geb’s zu, den jungen Bloggermädels ohne – so vermute ich - bäuerlichen Background überlassen), daraus Saft gepresst und Moste, Essige und Senfspezialitäten verkostet. Danach ging’s einige Kilometer weiter durch die sanfte Hügellandschaft des Mühlviertels (was bin ich stolz auf meine Heimat) zur Rosi in die Bauernkrapfen-Schleiferei, wo wir Krapfen gebacken und Apfel-Karotten-Marmelade eingekocht haben. Abends durften wir noch den Ausführungen meiner Ernährungswissenschafterkollegin Marlies Gruber lauschen, die über Ernährung zwischen Trend, Tradition und Klicks referierte. Ihr Appell an uns Blogger hat mir gefallen, uns unserer Verantwortung im Hinblick auf die Verbreitung von Inhalten bewusst zu sein. Ich fasse zusammen: Das großartige und großzügige Organisationsteam darf sich auf die Schulter klopfen, es war ein rundum gelungener Tag. Dankeschön!



Apropos „uns Blogger“: Mehrere Male an diesem Tag habe ich mich angesichts der vielen jungen Gesichter mit ständiger Selfie-Bereitschaft und stets gezücktem Smartphone gefragt, was ich hier eigentlich mache. Warum ich überhaupt blogge. Und ob das meine Welt ist. Die Antwort darauf kam nicht aus mir heraus geschossen wie der Pfitzipfeil vom Minimädel. Und irgendwie lässt sie immer noch auf sich warten.

Versüße ich mir halt das Warten, kein Kuchen ist schließlich auch keine Lösung.



Apfelbrownies

Na gut, Brownies sind das nicht wirklich. Woher dann dieser Name? Keine Ahnung und auch ziemlich egal – sie schmecken ganz vorzüglich.

Zutaten für eine rechteckige Kuchenform oder ein kleines, tieferes Blech (etwa 20 x 28 cm) oder – noch besser – eine entsprechend große Apfelform

125 g Butter
150 g Mehl
1 TL Zimt
½ TL Backpulver
¼ TL Natron
1 Prise Salz
150 g Zucker
1 EL Vanillezucker
1 Ei (L)
4 mittelgroße, feste Äpfel (etwa 500 g)
60 g gehackte Walnüsse

1. Butter schmelzen und überkühlen lassen.

2. Mehl mit Zimt, Backpulver, Natron und Salz vermischen.

3. Zucker, Vanillezucker, Ei und geschmolzene Butter etwa 2 Minuten lang hellschaumig rühren.

4. In der Zwischenzeit den Ofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen und eine Kuchenform fetten.

5. Die Äpfel schälen, entkernen und in etwa 1 cm große Würfel schneiden.

6. Apfelwürfel, Walnüsse und Mehlmischung zur Eier-Butter-Mischung geben und von Hand grob untermengen.

7. Den Teig in die gebutterte Form füllen und im vorgeheizten Ofen etwa 40 Minuten backen.


Ein Rezept von Martha Stewart.

Bildquelle: Alle Bilder im Querformat – Land Oberösterreich/KRAML.

Kommentare:

  1. Warum du bloggst? Weil du und dein Blog ein wunderbares Gegengewicht zu den vielen jungen "Hüpfern" sind, die mehr Schein als Sein zu bieten haben. :-)

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  2. Was mir jetzt gerade dazu einfällt: Host auch noch so vüle Hönde, es gibt auch Nüsse ohne Önde.

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    1. Pfoooo ... und immer noch kein Önde in Sicht, gell, Bruderherz?? ;-)))

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  3. Ein schöner Spruch, mir gefällt es, wenn die alten Weisheiten ins neue Zeitalter mitrutschen. Mach dir nichts draus, ich gehöre auch nicht in diese Selfie-Generation - der Blog ist einfach eine herrliche Plattform für jeden Kreativen.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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    1. Ja, schön und wahr ...
      Wie recht du hast, liebe Sigrid :-)))

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  4. Liebe Maria,
    die Frage, warum ich blogge, habe ich mir schon sooo oft gestellt :-) ! Meine Familie lacht jedes Mal herzlich, wenn ich verkünde, dass ich mit dem Bloggen aufhöre. Die Phase hält nie lange an :-) .
    Ich finde deinen Blog wunderschön und mag deine Texte. Ich freue mich, dass ich dich durch das Schmeck´s-Event kennengelernt habe :-) ! Das ist für mich ein weiterer Grund, weiter zu bloggen: Man lernt viele nette Leute kennen :-) !
    Liebe Grüße aus Wels!
    Eva von ichmussbacken.com

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    1. Das stimmt, liebe Eva! Ich freu mich auch :-)
      Bei dir drüben gefällts mir übrigens auch! Danke fürs Vorbeischauen und Mitreden ...
      Alles Liebe!

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  5. Liebe Maria,
    diese Frage stelle ich mir nicht: Ich mach das gern, also tu ich es. Und dabei könnte ich deine Mama sein vom Alter her. ;)
    Bloggen ist so wie Kuchen backen: Man kann sich Kuchen auch kaufen oder schenken lassen, aber man macht es dann doch gern selber. :)

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    1. Magst du mir nicht ein bissl was von deinem Pragmatismus ausleihen? Super find ich das :-)
      Alles Liebe!

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