Samstag, 6. Oktober 2018

Die Sache mit dem schiachen Obst und Gemüse


Der Drang der Menschheit, die Natur zu verändern, er treibt kuriose Blüten. Blüten, aus denen dann skurrile Früchte erwachsen, wie etwa quadratische Wassermelonen, Äpfel in Herzform, Totenkopf-Kürbisse oder Buddha-Birnen. Die Buddhas mit ihren Birnen-Bäuchen sind zwar ebenso niedlich wie die Birnen mit ihren Buddha-Bäuchen, aber: Muss das denn sein, Plastik zu produzieren, das Buddhas produziert? Noch mehr Plastik? Für sowas?


Das ist doch verrückt: Obst und Gemüse, das zu unperfekt ist für unsere schöne, neue, globalisierte Welt, das zu klein ist, zu groß, zu unförmig, zu verbogen oder mit zu vielen Dellen, es wird weltweit bedenkenlos aussortiert und weggeworfen, in ganz großem Stil. Auf der anderen Seite betreiben wir großen Aufwand, damit unser Essen putzig und lustig ist und uns neben seinem Nährwert auch noch mit Unterhaltungswert beliefert.



Ach, lassen wir doch die Natur einfach mal, die macht das ganz von selbst. Und schüttelt in eindrucksvoller Regelmäßigkeit die wundersamsten Wunderlinge aus ihrem Weltenärmel in unsere Gärten hinein: Karottenliebespaare, Tomatenherzen, Kartoffelkätzchen – die Natur steckt voller Überraschungen. Wir müssen einfach nur warten können und geduldig sein – und dankbar. Warum? Das erfahrt ihr gleich. Zuvor möchte ich noch ein wenig wissenschaftlich werden. Darf ich? Ja? Dann aufgepasst, ich erzähle euch etwas von den so genannten Salvestrolen:

Das sind sehr interessante Pflanzenstoffe, die derzeit intensiv durchleuchtet werden. Federführend dabei ist der Krebsforscher Prof. Dan Burke, der die Salvestrole als den größten Durchbruch auf dem Gebiet der Ernährung seit der Entdeckung der Vitamine bezeichnet. Dringen sie nämlich in Krebszellen ein, so werden sie durch ein dort befindliches Enzym derart verändert, dass sie für die Krebszelle toxisch wirken und diese dann abgetötet wird. In gesunden Körperzellen hingegen zeigen sie keinerlei zellschädigende Wirkung.


Salvestrole sind Schutz- und Abwehrstoffe, die ausschließlich in Pflanzen gebildet werden. Sie helfen ihnen, sich gegen Bakterien, Schimmelpilze, Viren oder auch gegen Umwelteinflüsse wie Hagel oder Frost verteidigen zu können. Der oft bittere oder scharfe Geschmack der Salvestrole schützt die Pflanze außerdem vor Fressfeinden.
Aber was tut der Mensch? Er setzt Pestizide ein, um Krankheiten, Schädlinge und Unkraut aus der Landwirtschaft fern zu halten, weshalb die Pflanze nicht mehr gezwungen ist, sich selbst zu schützen. Und er züchtet unangenehme Geschmacksnoten wie bitter oder scharf aus vielen Obst- und Gemüsesorten heraus, um sie massentauglicher zu machen. Beides hat dazu geführt, dass der natürlich hohe Salvestrolgehalt in Pflanzen verloren ging.

Die aufgenommenen Mengen an Salvestrolen in der herkömmlichen westlichen Ernährung sind also heutzutage so gut wie vernachlässigbar, was schade ist und vermutlich auch ein bissl ungesund. Aber zum Glück gibt es Ausnahmen: In biologisch angebauten Lebensmitteln, in alten Sorten, in kleinen, unperfekten Früchten mit äußeren Mängeln – dort finden sich immer noch hohe Mengen dieses Pflanzenstoffs. Schiaches Obst und Gemüse – es gleicht offenbar sein nicht ganz so glanzvolles Äußeres durch eine besonders hohe innere Wertigkeit aus. Das ist doch schön zu wissen …


Karottenkuchen

Ein wunderbares, elegantes, unbedingt gewürzfrei zu haltendes Kuchenrezept aus Österreich vegetarisch, das einen guten, saftigen, dabei aber gar nicht speckigen Karottenkuchen hervorzaubert. Die originale Zubereitung ist ein wenig aufwändig, weshalb ich mir kleine Änderungen erlaubt habe, beispielsweise habe ich die Eiercreme nicht über Dampf aufgeschlagen. Auch das Kirschwasser habe ich weggelassen – wer es zufügen mag: 1 – 2 cl bitteschön!

Zutaten für eine Kastenform (etwa 25 cm)

Für den Kuchen
3 Eier
1 Dotter
120 g Kristallzucker
80 g Mehl
40 g Speisestärke
1 TL Backpulver
200 g geschälte, fein geriebene Karotten
50 g Staubzucker
Schale von ½ Zitrone
100 g gemahlene Mandeln
50 g gemahlene Walnüsse
100 g zerlassene Butter

Zum Bestreuen
Staubzucker

1. Den Ofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

2. Eier, Dotter und Kristallzucker hell schaumig aufschlagen.

3. Das Mehl mit Speisestärke und Backpulver mischen.

4. Karotten, Staubzucker, Zitronenschale, Mandeln und Walnüsse sowie die geschmolzene Butter unter die Eiercreme ziehen.

5. Die Mehlmischung darüber sieben und unterheben.

6. Die Kastenform mit Backpapier auslegen.

7. Den Teig einfüllen und glattstreichen.

8. In den Ofen geben und in etwa 50 – 60 Minuten goldbraun backen. Stäbchenprobe!

9. Den Kuchen aus dem Ofen nehmen, 5 Minuten überkühlen lassen und dann auf ein Kuchengitter stürzen. Vollständig auskühlen lassen.

10. Mit Staubzucker bestreuen.

Nach einem Rezept aus dem Buch Österreich vegetarisch von Katharina Seiser und Meinrad Neunkirchner.

Kommentare:

  1. Liebe Maria,
    durch deinen wunderbaren Post bin ich gleich ins Nachdenken gekommen. Ich freue mich immer, wenn ich mit der Nase auf die Vielfalt und Selbstheilungskräfte unserer herrlichen Natur gestupst werde. Hab vielen Dank dafür.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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  2. die 2 verliebten Karotten sind allerliebst!!
    und danke für den wissenschaftlichen Exkurs, lg

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Über Kommentare freue ich mich immer. Herzlichen Dank dafür!
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