Donnerstag, 2. August 2018

Regional war gestern


Der neueste Trend heißt: Mikroregionalität. Foodies pfeifen auf Österreich als Region – viel zu unübersichtlich, viel zu weit weg. Ihr Essen soll aus der unmittelbaren Nähe kommen, am besten vom Nachbarn und sowieso immer aus erster Hand. Eine Entwicklung, die gut ist, die Bewusstsein schafft, die Konsumenten und Produzenten wieder zusammenbringt. Die auch Erfolg hat, betrachtet man beispielsweise die Kundenfrequenz bei Grünhilde*: Hier gibt es nicht alles, aber vieles, was das Herz begehrt – und das von Bauern und Herstellern aus einem Umkreis von nur 30 km. Die Produktvielfalt kann sich sehen lassen.




Gäbe es so ehrgeizige Projekte wie Grünhilde nicht, dann wäre eine mikroregionale Lebensmittelbeschaffung aber auch ganz schön anstrengend – vor allem mit drei kleinen Kindern. So ehrlich muss man sein. Ein Vorschlag zur Güte: Mikroregionalität nicht als 100%-Marke sehen, sondern dort für sich einnehmen, wo es gut möglich ist. Und Wildpflanzen entdecken! Die sind sowas von mikroregional, mehr geht ja schon gar nicht mehr. Außerdem sind die Kinder begeistert bei der Sache, wenn es darum geht, Zutaten für ihr Essen selbst zu sammeln. Und schmecken tut es obendrein.


Rotklee-Knusperwaffeln mit Waldhimbeeren

Das Minimädel hat mir diese veganen Waffeln buchstäblich aus der Hand gerissen, so gut haben sie ihr geschmeckt. Wie schön! Ein wenig enttäuscht war ich allerdings, als ich das Ergebnis der Rotkleeblütensahne musterte … Von fluffiger, standfester Sahnekonsistenz wie auf der Rezeptabbildung keine Spur – was mich im Nachhinein aber eigentlich eh gar nicht wundert, denn von der Zutatenliste her kann da ja nur ein Pudding herauskommen … Da war ich einfach zu naiv. Geschmeckt hat die Creme trotzdem, wir haben die Waffeln halt eingetunkt.
Ein kleiner Aufruf an alle KochbuchautorInnen da draußen: Bitte mehr Augenmerk darauf legen, dass Fotografien und Rezepte auch zusammenpassen! Das sollte ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein …

Zutaten für 4 Portionen

2 Handvoll Rotkleeblütenköpfe

Für die Rotkleeblütencreme
75 ml Mandelmilch
2 TL Agar-Agar-Pulver
5 TL Maisstärke
2 EL Agavensirup
1 Prise Salz
325 ml Kokosmilch
Zucker nach Geschmack
etwas Himbeerpulver, Kirschsaft oder Rote-Rüben-Saft

Für die Waffeln
500 g Mehl
150 g Braunzucker
2 EL Backpulver
¼ TL Salz
3 EL Rapsöl
500 ml Hafermilch
100 ml sprudelndes Mineralwasser

Außerdem
etwas Rapsöl zum Ausbacken
Waldhimbeeren
Staubzucker zum Bestäuben
Rotkleeblüten zum Dekorieren

1. Den Rotklee ausschütteln und die Blüten aus den Köpfen zupfen.

2. Für die Creme Mandelmilch, Agar-Agar, Maisstärke, Agavensirup, Salz und Kokosmilch in einem Topf glattrühren, aufkochen und bei milder Hitze etwa 5 Minuten lang köcheln lassen. Die Oberfläche der Creme mit Frischhaltefolie abdecken, abkühlen lassen und für mindestens 1 Stunde (besser noch über Nacht) in den Kühlschrank stellen.

3. Wenn die Creme fest geworden ist, mit dem Handmixer glattrühren (wie Sahne aufschlagen, das funktioniert leider nicht …). Nach Geschmack süßen und die Hälfte der ausgezupften Kleeblüten unterheben. Für eine leicht rosa Färbung, die hier ja besonders gut passt, etwas Himbeerpulver, Kirschsaft oder Rote Rüben-Saft dazu geben.

4. Für die Waffeln das Mehl mit dem Braunzucker, Backpulver, Salz, Rapsöl, Hafermilch und Mineralwasser glattrühren, bis ein homogener, leicht fließender Teig entstanden ist. Die restlichen Kleeblüten unterziehen.

5. Das Waffeleisen erhitzen und mit Rapsöl bepinseln. Den Teig darin portionsweise zu knusprigen Waffeln ausbacken. Auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.

6. Die Waffeln auf einem Teller mit der Kleeblütencreme anrichten. Waldhimbeeren darüber purzeln lassen. Wer mag, bestreut noch mit Staubzucker und dekoriert mit weiteren Rotkleeblüten.


Nach einem Rezept aus dem Buch Superfood Heimische Wildpflanzen von Karin Greiner, erschienen im Ulmer Verlag.

*KEINE bezahlte Werbung.

Kommentare:

  1. Manchmal finde ich es schon viel, was der Verbraucher alles leisten soll (Mikroregionalität) - gerade im Vergleich dazu, was die Politik alles nicht leistet...
    Aber sich aus unmittelbarer Umgebung gute Lebensmittel in die Küche zu holen, sollte eigentlich der gesunde Menschenverstand vorschreiben - wenngleich wohl auch nicht alle Gegenden so fruchtbar sind wie unsere ...
    Und noch zu halbfundktionierenden Rezepten aus Kochbüchern: tja, kann dir mit einem Foodblog selten passieren (also zumindest nicht bei den alten Hoomies ;-)

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    1. Genau, deswegen koche ich schon mehr aus Blogs als aus Büchern!!!
      Alles Liebe! :-)

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  2. jetzt war ich gespannt, was nach dem Titel kommt... Produkte und Pflanzen aus der näheren Umgebung wären natürlich das idealste, nur in der Großstadt nicht wirklich verwirklichbar, leider.
    Wo hast du nur den hübschen Teller her?

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    1. Flohmarktfundstück, hat mir mein Vater mitgebracht, fesch, gell??? :-D

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  3. Mikroregionalität? Coole Sache, dass es nun ein Wort für das gibt, was wir schon seit Jahren völlig undogmatisch praktizieren. Wir haben es immer "Je näher, desto besser" genannt. :-)

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  4. Wieder ein neues Wort gelernt. Es klingt großartig - kleine Taten, die zählen. Ich gehe dann mal in den Garten und fröne meiner Mikroregionalität.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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  5. Ich finde den Leitsatz gut - nicht immer wird es gelingen können,doch jeder bewusste Gedanke über das was wir tun ist ein Gewinn. Im Allgemeinen und im Speziellen. Alles Liebe, Eva

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    1. Ich glaube auch, dass jeder Schritt zählt - und sei er noch so klein ... Irgendwie muss da ja was dran sein! Alles Liebe!

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Über Kommentare freue ich mich immer. Herzlichen Dank dafür!
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