Mittwoch, 22. August 2018

Nervositäten


Im Juni 2017 hat der Europäische Gerichtshof in einem Urteil entschieden, dass Bezeichnungen wie Milch, Käse, Butter oder Joghurt nicht für pflanzliche Produkte verwendet werden dürfen. Interessanterweise auch dann nicht, wenn zusätzliche erklärende oder beschreibende Begriffe wie Veggie, pflanzlich, Vegan oder Soja auf der Verpackung aufscheinen. Argumentiert wird vielfältig, vor allem aber mit dem Schutz des Verbrauchers vor Irreführung und Täuschung.

Moment mal … echt jetzt? Wie passt das denn zusammen mit dem Leitbild des aufgeklärten und informierten Verbrauchers? Nun müssen wir also geschützt werden vor Bezeichnungen wie Mandelmilch oder Veggie-Käse, weil nicht davon ausgegangen werden kann, dass der durchschnittliche Konsument versteht, was er kauft, wenn er sich für Produkte wie diese entscheidet? Hey, das nehm ich persönlich!




Und überhaupt: Die kritische Stimme in mir, sie traut dem scheinheiligen Gerede um Verbraucherschutz und Konsumenteninteressen nicht mehr so recht. Plausibler muten mir da ganz andere Interessen an, wirtschaftliche nämlich. Aber spannend: Es klingt auch ein wenig nach Nervosität. Immerhin, es geht um was: Im Jahr 2004 betrug der Umsatz der europäischen Milchindustrie stattliche 117 Milliarden Euro! Da steht also einiges auf dem Spiel, vor allem, wenn man sich die Wachstumsraten der pflanzlichen Alternativen ansieht. Die sind so spektakulär, davon kann der Milchsektor nur träumen. Und ihr Weg führt weiter steil bergauf.

Eh klar, wenn die Cashcow zur Cashew Cow wird, dann muss man was machen. Erst kürzlich wieder hat die European Dairy Association (EDA) ein Positionspapier herausgebracht mit Richtlinien zum Schutz der Bezeichnung von Milchprodukten. Milch kommt von Melken! Milch kommt vom Euter!! Keine Milchbezeichnungen für pflanzliche Produkte!!! Herrschaftszeiten noch einmal, ist das denn so schwer?

Ich muss schmunzeln. Wenn die wüssten, dass mir der Beutel, mit dem ich meine Pflanzenmilch herstelle, wie ein prall gefülltes Euter vorkommt. Wenn die wüssten, dass es mich ans Melken erinnert, wenn ich ihn knete und drücke. Wenn die wüssten, dass ich an Milch denke, wenn ich dann glückselig davon trinke.



Kürbiskernmilch

Am 22. August ist World Plant Milk Day. Ein guter Anlass für ein Pflanzenmilchrezept! Kürbiskernmilch hat eine sehr fesche, fast blaugrüne Farbe, eine sämige Konsistenz und schmeckt ganz wunderbar – sogar dem Minimädel! We like!

Zutaten für etwa 400 – 500 ml

100 g ungesalzene Kürbiskerne
2 Datteln
400 ml Wasser
1 Prise Salz
½ TL Vanille-Extrakt

1. Die Kürbiskerne und die Datteln über Nacht in ausreichend Wasser einweichen.

2. Am nächsten Tag gut abtropfen lassen und mit dem Wasser, Salz und Vanille in den Mixer geben.

3. Etwa 2 Minuten lang auf höchster Stufe pürieren.

4. Das entstandene Püree durch einen Nussmilchbeutel oder ein feines Tuch in ein größeres Gefäß seihen. Vorsichtig den Kürbiskerntrester ausdrücken, bis alle Flüssigkeit herausgepresst ist.

5. Die Kürbiskernmilch im Kühlschrank aufbewahren, hier hält sie sich einige Tage. Vor dem Genuss gut schütteln!

Kommentare:

  1. Was hab' ich jetzt gelacht! Ich mag gesund Empörung, wirklich. Danke, Maria, danke. Gruss Bea

    AntwortenLöschen
  2. Jaha....aber wir dürfen weiter Formvorderschinken kaufen, oder wie das Zeug heißt. Da wäre Verbraucherschutz wohl eher angebracht....

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dein Wort in Gottes Ohr, liebe Susanne ... oder in wessen Ohr wohl besser??? :-)

      Löschen
  3. Der Kokosmilch wirds egal sein- aber was machen wir mit Bärchenwurst und Kindermilch :-D Egal, ich danke dir für das tolle Rezept, DAS muss ich sofort probieren und sieht ganz nach meinem Geschmack aus!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey ... HEY!!! Du wieder hier, du wieder am Bloggen? Ach, wie ich mich freue, willkommen zurück, du liebe!!! :-))))

      Löschen

Über Kommentare freue ich mich immer. Herzlichen Dank dafür!
Hinweis: Mit dem Abschicken deines Kommentars erklärst du dich damit einverstanden, dass der von dir geschriebene Kommentar sowie personenbezogene Daten, die damit verbunden sind (beispielsweise Username, Mailadresse, IP-Adresse), an Google-Server übermittelt werden.
Mehr Informationen dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.