Samstag, 11. August 2018

Megatrend Tierwohl


Für den dritten Ernährungsreport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wurden 1000 Deutsche zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Unter anderem gaben 90 % der Befragten an, sie wären bereit, für mehr Tierwohl höhere Preise für Lebensmittel zu bezahlen. Oh wie schön! Einfach vorbildlich! Ein ähnliches Bild hätte vermutlich auch eine Befragung in Österreich ergeben.
Allerdings: Wohin verschwindet sie eigentlich, diese Bereitschaft von 90 % der Konsumenten, wenn sie dann wirklich an der Kasse stehen? Wenn keiner zusieht, keiner fragt? Möglicherweise wird sie vertagt aufs nächste Mal. Oder sie verpufft im Nirgendwo. Denn die Wahrheit im Einkaufswagen, die sieht ganz anders aus.


Die Wissenschaft hat für dieses Phänomen sogar einen Namen: Kognitive Dissonanz. Der Zustand der kognitiven Dissonanz ist unangenehm, aber wir Menschen halten das aus. Wir sind wahre Meister im Verdrängen, so schnell macht uns das keiner nach. Im vergangenen Jahr wollte zum Beispiel ein geschäftstüchtiger Bauer bei uns im Ort einen großen, industriellen Hühnermastbetrieb errichten. Was haben sich die Leute gewehrt! Ein halber Volksaufstand war das! Woraufhin der Bürgermeister den Bau gestoppt und das Projekt abgeblasen hat. Der Stall wird nun woanders aufgestellt. Und das billige Hendl aus diesem Stall, es wird gekauft werden. Ist ja schließlich aus der Region.



Und ihr, ihr Handelsfirmen, was ist das eigentlich mit eurem Tierwohlaktivismus? Ein Megatrend, der sich gut verwerten lässt, nicht wahr? Die Weltrettung, sie ist doch ein äußerst profitables Geschäftsmodell. Schweine auf Stroh? Die Kühe tagtäglich auf der Weide? Alle gesund, artgerecht ernährt und gut drauf? Hey, ich weiß, dass es viele, viele Bauern gibt, denen das Wohl ihrer Tiere am Herzen liegt. Dafür brauche ich keine Logos am Produkt und auch keine plakative Werbung. Aber solange es zentrierte Schlachthäuser mit schlecht bezahlten Akkordarbeitern, ständige Ausnahmeregelungen vom Verbot der Anbindehaltung bei Milchkühen, das Entfernen von Zähnen, Schwänzen und Hoden bei Schweinen ohne Betäubung gibt, ja solange es Ställe mit Spaltenböden gibt und Tiere, die nie in ihrem Leben nach draußen dürfen (jaha, jetzt mach ich‘s mir einfach, gell?), solange glaube ich euch KEIN WORT.

If slaughterhouses had glass walls everyone would be vegetarian.
Sir Paul McCartney



Ich entschuldige mich an dieser Stelle nicht für meinen Zynismus. Man muss zynisch werden in dieser Welt, so traurig es ist. Weil es so traurig ist. Die Bilder von vorletzter Woche sitzen mir noch immer in den Gliedern, heimlich gefilmte Schlachthausszenen von unglaublicher Brutalität, bei denen ich den überwältigenden Impuls verspürt habe, durch den Fernseher zu springen und den Mann dort mit aller Kraft niederzuwerfen, bis seine Knochen brechen und ihm dann noch eins über den Schädel zu ziehen, wie er es gerade bei dem kleinen Schäfchen gemacht hat, dem die Verzweiflung eingegeben hatte, sich zu wehren. Warum nur muss so etwas sein? Warum ist es nicht genug, diesen unschuldigen Tieren das Leben zu nehmen, an dem sie genauso hängen wie wir? Warum müssen sie dazu auch noch geschlagen, gequält und misshandelt werden? So etwas kann ich nicht begreifen und die Hoffnung auf Veränderung, ach, sie scheint weiter weg denn je. Da kann ich mit anderen Gleichgesinnten den Konsum von billigst produziertem Fleisch verweigern, solange ich will, da kann Astrid Lindgren Spaß für ihre Kühe fordern, so laut sie mag: Manchmal glaube ich, wir Menschen sind einfach zu dumm für diese Welt.



Wir brauchen nicht so fort zu leben, wie wir gestern gelebt haben. Macht euch von dieser Anschauung los, und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein.
Christian Morgenstern



Mühlviertler Feuerflecken mit Eierschwammerln & Lauch

Feuerflecken, das ist die Mühlviertler Antwort auf Flammkuchen. Sie sind so unglaublich köstlich, dass ich davon nur sehr, sehr schwer genug kriegen kann. Feuerflecken lassen sich wunderbar mit den verschiedensten Belägen variieren. Sie schmecken aber auch einfach nur in Stücke gerissen oder eingerollt und in den Knoblauchrahm getunkt ganz hervorragend.
Ihren Ursprung haben die Feuerflecken in der Tradition des Brotbackens: Sie wurden früher dazu genutzt, um die Temperatur des Holzbackofens vor dem Brotbacken einschätzen zu können (ihr Name kommt vom noch nicht ausgeloderten Feuer). Andere Quellen weisen auf ihre Funktion als Resteverwertung von kleinen Brotteigmengen hin, die keinen ganzen Laib mehr ergaben.
Heute bäckt man sie in der Pfanne, früher wurden die Teigfladen einfach auf die heiße Herdplatte gelegt.

Zutaten für etwa 5 Stück

Für den Teig
150 g Roggenmehl T960
100 g glattes Weizenmehl
20 g weiches oder geschmolzenes Butterschmalz
125 g lauwarmes Wasser
1 TL Salz
10 g frische Hefe (oder ½ Packung Trockengerm)

Für den Knoblauchrahm
2 – 3 Knoblauchzehen
125 g Crème fraîche
125 g Sauerrahm
Salz
Pfeffer

Zum Belegen
500 g Eierschwammerl
Salz
Pfeffer
Thymian
1 Stange Lauch

Außerdem
Pfeffer aus der Mühle
frische Thymianzweige

1. Alle Zutaten für den Teig in die Küchenmaschine geben und mit dem Knethaken bei mittlerer Geschwindigkeit etwa 5 Minuten lang zu einem eher festen, glatten Teig verkneten. Den Teig abdecken und an einem warmen Ort etwa 1 Stunde ruhen lassen.

2. Den Teig auf eine leicht bemehlte Arbeitsfläche geben und in 5 Teile teilen. Jedes Teigstück zu einem Durchmesser von 20 – 25 cm (etwa 2 mm dick) rund ausrollen.

3. Das Backrohr auf 50 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

4. Eine beschichtete Pfanne am Herd heiß werden lassen. Die Teigfladen nacheinander in der Pfanne ohne Fett auf beiden Seiten backen. Der Teig bläht sich dabei recht hübsch auf. Die fertig gebackenen Fladen im Rohr direkt auf dem Gitterrost warmhalten, bis alle Fladen gebacken sind und die Füllung vorbereitet ist.

5. Für den Knoblauchrahm die Knoblauchzehen schälen und pressen und mit den restlichen Zutaten glattrühren.

6. Die Eierschwammerl verlesen und putzen. In einer heißen beschichteten Pfanne bei relativ starker Hitze ohne Fett und unter ständiger Aufsicht rösten, bis sie Wasser lassen und dann weiterbraten, bis sämtliche Flüssigkeit eingekocht ist. Vom Herd nehmen und mit Salz, Pfeffer und Thymian würzen.

7. Den Lauch in feine Ringe schneiden.

8. Feuerflecken auf Teller anrichten und mit Rahm bestreichen. Mit Eierschwammerln und Lauch belegen. Noch eine Runde mit der Pfeffermühle und mit Thymian dekorieren – fertig.


Weitere Möglichkeiten sind Feuerflecken mit
Schnittlauchrahm
Knoblauchbutter
Knoblauchrahm, Schafkäse, Mangold und Äpfeln
Wildkräutern
Räucherforelle und Pflücksalat

Abgewandelt nach diesem Rezept.

Kommentare:

  1. Eine Frau hat heute vor mir an der Kasse folgende Produkte auf's Band gelegt: Yacon Sirup, zwei Päckchen Proteinpulver (keine Ahnung was das genau ist, aber es war sehr teuer) und eine 15er Packung Eier. Billigste Importeier aus Bodenhaltung, verpackt in ein riesiges Plastikgebilde! Tierwohl verliert gegen Lifestylequatsch. :-(

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  2. Danke für das Rezept (das probiere ich gleich aus) und den Bericht. Kann ich zu 100 % unterschreiben.
    Paul McCartney gab übrigens den letzten Anschub um fleischlos zu leben. Ich war bei einem Konzert von ihm (damals noch mit Linda) und bevor die Künstler auf die Bühne kamen, wurde ein Film über die Zustände in Schlachthöfen und beim Tiertransport gezeigt. Im Fernsehen hätte ich mir so einen Film nie angeschaut, dort konnte ich nicht ausweichen...

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    1. Danke für deine Geschichte zu meiner Geschichte, das find ich schön ... Liebe Grüße!

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  3. Hast Du schon einmal in die Mülleimer oder öffentlichen Kompostieranlagen nachgesehen? Da liegt dann das Fleisch, die Wurst oft noch in der Originalverpackung (mit eigenen Augen gesehen).
    Liebe Grüße
    Braunelle

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    1. Hua, mir graut's ... Es ist einfach so sinnlos ... :-(((

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