Montag, 6. August 2018

In den Heidelbeeren


Wo bin ich gewesen? Nun rat‘ einmal schön!
Im Wald bist du gewesen, das kann man ja sehn:
Spinnweben am Kleid, Tannennadeln im Haar,
das bringt doch nur mit, wer im Tannenwald war.

Was tat ich im Walde? Sprich, weißt du das auch?
Hast Beeren gepflückt, vom Heidelbeerstrauch.
Oh, sieh nur, wie blau um das Mündchen du bist!
Das kriegt man doch nur, wenn man Heidelbeeren isst!
Johannes Trojan



Lustig war das schon, damals, als ich noch klein war, mir Hände und Zunge mit Heidelbeeren einzufärben und dann die anderen Kinder damit zu necken und zu schrecken. Heute weiß ich, dass die hartnäckige blaue Farbe dieser dunklen Kugelfrüchte nicht nur unterhaltsam, sondern auch sehr gesund ist: Dafür verantwortlich sind die so genannten Anthocyane, Pflanzenstoffe, die entzündungshemmend wirken, das Immunsystem stärken und freie Radikale im Körper einfangen können, die die Zellalterung beschleunigen.



Ein Effekt übrigens, bei dem die großen, gezüchteten Heidelbeeren mit weißem Fruchtfleisch nicht mithalten können – und wieder einmal ein Beweis dafür, dass nicht unbedingt Gold ist, was makellos glänzt. Heidelbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Erdbeeren aus dem Wald sind klein und optisch vielleicht nicht einwandfrei – aber was Geschmack und Inhaltsstoffe betrifft ganz sicher nicht zu schlagen.


Heidelbeerknödel aus Brandteig

Fairerweise muss ich zugeben, dass die Knödel bei meinen Kindern nicht sonderlich gut ankamen. Mir hingegen haben sie aber richtig gut geschmeckt! Vor allem die Kombination aus Brandteig und Topfenmasse für die Knödelhülle fand ich spannend.
Ohne es ausprobiert zu haben, könnte ich mir vorstellen, dass die Heidelbeerknödel auch in Wasser gekocht und in Butterbröseln gewälzt oder wie die Zwetschkenknödel im Rohr gebacken wunderbar funktionieren.

Zutaten für 12 Stück (für etwa 4 Portionen als Hauptspeise)

Für den Brandteig
250 ml Milch
60 g Butter
1 Prise Salz
150 g Mehl
3 Eier

Für die Topfenmasse
100 g weiche Butter
50 g Staubzucker
2 Eier
250 g Topfen
1 EL Vanillezucker
abgeriebene Schale von ½ Zitrone
140 g Semmelbrösel

Außerdem
200 g Waldheidelbeeren
Rapsöl oder Butterschmalz zum Ausbacken

Zum Anrichten
Staubzucker
4 Marillen
1 Handvoll Kirschen
1 Handvoll Erdbeeren

1. Den Brandteig herstellen: Dafür Milch mit Butter und Salz aufkochen lassen, dann das Mehl auf einmal zugeben und mit einem Kochlöffel gut verrühren. Nun auf mittlerer Hitze den Teig abbrennen, also gut mit dem Kochlöffel schlagen, bis sich am Topfboden ein weißlicher Belag bildet. Von der Hitze nehmen und kurz überkühlen lassen. Dann einzeln die Eier einarbeiten. Das nächste Ei immer erst dann zugeben, wenn sich die Masse wieder gut verbunden hat. Abkühlen lassen.

2. Butter mit Staubzucker schaumig rühren, dann die Eier einzeln einarbeiten.

3. Topfen mit Vanillezucker und Zitronenschale vermischen.

4. Abtrieb und Topfenmasse vermengen, die Semmelbrösel unterheben.

5. Den Brandteig nach und nach unter die Topfenmasse rühren und danach etwa ½ Stunde in den Kühlschrank stellen.

6. Teig aus dem Kühlschrank nehmen, auf eine leicht bemehlte Arbeitsfläche geben und in 12 Stücke teilen. Jedes Teigstück mit frischen Heidelbeeren füllen und zu runden Knödeln formen. Jeden Knödel vorsichtig etwas flach drücken.

7. Rapsöl oder Butterschmalz in einer beschichteten Pfanne erhitzen und die Knödel darin portionsweise und sehr langsam, also bei geringer bis mittlerer Hitze, auf beiden Seiten goldbraun herausbacken.

8. Die Knödel auf Küchenpapier abtropfen lassen und auf Tellern anrichten.

9. Mit Staubzucker bestreuen und mit den restlichen Heidelbeeren sowie Marillen, Kirschen und Erdbeeren garnieren.


Ein Rezept aus dem Buch Das österreichiche Knödelbuch von Thomas Edlinger.

Kommentare:

  1. Ach ja, der ewige Zwist: Natur vs. Kultur! Der Kerl zum Beispiel kann mit Wildheidelbeeren nicht viel anfangen – die sind im meist zu sauer und/oder bitter. Ich hingegen liebe den intensiveren Geschmack und war so glücklich, als ich neulich gesehen habe, wie gut die Sträucher an den Hängen heuer tragen! Bei Wild-Erd-, Him- und Brombeeren sind wir uns dafür einig: Natur rules – so viel besser im Geschmack!
    Herzlich: Charlotte

    PS: Das Zungen-Färbe-Feature macht die "echten" natürlich noch interessanter :D!

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    1. Genau :-) Und ja! Heuer ist ein Heidelbeerjahr!
      Alles Liebe!

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  2. Als Kind habe ich mich auf den Berghängen in Blaubeeren gewälzt. Jetzt sehe ich keine mehr, ein Verlust. Schön ist deine Geschichte mit dem vielen,vielen Wasser.

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    1. Was für ein schönes Bild ich jetzt in meinem Inneren habe ... :-)))

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  3. Ein interessantes Rezept hast du hier vorgestellt: Brandteig in der Kombination mit der Topfenmasse. Das gefällt mir und ich kann mir gut vorstellen, dass es ausgezeichnet schmeckt. Bei uns in der Gegend gibt es leider nur wenige Heidelbeeren, schade.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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    1. Trotz vieler Heidelbeeren bei uns in den Wäldern muss ich mich wohl in Zukunft daran gewöhnen, mit weniger auszukommen - seit es DIE Heidelbeerlieferantin in meinem Leben nun leider nicht mehr gibt ...
      Alles Liebe Sigrid!

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