Sonntag, 19. August 2018

Ach, ich hab immer noch keine Meinung zu Palmöl!


Das mit dem Palmöl, das ist so ein verzwicktes, verflixtes Ding. Es ist mir klar, dass eine rein emotionale Diskussion wie in den meisten Fällen auch hier wenig hilft, aber ich kann mir nicht helfen: Palmöl löst hartnäckigen Widerstand in mir aus. Gerodete Regenwälder, verlorene Biodiversität, immer weniger Lebensraum für Tiere und indigene Völker und fragwürdige Arbeitsbedingungen in den Anbaugebieten – das sind die Probleme, die ich mit Palmöl habe.




Auf der anderen Seite: Palmöl ist mittlerweile das meistgenutzte Pflanzenöl der Welt. Es ist daher schlicht unrealistisch, von der Palmölproduktion wegzukommen. Und ein Boykott wohl auch keine Lösung. Denn wenn wir beginnen, Palmöl durch andere Öle zu ersetzen, stehen die nächsten ökologischen Katastrophen vor der Tür.

Sollte also besser daran gearbeitet werden, die ökologische, soziale und wirtschaftliche Situation in den Anbauländern zu verbessern und die Palmölproduktion nachhaltig(er) zu gestalten? Wir müssen also Kunde bleiben, um Nachhaltigkeit einfordern und Mindeststandards etablieren zu können?

Wenn ich rational über die Sache nachdenke, kommt mir dieser Zugang durchaus logisch vor. Aber es fühlt sich einfach ganz anders an: Wie die Wahl zwischen Pest und Cholera.


Rawtella

Ein bewusster Lebensmittelkonsum, möglichst oft frisch kochen, auf verarbeitete Produkte so gut es geht verzichten, Verschwendung reduzieren – all das hilft dabei, diese komplexe Situation zu verbessern. Fangen wir gleich einmal damit an: Nutella, der heiß geliebte Brotaufstrich, enthält ja nun wirklich jede Menge Palmöl – ist aber ganz leicht selbst gemacht. Von allen Homemade-Nutella-Versuchen bisher gab es für diese Variante hier die meisten Likes von meiner Familie. Super cremig, schön streichfähig, überaus köstlich und vollgepackt mit guten Sachen (die das Leben schöner machen). Daumen hoch, gleich beide!

Zutaten für 2 kleine Gläser

250 g Haselnussmus
1 Prise Salz
6 Medjoul-Datteln, in kochendem Wasser für etwa 20 Minuten eingeweicht, abgetropft
4 EL Kakaopulver
2 EL Agavensirup
1 EL Vanillezucker
100 – 150 ml Milch nach Wahl (ich habe Mandelmilch genommen)

1. Die Datteln entkernen und mit kochendem Wasser übergießen. 20 Minuten einweichen, dann abgießen und gut abtropfen lassen.

2. Die Datteln mit den restlichen Zutaten im Mixer oder mit dem Stabmixer fein pürieren.

3. Abschmecken. Im Kühlschrank lagern!


Meine Ernährungswissenschafter-Kollegin Theres Rathmanner, die Glückliche, hat übrigens eine Meinung zu Palmöl, eine gute, nachzulesen hier. Tobias Müller hat sich ebenfalls umfassend und vernünftig mit der Thematik auseinandergesetzt. Und zum WWF und seiner Studie Auf der Ölspur geht es hier.

Kommentare:

  1. Ich finde, dass man Produkte mit Palmöl meiden sollte, wenn Herkunft und Erzeugung nicht deklariert sind. Mit Bio- und Faitrade zertifiziertem Palmöl habe ich persönlich keine Probleme, auch wenn ich mir natürlich wünsche, dass es irgendwann einen nachhaltigeren Ersatz dafür gibt. Nutella landet aus diesem Grund schon lange nicht mehr im Einkaufskorb. Ein Stück Bauernbrot mit einem Stück richtig guter (Bio)Vollmilchschokolade schmeckt eh besser. :-)

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    1. Feinschmeckerin :-)
      Da wär ich noch nie drauf gekommen, ein Brot mit Schokolade zu essen ... Was für eine gute Idee :-)))

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  2. Neben den gerodeten Regenwäldern stört mich beim Palmöl am allermeisten, dass beim Raffinieren des Öls krebserregende Substanzen entstehen (Glycidil-Fettsäureester). Und auch die Palmitinsäure steht im Verdacht, Metastasenbildung zu beschleunigen.
    Für Faule: Einen feinen Nutella-Ersatz gibt's im Winkler-Markt in Urfahr (mein Lieblingsmarkt), sogar in einigen verschiedenen Variationen (Produktnamen darf man wahrscheinlich nicht nennen?)

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    1. Doch bitte, würde mich nämlich interessieren ;-)

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    2. Würd mich auch interessieren, liebe Uschi!
      Uns schmeckt auch der von ja!natürlich ... :-)

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    3. meine Lieben, die Schokocremen kommen von der Firma Grashoff (www.grashoff.de), ich liebe die dunkle Schokocreme mit Orangengeschmack, aber auch die mit Haselnussstückchen ist nicht zu verachten - einfach durchprobieren :-))

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    4. Kannte ich nicht, kenn ich aber bald ... Danke für den Tipp, Uschi ... :-)

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  4. Es gibt - wie immer - keine einfache Lösung für komplexe Probleme oder Zusammenhänge. Sich vielschichtig mit Themen auseinander zu setzen, kritisch zu bleiben - auch sich selbst gegenüber - und achtsam im eigenen Handeln zu sein sind für mich die Grundpfeiler. Der Prozess der Auseinandersetzung ist Grundlage zu bleibenden Veränderungen. Danke für deinen Input zu diesem Thema.

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    1. Sehr gern, liebe Eva ...
      Das größte Problem ist ja meinem Empfinden nach, dass es heute leider bei jedem Rohstoff, bei jedem Produkt negative Aspekte gibt - und es liegt an einem selbst, was man als akzeptabel erachtet und was nicht. Umgekehrt könnte man es aber auch so sehen, dass es bei jedem Rohstoff, bei jedem Produkt auch positive Aspekte gibt, die man - seinen persönlichen Anliegen entsprechend - fördern kann ... Eben je nachdem ...
      Liebe Grüße!

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