Dienstag, 31. Juli 2018

Stolz drauf


Ich sehe das Mädchen vor mir gehen, als wäre es gestern gewesen. Alles ist da, der schmale Gehweg, die warme Luft, ich spüre meine Schultasche am Rücken, ich höre ihre Stimme und diesen einen Satz: Was sind denn Bauern schon, die verstehen ja nicht einmal was von der Politik.
Damals war ich etwa 10 oder 11, das Mädchen vielleicht zwei Jahre älter als ich. Sie hatte natürlich keine Ahnung, wovon sie da sprach, es war die ganz normale Besserwisserei einer Halbwüchsigen. Ich aber wurde rot im Gesicht, ich fühlte mich schlecht, ich meinte sogar, ich müsse mich schämen. Ich, die Tochter eines Bauern.


Was aus dem Mund dieses Mädchens kam, war auch damals schon symptomatisch für die Entfremdung der konsumierenden Menschen von der Lebensmittelproduktion. Die Industrialisierung hatte endgültig Einzug gehalten in der Landwirtschaft, der Berufsstand des Bauern dadurch dramatisch an Ansehen verloren. Das Bewusstsein für den Wert der bäuerlichen Arbeit kam dem Konsumenten abhanden und Nahrungsmittel wurden zu etwas, wofür man nicht mehr bereit war, allzu viel Geld auszugeben.



Heute zeichnet sich eine Trendwende ab. Immer mehr Menschen wollen wissen, woher ihre Nahrung kommt. Das ist gut. Dennoch bleibt die Tatsache, dass es nach wie vor der Großteil der Bauern ist, der den Preis zahlen muss für die kurzsichtige, auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Agrarpolitik der vergangenen Jahrzehnte. Natürlich mag man einwenden, niemand hätte die Bauern zum Mitmachen und Rationalisieren gezwungen. Ich frage mich aber: Hatten sie tatsächlich die Wahl? Wer ist schon völlig immun gegen schöne Versprechungen, gegen Lobbying und ausgeklügelte Überzeugungstaktik? Man denke nur an die Vielzahl an Müttern, denen vor gar nicht so langer Zeit direkt nach der Geburt noch im Wochenbett eingeredet wurde, industriell hergestellte Säuglingsnahrung hätte so viele Vorteile im Vergleich zu Muttermilch! Rattenfänger on tour, was für ein Wahnsinn …

Aber zurück zum Thema. Wie sieht es eigentlich mit dem Bauern von heute aus? Nun, sehr viele Möglichkeiten hat er nicht. Weiterwirtschaften wie bisher, mit durchschnittlicher Größe, das hat auf Dauer keine Zukunft mehr. Also: Wachsen? Zusperren? Oder den Weg gehen in die Direktvermarktung? Eine schwierige Entscheidung. Verpflichtet man sich auf Jahre gegenüber einem Kreditgeber und muss im Gegenzug auf eine Art und Weise wirtschaften, von der man selbst vielleicht gar nicht überzeugt ist? Legt man seinen Hof still, der über Generationen hinweg gewachsen ist und weitergegeben wurde? Lässt man sich ein auf bürokratische Hürden und unverständliche Entscheidungen von oben, die vollzogen werden müssen, ob man will oder nicht?



Ich kann es schwer beurteilen, aber aus dem Bauch heraus würde ich mich wohl für letzteres entscheiden. Und es gibt Gottseidank bereits viele, viele Bauern, die erfolgreich damit sind, eine gefragte Nische zu besetzen, die bewusst ausgestiegen sind aus einem absurden System, das keinen Platz mehr lässt für die Bedürfnisse der Landwirte und ihrer Tiere. Beispielsweise gehen immer mehr Kleinbauern unter die Pilzfarmer – ein spannendes Feld mit viel Luft nach oben.

Blieben da noch das Mädchen und ich: Die Scham war augenblicklich verflogen, als ich zuhause ankam. Unser Hund begrüßte mich freudig, ich besuchte die Pferde und streichelte die Katzenbabys, die um meine Beine huschten. Ich naschte vom Himbeerstrauch, kletterte auf den Kirschbaum, rettete eine Maus vor dem Verderben und spielte mit meinen Geschwistern am Heuboden Fangen.  Ach, meine Kindheit war ein einziger Spielplatz, voller Abenteuer, Freiheit und Phantasie. Eine Kindheit wie sie schöner nicht sein kann. Was bin ich froh, die Tochter eines Bauern zu sein. Was bin ich stolz.


Hot Dogs vegetarisch

Bis dato war ich absolut kein Fan von Fleischersatzprodukten. Alles bisher schmeckte komisch bis grauslich, war mit einer Vielzahl an Zusatzstoffen versehen und hatte irgendwie etwas Zwielichtiges an sich. Seit ich Hermann Fleischlos kenne, denke ich anders (einziger Kritikpunkt: die Verpackung, aber auch daran wird gearbeitet): Die Produkte auf der Basis von Kräuterseitlingen schmecken ganz hervorragend (sogar meinen Kindern!), werden im Mühlviertel hergestellt und haben ihre Existenz der Innovationskraft eines erfolgreichen, fleischverarbeitenden (!) Familienunternehmens zu verdanken. Was auf den ersten Blick so gar nicht zusammenpassen will, gefällt mir immer besser, je mehr ich darüber nachdenke. Es ist, als würden Scheuklappen abgelegt, als würde der Blick sich endlich weiten.
Dies ist übrigens KEINE bezahlte Werbung, ich bin einfach nur verliebt.

Zutaten für etwa 15 – 17 Stück

Für die Brötchen
500 g Dinkelvollkornmehl
500 g Weizenmehl Type 700
1 EL Salz
4 EL Rapsöl
1 EL Honig
1 TL Kümmel, geschrotet
1 TL Fenchelsamen, geschrotet
40 g frische Hefe
1/8 l Wasser
0,5 l Buttermilch
Rosinen für die Augen

Außerdem
kleine vegetarische Bratwürstel aus Kräuterseitlingen
Salat
etwas Gemüse wie Gurken oder Paprika
Senf oder Ketchup

1. Aus den oben genannten Zutaten (bis auf die Rosinen) einen mittelfesten, glatten Teig zubereiten. Das geht am besten in der Küchenmaschine mit dem Knethaken.

2. Den Teig abdecken und etwa 1 Stunde an einem warmen Ort gehen lassen.

3. Stücke zu etwa 100 g abstechen.

4. Die Teiglinge rund schleifen und auf ein bemehltes Küchentuch setzen. Abdecken und 10 Minuten entspannen lassen.

5. 2 – 3 Backbleche mit Backpapier auslegen.

6. Aus den Teiglingen Hundeköpfe formen. Dafür die Teiglinge zu Ovalen formen und dann jeweils links und rechts mit einer Teigkarte oder einem Messer Ohren abstechen – dabei den Schnitt aber nicht ganz durchführen, sondern nur einschneiden.



7. Die Hundeköpfe mit etwas Abstand zueinander auf die vorbereiteten Bleche setzen. Rosinen als Augen und Nase tief in den Teig drücken.

8. Die Teiglinge mit Wasser bestreichen.

9. 20 Minuten gehen lassen. Den Ofen auf 240 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

10. Die Teiglinge nochmals kräftig mit Wasser besprenkeln und in den Ofen geben (die Bleche nacheinander backen).

11. Nach 6 - 8 Minuten Backzeit die Ofentüre für etwa 10 Sekunden weit öffnen, damit der Wasserdampf entweichen kann. Ofentüre wieder schließen und die Hot Dogs goldbraun fertig backen. Die gesamte Backzeit beträgt etwa 12 – 15 Minuten.

12. Die Brötchen auf einem Kuchengitter auskühlen lassen. Nicht benötigte Brötchen luftdicht verpacken und einfrieren.

13. Zum Fertigstellen das Maul des Hundes aufschneiden und mit Salat, Senf oder Ketchup, ein wenig Gemüse und Bratwürstchen füllen. Mit weiterem Knabbergemüse servieren.


Die Hundeköpfe habe ich im Buch Anni kocht für Kinder von Lisa Nieschlag und Lars Wentrup entdeckt. Den Brötchenteig habe ich nach einem leicht abgewandelten Rezept aus Anna Pevny’s Natürlich backen hergestellt.

Kommentare:

  1. habe gleich diese Fleischlos-Produkte gegoogelt und bin begeistert, wie toll ist das denn...
    und erhältlich sogar in "normalen" Supermärkten!
    danke herzlich, lg

    sehr lieb sind übrigens die Hundeweckerl und alles so nett angerichtet für die Kleinen

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    1. ich habe diese Würstl schon gekostet und bin von der Sache immer noch begeistert!!

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    2. Hey, das freut mich ... hast du auch die anderen Produkte probiert (ich bisher noch nicht ...)?

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  2. Deine Brötchen sind wunderschön. Eine Freundin von mir ist Hundenärrin, also noch mehr als ich, ihr muss ich unbedingt solche Brötchen backen. Vielen Dank für die tolle Idee.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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