Dienstag, 31. Juli 2018

Stolz drauf


Ich sehe das Mädchen vor mir gehen, als wäre es gestern gewesen. Alles ist da, der schmale Gehweg, die warme Luft, ich spüre meine Schultasche am Rücken, ich höre ihre Stimme und diesen einen Satz: Was sind denn Bauern schon, die verstehen ja nicht einmal was von der Politik.
Damals war ich etwa 10 oder 11, das Mädchen vielleicht zwei Jahre älter als ich. Sie hatte natürlich keine Ahnung, wovon sie da sprach, es war die ganz normale Besserwisserei einer Halbwüchsigen. Ich aber wurde rot im Gesicht, ich fühlte mich schlecht, ich meinte sogar, ich müsse mich schämen. Ich, die Tochter eines Bauern.

Donnerstag, 26. Juli 2018

Shit happens


Es ist passiert. Es ist. Tatsächlich. Passiert. Dieses eine Gericht, bei dem ich mir geschworen hatte, meine Kinder würden nienieniemals davon essen – sie haben davon gegessen:

Nudeln mit Ketchup.

Nudeln mit Ketchup, das ist grausam. Es ist abartig, sinnwidrig, zum Davonlaufen. Ach, es geht einfach sowas von gar nicht.

Dienstag, 24. Juli 2018

Wolke 7


Hier stand einst ein Zitat und weil das nun nicht mehr da steht, um einem Rechtsstreit zu entgehen, kennt sich im Folgenden keiner mehr aus. Sowas.

Na das will ich doch hoffen, dass ich da daheim bin, wenn ich diese himmlische Torte auf den Nachmittagskaffeetisch zaubere. Stellt euch das bloß mal vor: Ich würde sie backen – und dann wär ich nicht da! Ewig schad.

Sonntag, 22. Juli 2018

Huldigt ihm, dem Himbeergeist!


Das Bild vom Himbeergeist, der unter seinen Sträuchern hockt und auf die edlen, tiefroten Früchtchen mit der hübschen kugeligen Gestalt und dem verlockenden Duft aufpasst – es ist einfach wunderschön. Ich frage mich, ob es vielleicht sogar Unterschiede gibt zwischen den Himbeergeistern selbst, zwischen jenen, die kultiviert und fein gemacht durch den von Menschenhand gepflegten Garten geistern und jenen, die verwildert und mit groben Gesten ihr Waldhimbeergestrüpp verteidigen?

Freitag, 20. Juli 2018

An Begegnungen wachsen


Gestern Nacht trat ich noch kurz mit meinem Hund Chi vor die Tür. Da kam ein Glühwürmchen auf mich zu, vollführte drei Loopings vor meinem Gesicht und landete elegant auf meiner rechten Schulter. Hell erleuchtet saß es da, zauberhaft, magisch, dann löschte es sein Licht. Und eine Sekunde später war es spurlos verschwunden. Eine Weile noch habe ich über diese Begegnung nachgedacht. Und über die Sache mit den Krafttieren und so:

Wenn das Glühwürmchen als Krafttier in Ihr Leben fliegt, dann gilt es, das innere Licht zu finden und das eigene Leuchten zu entdecken. Denn so wie das Licht in der Dunkelheit leuchtet, so hilft Ihnen auch das Krafttier Glühwürmchen dabei, die Nacht zu erhellen und in der Dunkelheit Ihren Weg zu finden. […] Wer einmal Glühwürmchen in lauen Sommernächten beobachtet hat, weiß um ihre magische Ausstrahlung und dass sie einen richtig verzaubern können. Deshalb will das Krafttier Glühwürmchen auch, dass Sie sich der Magie des Alltags bewusst werden und erkennen, dass alles seinen Zauber hat. Denn in Wirklichkeit kann alles magisch oder zauberhaft erscheinen – man muss einfach nur den richtigen Blick dafür haben. […] Machen Sie es den Glühwürmchen nach und entdecken Sie die Schönheit, Freude und Hoffnung neu. Staunen Sie, halten Sie inne und erfreuen Sie sich an jedem kleinen Alltagszauber, denn die Welt ist einfach zauberhaft!

Hm, ja, da ist was dabei für mich. Danke für den Impuls, du zauberhafte Feuerfliege!


Ringelblumensalbe

Unser Garten ist derzeit über und über mit leuchtend orangenen Ringelblumen bestückt. Das ist Alltagszauber pur! Diese Fülle habe ich für ein kleines Wochenendprojekt genutzt und gemeinsam mit dem Minimädel und einem ihrer Cousins, der bei uns übernachtet hat, eine Ringelblumensalbe hergestellt. Das Minimädel rennt seither sehr begeistert mit ihrer Zaubersalbe durch die Gegend und verarztet alle möglichen und unmöglichen Wunden – ob man nun will oder nicht.
Es ist ein weiterer kleiner Schritt in die Autonomie meiner Tochter, eine schöne und wohltuende Möglichkeit, ihr bewusst zu machen, dass sie sich selbst helfen kann.
Bei dieser Salbe habe ich mich für die Herstellung mittels schonendem Heißauszug entschieden und Sonnenblumenöl statt Olivenöl verwendet.

Zutaten für etwa 5 kleine Döschen oder 2 kleine Schraubgläser (zu je 125 ml)

1 großer Strauß Ringelblumen
250 ml kalt gepresstes Sonnenblumenöl
25 g Bienenwachsblättchen


1. Die Ringelblumenblütenblätter von den Blütenköpfen zupfen. Es sollen dann etwa 2 – 3 Doppelhandvoll Blütenblätter sein.


2. Das Öl zu den Blüten in den Topf gießen.


3. Die Mischung erhitzen, dabei aber nicht zu heiß werden lassen. Bei gelegentlichem Umrühren etwa 5 Minuten ziehen lassen. Von der Hitze nehmen, abdecken und mindestens 2 Stunden oder noch besser über Nacht ruhen lassen.


4. Das Öl durch ein sauberes Tuch oder ein feines Sieb abseihen.


5. Pflanzenteile gut auspressen.


6. Den Topf säubern. Die Bienenwachsblättchen zum Öl geben.


7. Das Öl mit dem Bienenwachs zurück in den Topf geben. Alles vorsichtig erhitzen. Sobald das Bienenwachs geschmolzen ist (dies geschieht bei etwa 40 °C), von der Hitze nehmen.


8. Kurz überkühlen lassen, nochmals gut durchrühren und dann in saubere Gefäße abfüllen. Mit einem Küchentuch abdecken und aushärten lassen. Erst dann verschließen (so bildet sich kein Kondenswasser).

Zubereitet nach diesem Rezept.


Tipps und Infos:
* Die Salbe ist bei Zimmertemperatur eher weich und gut aufzutragen. Sie hält sehr lange, im Kühlschrank aufbewahrt noch länger (etwa 1 Jahr).
* Gesammelt werden sollten die Blüten bei vollem Sonnenschein, da dann ihre Heilkraft am größten ist.
* Die Ringelblume wird auch Regenblume genannt, weil sie das Wetter vorhersagen kann: Ist sie morgens zwischen 6 und 7 Uhr schon offen, wird es schönes Wetter geben. Sind die Blütenköpfe jedoch nach 7 Uhr morgen noch geschlossen, so wird es wohl ein regnerischer Tag.
* Man kann die Blütenblätter übrigens auch trocknen und dann daraus erst später die Salbe wie angeführt herstellen.
* Ringelblumensalbe wirkt als Wund- und Heilsalbe antiseptisch und adstringierend und kann bei rauer und entzündeter Haut, aufgeschürften Kinderknien, kleinen Schnittwunden, harmlosen Insektenstichen, kleineren Brandwunden oder Sonnenbrand oder zur Lippenpflege eingesetzt werden. Sie ersetzt jedoch keinen Arztbesuch!
Mittwoch, 11. Juli 2018

Für Omi


Alles verändert sich, aber dahinter ruht ein Ewiges.
Johann Wolfgang von Goethe

Fehlen wirst du uns, liebe Omi, so sehr fehlen. Die gemeinsamen Sonntagsessen werden uns fehlen und die Berge an Eierschwammerln, die du nachhause gebracht hast. Der Schoko- und Eisvorrat, der immer aufgefüllt war, die Kohlrabisuppe, die nur bei dir so richtig gut schmeckte. Die scheinbar unspektakulären Kleinigkeiten, die doch so unendlich köstlich waren aus deiner Hand: Frische Heidelbeeren aus dem Wald, mit ein wenig Staubzucker vermischt. Die Gemütlichkeit und Wärme in deinem Wohnzimmer, deine Herzlichkeit, deine Liebe. Das alles wird uns fehlen. Du wirst uns fehlen.


Denk dir ein Bild – weites Meer.
Ein Segelschiff setzt seine weißen Segel und gleitet hinaus in die See
Du siehst, wie es kleiner und kleiner wird.
Wo Wasser und Himmel sich treffen, verschwindet es.
Da sagt jemand: „Nun ist es gegangen!“
Ein anderer sagt: „Es kommt!“
Der Tod ist ein Horizont, und ein Horizont ist nichts anderes als die Grenze des Sehens.
Wenn wir um einen Menschen trauern, freuen sich andere, die ihn hinter dieser Grenze wiedersehen.
Peter Streiff
Freitag, 6. Juli 2018

Neu erfunden


Immer wieder einmal kommt es vor, dass die Natur sich neu erfindet. Oder dass der Mensch die Natur neu findet, sprich: Neues an ihr entdeckt. Colobopsis explodens beispielsweise. Also allein dieser Name! Stellt euch den mal als kryptisches Körpertattoo vor: Der Typ darunter wäre In-der-Sekunde um Welten interessanter, oder etwa nicht? Mindestens genauso faszinierend ist aber auch das, was dahintersteckt: Explodierende Ameisen nämlich. Ja, echt – wenn Gefahr droht, jagen die sich über einen eingebauten Sprengmechanismus in Attentäter-Manier selbst in die Luft, um den Bau und die Gemeinschaft zu schützen! Was es nicht alles gibt … Verbl…puff!..end.

Und hin und wieder passiert es auch, dass so archaische Dinge wie das gute alte Brot neu erfunden werden. Oder zumindest so als ob. Josep Pascual, der Kreativbäcker aus Barcelona, geht derart innovativ mit dem Thema um, dass es sich für mich tatsächlich wie eine Neuerfindung anfühlt. Dabei ist es vor allem der spielerische Umgang mit dem Teig, die phantasievolle Formgebung, die sein Brot so besonders macht. Also wirklich, wer möchte nicht solche Kunstwerke aus dem Ofen holen? Und das Wundervolle dabei ist: Viele seiner Techniken haben durchaus das Potential, auch daheim zu funktionieren. Ich hör sie schon, die Aaahs und Ooohs … Ihr auch?



Millers Bread │ Pane Josep

Dieses Brot von Dietmar wird mit zwei verschiedenen Sauerteigen hergestellt. Durch deren unterschiedliche Eigenschaften hinsichtlich Trieb und Aromabildung entsteht dabei ein geschmacklich abgerundetes, saftiges Brot mit starker Triebleistung und guter Frischhaltung. Gerade letzteres konnte ich bei mir jedoch leider nicht feststellen, eher, dass das Brot relativ schnell trocken wird. Aus den Kommentaren bei Dietmar konnte ich herauslesen, dass das nicht nur mir so ergangen ist, daher werde ich beim nächsten Mal Dietmars Vorschlag beherzigen, den Brotteig mit gekochten Kartoffeln oder Topfen zu versetzen (10 – 15 % des Mehls ersetzen und eventuell die Wassermenge etwas reduzieren). Bis auf diesen kleinen Makel schmeckt es nämlich ganz wunderbar – und frisch natürlich am besten.
Die Blätterform habe ich mir von Josep Pascual abgeschaut – und eine Anleitung dazu hier entdeckt. Sieht das nicht fantastisch aus? Und fantastisch einfach hergestellt ist sie noch dazu.

Zutaten für zwei Laibe

Für den Roggenvollkornsauerteig
150 g Roggenvollkornmehl
200 g Wasser
7 g Anstellgut (aufgefrischt)

Für den Weizensauerteig
190 g Weizenmehl Type 700
190 g Wasser
20 g Anstellgut (aufgefrischt)

Für den Hauptteig
reifer Roggenvollkornsauerteig
reifer Weizensauerteig
300 g Weizenmehl Type 700
200 g Weizenmehl Type 1600
150 g Weizenvollkornmehl
300 g Wasser
22 g Salz

Zeitplan
12:00: Anstellgut auffrischen und bei Raumtemperatur reifen lassen
18:00: Beide Sauerteige ansetzen, über Nacht reifen lassen
10:00: Hauptteig ansetzen, Gare
12:15: Rund wirken, Gare
14:00: Formen, Gare
14:45: Backen

1. Die Zutaten für die beiden Sauerteige gut vermischen, abdecken und bei Raumtemperatur über Nacht reifen lassen.

2. Am nächsten Tag alle Zutaten für den Hauptteig in die Rührschüssel der Küchenmaschine geben und 5 – 8 Minuten bei mittlerer Geschwindigkeit zu einem glatten Teig auskneten.

3. Den Teig in eine leicht geölte Schüssel geben und abdecken. 120 Minuten reifen lassen, dabei nach 40 und nach 80 Minuten falten.

4. Nach der Teigreife wird der Teig geteilt und dann zu runden Laiben geformt. Beide Teigstücke auf mit Backpapier ausgelegte Bleche geben und mit einem Geschirrtuch abgedeckt bei Raumtemperatur zur Gare stellen. 90 Minuten gehen lassen. [Alternativ kann das rundgewirkte Brot auch kalt im Kühlschrank reifen. Dann beträgt die Reifezeit zwischen 15 und 25 Stunden.]

5. Den Backofen auf 250 °C vorheizen.



6. Die Blätterform des Brotes herstellen: Einen Teigling auf die leicht bemehlte Arbeitsfläche legen. Mit einem Nudelholz das obere Drittel des Teiglings von der Mitte weg nach oben hin flach auswalken. Mit runden Ausstechern in zwei verschiedenen Größen die Blattform herausarbeiten. Das Blatt zurück über den restlichen Brotlaib klappen und leicht andrücken. Den gesamten Laib mit reichlich Mehl bestäuben. Dann noch mit einem scharfen Messer die Blattadern einritzen.

7. Das Brot vorsichtig wieder zurück auf das Backblech legen und weitere 30 Minuten gehen lassen.

8. Das Brot in den Ofen geben und mit Schwaden kräftig anbacken. Nach 10 Minuten die Hitze auf 230 °C reduzieren und die Ofentüre für etwa 10 Sekunden weit öffnen, um den Schwaden abzulassen. Die gesamte Backzeit beträgt etwa 40 Minuten. 5 Minuten vor Ende der Backzeit nochmals kurz Schwaden ablassen und dann einen Kochlöffelstiel in die Ofentüre klemmen, um die Krustenbildung zu verstärken.

9. Während das Brot im Ofen ist, den zweiten Brotlaib formen, dann ebenfalls ausbacken wie angegeben.


Mittwoch, 4. Juli 2018

Nockapatzl


Es gibt da eine Schublade in mir drin, da kommen Lieblingswörter hinein. Wörter, die meine Seele umschmeicheln, die mich zum Lachen bringen, die Erinnerungen wecken. Wörter wie:

Striezi, Gnaunigl, Glückskind, kuchendick, Frohnatur, Zwiderwurzn, Dingsbums, Wildling, Springinkerl, Ganggerl, Wigl-Wogl.

Oder auch: Nockapatzl. Ich liebe dieses Wort! Seit meiner Kindheit begleitet es mich – und meine eigenen Kinder begleitet es weiter. Wenn ich es ausspreche, tue ich das ganz unbewusst mit neckendem, zärtelndem Unterton – und sehe dann nackige Kinderpopos vor mir her wackeln, die eingefangen werden wollen, und ein Jauchzen und Kichern geht durchs Haus.

Wenn ich es ausspreche, wird mir warm ums Herz.



Nackthafer-Schoko-Creme

Jetzt die Kurve zum Essen zu kriegen, das ist nicht leicht. Obwohl es in diesem Fall ja sogar das Essen selber war, das mir die Sache mit dem Nockapatzl eingegeben hat. Ein Nachtisch aus Nackthafer, wohlschmeckend, gelingsicher – und Vollwertküche der ersten Stunde. Die Creme lässt sich gut vorbereiten und kann auch schon am Vortag zubereitet werden.

Zutaten für 4 Portionen

Für die Creme
150 g Nackthafer
3 EL gemahlene Haselnüsse
2 EL Kakao
1 Prise Salz
¼ TL Zimt
¼ TL Vanillepulver
150 ml Wasser
75 g Honig
75 g Butter

Zum Dekorieren
Früchte
Kräuter / Blüten
Nüsse

1. Den Nackthafer in der Getreidemühle fein mahlen und bei Bedarf kurz durchsieben, um die gröberen Teile zu entfernen.

2. Das Nackthafermehl mit den gemahlenen Haselnüssen, Kakao, Salz, Zimt und Vanillepulver mischen.

3. Wasser mit Honig und Butter in einem Topf erwärmen, bis die Butter geschmolzen ist.

4. Die Hafermischung unterrühren, von der Hitze nehmen, zudecken und abkühlen lassen. Im Kühlschrank fest werden lassen.

5. Mit einem Eisportionierer Nockerl abstechen und auf Teller setzen. Mit Früchten, Kräutern und / oder Nüssen garnieren. [Alternativ kann man die Creme natürlich auch gleich, also noch warm, in Dessertschüsserl füllen und so fest werden lassen und servieren.]


 Ein Rezept vom Biohof Achleitner.