Dienstag, 29. Mai 2018

Sehen, riechen, schmecken!


Ernsthaft: Ich kenne Leute, die Fruchtjoghurt ungeöffnet (!) in den Restmüll schmeißen, sobald das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Mittlerweile landet ein ganzes Drittel unserer Nahrungsmittel nicht mehr auf dem Teller, sondern im Müll. Was für ein erschreckendes Ausmaß, was für eine unfassbare, gedankenlose Verschwendung!

Warum ist das so?, mag man sich fragen. Woher rührt diese Gleichgültigkeit, das Abgestumpfte, die diffuse Angst davor, sich mit nicht mehr ganz frischem Essen gleichsam zu vergiften?

Vielleicht liegt es am Überfluss, an der ständigen Verfügbarkeit von nahezu allem, wonach uns gerade ist. Hunger ist den meisten von uns fremd. Wenn ich daran denke, wie meine Oma ihren täglichen Apfel gegessen hat: Feinsäuberlichst hat sie das Kerngehäuse so knapp es nur irgendwie ging mit einem kleinen Messer vom Fruchtfleisch gelöst – und sogar das wenige, das dann daran noch haften blieb, mit den Zähnen abgeschabt. Heute bleibt mitunter von einer Erdbeere das ganze obere Drittel am Teller zurück – weil noch das Grün dran ist.

Vielleicht liegt es aber auch an der absurden Marketingpolitik der Lebensmittelwirtschaft der vergangenen Jahre: Only bad news are good news, das gilt auch hier, alles ist ohnearm und frei von. Wer grundlos das Negative ins Zentrum von Werbestrategien stellt, wer potentielle Gesundheitsgefährdung ins Blickfeld von Konsumenten rückt, wer statt über einen vernünftigen, genussvollen Zugang zu Ernährung über Selbstoptimierung und Körperkult palavert, der darf sich nicht wundern, wenn Achtung und Respekt vor Lebensmitteln verloren gehen.

Womöglich ist es aber auch das: Es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken, wie Lebensmittelpreise in unserem Land entstehen. Österreichs Bauern beziehen heute etwa zwei Drittel ihres Einkommens aus nationalen und EU-Förderungen. Zwei Drittel! Dabei würden die meisten von ihnen lieber ohne diese Almosen, dafür wertgeschätzt und zu fairen Preisen produzieren. Allein: Es fehlt die Möglichkeit.
Die Förderungen sollen dem Verbraucher einen günstigen Zugang zu Nahrungsmitteln ermöglichen, wird argumentiert. Ist es aber nicht so, dass sich der Steuerzahler sein billiges Essen im Grunde selbst mit seinem eigenen Geld erkauft? Und dass mit der Kostenwahrheit auch der tatsächliche Wert eines Lebensmittels abhandenkommt? Vielleicht bin ich zu dumm dafür, aber der Sinn hinter diesem System, er will sich mir nicht recht erschließen.

Warum wir so viel verschwenden – es sei dahingestellt. Tatsache ist, dass wir es tun. Und weil wir das wissen, können und müssen wir auch etwas dagegen tun. Initiativen gibt es viele, zum Glück. Sie reichen von Bewusstseinsbildung und Food Sharing über Tafeln und Waste Cooking bis hin zur Eröffnung von Supermärkten mitabgelaufenen Nahrungsmitteln oder Versuchen zur Einführung eines so genannten Mindestverzehrsdatums.

Zur Erinnerung: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist jener Tag, bis zu dem der Hersteller für sein Produkt die beste Qualität mit nur minimalen sensorischen Abweichungen garantiert. Darüber hinaus ist es trotzdem noch gut! Wie lange? Da sollten wir unseren Sinnen und unserer eigenen Urteilskraft vertrauen. Es freut mich, dass nun auch erste österreichische Lebensmittelproduzenten nach norwegischem Vorbild mit gutem Beispiel vorangehen: Vor dem Wegwerfen prüfen: Sehen, riechen, schmecken!, werden Konsumenten da ermuntert. Das ist doch eine feine Sache …



Brennnessel-Rarebits mit Blauschimmelkäse

Rarebits sind, vereinfacht ausgedrückt, überbackene Käsebrote in den unterschiedlichsten Varianten. Ein ganz hervorragendes Gericht, für das auch schon etwas trockeneres Brot verwendet werden kann. Schmeckt wunderbar und ist ganz schnell gemacht.

Zutaten für 4 – 6 große Scheiben Brot

1 EL Olivenöl
1 mittelgroße Schüssel Brennnesselspitzen
150 g Blauschimmelkäse
200 g Crème fraîche
1 TL Senf
4 – 6 Scheiben Sauerteigbrot
Pfeffer aus der Mühle

1. Den Backofen auf 220 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

2. Das Olivenöl in einer beschichteten Pfanne erhitzen.

3. Brennnesselspitzen dazu geben und bei mittlerer Hitze andünsten, bis die Blätter zusammengefallen sind. Auf ein Brett geben, überkühlen lassen und grob hacken.

4. Blauschimmelkäse würfelig schneiden.

5. Die Hälfte der Käsewürfel mit den gehackten Brennnesseln, Crème fraîche und Senf vermischen.

6. Die Brotscheiben in den vorgeheizten Ofen direkt auf den Gitterrost legen und 3 Minuten rösten.

7. Vorsichtig herausnehmen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen.

8. Die Käsemasse darauf verteilen und mit den restlichen Käsewürfeln bestreuen.

9. Das Blech in den Ofen geben und die Brote backen, bis sie goldbraun sind und verführerisch blubbern.

10. Sofort servieren.


Rezeptquelle: BBC goodfood.

Kommentare:

  1. Bei uns gibt's Rarebits immer aus Käseresten. Trockenes Brot verwandelt sich in gebackene Semmelknödel. Und MHDs auf Honiggläsern und Salzpackungen bringen mich immer zum Lachen... ;-)

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    1. Gebackene Semmelknödel ... Du bringst mich immer wieder auf Ideen :-)
      Liebe Grüße!

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  2. Ein so toller und wichtiger Beitrag. Ich finde die Lebensmittelverschwendung und unbewusste Ernährung der allermeisten Menschen auch wirklich schlimm. Gott sei Dank leben wir in Zeiten, wo sich das langsam ändert und es den Konsumenten langsam leichter gemacht wird, auch bewusste Entscheidungen zu treffen, weil die Informationen einfach mehr werden und auch das Angebot. Ich versuche mich bei vielem, was ich kaufe, vorher immer zu informieren, woraus und wie es hergestellt wurde. Kosmetika kaufe ich zum Beispiel fast nur noch von der DM-Hausmarke Balea, weil die alle auf jeden Fall tierversuchsfrei sind. Gemüse und Obst kaufe ich das allermeiste bio und regional. Und Fleisch bestelle ich schon nur noch bei Aumaerk, weil dort auf eine artgerechte Tierhaltung geachtet wird und die Tiere bis zu ihrem Tod ein wirklich würdiges und schönes Leben führen (das Fleisch bestelle ich immer hier und kann ich wirklich empfehlen: https://aumaerk.at/Shop). Das tut alles nicht nur der Umwelt gut sondern auch meiner Gesundheit. Seit ich bewusster konsumiere, geht es mir wesentlich besser und ich werde kaum noch krank. Ich nehme aber auch weniger Zucker und Kohlehydrate zu mir. Ich denke auch das tut der eigenen Gesundheit sehr gut.

    Alles Liebe Dir.

    Leonhard

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