Dienstag, 13. März 2018

Was ich nicht verstehe


Schon im vergangenen Herbst kam mir der Start einer Serie in den Sinn. Einer Serie zu Dingen, die ich einfach nicht verstehe. Es war ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Der Himmel so blau wie das Meer, wolkenlos. Großzügig wärmte die Sonne ihr Darunter, erntefrische Fülle lag in der Luft. Wir waren im Stall und schauten nach unserem Pferd. Jetzt ein Ausritt, wie schön das wäre …

Eine junge Frau Anfang zwanzig saß mit ihrer Mutter auf einer Bank und trank Kaffee. Ihr Pferd, Erasmus, lief währenddessen in der Führmaschine im Kreis. Runde um Runde, die Nüstern im lauen Wind. Vielleicht ließe sich ja doch über die Wand hinweg ein interessanter Geruch einfangen, ein Blick auf etwas Spannendes erhaschen. Erasmus war eines jener Pferde, aus dem Mädchenträume sind: Erhaben, elegant, freundlich - und so unfassbar schön. 


Die schönsten Pferde haben es immer am schwersten – weil sie oft auch die teuersten sind. Teure Pferde dürfen, wenn überhaupt, nur alleine auf die Weide. Sie dürfen keinen Huf ins freie Gelände setzen, Traumwetter hin oder her. Erasmus durfte sich nicht bei einem gemütlichen Spaziergang von seinen harten Trainingseinheiten erholen. Er durfte seine Beine nicht im kühlen Nass des Waldbaches versenken. Und auch wilde, zügellose Galoppaden über weite Wiesen kannte er nicht. Ach, vermutlich lebte er ganz gut damit. Er kannte es nicht anders.

Seit kurzem nun ist Erasmus nicht mehr da. Er wurde nur neun Jahre alt. Als Sportgerät missbraucht, kaputt geritten und dann für unbrauchbar befunden. Dabei wäre dem Tierarzt zufolge die Verletzung, die ihn vom Siegertypen zum Loser degradiert hatte, gar kein Todesurteil gewesen: Er hätte einfach etwas Zeit gebraucht, um wieder heil zu werden. Nur etwas Zeit… Er bekam sie nicht. Drei Tage später stand ein neues Pferd am Start.

Erasmus: Ich denke an dich. An dich und dein weiches, neugieriges Pferdemaul, wie es mich im Vorbeigehen anstupst um ein Stückchen Brot. Dieses Brot hier ist für dich. Ich widme es dir und allen Pferden, die unter menschlicher Willkür, Respektlosigkeit und falsch verstandenem Ehrgeiz leiden. Gleichzeitig verspreche ich dir, meinen Kindern eine Art des Umgangs mit euch zu vermitteln, die anders ist, ganz anders. Auch du hättest dir das verdient.


Erasmus-Brot | Schnelles Bauernbrot

Dieses Brot ist toll! Es besitzt eine sehr weiche Krume und eine feste, rustikale Kruste. Für den Ofentrieb sorgt vor allem die Hefe, der Sauerteig bringt Aroma und Geschmack. Das Brot hält sich nicht ganz so lange frisch wie ein reines Sauerteigbrot mit langer Teigführung, ich mag es aber als super Alternative, wenn es einmal etwas schneller gehen soll.

Zutaten für 2 kleinere Laibe

300 g Weizenmehl T1600
500 g Roggenmehl T960
30 g frische Hefe
0,5 l lauwarmes Wasser
100 g aufgefrischter, aktiver Roggen-Sauerteig*
20 g Salz
1 EL Brotgewürz

1. Alle Teigzutaten in die Schüssel der Küchenmaschine einwiegen und 5 – 10 Minuten am mittleren Gang kneten.

2. Die Teigschüssel abdecken und 30 Minuten bei Zimmertemperatur gehen lassen.

3. Teig auf die bemehlte Arbeitsfläche kippen und teilen. Jeden Teigling vorsichtig rund wirken und mit Schluss nach unten in ein bemehltes Gärkörbchen legen. Abdecken.

4. Weitere 45 Minuten gehen lassen, währenddessen den Ofen auf 250 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

5. Beide Brote auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech stürzen (es ging sich bei mir auf einem Blech aus).

6. Brote in den Ofen schieben und mit Schwaden anbacken.

7. Nach 15 Minuten die Ofentüre weit öffnen, um den Dampf abzulassen und gleichzeitig die Ofentemperatur auf 200 °C senken.

8. Nach weiteren 15 Minuten die Temperatur nochmals reduzieren auf 180 °C.

9. Die Brote weitere 15 – 20 Minuten backen. Gesamtbackzeit 45 – 50 Minuten.

10. Auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.

*Zum Auffrischen nehme ich mein Roggen-Anstellgut aus dem Kühlschrank, mische es mit einem sauberen Löffel gut durch und nehme 2 – 3 EL davon ab. Die abgenommene Menge vermische ich mit etwa 50 g Roggenmehl T960 und etwa 50 g Wasser zu einem eher dickflüssigen Teig. Es soll insgesamt etwas mehr als 100 g Sauerteig werden. Diesen Ansatz decke ich locker ab und lasse ihn bei Raumtemperatur mindestens 6 Stunden stehen, bis sich viele Bläschen bilden und er schön aktiv ist.
Für das Rezept werden 100 g aktiver Sauerteig benötig – der Rest kommt wieder zurück zu meinem Roggen-Anstellgut.


Nach einem Rezept von Anna Pevny aus ihrem Buch Natürlich backen.

Kommentare:

  1. Manchmal denkt man schon: kein Tier ist so grausam wie der Mensch, oder? Doch, echt, selbst wenn ich einer Katze zusehe, wie sie mit einer Maus spielt - deren Sadismus dauert durchaus kürzer. Und ja, ich erinnere mich uch gut an meine Reitstallzeit und dass mir dort SEHR missfiel, dass unter den Pferdemenschen sehr viel (zu viel) Herrenmenschen sind. Auch mit zu viel Geld, für die Reiten bloßes Amusement ist; plus das Aufzwängen des eigenen Willen... Schlimm! Das Doppeldecker-Schmusebild auf dem Pferd dagegen ist zu süß :-)

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    1. Wenn Geld im Spiel ist, wirds meist unterirdisch... Schlimm ist es halt, wenn andere darunter zu leiden haben. Unter Reitern trifft das auf sehr viele zu. Was mir aber auch zu denken gibt, dass es mittlerweile auch im Hundesport derartige Tendenzen gibt ... ;-(
      Das Minimädel liebt ihren großen Freund :-)

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  2. In meiner unmittelbaren Nachbarschaft gibt es einen Gnadenhof für "ausrangierte" Pferde. Jeden Tag sehe ich Mädchen auf ihnen vorbei trotten.. liebevollst. Das ist so schön.

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  3. Das ist ja unglaublich! Menschen, die Pferde als Sportgeräte betrachten und nicht als Lebewesen...sicherlich möchten sie aber selbst nicht als Dinge ohne Eigenwert betrachtet werden, das leider weg muss, wenn der Beitrag zum Bruttosozialprodukt nicht stimmt.

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    1. Es ist mir auch sowas von unbegreiflich und unverständlich, wie man so denken kann ... Wie gesagt: Ich verstehs einfach nicht ...

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  4. Nein, ich versteh das auch nicht. Es macht mich sehr traurig, dass wir Menschen so sind.
    Das Brot hingegen, das ist wunderbar geworden :)

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