Dienstag, 10. Oktober 2017

Extraklasse


Am Morgen ist die Welt noch so klar. Der Ballast vom Vortag ist weggeschlafen, die Kinder sind ausgeruht, zufrieden, pflegeleicht. Während das Käferlein wie ein suchender, schnüffelnder Babyzeck auf den Spuren des kleinen Mannes durch die Wohnung rutscht, falte ich meine Glieder in den Ohrensessel, nippe an meinem Kaffee und drehe eine Runde um den Blog. In meinen Lieblingsblogs finde ich so vieles, was mir den Start in den Tag verschönt und jedes Mal aufs Neue bin ich inspiriert, ja gierig darauf, selbst zu schreiben. Überhaupt: Die Lust am Schreiben, sie war es ganz grundsätzlich, die mich erst zum Bloggen gebracht hat.


Dann beginnt der Tag, ein Alltag, der seit dem Schuleintritt des Minimädels nur noch wenig Spielraum lässt. Die Woche ist eingeteilt und mit vielen kleinen Fixpunkten markiert. Was getan werden muss, wird erledigt. Dazwischen genieße ich das Daheimsein und das Leben in meiner großen, fröhlichen Familie. Abends dann, wenn ich das Käferlein beim Einschlafen begleite, schließt sich der Gedankenkreis. Ich mache meine Augen zu und suche nach dem ersten Satz, den ersten Worten meines neuen Blogeintrags. Was kommen mir da für Ideen! Doch an dieser Stelle fordert jede einzelne Minute ihren Tribut: Je wärmer und kuscheliger es wird, je tiefer und ruhiger der Atem des Käferleins geht, desto bröckeliger wird sie, meine Motivation. Nach dem Bröckeln kommt das Rieseln und schließlich verschwindet sie ganz - zwischen den Laken, in den Ritzen, irgendwo im Nirgendwo. Und ward nicht mehr gesehen.


So geht es mir oft und diese Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit macht mich kribbelig. Es passieren nämlich so viele wunderbare Dinge. Dinge, die ich unbedingt erzählen will. Dinge sogar, die so verrückt sind, dass ich nicht weiß: Wache ich? Träume ich? So wie das: König Nesselbart goes China! Ja, tatsächlich – mein Kinderbuch wurde ins Chinesische übersetzt. Hach, ich freu mich riesig – und das gehört gefeiert. Mit einem Brennnesselrezept der Extraklasse, eines Königs würdig. Fürwahr!



Brennnesselpizza mit Kirschen

Das Rezept für diese Pizza stammt, bis auf den Teig, bei dem ich auf meine bewährte Rezeptur (statt Hartweizengrieß diesmal Vollkornmehl) zurückgegriffen habe, aus dem Buch Obst von Bernadette Wörndl. Sie hat die Nettle Pizza während ihrer Zeit im Chez Panisse bei Alice Waters kennen gelernt und ihr könnt mir glauben: Es ist die Beste. Brennnesselpizza. Ever. Und wird es auch bleiben.
Bei den Kirschen kann man um diese Zeit auf tiefgekühlte Früchte ausweichen, ich kann mir die Pizza aber auch sehr gut (vielleicht sogar noch besser?) mit Brombeeren vorstellen. Und Brennnesseln wachsen sowieso bis in den späten Herbst hinein. Nur eines sei euch noch empfohlen: Die Kirschen sollten, wie eigentlich eh im Rezept gefordert, vor dem Belegen halbiert und entkernt werden. Sonst sieht es schnell, wie bei mir, ein bisserl patschert aus.

Zutaten für 4 Pizzen

Für den Teig
350 g Pizzamehl Type 00
100 g Weizenvollkornmehl
300 g Wasser
3 EL Olivenöl
¾ TL Salz
20 g frische Hefe oder 1 Packerl Trockengerm

Für das Pesto
20 g geriebener Parmesan
1 Handvoll Mandelblättchen, trocken geröstet
1 Bund Basilikum
Saft von ½ Zitrone
etwas abgeriebene Zitronenschale
250 ml Olivenöl
Salz
Pfeffer

Für die weiße Creme
125 g Frischkäse
125 g Sauerrahm
3 EL geriebener Parmesan
3 EL Olivenöl
Salz
Pfeffer

Für den Belag
2 Kugeln Mozzarella
4 Handvoll Brennnesselblätter
Olivenöl
Salz
100 g Kirschen, halbiert und entsteint
Pfeffer
Basilikum


1. Für den Pizzateig die angegebenen Zutaten in die Schüssel der Küchenmaschine einwiegen. Mit dem Knethaken auf mittlerer Stufe einige Minuten kneten, bis ein elastischer und homogener Teig entstanden ist, der sich von der Wand der Rührschüssel löst. Die Schüssel abdecken und den Teig etwa 1 Stunde gehen lassen.

2. Währenddessen das Pesto vorbereiten. Dazu alle Zutaten mit dem Stabmixer fein pürieren. Beiseitestellen.

3. Für die Creme Frischkäse mit Sauerrahm, Parmesan und Olivenöl glatt rühren, mit Salz und Pfeffer würzen. Beiseitestellen.

4. Nach der Gehzeit den Pizzateig aus der Schüssel nehmen, auf der bemehlten Arbeitsfläche kurz durchkneten, in vier Stücke teilen, jedes Stück rund schleifen und auf ein sauberes, bemehltes Küchentuch setzen. Abdecken und weitere 25 Minuten gehen lassen.

5. Den Backofen auf 250 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

6. Den Pizzateig auf der bemehlten Arbeitsfläche auf die gewünschte Größe dünn ausrollen und auf mit Backpapier ausgelegte Bleche legen.

7. Die weiße Creme auf den Pizzaböden verstreichen.

8. Pesto darüber träufeln (etwa 2 EL pro Pizza).

9. Mozzarella in Stücke zupfen und auf den Pizzaböden verteilen.

10. Die Brennnesselblätter von den Stängeln zupfen und verteilen.

11. Mit etwas Olivenöl beträufeln, mit etwas Salz bestreuen.


12. Im vorgeheizten Rohr nacheinander in etwa 12 – 15 Minuten goldbraun backen.

13. Pizzen aus dem Ofen nehmen und kurz vor dem Servieren mit den Kirschen belegen.

14. Leicht pfeffern und mit frischem Basilikum garnieren.

Kommentare:

  1. Tolle Fotos (besonders die mit den Marienkäfern haben es mir angetan)! Und tolle Rezeptidee! Bei mir landen Brennnessel immer total unkreativ im Spinat. Höchste Zeit sie einmal anders zu verwenden.

    Glückwunsch zur Übersetzung deines Kinderbuchs :-)

    Liebe Grüße, Julia

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    1. Danke, liebe Julia! Ja, die Marienkäfer sind einfach so entzückend :-)))

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  2. Gratuliere dir liebe Maria!
    Das Marienkäferfoto ist auch mein Favorit!

    lg. Sina

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