Sonntag, 9. April 2017

Ostern naht


Und damit eine dicht gedrängte, wunderbare Zeit kulinarischen Brauchtums. Grund genug, als versammelte rot-weiß-rote Genussmannschaft rund um Susi und Sina wieder aktiv zu werden und eine kleine, bunte Vielfalt traditioneller Ostergerichte vorzustellen – und zwar schon heute, am Palmsonntag, damit noch genug Spazi bleibt zum Planen, Einkaufen, Vorkochen, …


Traditionelle Speisen zum Osterfest gibt es viele und oft ist eins mit dabei: Das Ei. Weil man früher in der vierzigtägigen Fastenzeit sehr mit den Eiern gespart hat, standen sie nun, an Ostern, reichlich zur Verfügung.
In der Mühlviertler Küche kennt man ein köstliches Gericht, das ich allein schon für seinen Namen liebe: die Oafischsuppe. Beim Oafisch (Oa ist das Ei) handelt es sich eigentlich um ein verlorenes Ei. Weil dieses ja während des Pochierens wie ein Fisch im Sud schwimmt … Herrlich, nicht wahr? Er soll angeblich sogar die Leibspeise von Anton Bruckner gewesen sein.


Oafischsuppe

Mein Oafisch kommt in einer gehaltvollen Rahmsuppe daher geschwommen. Für Gründonnerstag würde er aber auch ganz wunderbar in eine Brennnesselsuppe passen. Georg Friedl schlägt außerdem vor, den Oafisch auf Spinat mit gerösteten Zwiebeln zu genießen – mit Sicherheit auch eine ganz köstliche Option.
Für das Pochieren habe ich mich an Roberts einfache und gelingsichere Daniel Düsentrieb-Methode gehalten.

Zutaten für 4 Portionen

Für die Rahmsuppe
½ l Wasser
1 TL Kümmel
¼ l Milch
3 EL Mehl
¼ l Sauerrahm
1 Spritzer Essig
Salz
Pfeffer

Für die Oafisch
½ Liter Essig-Gewürz-Sud (aus Wasser, einem kräftigen Schuss Essig, Salz, Lorbeerblatt, Pfefferkörnern)
4 Eier

Außerdem
4 EL Schwarzbrot- oder Vollkornbrösel
1 EL Butter
junge Gierschblätter zum Garnieren (oder frische Petersilie)

1. Für die Suppe das Wasser mit dem Kümmel aufkochen.

2. Gleichzeitig den Gewürzsud für die Oafisch aufkochen und am Siedepunkt halten.

3. Milch mit Mehl versprudeln und in das kochende Wasser einrühren. Einmal aufkochen lassen.

4. Den Sauerrahm glatt rühren und mit einem Schneebesen einrühren. Bis kurz vor der Siedepunkt erhitzen, aber nicht mehr kochen lassen.

5. Die Suppe mit Essig, Salz und Pfeffer abschmecken. Heiß halten.

6. Für die Oafisch wie folgt vorgehen:

* Das rohe Ei mit einem dünnen, spitzen Gegenstand, zum Beispiel einem Metallspieß, anstechen.

* Nun wird es vorsichtig in der Schale mit einem Löffel in den Topf mit dem Gewürzsud gelegt.

* Langsam bis 10 zählen. Dieses Vorgaren verfestigt das Eiweiß soweit, dass es immer noch gut aus der Schale gleitet, im Wasser aber kaum mehr ausfranst und das Eigelb gut umhüllt.

* Das Ei herausnehmen, an der Topfkante aufschlagen und vorsichtig, aber beherzt in den Topf gleiten lassen. Die Hitze reduzieren.

* Nach etwa 3 Minuten mit einem Schaumlöffel herausheben.

Sollen nun mehrere Eier gleichzeitig pochiert werden, geht das in einem weitem Topf und mit raschem Arbeitsmodus. Oder man hält sich an die Anleitung von Frau Ziii, nach der die Eier hintereinander pochiert werden, aber jeweils etwa eine halbe Minute früher aus dem Wasser genommen und auf einem Teller zwischengelagert werden. Beim letzten Ei dann kommen kurz vor Ende der Garzeit die bereits pochierten Eier noch einmal zurück ins Wasser und garen gemeinsam fertig.

7. Die Oafisch in Suppenteller legen.

8. Brösel in Butter knusprig rösten und über die Oafisch streuen.

9. Mit der heißen Rahmsuppe umgießen und mit Giersch garnieren.

Nach einem Rezept aus dem Buch Mühlviertler Küche von Georg Friedl, erschienen im Verlag Bibliothek der Provinz.


Und was es sonst noch an Osterköstlichkeiten gibt? Schaut nach bei …


Noch mehr Osterideen hier am Blog:

   

   

   

Kommentare:

  1. Das klingt aber super köstlich, liebe Maria! Wird demnächst nachgekocht!
    Alles Liebe,
    Verena

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  2. Wie raffiniert, das poschierte Ei zuerst in der Schale zu machen *.*
    Sieht sehr köstlich aus und wäre auch gleich was für den Karfreitag :D

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    1. Auf solche Raffinessen komm ich halt (leider) nicht selber, sondern guck sie mir irgendwo ab ;-)

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  3. Sehr köstlich! Wird nur noch vom Namen für dieses GEricht getoppt, das hab ich noch nie gehört und ich freue mich immer, bei dir dazuzulernen!

    Liebe Grüße und eine schöne Karwoche dir und deiner Familie!

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    1. Gell, der Name ;-)
      Dir auch eine schöne Woche bis Ostern, liebe Sina!

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  4. Irgendwann werde ich mich auch wieder mal getrauen, Eier zu pochieren. Roberts Methode ist schon lange vorgemerkt, herzlichen Dank für's Erinnern.

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    1. Trau dich nur, mit dieser Methode ist das wirklich keine Hexerei :-)

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  5. Verlorenes Ei! Danke für diesen von mir fast schon vergessenen Ausdruck. Der rettet mir den Sonntag.
    Und danke auch für das Rezept.

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  6. Die Suppe gefällt mir, tolle Idee!

    Und Giersch ist mir fast lieber als Petersilie. Außerdem wächst der auch schon fleißig im Garten, im Gegensatz zur Petersilie. :-)

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    1. Ja, genau, ich freu mich auch jedes Jahr wieder wie eine Wahnsinnige, wenn der Giersch endlich da ist :-)

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  7. Nicht übel, liebe Maria, gefällt mir,lg und frohes Ostereiersuchen

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