Sonntag, 1. Januar 2017

Eine besondere Nacht, ein besonderer Morgen


Die Neujahrsnacht ist eine ganz besondere Nacht. Verborgene Schätze treten ans Licht. Steine drehen sich um. Und wer Schlag 12 drei Mal seinen eigenen Namen ruft, der sieht sich selbst – so er das denn will. Überhaupt kann man in dieser Nacht viel über sein Schicksal im kommenden Jahr erfahren. Und Glückwünsche: Die waren in früherer Zeit nicht bloß Höflichkeit, sondern wirksamer, segensreicher Zauber für alle Menschen, Tiere und Pflanzen, die einem lieb und teuer waren.

Alles Liebe und Gute, viel Glück und Gesundheit – das wünsche ich euch, ganz in diesem Sinne.

***
Neues Jahr 

Ob ein Jahr neu wird, liegt nicht am Kalender, nicht an der Uhr. 
Ob ein Jahr neu wird, liegt an uns. 
Ob wir es neu machen, ob wir neu anfangen zu denken, 
ob wir neu anfangen zu sprechen, ob wir neu anfangen zu leben. 

Johann Wilhelm Wilms

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Neujahrsstern mit Vanille & Kardamom

Eine besondere Nacht verlangt nach einem besonderen Morgen. Vielleicht nach Zusammensein, Gemütlichkeit – und ein bisschen kulinarischem Erbe? Ich habe heuer wieder einen Neujahrsstern gebacken, der traditionell am Neujahrstag zum gemeinsamen (Sekt-)Frühstück gegessen wird – ein schöner Brauch, der Glück im kommenden Jahr verspricht.
In Oberösterreich sind Neujahrssterne mit vier, sechs, acht oder gar zwölf Strahlen überliefert. Sie werden aus einem einfachen Germteig geformt, der ohne Milch und Eier auskommt. Insofern sind die Neujahrssterne mehr süßes Brot als Brioche. Sie schmecken ganz frisch aus dem Ofen besonders köstlich, sind aber auch am nächsten Tag noch ein gern gesehener Gast zum Kaffee.
Die einzelnen Strahlen des Sternes können aus drei, vier, fünf oder auch sechs Strängen geflochten werden – ganz wie man möchte. Ach, und noch etwas: Kinderaugen leuchten, wenn der Neujahrsstern auf einem großen Tablett mit Sternspritzern serviert wird.

Für 1 großen oder 2 kleine Sterne

750 g Universalmehl
70 g Zucker
60 g weiche Butter
2 EL Vanillezucker
½ TL Kardamom gemahlen
1 gute Prise Salz
20 g frische Germ oder 1 Packerl Trockengerm
350 ml lauwarmes Wasser

Zum Bestreichen
1 Ei

1. Mehl, Zucker und Butter in die Schüssel der Küchenmaschine einwiegen. Vanillezucker, Kardamom, Salz und Germ sowie das lauwarme Wasser hinzufügen und alle Zutaten mit dem Knethaken auf mittlerer Stufe etwa 10 Minuten lang zu einem glatten und geschmeidigen Teig verkneten.

2. Den Teig mit einem Geschirrtuch abdecken und an einem warmen Ort etwa 1 Stunde gehen lassen, bis sich sein Volumen verdoppelt hat.

3. Den Teig auf eine unbemehlte Arbeitsfläche geben. Für einen großen Stern den Teig in 10 Stücke teilen. Für zwei kleinere Sterne den Teig in 20 Stücke teilen. Die Teiglinge rund schleifen, auf ein bemehltes Tuch setzen und abdecken.

4. Pro Stern 9 der 10 Teiglinge zu Strängen von etwa 50 cm Länge ausrollen (der zehnte Teigling wird für die Verzierung benötigt).

5. Je drei Teigstränge an einem Ende zusammenfassen und einen Dreistrangzopf flechten. Kurz vor der Mitte die Flechtarbeit beenden.


6. Nun werden die drei halbfertigen Zöpfe auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech angeordnet und dann fertig geflochten (siehe Bilder).


7. Aus dem zehnten Teigling werden nun noch Blätter und Blüten geformt, ganz wie es einem gefällt. Die Verzierung an der Unterseite mit etwas Wasser benetzen und auf den Neujahrsstern aufsetzen.

8. Den Stern abdecken und weitere 30 Minuten gehen lassen.

9. In der Zwischenzeit den Backofen auf 200 °C Ober-/Unterhitze vorheizen und ein Ei versprudeln.

10. Den Neujahrsstern mit Ei bestreichen und im vorgeheizten Rohr 20 – 25 Minuten goldbraun backen. Diese Backzeit gilt für die zwei kleineren Sterne. Ein großer Stern braucht einige Minuten länger.

11. Den Neujahrsstern aus dem Ofen nehmen und auf einem Kuchengitter abkühlen lassen.


Anmerkungen

* Sowohl der kleinere als auch der große Stern passt auf ein herkömmliches Backblech. Der größere Stern muss dann jedoch ein wenig mehr zusammen geschoben werden, sprich: Er wird höher.

* Wer den Neujahrsstern ganz frisch backen möchte, muss etwa 3 Stunden einplanen – und dementsprechend zeitig aufstehen. Eine andere Möglichkeit ist, den Stern am Vorteig zu backen, aber nur ganz hell. Man nimmt ihn gute 5 Minuten früher aus dem Backrohr, lässt ihn abkühlen und wickelt ihn gut ein. Am Morgen legt man ihn auf den Gitterrost im noch kalten Backrohr und schaltet den Ofen auf 160 °C Heißluft ein. Nach guten 10 – 15 Minuten sollte er fertig gebacken, knusprig und duftend aus dem Ofen kommen.

* Vergangenes Jahr habe ich mich an einem Stern mit Vierstrangzöpfen versucht. Dafür braucht man dann nicht 9, sondern 12 Stränge pro Stern. Hier ist die Anleitung dazu:

Je vier Teigstränge an einem Ende zusammenfassen und Vierstrangzöpfe zu flechten beginnen. Dafür einen Strang (Strang 1) link ablegen, die restlichen Stränge (2 – 4) nach rechts legen.


Nun wie folgt flechten:

1. Den rechten äußeren Strang (Strang 4) UNTER den nächsten (Strang 3) und ÜBER den übernächsten Strang (Strang 2) nach links ablegen. (Bild links)
2. Den neuen rechten äußeren Strang (Strang 3) UNTER den nächsten Strang (Strang 2) nach links ablegen. (Bild rechts)


Es liegen nun drei Stränge links, einer liegt rechts. Nun wird in die andere Richtung geflochten, nämlich:

3. Den linken äußeren Strang (Strang 1) ÜBER den nächsten (Strang 4) und UNTER den übernächsten Strang (Strang 3) nach rechts ablegen. (Bild links)
4. Den neuen rechten äußeren Strang (Strang 4) ÜBER den nächsten Strang (Strang 3) nach rechts ablegen. (Bild rechts)


Die Schritte 1 bis 4 werden nun bis kurz vor der Mitte des Zopfes wiederholt.

Die drei halbfertigen Zöpfe werden auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech angeordnet und dann fertig geflochten.



Quelle: Brot und Brauchtum von Elisabeth Schiffkorn, erschienen im Landesverlag.

Kommentare:

  1. Wünsche euch auch ein gutes neues Jahr!
    Und sobald du Gebäckflechtkurse anbietest, werde ich deine erste Kursteilnehmerin sein! :D
    Ganz liebe Grüsse aus der schneelosen Schweiz

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    1. Jetzt nicht mehr ganz schneelos, meine Liebe, oder? Meine Schweizer WhatsApp-Gruppe (die mit den Hunden) berichtet von ganz viel Schnee und eisiger Kälte ...
      Und ja, sobald ich solche Kurse anbiete, kriegst du als erstes die Info ;-)))
      Liebe Grüße!

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    2. Leider doch. Hier unten blieb nur eine Puderzuckerschicht liegen, die mittlerweile verschwunden oder vereist ist. :-(

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  2. Auch ich wünsche euch ein wundervolles neues Jahr!
    Und Respekt, ich glaube, selbst mit deiner hervorragenden Anleitung brächte ich ein so kunstvolles Flechtwerk im Leben nicht zustande...
    Liebe Grüße,
    Eva

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    1. Na sicher, liebe Eva, wetten? Und überhaupt: Du brauchst eh nicht reden, bei den Kunstwerken, die DU immer zustande bringst ...
      Alles Liebe!

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  3. Dir auch ein frohes neues Jahr!
    Wow dein Neujahrsstern sieht fantastisch aus, fast zu schön zum Essen=)
    Liebe Grüsse,
    Krisi

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    1. Aber nur fast, Krisi... Er hat ganz wunderbar geschmeckt :-)
      Liebe Grüße!

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  4. Wie schön, Maria!
    Dir, nein Euch größer gewordenen Familie ein lichtvolles, freudvolles, friedvolles, lustvolles 2017, jawohl :)

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    1. JAWOHL, und genau das selbe wünsche ich Euch auch ... :-)
      Alles, alles Liebe!

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  5. du bist DIE Meisterflechterin... sagenhaft, wie schön deine geflochtenen Gebäcke sind!
    ich wünsche dir und deinen Lieben ein gutes neues Jahr!

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  6. Ja Wahnsinn!
    Also zuerst einmal natürlich Prosit Neujahr! Aber gleich hintennach: Da mach ich mir viele Knöpfe in die Finger, bis ich das zusammenbringe. Schaut genial aus.

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    1. Du schaffst das, Susi, du schaffst das :-)))
      Alles Liebe vom Mädel ...

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  7. Das ist ja ein wahres Kunstwerk - toll ... Und der Spruch von Wilms ist wohl nur zu wahr!
    Auch für Dich ein frohes, glückliches und gesundes neues Jahr 2017 ! Liebe Grüße, Birthe :-)

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  8. Wie wunderschön! Ich mag Traditionen so gerne; Dinge, auf die man sich an bestimmten Tagen in jedem Jahr wieder neu freuen kann. Und dieser Stern macht schon beim Angucken froh.
    Dir wünsche ich alles Gute für 2017, und Deinem Blog natürlich auch!

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    1. Danke, liebe Sabine!
      Ich freu mich schon darauf, nach der ersten, so schönen aber auch so intensiven Zeit mit Baby wieder etwas mehr Zeit für anderes zu haben - fürs Bloggen beispielsweise.
      Und auf dein neues Buch bin ich auch schon gespannt :-)
      Liebe Grüße!

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