Freitag, 27. Mai 2016

Maiwipferl


Von der Sonne lernen, zu wärmen
Von den Wolken lernen, leicht zu schweben
Vom Wind lernen, Anstöße zu geben
Von den Bäumen lernen, standhaft zu sein
Von den Blumen das Leuchten lernen

Von den Steinen das Bleiben lernen
Von den Büschen im Frühling Erneuerung lernen
Von den Blättern im Herbst das Fallenlassen lernen
Vom Sturm die Leidenschaft lernen
Vom Regen lernen, sich zu verströmen

Von der Erde lernen, mütterlich zu sein
Vom Mond lernen, sich zu verändern
Von den Sternen lernen, einer von vielen zu sein
Von den Jahreszeiten lernen,
dass das Leben immer von Neuem beginnt

Ute Latendorf



Maiwipferl-Labneh mit Schnittlauchblüten

Labneh ist ein Frischkäse aus Joghurt, der ganz einfach herstellbar ist. Ich mag ihn in allen Varianten, gerne auch in nesselig oder süß. Die Maiwipferl geben dem Frischkäse eine zitronige und sehr frische Note. Er schmeckt einfach herrlich!

Zutaten für etwa 4 Portionen (etwa 200 g Frischkäse)

Für den Labneh
400 g Vollmilchjoghurt
¼ TL Salz
1 Handvoll frische, grüne Maiwipferl von Fichte oder Tanne

Zum Anrichten
Oliven- oder Walnussöl oder ein anderes Lieblingsöl
Grob gemahlener schwarzer Pfeffer
Fleur de Sel
Schnittlauchblüten
Maiwipferl

1. Für den Labneh die Fichtenspitzen sehr fein schneiden bzw. hacken und mit dem Joghurt und dem Salz vermischen.

2. Ein Sieb über eine passende Schüssel hängen und mit einem sauberen, fein gewebten Geschirrtuch oder einer Lage Küchenrolle auskleiden.

3. Die Joghurtmischung in das Sieb geben und abdecken. Über Nacht im Kühlschrank abtropfen lassen.

4. Am nächsten Tag den Frischkäse auf ein Teller stürzen und das Tuch entfernen.

5. Etwas Oliven- oder Walnussöl auf 4 Teller gießen (etwa 1 – 2 EL pro Portion). Frischkäse mit einem Löffel oder einem Eisportionierer darauf setzen. Mit Pfeffer und Salz bestreuen. Schnittlauchblüten aus den Kelchen zupfen und ebenfalls darüber streuen.

6. Mit ganzen Schnittlauchblüten und Maiwipferln garnieren und mit frischem Brot servieren.


Liebe Erika, danke, dass du mir dieses wunderbare Gedicht näher gebracht hast J.
Dienstag, 10. Mai 2016

Rezension: Ein Sommer wie damals


Buona vacanza!, wünscht uns Claudio Del Principe schon auf der Titelseite seines neuen Buches Ein Sommer wie damals und tatsächlich ist die Reise durch sein Italien eine gute, eine wunderbare. Kein Bild lässt er aus, das Nostalgiker wie ich in sich tragen, wenn sie an dieses stolze Land denken, es gibt Sonne, Strand und Meer, Fischerboote und Meeresfrüchte, Oden an die Frauen, flirrende Luft und Olivenhaine, Pasta, Tomaten und Eis. Und während ich blättere, möchte ich dorthin, jede Seite macht die Sehnsucht größer, ich will nach Italien, jetzt!

Ein Sommer wie damals ist Claudios Liebeserklärung an das schöne, süchtig machende Italien und eine Sammlung seiner liebsten italienischen Sommergerichte. Dass dabei immer ein wenig Nostalgie mitschwingt, sei gut, meint er, denn: Sie lässt uns träumen und schärft den Blick für die guten und schönen Dinge. Und weiter: In gutem italienischem Essen steckt ein Geheimnis; es sind die kleinen Zubereitungstricks für das gewisse Etwas. Das ist keine Zauberei. Aber wenn alles stimmt, ist es reine Magie. Was für eine Ankündigung!

Wie der Sommer klingt, erfahren wir gleich zu Beginn in Claudios Playlist seiner liebsten italienischen canzoni. Danach geht es ganz klassisch weiter mit:

* Antipasti – Pizze und Focaccie
* Primi – Pasta und Risotto
* Secondi - Fisch
* Secondi – Fleisch
* Dolci

Was mir besonders gut gefällt

* Wieder einmal sind es die Bilder, die mich gefangen nehmen, weil in ihnen so viel mitschwingt. Amore, würde Claudio sagen, und ja, vermutlich trifft dieses eine Wort den Nagel auf den Kopf. Es ist die Liebe zu Italien und seinen kulinarischen Schätzen.
* Claudios Geschichten und Erinnerungen sind wunderbar zu lesen, unterhaltsam und kurzweilig – und sie verstärken den Sehnsuchts-Effekt noch mehr.
* Ich liebe das Kurzkapitel Tomate total: 10 Inspirationen, um frischen Tomaten den großen Sommerauftritt zu bereiten. 10 teils klassische und teils (für mich) neue Kurzrezepte auf einer Seite zusammengefasst, von denen ich jedes einzelne ausprobieren möchte.

Was mir nicht so gut gefällt

* Viele Rezepte verlangen nach typischen italienischen Zutaten, die hier nur schwer zu bekommen sind. Nicht immer gibt der Autor brauchbare Alternativen an.
* Das Dolci-Kapitel ist für meinen persönlichen Geschmack mit nur 6 Rezepten auf jeden Fall ausbaufähig.

Nachgekocht


Carratelli mit wildem Spinat

Wilden Spinat, in Italien Orapi, bei uns auch Guter Heinrich genannt, habe ich in meiner unmittelbaren Umgebung bis jetzt noch nicht gefunden. Ich habe mir daher mit meinem Lieblings-Unkraut, der Brennnessel, geholfen, was in diesem Gericht auf jeden Fall seine Berechtigung hat. Die Carratelli selbst sind ganz leicht zu machen und sehr gut gelungen.

Zutaten für 4 Portionen

Für den Teig
200 g Weizenmehl Type 00
100 g Hartweizenmehl, fein (ich habe Hartweizengrieß verwendet)
Feines Meersalz
150 g lauwarmes Wasser

Für den Spinat
500 g frischer Orapi (ich habe Brennnesselspitzen gesammelt, eine große Schüssel voll)
1 Knoblauchzehe
1 Peperoncinoschote
8 EL Olivenöl extra vergine

Zum Bestreuen
Pecorino
schwarzer Pfeffer aus der Mühle

1. Beide Mehlsorten sieben und mit einer Prise Salz auf der Arbeitsfläche anhäufen. In der Mitte eine Mulde formen. Nach und nach Wasser in die Mulde geben und das Mehl mit einer Gabel daruntermischen.

2. Während 10 Minuten mit den Händen zu einem geschmeidigen Teig kneten. Falls der Teig zu hart wird, wenig Wasser dazugeben. Teig 10 Minuten unter einem Küchentuch ruhen lassen.

3. Aus kleinen Teigstücken Rollen von 8 mm Durchmesser formen. Davon 2 cm lange Stückchen abschneiden. Die einzelnen Nudeln formen, indem man den Zeigefinger daraufdrückt und sie mit einer halben Umdrehung über die Arbeitsfläche zieht. So bekommen sie ihre typische Delle. Bemehlen, damit sie nicht zusammenkleben, und mit einem Küchentuch abdecken.

4. Orapi (ich: Brennnesseln) säubern, 5 Minuten in siedendem Salzwasser blanchieren, abseihen. Knoblauch schälen und fein schneiden. Peperoncino waschen und in feine Ringe schneiden.

5. In einer Pfanne Olivenöl erhitzen und 5 Minuten bei schwacher Hitze mit Knoblauch und Peperoncino aromatisieren. Wilden Spinat dazugeben, durchschwenken. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und 5 Minuten zugedeckt ziehen lassen.

6. Carratelli ca. 4 Minuten in reichlich siedendem Salzwasser kochen, bis sie oben schwimmen. Mit einem Schaumlöffel abschöpfen, zum Spinat geben, mit geriebenem Pecorino bestreuen und gut vermengen. Nach Bedarf etwas Pastawasser dazugeben, damit die Nudeln nicht aneinander kleben und schön geschmeidig bleiben.

7. Auf Tellern anrichten und mit weiterem Pecorino und schwarzem Pfeffer bestreuen.


To Cook-Liste

Focaccia mit Zucchiniblüten
Pasta alla Norma
Scialatielli mit Zitrone
Pannacotta mit Sauerkirschen

Fazit: Es passt so gut wie alles an Ein Sommer wie damals – und die Sehnsucht, die beim Lesen und Nachkochen entsteht, ist schwer zu kontrollieren. Es ist wahrlich ein schönes Buch, das man hier in Händen hält – obwohl es mir persönlich fast ein wenig zu fleisch- und fischlastig ist*. Trotzdem und alles in allem: Bravo, Claudio, bravo!

Ein Sommer wie damals
von Claudio Del Principe
Gebundene Ausgabe, 224 Seiten
Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2016
ISBN: 978-3850339681
Preis: € 29,90

Ein herzliches Dankeschön an den Brandstätter Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

*Das liegt vielleicht /vermutlich auch daran, dass Claudio Del Principe bereits ein (sehr empfehlenswertes) rein vegetarisches Werk zur italienischen Küche vorgelegt hat, nämlich Italien vegetarisch!
Montag, 2. Mai 2016

Hallo Mai!


Ein ewiges Rätsel wird es mir bleiben, das Maibaum-Aufstellen in unserem Ort. Warum die starken Männer der Freiwilligen Feuerwehr komische Wörter schreien, während sie stemmen und heben, während sich die Adern an ihren Hälsen blähen und sich ihre Gesichter vor Anstrengung zu Grimassen verziehen?



Howasewa!, ruft der eine, Huuuiiiise!, keuchen die anderen. Nun, ich als Zuag’roaste darf es mir wohl erlauben, es nicht zu wissen. Aber erklären konnte es mir bis jetzt auch noch keiner, nicht einmal die Dasigen. Egal: Der Maibaum steht.


Vollkornbriochekipferl

Diese Kipferl schmecken (und sind) sehr buttrig und fein. Sie sind auch am nächsten Tag noch ausgesprochen köstlich und gar nicht trocken. Außerdem lassen sie sich super auf Vorrat backen und einfrieren.

Zutaten für 16 Kipferl

200 g glattes Mehl
200 g Weizenvollkornmehl
1 Prise Salz
75 g feiner Zucker
1 EL Vanillezucker
1 TL Zitronenschale
30 g frische Germ
200 g weiche Butter
2 zimmerwarme Eier
1/8 l lauwarme Milch
1 Schuss Rum

Zum Bestreichen
1 versprudeltes Ei

Zum Bestreuen
Hagelzucker

1. Die beiden Mehlsorten, Salz, Zucker, Vanillezucker und Zitronenschale in eine Rührschüssel geben und mit einem Kochlöffel vermischen.

2. Frische Germ hineinbröseln.

3. Butter, Eier, Milch und Rum hinzugeben und alle Zutaten zuerst kurz auf langsamer Stufe miteinander vermengen, dann auf mittlerer Stufe 5 – 8 Minuten kneten, bis ein glatter und geschmeidiger Teig entstanden ist.

4. Den Teig zudecken und an einem warmen Ort 1 – 2 Stunden reifen lassen, bis er gut aufgegangen ist. Durch die hohe Buttermenge geht der Teig etwas schwerer auf als anderer Germteig, doch keine Sorge – dies holt er dann beim Backen wieder auf.

5. Teig kurz durchkneten und in zwei Teile teilen.

6. Ein Teigstück auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche zu einem Durchmesser von etwa 30 cm rund ausrollen. Den Teigkreis wie eine Torte in 8 Stücke (Keile) teilen.

7. Jeden Teigkeil mit den Fingern etwas auseinanderziehen und von unten nach oben (also von der breiten Seite her zur Spitze hin) zu einem Kipferl einrollen.

8. Kipferl auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen und mit einem Geschirrtuch abdecken. Nochmals etwa 30 Minuten gehen lassen.

9. In der Zwischenzeit aus dem zweiten Teigstück weitere 8 Kipferl formen, auf ein zweites Blech setzen und abdecken.

10. Den Backofen auf 180 °C vorheizen.

11. Nach Ende der Gare die Kipferl mit Ei bestreichen und mit Hagelzucker bestreuen.

12. Im vorgeheizten Rohr etwa 20 Minuten goldbraun backen.

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