Mittwoch, 12. Oktober 2016

Tschüss Felix!


Es war nett mit dir. Doch jetzt probier ich einen anderen aus. Einen unaufgeregten nämlich, aber auch keinen kompletten No Name. Denn einen Namen hat er ja: Peckap.

Peckap ist ein ziemlich dominanter Typ. Überall will er dabei sein. Geradezu aufdrängen tut er sich. Und hat damit richtig Erfolg. Alles was fad ist, wird mit ihm zum Brüller. Und ist er nicht da, wird laut nach ihm gerufen: PECKAAAAAAP!!!!

Peckap aka Ketchup, ihr wisst schon. Der kleine Mann ist versessen darauf und verlangt bei allen nur erdenklichen kulinarischen Gelegenheiten danach. Beim Minimädel war das anders. Erst vor gut einem Jahr hat sie begonnen, die rote Sauce zu mögen. Ach, was war ich froh, dass das so lang gedauert hat. Aber nun steht das Zeug halt am Tisch. Und mit den Überzeugungsversuchen hab ich längst aufgehört.

Aber deswegen geschlagen geben? Sicher nicht. Vielmehr hab ich mich angesichts einer Schüssel vollreifer, sonnenwarmer Tomaten gefragt, ob mir all das leichter fiele, würde ich mein Ketchup selber machen. Ja, tut es. Ungemein. Selbst gemacht schmeckt wie immer um Welten besser, findet auch mein Mann. Aber die Kinder? Ich war skeptisch, ganz ehrlich. Und hab deshalb – so richtig hinterlistig – mein Ketchup in die bestens bekannte, rot-gelbe Plastikflasche gefüllt. Hab sie kommentarlos und in bester Laune auf den Tisch gestellt – und gewartet, was passiert. Der kleine Mann war zufrieden. Er hat zugelangt, eingetunkt und herumgeschmiert wie immer. Beim Minimädel hingegen spürte ich leisen Zweifel aufkommen, kurz rümpfte sich das Näschen. Ich verharrte reglos. Dann plötzlich aß sie mit gutem Appetit. Ha! Triumphierend ließ ich mich in Gedanken von einer Heerschaft ketchupgeplagter Mütter feiern.

Doch die Sache hat einen Haken. Das selbst gemachte Ketchup hält sich halt nicht ewig und verändert offenbar (natürlich!) im Laufe der Zeit seinen Geschmack. Was den kleinen Mann (noch) nicht stört, das Minimädel hingegen befand schon bald: Wäh. Seitdem verweigert sie die rote Sauce. Und bestimmt fragt sie sich, warum ihre verrückte Mutter jetzt plötzlich will, dass sie Ketchup isst – anstatt heilfroh zu sein, dass sie es – nach all dem Gejammere – nun nicht mehr tut.


Ketchup selbst gemacht

Ich finde ja, Felix und Heinz können sich brausen gehen. Von mir aus auch miteinand. Der klare Vorteil von hausgemachtem Ketchup ist nämlich der, dass ich selbst bestimmen kann, was ich drin haben möchte und was nicht. Dass ich mit dem Zuckeranteil spielen und mir Varianten ausdenken kann. Die Haltbarkeit hingegen, das ist ein klarer Nachteil. Wenn man es so sehen will – oder muss.

Zutaten für etwa 2 Flaschen

1 große weiße Zwiebel
1 große rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 EL Rapsöl
100 g brauner Zucker
125 ml weißer Balsamico-Essig
1,5 kg sehr reife Tomaten
150 g Tomatenmark
1 EL Salz
Schwarzer Pfeffer, Cayennepfeffer, Zimt und Muskatnuss zum Abschmecken

1. Die Zwiebeln schälen und grob würfelig schneiden. Knoblauchzehen schälen und grob zerkleinern.

2. Beides in einem großen Topf bei mittlerer Hitze in Rapsöl anschwitzen.

3. Den Zucker zugeben, gut verrühren und bei mittlerer Hitze etwa 5 Minuten lang karamellisieren lassen.

4. Währenddessen die Tomaten vierteln und den Strunk entfernen.

5. Die Zwiebelmischung mit Essig ablöschen, kurz aufkochen lassen, dann die Tomatenviertel dazugeben. Tomatenmark und Salz einrühren.

6. Den Topf mit dem Deckel verschließen, die Hitze höher schalten und alles aufkochen lassen.

7. Sobald die Masse kocht, die Hitze wieder etwas reduzieren, den Deckel schräg auf den Topf legen (wichtig, sonst sieht die Küche danach aus wie …) und ungefähr 30 Minuten köcheln lassen. Zwischendurch immer wieder umrühren, damit nichts anbrennt.

8. Nach etwa 30 Minuten Kochzeit die Mischung in zwei Etappen im Mixer auf höchster Stufe sehr fein pürieren. Dann kommt alles wieder zurück in den gesäuberten Topf. Mit Pfeffer, Cayennepfeffer, einer Prise Zimt und Muskatnuss würzen.

9. Wiederum aufkochen lassen, den Deckel wieder schräg auflegen, die Hitze reduzieren. Nun darf die Masse etwa 45 weitere Minuten köcheln, bis sie auf jene Konsistenz einreduziert ist, die man gerne haben möchte. Bei mir hat sich die Mischung auf etwas weniger als die Hälfte der ursprünglichen Menge einreduziert.

10. Nochmals würzen und abschmecken.

11. Das fertige Ketchup noch heiß in saubere Glasflaschen oder Gläser (oder auch in ausgespülte Ketchupflaschen) füllen und gut verschließen. Kühl gelagert sollte es sich dann mehrere Monate frisch halten.

Nachtrag Dezember 2016: Und das tut es tatsächlich! Das Ketchup schmeckt auch jetzt noch - gute drei Monate nach seiner Herstellung - frisch, fruchtig, pikant, kurz: ganz phantastisch (dem Minimädel hingegen mundet es immer noch nicht).


Wer mag, kann gerne mit folgenden Variationsvorschlägen experimentieren:

Curry-Ketchup: Mit Currypulver nach Geschmack würzen.
Knoblauch-Ketchup: Statt 2 werden 4 oder mehr Knoblauchzehen verwendet.
Hot Ketchup: Chilischoten mitköcheln oder mehr Cayennepfeffer nehmen.
Kräuter-Ketchup: Thymian, Rosmarin und Basilikum dazugeben.


Inspiration für dieses Rezept fand ich hier.

Kommentare:

  1. Ich habe ein paar Monate mit fermentiertem Ketchup herumexperimentiert und war mit den Ergebnissen auch ziemlich zufrieden. Nur leider ist dasselbe Problem wie bei dir aufgetaucht: Die Haltbarkeit ist beschränkt und Herr C. mag es nicht. :-(

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    1. Hach, immer diese heiklen Herr- und Damenschaften ...
      Von fermentiertem Ketchup hab ich hingegen noch nichts gehört ... Hast du das auch verbloggt? Liebe Grüße!

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  2. Was für ein Glück, dass hier zwei Kilo Paradeiser darauf warten, dass sie jemand verarbeitet. Danke für den Schubser Richtung Ketchup. :)

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