Samstag, 12. Dezember 2015

Luxus


Sonnengelbes Safrangebäck in Zeiten winterlicher und menschlicher Kälte: Das ist Luxus. Luxus, der sich um Magen und Herz schmiegt, beides wiegt und wärmt. Ich bin verliebt.

Lussekatter (Lucia- oder Lichtkatzen), auch Lussebullar (Luciabrötchen) oder Saffransbullar (Safranbrötchen) genannt, haben bald wieder Hochsaison. Am morgigen 13. Dezember nämlich, wenn in Schweden, aber auch in anderen skandinavischen Länder wie Dänemark oder Norwegen, das Luciafest begangen wird. St. Lucia ist ein sehr altes Fest, dessen Ursprünge vermutlich mit der Wintersonnenwende zu tun haben, dem kürzesten Tag des Jahres. Lucia, die Braut des Lichts, bringt die Sonne, das Licht und die Wärme wieder zu den Menschen zurück - ein Wunsch, eine Hoffnung, die bedeutsamer nicht sein könnte in der heutigen Zeit, im heurigen Jahr.


Die essentielle Zutat in den Luciabrötchen ist Safran. Die strahlend gelbe Farbe, die dieses kostbare Gewürz dem Gebäck verleiht, ist ein Symbol für die Sonne und das Licht. Aber auch die unterschiedlichen Formen der Lussekatter haben starke sinnbildliche Kraft und gehen auf eine teilweise jahrhundertealte Tradition zurück. Viele davon haben mit der heidnischen Liebes- und Frühlingsgöttin Freya zu tun, wie auch das am häufigsten gebackene Luciabrötchen, die Doppelspirale. Sie trägt den Namen Julgalt, der Weihnachtseber. Der Eber ist eines jener Tiere, die Freya zugeordnet werden. Das Symbol der Doppelspirale verdeutlicht: Etwas geht zu Ende, aber aus diesem Ende fließt wieder ein neuer Anfang.

Ich finde die Bedeutung der vielen Gesichter der Luciabrötchen sehr spannend, die Formen selbst wunderschön. Da bin ich schon erstaunt, dass es (zumindest meinen Recherchen zufolge) keine Sammlung darüber gibt, möchte sich tatsächlich kein Schwede dem schriftlichen Erhalt dieses Kulturguts annehmen? Wie dem auch sei: Ein Nachbacken empfiehlt sich dringend, das Verarbeiten des sonnengelben Teiges ist eine Freude bei jedem Wimpernschlag, bei jedem Atemzug … Diese Farbe! Dieser Duft!


Lussekatter / Julgalt

Grundlage für mein Rezept ist jenes von Katha, die es schon vor sagenhaften 8 Jahren gepostet hat. Ich habe es hinsichtlich Menge und Zubereitung etwas abgewandelt. Lussekatter schmecken natürlich ganz frisch, am besten noch warm, am besten. Sie lassen sich aber auch super einfrieren und nach Lust und Laune auftauen. Wer mag, bäckt sie dann noch ganz kurz im Rohr auf. Wer morgen keine Zeit hat: Wie wäre es mit Safrangebäck zur Wintersonnenwende am 21. Dezember?

Zutaten für 32 Stück

0,3 g Safran (3 Briefchen)
225 ml Milch
125 g Butter
500 g Universalmehl
100 g Staubzucker
1 Prise Salz
25 g Germ
1 Ei

Zum Bestreichen
1 Ei

Zum Verzieren
Rosinen

1. Die Safranfäden einige Stunden vor dem Backen in einem Teil der Milch einweichen.

2. Restliche Milch gemeinsam mit der in Stücke geschnittenen Butter in einen Topf geben und lauwarm erwärmen, Butter in der Milch weich werden lassen.

3. In einer Rührschüssel Mehl mit Zucker und Salz vermischen. Germ darüber bröckeln. Die Butter-Milch-Mischung, das Ei und die Safranmilch dazugeben.

4. Den Teig in der Küchenmaschine mit dem Knethaken gut 10 Minuten auf mittlerer Stufe kneten, bis er sich von der Schüsselwand löst.

5. Teig abdecken und an einem warmen Ort etwa 1 – 1,5 Stunden gehen lassen, bis er sein Volumen verdoppelt hat.

6. Zwei Backbleche mit Backpapier auslegen.

7. Den Teig auf die unbemehlte Arbeitsfläche geben und kurz zusammenkneten. Die Teigkugel vierteln, dann jedes Viertel nochmals in 8 Teile teilen. Es entstehen 32 Stücke.

8. Jedes Teigstück ohne Mehlzugabe zu einem Strang von etwa 30 cm Länge ausrollen. Die Enden gegengleich einrollen, sodass sich ein „s“ (oder auch ein Fragezeichen) bildet, ganz nach Belieben.


9. Die Lussekatter auf den zwei Blechen verteilen. Mit zwei Geschirrtüchern abdecken und nochmals 20 Minuten gehen lassen.

10. In der Zwischenzeit das Backrohr auf 220 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

11. Das Ei in ein Häferl geben und gut verquirlen. Die Lussekatter rundherum damit einstreichen.

12. Bei jedem Lussekatt mittig in die beiden Spiralenenden jeweils eine Rosine platzieren und fest hineindrücken, damit sie beim Backen nicht heraus fallen. Einige Lussekatter habe ich aber auch ohne Rosinen gebacken, was mir auch sehr gut gefällt.

13. Lussekatter im heißen Rohr in 8 – 10 Minuten goldbraun backen. Auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.


Dazu passt ganz hervorragend: Glögg, auch Schwedenpunsch genannt. Also Glühwein mit Rosinen und geschälten Mandeln. Ich liebe ihn! Er erinnert mich an meine Studentenzeit in Wien und all die glitzernden und kitschigen Christkindlmärkte quer durch die Stadt. Hach …
Gut schauen mich diese zwei Glögg-Rezepte an, einmal klassisch, einmal alkoholfrei. Skål!

Kommentare:

  1. Zwei-drei davon lauwarm in den Fingern und eingewickelt in deinen schönen Matcha-farbenden Strickpullover... der friedliche Neubeginn dürfte schon heute kommen!
    liebe Grüße und einen schönen 3.Advent euch...

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    1. Wenns so schön einfach wär ... :-) Zumindest der Frieden im Kleinen!
      Liebe Grüße!

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  2. wie schön!! Das Rezept von Katha ist auch mein liebstes dafür, du hast weniger Zucker genommen, sehe ich.
    Bei artedea gibt es heute einen Beitrag zu Luzia, lg

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    1. Wenn man bei Katha nachkocht, hat man ja fast sowas wie Gelinggarantie, gell?
      Ja, ich hab weniger Zucker, Germ und Milch genommen - der Teig war wunderbar so. Weniger Milch deshalb, weil Katha erwähnt hat, der Teig sei sehr weich. Da wollte ich wegen dem Formen auf Nummer sicher gehen. Liebe Grüße!

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  3. Ach Lussekater! Nun hab ich das Datum verschwitzt und wieder nicht gebacken.
    Eigentlich hatte ich immer ein durchwachsenes Verhältnis zu Lussekater, bis ich vom blau-gelben Möbelhaus zu einem Bloggerevent im Museumsquarier eingeladen war, wo es nicht nur wunderbare Lieder, gesungen von einem nordischen Chor, sondern auch Lussekater und Glögg gab. Weil das Gebäck so gar nicht süß ist, ist es die perfekte Ergänzung zum süßen Glögg. Das muss man einfach miteinander essen, dann ist das ein wahnsinnig gutes Gebäck.

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    1. Auch ohne Glögg ist es gut, mit heißem Tee ... Mmmh! Back deine Lussekatter doch auf gut österreichisch zur Wintersonnenwende, das passt ja auch perfekt :-)

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  4. Die schauen so hübsch aus! Safran hätte ich noch da, ich glaube am Wochenende...

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    1. So einfach und so fotogen, unglaublich. Die schauen auch einfach nur so auf einen Haufen geschmissen hübsch aus ;-)

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  5. Tolles Rezept, probiere ich unbedingt demnächst bald einmal aus! Ich habe bei uns ja Safran im Garten angebaut und heuer richtig 'viele' Safranfäden geerntet und mit deinem Lussekatter-Rezept trifft das ja perfekt ins schwarze... ähm gelbe! ;)
    LG ilse

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    1. Ist nicht wahr, du hast selbst Safran angebaut? Auf die Idee wär ich ja noch nie gekommen ... Super! Wo hattest du die Knollen her? Ich glaubs ja nicht :-))) Liebe Grüße!

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  6. Die Lichtkatzen sehen so zauberhaft aus! Ich habe sie gestern nachgebacken... meine sehen nicht ganz so schön aus, der Teig ist bissl verlaufen... schmecken tun sie köstlich. Eine sehr schöne Idee, die dunklen Tage so zu erhellen!
    Lichtgrüße Ulrike

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    1. Das freut mich sehr, liebe Ulrike! Liebe Grüße vom Mädel!

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