Dienstag, 24. November 2015

Innere Weis(s)heit


Der erste Schnee zuckerte gestern vom Himmel und legte sich knisternd ins welke Gras. Heute ist die Landschaft bereits in frostiges Weiß gehüllt. Hab ich schon einmal erwähnt, dass ich den Winter mag? Die Kälte ruft einen uralten Instinkt in mir wach – einen, der mir sagt, ich solle mich fett futtern, um gerüstet zu sein für die kommende karge Zeit. Wenn mein Intellekt diesen Instinkt ins Jetztgerade übersetzt, bedeutet das: Ein Rezept für ein Lebkuchenhaus ausfindig machen. Bratwürstel für den kommenden Sonntag bestellen. Welche Kekse dieses Jahr? Krampusse backen – oder doch lieber Nikoläuse? Heuer zum ersten Mal Lussekatter am 13. Dezember? Und das Essen für den Heiligen Abend planen.

Instinkte sind eine ganz interessante Sache. Offenbar besitzen wir Menschen nur (noch) Instinktfragmente – und selbst diese können wir beherrschen oder auch durch Einsicht und Willen umformen. Bei Tieren hingegen sind sie wesentlich stärker ausgeprägt und allgegenwärtig – was aber nicht heißt, dass ein Vierbeiner nicht auch fähig wäre, seinen Instinkt durch innere Einsicht zu ändern.


Ich rutsche gedanklich noch einmal zurück in den späten Sommer. Das Minimädel, der kleine Mann und ich waren zu einer kurzen Wanderung aufgebrochen. Wir schlenderten gemeinsam mit Familienhund Spike durch einen Wald und kamen an eine Lichtung. Sie war von Bäumen eingesäumt und lud uns zum Bleiben ein. Das Minimädel suchte einen schönen Platz auf einer kleinen Anhöhe, wir packten unseren Proviant aus und machten es uns gemütlich. Plötzlich stand Spike auf, die Nase in der Luft. Er witterte etwas Fremdes, machte sich groß, sträubte die Haare.


Da sahen wir einen Fuchs am anderen Ende der Lichtung, ein imposantes Wesen, ausgewachsen, mit buschigem Schwanz. Was dann passierte? Weil: Fuchs und Jagdhund? Nun, vor einigen Jahren hätte ich vermutlich noch Probleme gehabt, Spikes Instinkt, einfach loszustarten, dem Fuchs hinterher, im Zaum zu halten. Mittlerweile schafft er das selbst – weil er weiß: Dafür ist er schon zu uuuuuuaalt. Er legte sich wieder ins Gras.


Ich war sehr beeindruckt und fasziniert von dieser Begegnung. Und im Nachhinein betrachtet auch von dem, was dann geschah: Die Stimmung veränderte sich, mit einem Mal lag etwas Bedrohliches in der Luft. Die Einsamkeit auf dieser Lichtung, die knorrigen Bäume rundherum wirkten von einer Minute auf die andere nicht mehr idyllisch. Wir waren alarmiert und aufgewühlt, obwohl wir wussten, dass wir in Sicherheit sind. Wir brachen auf, nur wenig später. Wie war das noch mal mit den beherrschbaren Instinkten?


Stoppelfuchs

Der Mühlviertler Stoppelfuchs ist ein regionaltypisches Gericht, das schon ziemlich in Vergessenheit geraten ist. Dabei handelt es sich um eine Art Rösti oder Reibekuchen, die Speise wird mit Bröseltopfen zubereitet und süß mit Powidlmarmelade serviert. Im Netz fand ich ein sudetendeutsches Gericht mit demselben Namen, hier wird die Kartoffelmasse ohne Topfen zubereitet (dafür mit Zwiebeln oder auch Äpfeln und Speck) und mit Zwetschken belegt. Gebacken wird dann nicht in der Pfanne, sondern im Backofen. Gewisse Parallelen scheint es also zu geben…

Zutaten für 8 kleine Stoppelfüchse / 4 Personen

500 g mehlige Kartoffeln
1 Ei
125 g Bröseltopfen (ein sehr trockener Topfen, alternativ kann man herkömmlichen Topfen über Nacht in einem mit einem Mulltuch ausgelegten Sieb abtropfen lassen)
1 EL Maisstärke

Zum Ausbacken
Butterschmalz

Zum Servieren
Dirndlmarmelade (im Original wird Powidlmarmelade verwendet)
Bröseltopfen
Staubzucker

1. Die Erdäpfel schälen und grob reiben.

2. Die geriebenen Erdäpfel etwas stehen lassen, damit sie Wasser lassen. Dann portionsweise gut ausdrücken.

3. Erdäpfel mit Ei, Topfen und Maisstärke mit den Händen gut vermischen.

4. In einer Pfanne das Butterschmalz erhitzen, Hitze reduzieren und mit Hilfe eines kleinen Schöpfers Kartoffelmasse in die Pfanne portionieren. Mit der Unterseite eines Löffels etwas flach drücken. Deckel auflegen und bei geringer bis mittlerer Hitze etwa 10 Minuten braten. Es ist wichtig, die Hitze nicht zu hoch zu wählen, da sonst die Stoppelfüchse außen schon dunkel werden, während sie innen noch roh sind.

5. Nach etwa 10 Minuten die Stoppelfüchse wenden und weitere 10 Minuten braten – diesmal ohne Deckel, damit sie schön knusprig werden.

6. Ein Teller mit Küchenkrepp bereitstellen. Wenn die Stoppelfüchse fertig gebraten sind, kurz auf Küchenkrepp abtropfen lassen, dann auf Tellern anrichten.

7. Mit Marmelade und / oder Bröseltopfen belegen, mit Staubzucker bestreuen und noch heiß servieren.


Das Rezept stammt aus dem Buch Mühlviertler Küche von Georg Friedl, erschienen im Verlag Bibliothek der Provinz.

Kommentare:

  1. Mir ist auch mal beim Schwammerlsuchen ein Fuchs begegnet, das war wunderbar. Er war sehr gross, viel grösser als ich mir vorgestellt hatte. Der Stoppelfuchs ist mir jedoch noch nie begegnet, was mich ein bisserl wurmt, bilde ich mir doch ein, viel über die Mühlviertler Küche zu wissen. Danke, dass ich ihn jetzt bei dir kennenlernen durfte.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich war auch erstaunt, wie groß Füchse eigentlich sind! Und so schön! Ich bin gespannt, was du zum Stoppelfuchs sagst, wenn du ihn einmal machst :-)

      Löschen
  2. Schon alleine wegen dem lustigen Namen hätte ich gerne eine Portion Stoppelfuchs. Und der mit den nicht beherrschbaren Instinkten...und fett fressen...*hüstel*....das geht mir das ganze Jahr über so. *räusper*

    AntwortenLöschen
  3. Das mit den plötzlichen Stimmungsveränderungen kenne ich auch gut.
    Und den Stoppelfuchs werde ich probieren!
    Liebe Grüße,
    Eva

    AntwortenLöschen
  4. Am hellichten Tag einem Fuchs begegnen und dann noch die Zeit haben, ihn auf Foto zu bannen .... bei euch sagen sich wirklich noch Fuchs und Henn Gute Nacht. Lg nach Zell - auch den beiden Kleinen und dem Grossen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das habe ich ja nur Spike und seiner Spürnase zu danken, lieber Josef. Sonst hätten wir ihn eh komplett übersehen :-) Liebe Grüße zurück!

      Löschen
  5. Füchse sieht man hier gar nicht mal selten - allerdings nie so herrlich knusprige :)
    Ich glaube, dass wir Menschen verlernt haben, unserer Wahrnehmung zu vertrauen - auch den Instinkten. All das zusammen macht ja einen gesunden Menschenverstand. Übrigens liebe ich deine Geschichten rund um deine Gerichte - das macht für mich ein Blog erst persönlich. Und genau deshalb mach ich *das Mädel vom Land* so sehr!
    liebe Grüße

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mir gehts bei dir drüben genauso, liebe Micha! Ein schönes erstes Advent-Wochenende :-)

      Löschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...