Montag, 28. September 2015

Rezension: Das große Familienkochbuch


Familienküche: Yeah! Nix passt grad besser in mein (Küchen)Leben als das. Geneigte LeserInnen wissen, dass ich dabei so meine Herausforderungen zu meistern habe. Ein heikles Minimädel (das aber immer toleranter wird, ja, wirklich – kürzlich aß sie Spinatrisotto!) und ein kleiner Mann, der das Essen erst lernen muss. Irgendwo dazwischen, da stehe ich. Und bin immer dankbar für Ideen fernab von Standardbrei, Palatschinken und Nudelsuppe ohne Karotten.

Das Buch

Das große Familienkochbuch der Schweizerin Julia Hofer ist eine wahre Fundgrube für solche Ideen. Auf den ersten Blick kommt es sehr unscheinbar daher: Der Buchtitel in großen Lettern auf pastellig kariertem Hintergrund. Keine Fotos von gut gelaunten Kindern, kein schriller Party-Firlefanz. Und tatsächlich geht es auch so weiter, wenn man sich durch die Seiten blättert. Es ist kein Kinderküche-Spaßbuch, das hier vor einem liegt. Es ist ein Buch, das sich ernsthaft mit guter und gesunder Ernährung für die ganze Familie auseinander setzt und dabei vor allem mit der Frage, wie Kinder zu mündigen Essern und Genießern erzogen werden können. Perfekt!

Der Rezeptteil beginnt schon nach einem kurzen Vorwort der Autorin. Er gliedert sich in folgende Kapitel:

* Frühstück & Snacks
* Suppen
* Salzige Kuchen, Pizza & Co
* Pasta, Reis & Co
* Gemüse
* Fleisch
* Hülsenfrüchte
* Süßes
* Turborezepte

Danach folgen einige Seiten Küchenwissen sowie ein ausführliches Register.

Die Rezepte

Der Untertitel des Buches lautet: Einmal kochen, zweimal genießen. Im Küchenalltag gleich die doppelte Menge zu kochen, nämlich die eine Hälfte zum Gleichgenuss, die andere für den Vorrat, ist nun sicherlich keine Methode, die von der Autorin neu erfunden wurde. Aber sie ist so was von praktisch! Wie entspannend ist es doch, mittags in wenigen Minuten und so was von lässig ein köstliches Essen auf den Tisch zu zaubern …
Neben Rezepten, die nach dem Motto Einmal kochen, zweimal genießen funktionieren, finden sich im Buch auch so genannte Doppelrezepte, die sich in der doppelten Menge zubereiten und am nächsten Tag ohne allzu viel Aufwand in ein anderes Gericht verwandeln lassen.
Jedes Rezept ist bebildert und mit Informationen zur Bevorratung und Haltbarkeit versehen. Variationsmöglichkeiten finden sich ebenso wie eine Zusammenstellung der Arbeitsschritte, die von Kindern gut erledigt werden können. Das ist eine Strukturiertheit und Übersicht, die mir ausgesprochen gut gefällt.
Der Rezeptteil wird immer wieder durch Küchenexperimente (Wie geht Lebkuchen? Wie macht man Nudeln?), Experteninterviews und sehr interessante und ansprechende Rezepte von kulinarischen Persönlichkeiten aus der Schweiz aufgelockert.

Nachgekocht


Das 5-Minuten-Vollkornbrot

Dieses Brot ist natürlich nicht in fünf Minuten fertig, tatsächlich macht es aber nicht mehr als 5 Minuten „echte“ Arbeit. Das Brot schmeckt vorzüglich (wie vom Bäcker) und ganz besonders hat es mir der hohe Anteil an Sonnenblumenkernen angetan. Im Rezept wird Ruchmehl verlangt, ein Begriff, der überwiegend in der Schweiz verwendet wird. Hier wäre es schön gewesen, hätte die Autorin den Begriff erklärt und / oder entsprechende Alternativen angeführt.

Zutaten für 2 Brote, eines kann tiefgekühlt werden

2 Päckchen Trockenhefe
4 EL Balsamicoessig
500 g Vollkornmehl (ich: Weizen)
360 g Ruchmehl (Type 1050; ich: Kamut-Vollkornmehl)
140 g Roggenvollkornmehl
4 TL Salz
2 TL Brotgewürz
300 g Sonnenblumenkerne

1. Trockenhefe in 900 ml lauwarmem Wasser auflösen, dann den Balsamicoessig zugeben.

2. Die drei Mehlsorten mit dem Salz und dem Brotgewürz mischen.

3. Die Hefe-Wasser-Mischung zum Mehl geben und mit dem Knethaken des Mixers oder von Hand kurz durchkneten, bis ein homogener, klebriger Teig entstanden ist. Die Sonnenblumenkerne (bis auf 4 EL, die kommen später auf die Brote) zum Teig geben und gut mischen.

4. Zwei Kastenformen (30 cm Länge) mit Backpapier auslegen.

5. Den Teig mit einem Teigschaber in die Formen geben, die restlichen Sonnenblumenkerne auf den Teig streuen und die Brote an einem warmen Ort etwa 20 Minuten ruhen lassen (gut geht das im Backofen, wenn nur das Licht eingeschaltet ist).

6. Nach 20 Minuten den Ofen auf 180 °C Umluft einschalten (die Brote bleiben im Backofen, während er aufheizt). Die Brote in etwa 1 Stunde fertig backen. Wenn sie beim Klopfen auf die Unterseite hohl klingen, sind sie fertig.

Zum Einfrieren das Brot gut in Alufolie oder in einen Gefrierbeutel einpacken. Tiefgekühlt hält es 2 – 4 Monate. Zum Auftauen in der Verpackung über Nacht bei Zimmertemperatur stehen lassen. Man kann es auch antauen lassen, auspacken, die Kruste befeuchten und im Ofen aufbacken.


Knusprige Fischstäbchen: Sie waren der Renner! Durch die Panier aus Mehl, Ei und Cornflakes werden die Fischstäbchen wunderbar knusprig. Statt Lachsfilet wie angegeben habe ich Schellfisch verwendet.

Frozen Joghurt: Einmal ganz anders – Früchte werden gekocht, püriert und dann in Eiswürfelformen eingefroren. Die Fruchteiswürfel werden dann gemeinsam mit Rahmjoghurt serviert. Mmh…

Haferflockenkekse: Ein superschnelles und köstliches Rezept, an dem es nichts auszusetzen gab. Der Teig lief beim Backen nur wenig auseinander, die Ränder der Kekse sind knusprig, das Innere weich. Die Süße könnte eine Spur dezenter sein, aber das ist Geschmackssache. Im Original sind die Kekse noch mit etwas Zitronenglasur überzogen, diesen Schritt habe ich weggelassen.

To Cook-Liste

Kinder, Kinder … Ihr könnt euch freuen auf:

Pausenbrötchen mit Aprikosen und Nüssen
Zopftiere
Brühe mit Huhn und Tomate
Penne con fagioli, salsiccia e cioccolata
Grießauflauf mit Zwetschgen
Das 3-Stunden-Ragù vom Rind und Schwein
Bulgur-Pilaw mit Huhn
Apfel-Rotkohl mit Kastanien
Hörnli mit Gehacktem und Apfelmus
Ofenguck mit Speck und Salbei
Kinder-Chili
Sauerrahmeis mit Limette
Fior di Latte con cioccolata
Ice-Tea-Sirup
Zimt-Kardamom-Schnecken
Die besten Chocolate-Chip-Cookies
Schneller Kastanienkuchen

Fazit: Das große Familienkochbuch ist eine echte Empfehlung. Die Autorin Julia Hofer schreibt im Vorwort, sie möchte mit ihren Rezepten den Spagat schaffen zwischen dem, was Kindern schmeckt und dem, was Eltern schmeckt. Aus meiner Sicht ist ihr das mehr als gelungen. Aufmachung, Konzept und Rezeptauswahl – alles passt. Das rechtfertigt auch den – zugegebenermaßen hohen – Preis.

Das große Familienkochbuch – Einmal kochen, zweimal genießen
von Julia Hofer
Gebundene Ausgabe, 312 Seiten
AT Verlag, 1. Auflage 2014
ISBN: 978-3038007906
Preis: € 39,90

Ein herzliches Dankeschön an den AT Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Kommentare:

  1. Das klingt ja wirklich interessant, auch wenn man keine Familie hat. Zeit einzusparen hat ja bekanntlich noch nie geschadet, auch wenn man nur zwei bis drei Menschen zu verköstigen hat.

    Ofenguck, der Name gefällt mir! Nur habe ich keine Ahnung, was man darunter versteht. Magst du es verraten?

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    1. Zeit ist bei mir grad ein kostbares Gut - auch wenn ich "daheim" bin, kann ich ja vieles von dem, was ich machen möchte, gar nicht tun ... Da kommt mir immer ein kleiner Mann dazwischen ;-)
      Der Ofenguck ist ein Auflauf oder Gratin, ein traditionelles Schweizer Restegericht, wie im Buch zu lesen ist. Kannte ich bis dato auch noch nicht!
      Liebe Grüße!

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  2. Mit dieser Rezension kommst du ein paar Wochen zu spät. Meine Schwester bekam stattdessen einen gusseisernen Bräter von mir, aber Weihnachten naht. ;-)
    Liebe Grüße,
    Eva

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    1. Ja genau, Weihnachten ist nicht mehr weit - da freut sich deine Schwester bestimmt!
      Liebe Grüße vom Mädel

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  3. Wow, das klingt wirklich gut! Ja, den Spagat zwischen Eltern und Kindern zu schaffen ist oft ein wenig Zauberkunst. Und wenn das ein Buch ist, das mir keinen "Gemüsegesichtteller" empfiehlt, wird es wohl Einzug in meine Küche halten! Danke dir, LG aus Tirol, Beate

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    1. Zauberkunst trifft es ganz gut ;-) Gemüsegesichter sind ja auch manchmal ganz lustig, aber eben nur manchmal ...
      Liebe Grüße!

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  4. Doch IMMER schön für die Köchin, wenn sie alle am Tisch glücklich machen kann. Eigentlich kann ich mir deinen Eßtisch gar nicht anders vorstellen ;)

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    1. Hm, du würdest dich wahrscheinlich wundern ;-) Liebe Grüße vom Mädel!

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  5. Das klingt wirklich gut, ich bin ja sowieso ein Fan von Zeitsparmaßnahmen auch in der Küche.
    Kleine Kinder denen man Essen muss hab ich zwar nimmer, aber mein Mann könnte ein bissl weniger heikel sein ggg
    Ich hab noch so ein Kamutmehl da, ich glaube das Brot muss ich auch dringend nachmachen.

    Liebe Grüße Sina

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    1. Ob sich dein Mann noch was beibringen lässt in der Hinsicht? Ich bin gespannt ;-)))
      Liebe Grüße!

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  6. Ein Thema, das wohl viele beschäftigt - möglichst viel frisch kochen, und trotzdem den Aufwand nach Möglichkeit zeitweilig minimieren... hab mir das Buch gleich in der Städt. Bücherei (eine Quelle immer wiederkehrender Freude) ausgeliehen und es hat mir sehr gefallen! Danke für den Super Tipp!!! Liebe Grüße aus Wien von Irmi E.

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