Montag, 7. September 2015

Hübsch wie tausend Sterne


Obwohl ich mich getrost und aus echter Überzeugung als emanzipiert bezeichnen würde, trage ich tief in mir das Gefühl, dass ich nicht alles selber können muss. Männersachen halt. Ich muss keine Zäune reparieren, keine Hausfassade neu gestalten und keine Waschmaschine anschließen können. Mag sein, dass damit mein Emanzipiertsein auf etwas wackeligen Beinen steht. Aber man kann es ja auch anders anders sehen: Ich muss gar nichts. Auch das ist Emanzipation.

Als Frau muss ich heutzutage auch keinen Kuchen mehr backen können. Allein: Ich liebe es, es zu können. Und ich liebe es, es zu tun. Das färbt natürlich hellrosa ab auf mein kleines Minimädel, das ihre Mama nie beim Reparieren von Fahrrädern, aber sehr oft beim Kuchenbacken in der Küche stehen sieht. Wen wundert es da, dass sie sich nun mit ihren zarten fünf Jahren an ihrer ersten, eigenen Torte versuchen wollte. Und natürlich hat sie die Herausforderung bravourös gemeistert - obwohl ich zwischendurch einmal ganz kurz ihre Motivation suchen gehen musste…



Hübsch wie tausend Sterne-Torte

Minimädels erste Torte war ein unaufwändiges Rezept ohne Abwiegen, fix in der Zubereitung, fein im Geschmack und mit minimaler Hilfestellung von meiner Seite zu bewerkstelligen. Als sie fertig war, begutachtete sie das Minimädel von allen Seiten und meinte dann stolz: Hübsch wie tausend Sterne! Stimmt. Ganz genauso wie meine Kleine selbst …

Zutaten für eine 18 cm-Springform (für eine normal große Springform die Massen verdoppeln)

Für den Biskuitboden
3 Eier
1 Prise Salz
3 gehäufte EL Zucker
3 gehäufte EL Mehl

Für die Creme
½ Becher Schlagobers (125 ml)
2 EL Magertopfen
1 EL Staubzucker
1 EL Vanillezucker
etwas abgeriebene Zitronenschale

Zum Verzieren
Walderdbeeren oder andere Beeren
Walderdbeerblätter oder Zitronenmelisse
essbare Blüten (hier: Wiesenglockenblume)
Hagelzucker

1. Backofen auf 180 °C vorheizen.

2. Den Boden der Springform mit Backpapier auslegen.

3. Für den Biskuitboden die Eier trennen. Eiklar mit einer Prise Salz steif schlagen. Sobald der Schnee in der Schüssel bleibt, wenn man sie auf den Kopf stellt, ist der Schnee fertig! Zucker einrieseln lassen und weiter schlagen, bis der Schnee feste Spitzen bildet und seidig glänzt. Nach und nach und auf langsamer Stufe die Dotter einrühren. Zum Schluss noch das Mehl vorsichtig untermengen.

4. Die Biskuitmasse in die vorbereitete Springform füllen, glatt streichen und in den Ofen schieben. In 20 Minuten goldgelb backen. Stäbchenprobe: Einen Holzspieß in den Teig stechen – bleibt kein Teig mehr daran kleben, ist der Biskuitboden fertig gebacken.

5. Währenddessen die Creme zubereiten: Schlagobers steif schlagen. Magertopfen mit Staubzucker, Vanillezucker und Zitronenschale glatt rühren und mit dem Schlagobers vermischen. Die Creme in den Kühlschrank stellen.

6. Biskuitboden aus dem Ofen nehmen und kurz überkühlen lassen. Vorsichtig den Rand mit einem Messer lösen und die Springform öffnen. Den Biskuitboden herausnehmen, das Backpapier entfernen und den Boden auf einem Kuchengitter vollständig auskühlen lassen.

7. Während der Biskuitboden auskühlt, ist Zeit für einen kleinen Spaziergang. Nicht vergessen, Beeren, Blüten und Blätter für die Dekoration zu sammeln!

8. Den ausgekühlten Biskuitboden auf einem hübschen Teller anrichten. Die Creme aus dem Kühlschrank nehmen und auf dem Kuchen verstreichen. Die Torte mit Walderdbeeren belegen und mit Blättern und Blüten verzieren. Mit Hagelzucker bestreuen.

Variante: Wer es noch fruchtiger mag, streicht zwischen Tortenboden und Creme etwas Erdbeermarmelade auf.


Übrigens hat das Minimädel kürzlich, nachdem der kleine Mann eines ihrer Spielzeuge auf den Boden geschmissen hatte und dieses danach nicht mehr einwandfrei funktionierte, in einem grandiosen Moment der Erleuchtung eine mir sehr bekannte Art von weiblicher (?) Reparaturformel entdeckt: Einmal drauf hauen, kurz warten, ausschalten, einschalten. Und das Herrliche dabei war: Es hat funktioniert!

Kommentare:

  1. Wunderbar! Sehr gut hat dein Mädel das gemacht.

    Wenn man erkennt, dass man streckenweise gar nichts muss, ist das eine ganz wunderbare Erkenntnis.

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  2. Da bin ich ja beruhigt, dass es mit den Köstlichkeiten so weiter geht. Liebe Grüsse nach BZ

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    1. In unserer Familie wird das nie aufhören ... vermutlich :-)

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  3. Chapeau oder ich ziehe meinen Hut vor dieser wundervollen Torte und Bäckerin/Konditorin.
    Liebe Grüße
    Braunelle

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