Sonntag, 31. Mai 2015

Ein Kinderspiel


Es ist faszinierend, ein Kind, und ganz besonders natürlich mein Kind, in seiner Entwicklung zu beobachten, hautnah dabei zu sein. Schön ist das, spannend und lustig. Und es unterstützt mich ganz wesentlich in meiner Neigung zur Sentimentalität. Denn in diesem Beobachten tun sich unzählige Parallelen zu meiner eigenen Kindheit auf, Spiele, Verhaltensmuster und Interessen wiederholen sich auf fast magische Weise und kurze Momente lang habe ich das Glück, noch einmal erahnen zu können, wie sich das angefühlt hat, damals, als ich unbeschwert und scheinbar grenzenlos frei von mich hin leben konnte.


Das Minimädel hat soeben ein Spiel entdeckt, das ich als Kind ebenfalls sehr gerne hatte: das Wirtshausspiel. Und das ging so: Einer von uns war der Koch und gleichzeitig auch der Kellner, die anderen waren die Gäste. Es gab eine kleine Speisekarte, auf der Gerichte standen, die wir selbst schon zubereiten konnten, Toast zum Beispiel, oder Joghurt mit Vanillezucker. Der Koch nahm ordnungsgemäß die Bestellung auf, kochte, servierte und räumte auch wieder ab. Immer mit einem Geschirrtuch am Unterarm, versteht sich. Ein phantastisches Rollentheater, bei dem, wenn ich so darüber nachdenke, das Spiel ganz wunderbar mit der Realität verwoben ist. Ein Spiel mit der Realität!


Auch das Minimädel hat eine Speisekarte, die aus kleinen Zeichnungen besteht. Zur Auswahl stehen zur Zeit Schokolade, Apfel, Orange und Banane. Zu trinken gibt es Wasser (in den Varianten warm, kalt und lauwarm) sowie Wassermilch (Wasser mit einem Schuss Milch – ihre erste eigene Rezeptur J). Zumindest mir bleiben da keine (Herzens)Wünsche offen.


Nesselkäse mit Frühlingssalat

Ein Kinderspiel ist es auch, Frischkäse aus Joghurt herzustellen: Das Naturjoghurt wird nach Belieben gewürzt und darf über Nacht abtropfen, fertig. In der orientalischen Küche wird Frischkäse, der auf diese Weise entsteht, Labneh genannt. Mein Frischkäse besteht aus Naturjoghurt und Topfen und ist mit Brennnesseln und Taubnesseln verfeinert, dazu passt perfekt ein knackiger Frühlingssalat, der auch gern ein bisserl was an Schärfe mitbringen darf. Diese Schärfe und Würze kommt hier vom Bitteren Schaumkraut, einem wilden Verwandten der Gartenkresse, die an vielen Quellen und Bächen zuhause ist. Sie wird gerne mit der seltener anzutreffenden Echten Brunnenkresse verwechselt, beide leisten jedoch in der Küche dieselben Dienste. Die zwei sind übrigens während der Blütezeit ganz leicht zu unterscheiden: Das Bittere Schaumkraut hat violette Staubbeutel, die Echte Brunnenkresse gelbe.

Zutaten für 4 Portionen

Für den Nesselkäse
2 Hand voll frische Nesseln (Brennnesselblätter, Taubnesselblätter, Taubnesselblüten)
250 g Magertopfen
250 g Vollmilchjoghurt
½ TL Salz
Pfeffer

Für den Salat
8 Radieschen
4 Frühlingszwiebeln
1 Kohlrabi
2 Karotten
1 Apfel
2 Handvoll Bitteres Schaumkraut

Für die Marinade
Saft von ½ Zitrone
2 EL Öl
1 Prise Salz
1 Schuss Wasser

Zum Garnieren
einige Lindenblätterknospen

1. Für den Nesselkäse die Nesselblätter und –blüten fein hacken und mit Magertopfen, Naturjoghurt, Salz und Pfeffer vermischen.

2. Ein Sieb mit einem sauberen Mulltuch auslegen und über eine größere Schüssel hängen. Die Käsemischung hinein geben, abdecken und über Nacht im Kühlschrank abtropfen lassen.

3. Für den Salat Radieschen vierteln, Frühlingszwiebeln in Ringe schneiden, Kohlrabi schälen und stifteln, Karotten schälen und in Scheiben schneiden und den Apfel würfeln. Alles mit den Marinadezutaten gut abmischen und zusammen mit dem Bitteren Schaumkraut auf Tellern anrichten.

4. Den Nesselkäse mit einem Eisportionierer auf den Salat setzen und mit Lindenblätterknospen garnieren.


Inspiration: küchengötter.

Kommentare:

  1. Du hast sicher eine sehr unbschwerte Kindheit erlebt. Und das dürfen offensichtlich deine Kinder nun auch genießen. Sehr schön, so etwas zu lesen.
    Und dein Nesselaufstrich liest sich nicht weniger gut!

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    1. Ja, liebe Susi, ich glaub, das kann ich behaupten ... Und ich versuche natürlich, diese Erfahrungen weiterzugeben. Grad jetzt ist es ja schön zu beobachten, die Kinder rennen den ganzen Tag wie Gott sie geschaffen hat durch die Gegend, sind am Abend müde und dreckig und freuen sich auf den Abendkakao. Diese Unbeschwertheit müsste man sich bewahren (können) ... Liebe Grüße!

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  2. Ich glaub' auch, dass bei dir gut Kind sein ist ;)!

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