Donnerstag, 30. April 2015

Rezension: Das Wachau Kochbuch


Noch so ein wunderschön gestaltetes Buch aus dem Brandstätter Verlag: Das Wachau Kochbuch. Die Autorin Christine Saahs habe ich im Jahr 2013 kennen gelernt. Zunächst über ihr erstes Buch, Ich koche für mein Leben gern – ein Geschenk von lieben Freunden. Ich nahm es mit auf Reisen und war begeistert von der Fülle an Rezepten und Tipps, die darin zu finden sind. Kurze Zeit später war ich mit denselben Freunden am Nikolaihof in der Wachau zu Gast. Der Nikolaihof ist das älteste Weingut Österreichs und wird von Christine Saahs und ihrer Familie geführt und bio-dynamisch nach den Regeln des Demeter-Bundes bewirtschaftet. Es war ein Erlebnis, an einem Ort mit so langer Geschichte zu speisen, an einem Ort, an dem tatsächlich – und das schmeckte man – mit Liebe gekocht wird.

Das Wachau Kochbuch von Christine Saahs ist eine Weiterführung ihrer kulinarisch-schriftstellerischen Arbeit - im besten Sinne. Die Rezepturen sind schön strukturiert und übersichtlich gestaltet, die Fotografien sehr professionell und stimmig – mit viel Leinen, altem Besteck und Blümchengeschirr, mit frischen und lebendigen Farben. Dazwischen: Kurzweilige Erinnerungen der Autorin an ihre Kindheit inmitten von Marillenbäumen und Weinreben.

Gegliedert ist das Buch ganz klassisch und einfach, nämlich in:

* Vorspeisen
* Suppen
* Hauptspeisen
* Desserts
* Brot und Wein

Hat das inzwischen nicht Seltenheitswert? Mir gefällt es ausgesprochen gut.

Die Rezepte

Wir Österreicher, wir sind ja schon ziemlich stolz auf unsere Wachau. Auf unsere Wachauer Marillen und auf unseren Wachauer Wein sowieso. Natürlich kommen diese zwei Zutaten auch im Wachau Kochbuch nicht zu kurz. Recht so! Einfache Rezepte (Kalte Gurkensuppe für heiße Sommertage) finden sich ebenso wie aufwendige (Nikolaihof-Blutwurst). Fleisch und Fisch, dazwischen Vegetarisches. Und auch der Nachtisch kommt nicht zu kurz. In vielen Gerichten lässt sich außerdem erahnen, wie es war, als sich durchziehende Händler und Geistliche in einem der vielen Klöster, die in der Wachau angesiedelt waren, verköstigten und stärkten. So finden sich Rezepte für Arme Ritter aus Aggstein, Franziskaner Brotsuppe, Augustiner Herrenkekse, Feines Klostermus, Gebackener Klosterkarpfen oder eine Haselnussroulade für den Herrn Geistlichen Rat.


Nachgekocht

Meine Wahl fiel diesmal auf ein sehr einfaches Gericht, denn im Einfachen trennt sich bekanntlich oft die Spreu vom Weizen. Im Feinen Klostermus vereinen sich weich gekochte Äpfel mit Weißwein, Rosinen, Ingwer, Kardamom, Vanille und Cognac – eine wahrlich himmlische Kombination, bodenständig und elegant zugleich. Das Mus kann ich mir sehr gut als leichten, aber anregenden Abschluss eines üppigen Mahls vorstellen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass das Mus innerhalb unserer (sehr kleinen) Verkostgruppe zwar keine ungeteilte Zustimmung fand, was jedoch meinen Geschmack angeht, so traf es voll ins Schwarze.

Feines Klostermus

Zutaten für 4 – 6 Portionen

1 kg aromatische Äpfel (Anmerkung: eher mürbe Sorten verwenden, die beim Kochen schön zerfallen)
ca. 50 g Zucker
50 g Rosinen
¼ l Weißwein
1 TL kandierter Ingwer, gerieben (ich: gehackt)
1 Prise Kardamom
1 EL Vanillezucker
4 cl Cognac
2 – 3 EL Mandelblättchen, etwas Butter, etwas Zucker
Rosenblätter als Garnitur (ich: Schlüsselblumenblüten)

1. Äpfel schälen, entkernen und in Stücke schneiden.

2. Die Äpfel zusammen mit Zucker, Rosinen und Weißwein in einen Topf geben und etwa 15 Minuten köcheln, bis sie weich sind. Gegebenenfalls die Apfelstücke mit einer Gabel noch ein wenig zerdrücken - das Mus kann aber ruhig noch stückig sein.

3. Ingwer, Kardamom, Vanillezucker und Cognac dazugeben und vermischen.

4. Die Mandelblättchen in wenig Butter und Zucker hellbraun rösten.

5. Das Mus in Schalen oder Gläsern anrichten und mit den Mandelblättchen und den Blüten bestreuen.


To Cook-Liste

Da fände sich wieder einmal vieles, allen voran aber:

Saure Semmelknödel
Franziskaner Brotsuppe
Grüne Kräutercremesuppe
Rossatzer Erdäpfelgulasch
Hundsheimer Reisfleisch
Faschierte Fischlaibchen
Gebackene Schinkenfleckerl
Arme Ritter aus Aggstein
Augustiner Herrenkekse
Gugelhupf (ein Gugelhupf mit Rumrosinen, dunklen Schokoladenstücken und gehackten Nüssen kann nur gut sein …)
Streuselkuchen ohne Boden
Feuerflecken
Göttweiger Marillenbrez’n

Fazit: Christine Saahs steht für eine genussreiche, bürgerliche Küche mit regionalem Einschlag. Dabei ist es ihr wichtig, Lebensmittel in Bio-Qualität zu verwenden, weil es zum einen besser schmeckt und zum anderen von Respekt zeugt gegenüber der Natur. Das sind Grundsätze, die ich voll und ganz unterschreiben kann und das ist es auch, was die Autorin und das Buch für mich sehr sympathisch macht. Ein kleiner Kritikpunkt (mit Augenzwinkern) sei mir dennoch erlaubt: Ein Insider-Rezept für Wachauer Laibchen, das typische und bekannte Gebäck aus Weizen- und Roggenmehl, das wär’ noch was gewesen …

Das Wachau Kochbuch – Kulinarisches Weltkulturerbe aus dem Herzen Österreichs
von Christine Saahs
Gebundene Ausgabe, 176 Seiten
Brandstätter Verlag, 1. Auflage 2015
ISBN: 978-3850338806
Preis: € 29,90

Herzlichen Dank an den Christian Brandstätter Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

P.S.: Micha, this is for you – das abgetippte Rezept meine ich … J

Kommentare:

  1. Maria, mein Sonnenschein,
    sags im echten Leben mit Blumen und in Blogistan mit einem abgetippten Rezept :).... Luftbisou...

    AntwortenLöschen
  2. Zuerst koche ich das Klostermus nach und dann werde ich Ausschau nach dem Buch halten. Muss doch wissen, was Augustiner Herrenkekse sind. :-) Danke für die schöne Rezension.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Gerne :-) Die Herrenkekse sind mit ganz viel Rosinen, also nur für Liebhaber der kleinen Schrumpeldinger (so wie mich ...)

      Löschen
  3. Man kann Himmelschlüssel essen! Meine Erkenntnis des Tages. Das war mir nämlich bisher nicht klar!

    Hoffentlich zeigst du noch einige der Rezepte auf deiner Nachkochliste.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Na sicher kann man die essen ... Kennst du die Weisheit nicht, dass man die ersten drei Himmelsschlüsserl des Jahres essen soll, damit man das ganze Jahr über gesund bleibt? Liebe Grüße vom Mädel :-)

      Löschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...