Donnerstag, 26. März 2015

Einkaufen mit Mama


Einkaufen mit der Mama war immer schön. Zuerst zum Bäcker. Dann zum Langthaler, einem Mittelding zwischen Greißlerei und heutigem Supermarkt. Ich kann mich noch genau an das Geschäft erinnern: Hinein und dann gleich einmal rechts – Obst und Gemüse. Eine kleine Kurve nach links und gleich wieder nach rechts und dann ein gerader Gang bis nach vor zur Feinkost. Auf der anderen Seite ging’s zurück, einmal rechts, dann war die Kasse, einmal links und schon standen wir wieder auf der Straße.

Die Einkäufe kurz im Auto verstaut und dann noch die paar Schritte zum Fleischhacker (bei uns sagt man so): Definitiv ein Objekt der Begierde! Dort gab es für uns Kinder nämlich immer ein Röllchen Extrawurst oder – wenn wir ganz brav waren – ein warmes Leberkäs-Semmerl. Das haben wir dann auf der gefliesten Stufe beim Eingang sitzend verspeist, während Mama ihre Bestellungen aufgab. Was für ein Hochgenuss!


Abseits der überquellenden Produktwelten im Supermarkt bemühe ich mich, meinen Kindern so oft es geht auch diese Art des Einkaufens zu zeigen. Es ist mir wichtig, dass sie wissen, dass auch eine kleine, aber feine Auswahl alles bieten kann, was das Herz begehrt. Beim Fleischer im Nachbarort freue ich mich über die herzliche Begrüßung und die persönliche, kompetente Beratung. Fleisch und Wurst wird nur in Papier und nicht zusätzlich noch in Plastik verpackt. Und, nicht zu vergessen: Im Geschäft steht eine kleine Bank, wo das Minimädel sein Leberkäs-Semmerl verspeisen kann, während ich meine Bestellungen aufgebe. Die ist sogar gepolstert …


Ofenfaschiertes mit Dirndln

Zutaten für 6 Personen

Für das Ofenfaschierte
1 kg gemischtes Faschiertes
2 Eier
2 kleine Zwiebeln, fein gehackt
200 g Topfen
Salz, Pfeffer
4 EL Dirndlsenf (Rezept siehe weiter unten)

Für das Gemüsepüree
500 g Kartoffeln
150 g Sellerie (etwa 1/2 kleinere Knolle)
150 g Fenchel (etwa 1 Stück)
einige Esslöffel Kochsud
100 ml Milch
Salz
Muskat

Zum Servieren

1. Für das Püree die Kartoffeln in der Schale dämpfen.

2. Backofen auf 180 °C vorheizen.

3. Das Faschierte mit den Eiern, den fein gehackten Zwiebeln und dem Topfen vermischen und mit Salz und Pfeffer würzig abschmecken.

4. Die Masse etwa 2 cm dick auf ein Backblech oder in eine größere Rein streichen. Die glatte Oberfläche mit Dirndlsenf bestreichen.

5. Ofenfaschiertes etwa 25 Minuten backen.

6. In der Zwischenzeit Sellerie und Fenchel schälen und würfeln. In wenig Wasser in etwa 15 – 20 Minuten weich kochen, anschließend mit einigen Esslöffeln vom Kochsud fein pürieren.

7. Kartoffeln schälen.

8. Die Milch erwärmen und die Kartoffeln durch eine Kartoffelpresse in die warme Milch drücken. Das Gemüsepüree unterziehen und mit Salz und Muskat würzen.

9. Das Ofenfaschierte aus dem Backrohr nehmen und in Quadrate schneiden. Mit Gemüsepüree und Dirndloliven servieren.


Dirndlsenf

Zutaten für 3 kleine Gläser à 200 ml

200 g gelbe Senfkörner
200 ml Weißweinessig
250 ml Wasser
2 EL Honig
2 EL Salz
100 g Dirndlmus
100 ml Dirndlsaft
50 g Gelierzucker (2:1)

1. Senfkörner in einer elektrischen Kaffeemühle in mehreren Durchgängen fein vermahlen: Einen Teil der Senfkörner vermahlen, durch ein feines Sieb sieben, die Schalen kommen zurück in die Mühle und werden zusammen mit der nächsten Portion Senfkörner wieder vermahlen. Dabei darauf achten, dass das Senfmehl nicht zu stark erwärmt wird, daher zwischendurch Pausen einlegen.

2. Weißweinessig mit Wasser, Honig und Salz erhitzen, bis sich der Honig aufgelöst hat. Etwas abkühlen lassen, dann unter ständigem Rühren das Senfmehl einarbeiten. Solange rühren, bis sich die Zutaten gut verbunden haben und eine cremige Masse entstanden ist.

3. Die Senfmasse in ein größeres, gut verschließbares Gefäß geben und mindestens drei Wochen kühl lagern, damit der Senf sein Aroma entfalten kann (je länger die Senfmasse lagert, umso milder wird sie im Geschmack).

4. Für den fertigen Dirndlsenf das Dirndlmus und den Dirndlsaft mit dem Gelierzucker vermischen und unter ständigem Rühren aufkochen.

5. Sobald die Masse kocht, zum fertig gereiften Senf geben. Gut durchrühren, bis eine gleichmäßige Farbe entsteht, und in sterilisierte Gläser abfüllen. Gut verschließen und kühl und dunkel lagern.


Die Rezepte für das Ofenfaschierte und den Dirndlsenf stammen aus dem Buch Die Kornelkirsche und ihre Vorzüge in Garten, Küche und Keller von Manuela Grasmann, erschienen im Leopold Stocker Verlag.

Der Dirndljahrgang 2015 macht sich schon bereit …

Kommentare:

  1. Oh ich erinnere mich auch noch gut,.in unserem wirklich kleinen Ort gabs zwei Fleischhacker und 3!!! Bäcker als ich so im Alter vom Minimädel war. Dazu noch zwei so wirlklich kleine Greissler. Als ich älter wurde, nahm die Anzahl der Fleischhacker und Bäcker kontinuierlich ab, bis schließlich keines mehr übrigblieb. Ein Greissler sperrte auch zu, der zweite, den gibt's heute auch noch, allerdings ist das jetzt ein Supermarkt. Dazu noch zwei überregionale Supermärkte der dritte ist in Planung. Der Ort ist immer noch ein kleiner,...Und ich erinnere mich an die Leberkässemmerl und an die mit Extrawurscht und Gurkerl..Kindheitserinnerungen, meine Kinder die die ersten Lebensjahre auch in diesem Ort gelebt haben, kennen das nicht mehr..da war schon alles anders vor 20 Jahren.
    Dein Dirndlsenf...hach..vielleicht krieg ich ja heuer wieder Dirndl, letztes Jahr hats nicht geklappt.
    Liebe Grüße Sina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wir haben jetzt auch zwei Supermärkte hier im Ort - beide an der Umfahrungsstraße. Und der Ortskern stirbt aus, wie an so vielen Orten. So schade! Ich drück dir die Daumen wegen der Dirndln! Blühen sie schon? Liebe Grüße vom Mädel

      Löschen
  2. Ja solch schöne Erinnerungen hab ich auch - wir hatten auch mal so einen kleinen Greißler, der auch Langthaler hieß (vielleicht ist es ja der selbe?, war ein ganz kleiner, uriger ADEG-Markt). Leider ist der schon seit einer gefühlten Ewigkeit geschlossen, was ich ehrlich gesagt schade finde, denn ich würd viel lieber in so ein kleines Geschäft gehen, in dem es vielleicht nicht 58 verschiedene Sorten Joghurt gibt, dafür aber Produkte aus der Region.
    Aber da der alte "Langthaler" eh schon seit langem leer steht, vielleicht greift ja einmal jemand diese Idee auf?
    Lg Evelyn
    PS - jetzt wo ich dauernd an das Extrawurstsemmerl mit Gurkerl denke, krieg ich doch tatsächlich einen Hunger :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielleicht ist es ja wirklich derselbe? Wär witzig ;-) "Mein" Langthaler steht nämlich auch leer.
      Liebe Grüße!

      Löschen
  3. Und weil du aus dem Alter für *Leberkäs-Semmerl* draußen bist, gabs für dich einen Blumenstrauß gereicht aus Kinderhänden, stimmts ;)!
    Aber ich kann nachvollziehen, was du erzählen willst: ein Lebensmittel verknüpft mit einem Gesicht macht es wertvoller. Geht mir ebenso...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Zur Zeit freu ich mich auf jeden Fall über einen solchen Strauß mehr als über ein Leberkäs-Semmerl ;-)
      Liebe Grüße an dich!

      Löschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...