Sonntag, 15. Februar 2015

Vollwertkost und Becherkuchen


Mitten im Vollwertkost-Zeitalter der 1980er- und 1990er-Jahre aßen wir, dem Wunsch meiner Eltern folgend, uns Kinder und sich selbst gesund und besser zu ernähren, Vollkorn. Selbst gebackenes Vollkornbrot, Vollkornkuchen, Vollkornpalatschinken. Das Mehl dafür natürlich selbst und frisch gemahlen. Aus meiner heutigen Sicht einfach nur großartig, aber ach, wie sehr habe ich mich damals nach dem ganz normalen Schwarzbrot vom Bäcker gesehnt. Wie groß war jedes Mal die Freude über den weißmehlgebackenen Marmorguglhupf von der Oma, den wir Kinder hin und wieder genießen konnten, zusammen mit dem außergewöhnlich guten Himbeerkracherl, das der Opa zu diesen Anlässen aus dem Keller holte - ein kleines Glaserl davon für jeden von uns vier.

Motor solcher Ernährungsverbesserungsversuche war wohl mein Vater, er war der Kulinarik-Trendscout der Familie. Das ist er auch heute noch, keine essbare Mode zieht ungetestet an ihm vorüber (Marmelade wurde vergangenes Jahr mit Flohsamenschalen eingekocht, Kuchen mit Birkenzucker gesüßt, natürlich hat er Chiasamen ausprobiert). So kam es auch, dass ich irgendwann in meiner Kindheit oder frühen Jugend ein seltsames Etwas im Kühlschrank entdeckte. Weiße, unförmige Kügelchen lagen da in einem Schraubglas unter milchig-trüber Flüssigkeit. Heureka! Mein Papa hatte Kefir für sich entdeckt.

Jetzt bin ich ja dem Papa seine Tochter und deshalb reizt es mich natürlich auch, mir meinen Kefir selbst zu machen. Einzig die Sorge, meine Kinder könnten sich irgendwann auch nach dem Essen da draußen sehnen, hält mich (noch) davon ab. So wird er halt gekauft, im Becher, und den verwende ich dann gleich zum Backen.

Kefirbecherkuchen mit Clementinen

Dieser Becherkuchen war der erste meines Lebens. Erkenntnis: Becherkuchen-Backen ist eine lustige Spielart, schön auch für Kinder, aber in Wahrheit trotzdem nichts für mich. Zum Backen gehört, so habe ich es verinnerlicht, Grammgenauigkeit. Meine Küchenwaage ist deshalb immer griffbereit. Trotzdem: Der Kuchen – sehr fein.

Zutaten für 1 Kastenform (30 cm)

1 Becher Vollmilchkefir (180 g)
3 Eier
2 Becher Zucker
1 EL Vanillezucker
3 Becher Mehl
1 Packung Backpulver
½ Becher Clementinensaft
1 Becher Rapsöl oder anderes neutrales Pflanzenöl

1. Backrohr auf 170 °C vorheizen und die Kastenform mit Backpapier auslegen.

2. Kefir in eine kleine Schüssel geben, den Kefirbecher auswaschen und trocknen.

3. Die Eier in eine Schüssel geben und schaumig aufschlagen. Zucker mit dem Becher abmessen und gemeinsam mit Vanillezucker zum Eierschaum geben. Weiterschlagen, bis die Masse dick und hell wird.

4. Mehl abmessen und mit Backpulver vermischen.

5. Clementinen auspressen und einen halben Becher abmessen. Clementinensaft gemeinsam mit dem Öl und dem Kefir zur Masse geben und kurz unterrühren.

6. Mehl-Backpulver-Mischung unterheben und den Teig in die vorbereitete Kastenform füllen.

7. Kuchen in etwa 50 Minuten goldgelb backen (Stäbchenprobe). Kurz überkühlen lassen, aus der Form heben, das Backpapier entfernen und auf einem Kuchengitter vollständig auskühlen lassen.


P.S.: Der Amerikaner Thomas Keller widmet dem Thema The importance of weighing in seinem wundervollen und großformatigen Buch Bouchon Bakery eine Doppelseite und fordert seine Leser auf: Throw out your measuring cups! Er schließt mit den Worten:

Believe us, getting on the scale wave will change your life.

Gaunz mei Red’…

Kommentare:

  1. Das Rezept ist notiert, auch wenn meine Kefirknollen sich schon vor Jahren verabschiedet haben, weil den hausgemachten Kefir keiner mochte. (Ausser dem Hund, der liebte das Zeug heiss und innig).

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    1. Hihi, das kann ich mir vorstellen, mein Hund würde ihn vermutlich auch liiiiiiiiieben (wie sowieso fast alles Essbare ;-))

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