Sonntag, 30. November 2014

Sauerkraut, die Kleinhäusler-Version


Sauerkraut einmachen, was für eine Kindheitserinnerung! Unmengen an überdimensionalen Weißkrautköpfen (Krauthäupen) in der Speis’, der rustikale Krauthobel und davor die Mama oder die Oma, das gleichmäßige, schabend-schneidende Geräusch beim Drüberhobeln, die riesige weiße Wanne, in die das Kraut dann mit unseren Kinderfüßen eingestampft wurde – ein Heidenspaß! Als Kind war ich zwar nicht der allergrößte Sauerkraut-Fan, aber hin und wieder hat es mir doch sehr gut geschmeckt. Zu Bratwürsteln und Erdäpfelschmarren vor allem, da gehörte (und gehört!) es einfach dazu. Mein Vater hat das Sauerkraut auch öfter mit Topfen, Sauerrahm, geraspelten Karotten und Gewürzen vermischt. Ein Geheimtipp auf Vollkornbrot!

Vor einigen Monaten habe ich in den Untiefen unseres Kleinhäusler-Erdkellers völlig unerwartet einen Gärtopf aus Ton gefunden und mich an das selbst gemachte Sauerkraut aus meiner Kindheit erinnert. So hab ich mich an meinem ersten Sauerkraut versucht. Und jetzt, am ersten Adventsonntag, dem Bratwürstel-Sonntag, an dem ein gutes Sauerkraut unerlässlich ist, bin ich mächtig, mächtig stolz. Es ist tatsächlich gelungen und schmeckt wirklich fein.

Sauerkraut im Gärtopf

1. Weißkrautköpfe vierteln und den Strunk entfernen. Einige große Weißkrautblätter für später aufheben, damit wird das gehobelte Kraut abgedeckt.

2. Das Weißkraut mit einem Krauthobel oder mit Hilfe der Küchenmaschine fein hobeln.

3. Weißkraut abwiegen und 1 % des Gewichts ausrechnen – diese Menge an Salz zugeben (Beispiel: 1 kg Weißkraut wird mit 10 g Salz vermischt). Außerdem kommen noch Kümmel, Lorbeerblatt und Wacholder zum Kraut.

4. Portionsweise wird das Kraut nun in den sauberen Gärtopf gefüllt und mit der Hand oder einem Holzstampfer gestampft, bis der Zellsaft des Krauts austritt (Buttermilch oder Ähnliches zum Starten des Gärprozesses habe ich nicht dazu gegeben).

5. Dann wird das Kraut mit den beiseite gelegten Krautblättern bedeckt und mit den Tongewichten beschwert.

6. Den Gärtopf mit dem Deckel verschließen und die Rille rund um den Deckel mit Wasser füllen – so kann zwar Gas aus dem Inneren des Topfes entweichen, es kommt aber keine Luft zum Kraut.

7. Der Topf bleibt nun eine Woche in der Küche stehen, danach kommt er für etwa 6 Wochen in den Keller oder an einen anderen kühlen Ort. Mein Sauerkraut hatte also insgesamt 7 Wochen Zeit zum Reifen. Fertig!

P.S.: Hier gibt’s eine gute Anleitung auf youtube.
Donnerstag, 27. November 2014

Verwöhn Mi(l)ch, ganz ohne Klischee


Ich bin eine Sammlerin. Aber ich kann echt nix dafür. Meine Mama ist schuld, das hab ich von ihr. Wenn ich vor einem Stapel herausgerissener Seiten aus Zeitungen und Magazinen sitze und Rezepte ausschneide, um sie in einer von unzähligen Mappen zu archivieren, dann schüttelt jeder, der vorbei kommt, milde lächelnd den Kopf – und denkt sich seinen Teil.

Nur meine Mama nicht. Sie setzt sich dazu, blättert, gibt ihre Kommentare ab. Sie versteht mich und diese doch etwas irrationale Leidenschaft, natürlich tut sie das. Schließlich ist es eine Art von Begeisterung, die ich wie beiläufig von Kindesbeinen an von ihr übernommen habe. Lernen am Modell nennt man das. Man könnte auch sagen: Kopieren und Einfügen.

Meine Mutter hat nicht nur Rezepte gesammelt: Da gibt es heute noch diese eine Truhe, bis oben hin voll mit alten burda-Heften, gekauft seit den 1970er-Jahren. Ich liebe es, mich durch die vergilbten Seiten zu blättern, so viel Wunder- und Sonderbares gibt es dabei zu entdecken. Die folgende Werbung beispielsweise, die mich an die aktuelle Marketingstrategie eines bekannten Herstellers von Pflegeprodukten erinnert. In beiden Kampagnen geht es um Selbstwertgefühl, um die Schönheit, die von innen kommt. Der große Unterschied: Das Thema wird heute sehr subtil und mit großer Vorsicht angegangen. Damals hieß es schlicht und einfach: Wir suchen die fröhliche Dicke!


Im Text werden die gängigen Klischees um Dick-Sein und Übergewicht so offen und selbstverständlich formuliert, dass einer modernen Frau von heute die Spucke wegbleibt: Dicke Frauen, ja, sie sind schon undiszipliniert und inkonsequent. Aber hey, doch auch fröhlich, natürlich und selbstironisch! Denen ist klar, dass sie nicht zu den Schönsten gehören, aber wisst ihr was? Da stehen die drüber!

Was wohl die Frauen vor 40 Jahren über diese Botschaft dachten? Und was würde sie heute in unserer Gesellschaft auslösen? Klischees und Vorurteile, die in diese Richtung gehen, existieren schließlich nach wie vor in unseren Köpfen. Sie werden, so kommt mir vor, nur nicht mehr in dieser Deutlichkeit kommuniziert, sondern eher hinter vorgehaltener Hand.

Wo wir bei Binsenweisheiten und Allgemeinplätzen sind: Die Welt ist voll davon, wenn es um unsere Ernährung geht. Kohlenhydrate sind böse. Fett macht fett. Vegetarier und Veganer sind mangelernährt. Die Lebensmittelindustrie will uns vergiften. Wir brauchen Supplemente, um gesund zu bleiben. Cola löst Fleisch auf. Dicke essen mehr als Dünne. Eier sind schlecht für den Cholesterinspiegel. Morgens wie ein Kaiser speisen, dafür abends wie ein Bettelmann. Ach, das könnte stundenlang so weitergehen. Kein Wunder, dass Essen so kompliziert geworden ist.

Ich fange daher einfach einmal an und räume mit einem sehr persönlichen Vorurteil auf: Pflanzenmilch schmeckt ganz ok, aber nicht wirklich gut. Tatsächlich habe ich nämlich eine Milchalternative gefunden, die mich wirklich überzeugt. Ohne Wenn. Ohne Aber. Nämlich: Cashewmilch, selbst gemacht. Sie schmeckt cremig, rein, süßlich. Unaufdringlich. Köstlich! Also: Schublade auf, Pflanzenmilch raus, Schublade zu.


Cashewmilch

Ich war ziemlich geschockt, als ich in einer der letzten biorama-Ausgaben gelesen habe, dass Mandelmilch als Ersatz für Kuhmilch eher ungeeignet ist, und zwar aus ökologischen Gründen. 80 % der weltweiten Mandelernte stammt aus Kalifornien, wo der Anbau sehr wasserintensiv betrieben werden muss. Der Wasserverbrauch pro Mandel (und die Rede ist hier von Stück, nicht von Kilo) beträgt unglaubliche vier Liter! In der Folge habe ich versucht, mich auch über die Auswirkungen der Cashew-Produktion schlau zu machen. Aus ökologischer Sicht scheint die Nuss vertretbar zu sein, allerdings gibt es immer wieder Meldungen hinsichtlich Kinderarbeit und gesundheitlicher Schäden der Erntehelfer. Beim Knacken der Nüsse, das offenbar zum Teil immer noch händisch erfolgt, wird nämlich ein ätzendes Öl freigesetzt, das ohne entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu Hautverletzungen führt. Fair gehandelte Cashews sind hier einen Schritt voraus: Die Bauern müssen Schutzkleidung tragen und werden im Umgang mit den Früchten speziell geschult. Daten und Fakten zur Produktion von Cashewkernen sind bei mir übrigens herzlich willkommen!

Zutaten für etwa 800 ml

150 g Cashewkerne
2 entsteinte Datteln
750 ml Wasser
1 Messerspitze gemahlene Vanille
1 Prise Salz

1. Cashewkerne und Datteln in eine Schüssel geben, mit Wasser bedecken und über Nacht einweichen.

2. Das Einweichwasser abseihen und Cashewkerne und Datteln mit dem frischen Wasser, Vanille und Salz in einen Mixer geben.

3. Auf höchster Stufe einige Minuten mixen, bis die Milch glatt und cremig ist.

Cashewmilch muss nicht gefiltert werden und ist sofort trinkbereit. Im Kühlschrank hält sie sich mehrere Tage, sie schmeckt jedoch ganz frisch am besten.

Rezeptidee: Healthy Chef.
Montag, 17. November 2014

Heile Welt


In den kostbaren Minuten, Stunden und Tagen nach der Geburt eines Kindes kann man sie noch einmal spüren, die heile Welt. Ein erster, einziger Augenblick genügt und tiefe Liebe entsteht. Man erkennt in diesen Augen, was wirklich wichtig ist im Leben: Achtsamkeit, Zuneigung, Geborgenheit, Stille. Mehr braucht es nicht. Völlig unwichtig wird es da, was man hat und wer man ist. Alles, was zählt: Wir, du und ich. Ach, ließe sich dieses zarte und zugleich so starke Gefühl doch etwas länger bewahren …

Das Minimädel hat einen Bruder bekommen. Wir sind unendlich glücklich und dankbar und fühlen uns reich beschenkt. Zur Feier dieser wunderbaren Zeit:


Freudenkekse nach Hildegard von Bingen

Das Minimädel liebt sie, diese süßen, buttrigen, knusprigen, nach Honig duftenden Kekse. Ohne Zierrat, einfach, ganz pur, stehen sie im Ruf, beruhigend und stimulierend zugleich zu wirken. Ob das nun stimmt oder nicht: Auf jeden Fall machen sie Freude, weil sie so gut schmecken!

Zutaten für 3 Blech

50 g Honig
170 g Butter
100 g brauner Zucker
1 Prise Salz
1 Ei
200 g Dinkelmehl

1. Honig und Butter langsam in einem kleinen Topf schmelzen.

2. Honig und Butter mit den restlichen Zutaten mit dem Mixer zu einem sehr weichen Teig verrühren.

3. Den Teig über Nacht im Kühlschrank rasten und fest werden lassen.

4. Am nächsten Tag den Ofen auf 180 °C vorheizen.

5. Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und halbieren. Eine Hälfte wieder in den Kühlschrank geben (der Teig lässt sich gut gekühlt am besten verarbeiten!), die zweite Hälfte auf einer bemehlten Arbeitsfläche dünn ausrollen (2 – 3 mm). Kreise von etwa 4 – 5 cm Durchmesser ausstechen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen.

6. Die Kekse etwa 10 Minuten backen, dann auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.

7. Restlichen Teig genauso verarbeiten.

Das Originalrezept stammt aus dem Buch Rezepte und Geheimnisse aus der Klosterküche von Laurence und Gilles Laurendon, erschienen im AT Verlag. Ich musste das Rezept jedoch ziemlich abwandeln, damit es funktioniert.

P.S.: Vermutlich wird es ein wenig ruhiger werden hier in der nächsten Zeit. Ganz still aber sicher nicht. Ich freu mich, wenn ihr nach wie vor ab und zu vorbei schaut!

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