Montag, 13. Oktober 2014

Hollerdrio-o-o


Fröhlich jodeln und aus vollem Herzen juchizen – das könnte ich, wenn ich es könnte, das Jodeln. Ich erwähne das deshalb, weil rund um mich Nasen schniefen und Kehlen krächzen, aber ich, ich könnte, wie gesagt. Vielleicht liegt es an meiner neu entdeckten Wunderwaffe, der Hollersulz, dass ich bis jetzt vor derartigen Erscheinungen verschont geblieben bin? 


Hollersulz

Hollersulz ist ein althergebrachtes und wirksames Mittel bei aufkeimenden Infekten, sie stärkt und schützt vor Husten, Heiserkeit und Schnupfen. Bei den ersten Anzeichen einer Erkältung einen Teelöffel davon in heißem Wasser auflösen und schluckweise trinken.

Zutaten

reife Hollerbeeren
Wasser
Zucker

1. Die Hollerbeeren von den Dolden streifen, in einen Topf geben und mit wenig Wasser aufkochen.

2. Köcheln lassen, bis die Beeren zerplatzen, dann mit einem Kartoffelstampfer gut zerdrücken.

3. Die Hollermasse durch ein Sieb streichen und den Saft auffangen.

4. Hollersaft abmessen und mit halb so viel Zucker zu einer Sulz einkochen. Das Einkochen dauert je nach Menge ungefähr 30 – 60 Minuten.

5. Um zu prüfen, ob die Hollersulz fertig ist, hin und wieder eine Sulzprobe machen. Dazu einen Tropfen der Fruchtmasse auf einen kleinen Teller geben – beim Abkühlen sollte sich ein dünnes Häutchen bilden. Alternativ kann man den Teller auch schräg halten – rinnt der Tropfen hinunter, muss die Sulz noch weiterköcheln, bleibt er haften, ist sie fertig.

6. Sobald die Hollersulz fertig ist, kochend heiß in saubere Gläser füllen und gut verschließen.



Der Holunder kam in früheren Zeiten einer kompletten Hausapotheke gleich, er galt als heilig und mächtig, wachte über Haus, Hof und Acker und begleitete den Menschen von der Geburt bis zum Tod. Auch heute finde ich diesen Schutzgedanken schön und bereichernd, ebenso wie das Gefühl, die Kraft des Hollers körperlich spürbar bei mir zu tragen: Holunderperlen lassen sich kinderleicht anfertigen, denn die Zweige des Holunders haben einen weichen Kern. Man schneidet einen Zweig mit etwa 1 cm Durchmesser ab und entfernt die Rinde. Den Zweig lässt man ein wenig trocknen, teilt ihn mit einer kleinen Säge in Stücke von der gewünschten Größe, entfernt das weiche Innere und schleift die Perlen rundherum mit feinem Schleifpapier ab. 


Nachtrag Dezember 2016:
Tatsächlich habe ich in einem uralten Kochbuch einer Freundin, es trägt den Titel Was koche ich?, im Nachhinein noch ein Originalrezept zur Hollersulz gefunden. Bitteschön:

Hollersulze

Schwarzhollerbeeren (1 l Saft)
¼ kg Zucker

Die Sulze ist ein beliebtes Mittel gegen Husten und Heiserkeit; sie wird im Bauernhaus aber auch aufgelöst auf das Milchmus gestrichen.
Die von den Stielen gezupften Beeren waschen. In einem Leinensack aufhängen, damit das Wasser vollständig abrinnt. Wenn sie trocken sind, in einer mit Wasser ausgeschwenkten Messingpfanne oder Kasserolle ans Feuer stellen und rühren, damit sie, bis sie geplatzt sind, nicht anbrennen. Sobald sie reichlich Saft abgegeben haben, diesen über Nacht durch ein Tuch fließen lassen. (Das Tuch wird zu diesem Zweck an den Füßen eines umgekehrten Sessels angebunden und eine Schüssel daruntergestellt.) Den Rest noch mit den Händen ausdrücken. Je nach der Süße der Beeren wird Zucker zugesetzt. Den zugesetzten Zucker im Saft auflösen und diesen kochen, bis er ganz sulzig geworden ist. 
Als Heilmittel wird der Saft auch ohne Zucker nur dick eingekocht.

Kommentare:

  1. Liebes Mädel vom Land, verstehe ich das richtig? Wenn ich z.b. 100 ml Hollersaft habe, koche ich das mit 50 g Zucker ein? und bedeutet wenig Wasser, passt es, wenn der Holler gerade mal bedeckt ist? Oder noch weniger? Danke für Nachhilfe - das Hollersulz-Rezept klingt so hilfreich, dass ich es gern ausprobieren würde... Liebe Grüße von Irmi E.

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    1. Liebe Irmi,
      ja genau - auf 100 ml Hollersaft kommen 50 g Zucker.
      Wenig Wasser heißt, dass der Boden des Topfes gerade mal bedeckt ist, also vielleicht ein oder zwei cm. Die ganzen Beeren brauchen nicht bedeckt zu sein, weil sie eh durch das Kochen so viel Saft lassen.
      Freut mich, dass dich das Rezept interessiert!
      Liebe Grüße vom Mädel

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    2. Vielen Dank - ich mag deine Seite sehr gern, so viel interessantes Wissen bzw. heutzutage schon fast Geheimwissen über die Natur und ihre Schätze!!!

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