Montag, 4. August 2014

Himbeerwege


Sie kann ihren gezüchteten Gartenverwandten nicht das Wasser reichen, was Größe, Anmut, Makellosigkeit betrifft. Aber dieser Geschmack! Dieser unvergleichliche, unübertrefflich gute Geschmack… Die Waldhimbeeren sind reif!


Himbeerwege
Eine Fruchtgeschichte

Es war einmal im Wald eine Lichtung
(so schrieb es jedenfalls die Dichtung),
da wohnte einst ein Mädchen, das war schlau
und überdies eine gar mutige Frau.

An einem heißen Tage, es war August,
hört sie ’nen Schrei, hat gleich gewusst,
ein Mann in Not war’s, der hier schrie,
sie läuft gleich los, denn er braucht sie.

Sie findet einen Prinzen, gut gebaut und hochgeschossen,
im stacheligen Blätterdickicht eingeschlossen.
Der kämpft und jammert und ist verzagt
Und schreit: „Ach, mein Navi, das hat versagt!

Das GPS-System ging im Wald wohl flöten,
drum bin ich in so großen Nöten.
Ich fand den Weg nicht, hab’ nichts gegessen.
Hab’ sicher Fieber, kann’s jedoch nicht messen.

Mein Auto steht nicht weit von hier –
hoffentlich zerkratzt den Lack kein wildes Tier?
Befreie mich aus dieser Qual!
Du hast dann einen Wunsch zur Wahl.“

Das Mädchen hört des Prinzen Sermon
und denkt sich: „Ich helf’ dem Herrn schon!“
Sie entfernt die Stacheln von seinen Waden –
ohne freilich seinem Anzug zu schaden.

Sie pflückt die roten Beeren von dem Strauch,
füttert ihn und sagt: „Das nährt den Bauch,
und senkt das Fieber, stärkt das Blut,
es fördert auch den Wagemut.“

Darauf nimmt sie ihn bei der Hand,
führt ihn aus dem Wald zum Unterstand,
von wo der Wagen schon zu sehen ist.
„Ganz heil!“, spricht erleichtert der Automobilist.

Er dankt dem Mädchen mit großem Getue,
sucht nach einem Geschenk, einer Schatztruhe,
etwas, das er dem Mädchen überreichen will,
doch dieses sagt zu ihm ganz still:

„Mein Prinz, du hast den Zweck schon erfüllt,
bevor ich dich traf, war ich schon fast gewillt,
mir zu suchen einen edel geborenen Mann.
Nun weiß ich, dass ich es auch bleiben lassen kann.

Denn edel ist ein Mann nur dann,
wenn er das Glück auch ohne Navi finden kann,
wenn er weder Blut noch Dornen scheut,
und mich mit Witz, Geist und Süßerem erfreut.“

So mancher Weg mag neu beginnen,
vertraut man der Kraft der Frucht und seinen Sinnen.     
(Anita Zieher)


Joghurt Ispahan wild & zahm

Die beste Möglichkeit, Waldhimbeeren zu genießen ist, die noch warmen, prallen Früchte direkt vom Strauch zu naschen. Wer sie behutsam sammelt und nach Hause trägt, macht Saft, Marmelade, Sirup, Kompott, Likör oder Milchshakes daraus oder serviert sie heiß zu Vanilleeis. Freilich: Das Ernten ist mühsam, die Beeren haben Miniformat und sind sehr empfindlich. Aber mit den kleinen Wilden schmeckt halt alles weitaus intensiver, fruchtiger, besser als mit deren gezähmten Kollegen. Auch die Geschmackskombination Ispahan, ein signature flavour des Franzosen Pierre Hermé, bestehend aus Himbeere, Rose und Lychee.

Zutaten für 4 Portionen

400 g Naturjoghurt
12 Lychees (frisch oder aus der Dose)
200 g frische Himbeeren und / oder Waldhimbeeren
2 EL Rosenwasser
2 EL Staubzucker
Rosenblüten zum Dekorieren

1. Himbeeren in einem Suppenteller mit der Gabel zerdrücken, mit Staubzucker und Rosenwasser vermischen.

2. Himbeerpüree auf vier Schüsseln verteilen.

3. Frische Lychees schälen, halbieren und entkernen, Lychees aus der Dose abtropfen lassen. Lychees auf die Himbeeren setzen.

4. Das gekühlte Naturjoghurt darauf verteilen und mit Rosenblüten dekorieren.

Kommentare:

  1. Ein köstliches Joghurt Rezept, eine schöne Kombination Lychee und. Himbeere :-)
    Das Gedicht gefällt mir sehr gut.
    Herzliche Grüsse,
    Sabine

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  2. Die Kombi ist ja leider nicht von mir ... Aber soooo gut :-)

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  3. Seeehr elegant! Und klingen tut diese Kombination bestechend. Gegessen habe ich zwar schon alle Bestandteile, aber nie gemeinsam.

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    1. Dann solltest du das mal tun. Man muss ja nicht unbedingt nach Paris fahren dafür (obwohl ...) ;-)

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  4. In denen habe ich auch schon geschwelgt, aber die Menge hätte für eine Torte nicht gereicht. ;-)
    Liebe Grüße,
    Eva

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    1. Möchtest du uns nicht eine Ispahan-Torte à la kochpoetin kreieren, liebe Eva?

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  5. Mich hast du jedenfalls mit Witz, Geist und Süßem heut erfreut!
    Danke!
    Lieben Gruß
    Reni

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