Freitag, 10. Januar 2014

My Müsliriegelsetzkasten


Wer hatte als Kind einen Setzkasten? Einen dieser äußerst filigran gezimmerten Miniwandschränke, vollgestellt mit Porzellanhündchen, Überraschungsei-Figuren und besonders hübschen Kieselsteinen? Ich … nicht. Mein Bruder sehr wohl, soweit ich mich erinnern kann, lauter Bubenkramuri drin, ich hab ihn manchmal darum beneidet, meistens aber war er (der Setzkasten) mir wurscht (vielleicht war er mir auch ganz und gar nicht wurscht und ich hab die schmerzliche Erinnerung an dieses große Loch in meinem Kinderbesitz einfach nur verdrängt, keine Ahnung).

Jedenfalls: Das Setzkastenprinzip ist mir grundsätzlich symphathisch, es kommt meinem Hang zu Sammlerei und Systematik (daher kommt auch mein zwanghaftes Listenschreiben, ich kann nix für diese Sucht) sehr entgegen.

Worauf ich eigentlich hinaus will: Ich mag Setzkastenrezepte. Sehr sogar. Sie geben mir einen Rahmen vor, von dem ich weiß, dass er funktioniert, darüber hinaus habe ich aber freie Hand und das macht mich kreativ und flexibel. Dass ich mit meiner Neigung nicht alleine bin, weiß ich aus dem Internet. Dort heißt das Individualisieren – und geht mit Müsli, Brot, Marmelade, Currymischungen, Schokolade und sogar Wurst.

Ich gebe euch jetzt ein Instrument in die Hand. Das nenne ich nicht Mixxer (warum die alle mit zwei x geschrieben werden, puh …) und auch nicht Konfigurator (zu technisch), sondern, tadaaaa:


Müsliriegelsetzkasten

Der Name klingt etwas old-fashioned, ich weiß. Ist aber Absicht. Und macht auch nix, retro ist schließlich in (eh noch immer, oder?). Mit ihm könnt ihr Müsliriegel zusammenbauen wie wild.

Das Grundgerüst

Meine Müsliriegel bestehen aus folgenden Komponenten:

1) Getreideflocken
2) stückige Zutaten
3) feuchte Zutaten
4) Mehl
5) Wasser
6) Zucker
7) Gewürze

Sie alle haben ihre Funktion:

1) Getreideflocken sind die Basis eines jeden Riegels.
2) Stückige Zutaten geben dem Riegel Biss.
3) Feuchte Zutaten verbinden und süßen.
4) Mehl bindet die Masse ebenso wie
5) Wasser.
6) Zucker süßt, karamellisiert beim Backen und macht so den Riegel fest.
7) Gewürze runden den Geschmack ab.

Wichtig ist das Verhältnis dieser Komponenten zueinander, vor allem der Anteil an trockenen im Vergleich zu feuchten bzw. bindenden Zutaten:

1) 60 g Getreideflocken
2) 140 g stückige Zutaten
3) 100 g feuchte Zutaten
4) 20 g Mehl
5) 2 EL Wasser
6) 60 g Zucker
7) Gewürze nach Geschmack

Individualisieren

Der Setzkasten ist also montiert, jetzt heißt es: Schätze aus dem Vorratsschrank heben und  geschickt kombinieren. Diese Möglichkeiten! Eine ganze Welt liegt uns zu Füßen …

1) Flocken: Haferflocken oder andere Getreideflocken nach Belieben, vorab trocken geröstet oder nicht.

2) Stückig: Nüsse (Walnüsse, Haselnüsse, Mandeln, Cashews, Erdnüsse, ...), Trockenfrüchte (Sauerkirschen, Cranberrys, Apfelstücke, Ananasstücke, Marillen, Pflaumen, Kokosraspel,…), Samen (Sesam, Sonnenblumenkerne, Leinsamen, Brennnesselsamen), gepopptes Korn (Amaranth, Reis), Schokostückchen, Flakes, … Nüsse und Samen können vorab trocken geröstet werden.

3) Feucht: Nussmus / -butter (Erdnuss, Mandel, Cashew, Haselnuss,…), zerlassene oder weiche Butter, Honig, Ahornsirup, Rübensirup, Reismalz, Apfelmus, Marmelade, Joghurt, zerdrückte Banane, pürierte Früchte

4) Mehl: Vollkorn oder glatt, Weizen oder Dinkel, alles geht. Auch Mais- oder Reismehl.

5) Wasser: Milch geht auch.

6) Zucker: Brauner oder weißer oder gelber, aus Rüben oder Zuckerrohr, …

7) Gewürze: Vanille, Zimt, Salz, Zitronen-/ Orangenschale, …


So. Grschhhh gragggggggggs frrrp – Fertig ist meine Mischung:

Müsliriegel mit Brennnesselsamen

Zutaten für 6 – 10 Stück

1. 60 g Haferflocken
2. 20 g Leinsamen, 40 g Sonnenblumenkerne, 60 g grob gehackte Haselnüsse, 10 g Brennnesselsamen, 10 g Haferflocken (= 140 g)
3. 30 g Honig, 30 g sehr weiche Butter, 40 g Hagebuttenmarmelade (= 100 g)
4. 20 g Reismehl
5. 2 EL Wasser
6. 60 g brauner Zucker
7. 1 Prise Salz

1. Backofen auf 180 °C vorheizen.

2. Alle Zutaten in einer Schüssel gut miteinander vermischen – die Masse ist etwas bröselig, klebt aber dann beim Zusammendrücken gut zusammen.

3. Eine kleine Backform oder Auflaufform mit Backpapier auslegen. Die Müslimasse hineinfüllen und mit dem Löffelrücken fest andrücken. Sie sollte dann etwa 1 cm hoch sein. Ich habe eine spezielle Backform für Mini-Kastenkuchen daheim, mit der geht es auch super. Ich habe sie ebenfalls mit schmalen Backpapierstreifen ausgelegt und pro Förmchen 2 EL der Müslimasse verwendet.

4. Etwa 20 – 25 Minuten backen.

5. Die Müsliriegel komplett auskühlen lassen, erst dann mit einem scharfen Sägemesser in Stücke schneiden oder wie ich einfach nur noch aus den Förmchen heben.


Weitere Ideen?

Apfel: mit getrockneten Apfelstücken
Schoko Banane: Bananenmus, Schokostücke
Nuss: verschiedene Nusssorten
Wildfrucht: Hagebuttenmarmelade, getrocknete Wildfrüchte
Erdnuss: Erdnussbutter und Erdnussstücke
Himbeer Joghurt: Joghurt und getrocknete Himbeerstückchen
Karibik: Kokos, Ananas, Papaya
Schokolade: mit Schokostückchen und zusätzlich noch die fertigen Riegel mit der Unterseite in geschmolzene Schokolade getaucht oder die Oberseite mit Schokolade verziert

Im Grunde ist doch das ganze Leben ein einziger, riesengroßer Supersetzkasten. Das Grundgerüst steht, sein Inhalt jedoch ist beliebig: Er stoppelt sich zusammen aus Menschen, Orten, Erlebnissen, Begegnungen und Freundschaften, aus schlafen und wach sein, reden und schweigen, hinhören und sich taub stellen, lachen oder granteln. Manche Elemente lassen sich austauschen (ich weiß nicht, warum mir da jetzt als erstes Männer eingefallen sind, ich tausche nicht), manche ganz und gar nicht (gutes Essen!) Aber bevor ich jetzt zu philosophisch werde: Bis bald!

Kommentare:

  1. Interessant - ich stehe ja auch Müsliriegel. Werde ich gleich am Wochenende mal testen :D

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  2. sieht ja wiedermal klasse aus und diese Mal für uns :-)
    fand deinen Post für die Pferde so nett - ist mir immer noch in Erinnerung geblieben!!

    lg Netzchen

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    1. Das freut mich und ja genau, für uns. Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass die Riegel meinen Vierbeinern auch schmecken würden ;-)

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  3. Super Rezept, ich habe schon einige Male Müsliriegel ausprobiert, aber das mit dem Mehl war mir neu, auch das Marmelade geht. Und noch besser die Idee mit der Form. Da erspart man sich das mühsame Schneiden. Das müßte doch in einer Silikonform auch ganz gut funktionieren.
    lg Sabine

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    1. Ich fand die Größe der Riegel durch diese Formen sehr handlich und praktisch - und vor allem fällt das Schneiden weg, stimmt! In einer Silikonform geht's sicher auch! Liebe Grüße!

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  4. Cranberry Joghurt ist gerade im Ofen ... danke für den tollen Setzkasten

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    1. Hey, schön! Wie sind die Riegel geworden?

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    2. Immer wieder ausgezeichnet, gerade sind wieder welche im Ofen. Unser Lieblingsmischung ist inzwischen Leinsamen als Basis mit Cranberry Banane :)

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  5. Das ist wirklich eine großartige Anleitung! Ich hab mittlerweile schon viele Müsliriegel-Varianten gemacht. Da ich gesundheitsbedingt in letzter Zeit zuckerarm essen musste, empfinde ich mittlerweile vieles als zu süß. Ich werde also schauen, dass ich die nächste Ladung so wenig süße wie möglich. Die 60 Gramm Zucker müssen aber sein, gell? Du schreibst ja, die braucht man für die Festigkeit. Na, dein Setzkastensystem lässt einem ja ansonsten alle Freiheiten. Also danke noch mal dafür!

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    1. Gerne, liebe Steffi! :-)
      Also der Zucker macht den Riegel knackig und fester, dadurch, dass er karamellisiert. Aber ich denke mir, es gibt ja viele Müsliriegel, die vollkommen ohne Zucker auskommen, vielleicht magst du einfach mal experimentieren und mir deine Ergebnisse mitteilen? Ich würde mich freuen!
      Liebe Grüße!

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