Montag, 4. November 2013

Lesefrucht: Ich vertraue dir


Sind wir echt so blöd? Oder bequem? Festgefahren? Vergesslich? Nur wenige Monate nach dem Pferdefleischskandal läuft alles seinen gewohnten Gang. Die beteiligten Firmensind wieder dick im Geschäft und Fertigprodukte beliebt wie nie zuvor. Derweil beschlagnahmt die italienische Polizei drei Tonnen Brot, das mit Nägeln,Farbresten und Holz verunreinigt ist. Echt jetzt?

Beim Lesen dieser Schlagzeilen hatte ich ein Déjà-LU. Schon mal gelesen, irgendwo. Genau, hier: Im 2009 erschienenen Roman Ich vertraue dir. Dieses Buch dreht sich um Gigi Vianello, einen attraktiven und erfolgreichen Geschäftsmann, der in seinem Gourmetrestaurant auf Sardinien nur die allerbesten Speisen von höchster Qualität serviert. Das große Geld verdient er allerdings woanders: Im internationalen Handel mit minderwertigen und kontaminierten Lebensmitteln. Die absurden Probleme, die sich daraus ergeben und mit denen er sich im Verlauf der Geschichte herumzuschlagen hat, machen ihn fast schon wieder ein bissl sympathisch. Aber nur fast.

„Heutzutage hat sich der Geschmack der Leute verändert, weil sich eine Ernährung auf niedrigem Niveau durchgesetzt hat. Wer gutes und gesundes Essen will, muss nicht nur Geld ausgeben, sondern auch erst einmal lernen, was Qualität ist.“

Ziemlich 2013, oder?


Ich vertraue dir
von Francesco Abate und Massimo Carlotto
erschienen im C. Bertelsmann Verlag

Kommentare:

  1. Danke für den Buchtipp! Klingt so, als müsste ich das mal lesen. Allerdings gebe ich kurz zu bedenken, dass Lebensmittelskandale kein neues Phänomen sind. Das hier

    http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground-xxl/24121/schuld_und_suelze.html

    ist zum Beispiel eine Geschichte, bei der einem wirklich schlecht werden kann. Aber solange Lebensmittel ein Geschäft sind, wird es auch immer Leute geben, die sie vorrangig als Geschäft sehen. Was neu ist: dass immer mehr Menschen die Verantwortung für die Qualität der Lebensmittel, die sie essen, an die Industrie abgeben. Und zwar auch die, die sich Besseres leisten könnten. Und dass hoch verarbeitetes Industriezeugs oft billiger ist als frische Lebensmittel. Seufz.

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    1. Lebensmittelskandale hat es vermutlich immer schon gegeben, in der einen oder anderen Form. Du hast in jedem einzelnen Punkt recht, den du schreibst...
      Danke für deinen Link, wirklich unfassbar. Skrupellos.
      "Kaum war der Sülzepanscher wieder auf freiem Fuß, eröffnete er eine neue Fleischfabrik."
      Doppelseufz.

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  2. Gedanken zum Thema gehen mir auch immer wieder durch den Kopf, und ich frage mich manchmal, ob es überhaupt noch jemanden gibt, der sich für Qualität auf seinem Teller interessiert. Aber, man kann es niemandem verübeln, schließlich sorgen solche Skandale ja nur dafür, dass wir langsam aber sicher abgehärtet werden und uns nicht mehr groß aufregen wenn mal wieder was Neues aufkommt.
    Meine Konsquenzen habe ich schon längst gezogen - und für deinen Buchtipp bin ich dir sehr dankbar!

    Lg Himbeerschoko

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    1. Vermutlich hast du recht, Himbeerschoko. Offenbar gewöhnt man sich an alles, irgendwann. Und schön, dass du so konsequent deinen Weg gehst!

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    2. Ganz leicht ist es nicht immer, und Verführungen lauern überall ;-)))
      Aber wenn ich zurück überlege- noch nie ging es mir so gut wie in der Zeit seit ich mich so richtig bewusst (bewusst, nicht ausschließlich und immer gesund) ernähre. Ich würde es allen so wünschen, und wenn man sich manche Menschen so anschaut mit dem, was sie dann in sich hinein befördern den ganzen Tag *würg*

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    3. Naja, keiner ist perfekt. Keiner MUSS perfekt sein ... Geht ja auch gar nicht. Ich denke auch, dass es wichtig ist, dass die Richtung stimmt. Liebe Grüße vom Mädel!

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