Mittwoch, 13. November 2013

Ein Wald für mich allein


Nur der Einsame findet den Wald; wo ihn mehrere suchen, da flieht er, und nur die Bäume bleiben zurück.

Ich liebe diese Worte von Peter Rosegger, sie sind wahr und schön. Ein Spaziergang durch den Wald erdet und tröstet mich, er entspannt und aktiviert zugleich. Dieser Ort hat für mich etwas Märchenhaftes. Hier entstehen Ideen und Lösungen besonders leicht. Manchmal umarme ich auch einen Baum, ich geb’s zu.  

In früheren Zeiten war der Wald ganz selbstverständlich in das Leben von Mensch und Tier integriert. Er diente als Weide für das Vieh, das trockene Laub wurde als Einstreu oder in Notzeiten auch als Speiselaub genutzt. Abgebrochene Zweige wurden vom Boden gesammelt und für kalte Zeiten zum Heizen aufgehoben. Und im Herbst wurden die Schweine in den Wald geschickt, damit sie Bucheckern und Eicheln fressen konnten.


Heute hat der Wald andere Aufgaben: Es geht vor allem um sein Holz und die Jagd. Aber trotzdem können wir hier immer noch Nahrung finden – für die Seele und den Bauch.


Schokokekse mit Bucheckern

Bucheckern sind die Früchte der Buche, kleine, dreikantige Nüsschen, die wunderbar nach frischen Haselnüssen schmecken. Sie können im September und Oktober gesammelt werden. Roh und in größeren Mengen genossen können Bucheckern bei empfindlichen Personen zu Beschwerden führen, sie werden daher am besten erhitzt.
Das folgende Rezept mag ich besonders gern. Es wird Ahornsirup verwendet, was mir unglaublich gut schmeckt und außerdem ganz ausgezeichnet zu einem Waldkeks passt.


250 g Mehl
150 g kalte Butter
40 g dunkle Schokolade, fein gehackt
100 g Zucker
85 g Ahornsirup
½ TL gemahlener Zimt
½ TL gemahlene Nelken
½ TL Backpulver
geschälte Bucheckern

1. In einer Schüssel Mehl mit Butter verbröseln. Mit den restlichen Zutaten zu einem glatten Teig verkneten.

2. Den Teig zu Rollen von etwa 4 cm Durchmesser formen, in Frischhaltefolie wickeln und für mindestens 2 Stunden in den Kühlschrank stellen.

3. Ofen auf 200 °C vorheizen.


4. Von den Teigstangen etwa 3 mm dicke Scheiben abscheiden und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen. Die Teigscheiben mit je 2 – 3 Bucheckern belegen und die Bucheckern leicht in den Teig drücken.

5. Kekse etwa 8 Minuten backen.


Eichelkakao

Was könnte besser zu den Bucheckern-Keksen schmecken? Eben. Als ich dieses Rezept entdeckte, war ich zunächst überrascht. Eichelkaffee kannte ich ja schon, aber Eichelkakao? Natürlich ein Must-try.
Eichelfrüchte können im Oktober gesammelt werden. Es sollten nur unversehrte Eicheln mit nach Hause genommen werden: Haben sie irgendwo ein Loch, ist mit ziemlicher Sicherheit der Wurm drin. Rohe Eicheln schmecken durch ihren hohen Gerbsäuregehalt sehr bitter und sind nur was für Eichhörnchen, Rehe, Wildschweine & Co. Der Geschmack verbessert sich deutlich durch Waschen, Kochen oder Rösten. Geschält sehen sie übrigens aus wie übergroße Erdnüsse.
Eichelkakao schmeckt zart und wirklich gut. Ich vermute, dass sein Aroma sehr stark vom Röstgrad abhängt. Für meinen ersten Versuch habe ich die Eicheln eher hell geröstet. Wer Eichelkakao genießt, sollte immer wieder einmal umrühren, da sich das Eichelmehl mit der Zeit wieder am Boden des Glases oder Häferls absetzt.

Für ein Glas oder Häferl

¼ l Pflanzen- oder Kuhmilch
1 gehäufter TL Eichelkakaomehl (siehe unten)
1 TL Zucker
Nach Belieben: Kardamom- und / oder Zimtpulver

1. Milch erhitzen.

2. In einem hohen Glas oder großen Häferl Eichelkakaomehl und Zucker vermischen und mit etwas heißer Milch verrühren, bis kein Klümpchen mehr sichtbar sind.

3. Mit der restlichen Milch aufgießen und nach Belieben mit Kardamom und/oder Zimt würzen.


Eichelkakaomehl
1. Eicheln in einem großen Topf (am besten aus Eisen, ich habe Edelstahl verwendet) ohne Fett nicht zu heiß rösten. Dabei immer wieder umrühren, damit sie nicht anbrennen.

2. Wenn die Schale aufspringt und sich zu lösen beginnt, die Eicheln auf einem Backblech verteilen und auskühlen lassen.

3. Schale entfernen und die Kerne grob hacken.

4. Kerne in ein feines Metallsieb geben und kochendes Wasser darüber gießen. Diesen Vorgang mindestens dreimal wiederholen, um die Gerbsäure auszuspülen.

5. Kerne auf einem Tuch trocknen lassen.

6. Dann nochmals im Eisentopf rösten – unter ständigem Rühren und so lange, bis die Eichelkerne braun und absolut trocken sind.

7. Abkühlen lassen und in einer Kaffeemühle fein vermahlen.

8. In einem gut schließenden Gefäß aufbewahren.


Alle Rezepte aus dem Buch „wild kochen“ von Anette Eckmann, erschienen im Christian Verlag.

Und hier kommt noch mein Lieblingswaldbild 2013:

Kommentare:

  1. Oh, ich bin beeindruckt! Ich muss zwar zugeben, dass ich die Bucheckernkekse vermutlich nie nachmachen würde, weil mir die Schälerei der Bucheckern zu lange dauern würde (wenn ich welche finde, landet die "Beute" direkt im Mund). Aber der Eichelkako fasziniert mich. Ich wusste gar nicht, dass man die Gerbsäure tatsächlich so einfach und mit Haushaltsmitteln loswird. Eicheln hatte ich immer als Verzweiflungsnahrung in Hungersnotzeiten abgespeichert. Vielen Dank für die Anregung!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Aber geh, Sabine, sooooviel Arbeit war das auch wieder nicht ... Du brauchst ja pro Keks eh nur ein paar Nusserl... War bei mir in einer halben Stunde erledigt :-)

      Löschen
  2. Auch ich bin tief beeindruckt von deinen Rezepten. Und auch ich werde sie wahrscheinlich nicht nachmachen, weil sie mir zu viel Arbeit sind, aber gleich beide!
    Toll, was du immer zauberst.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "Tief beeindruckt" ... Wow! Danke! ;-) War wirklich nicht so viel Arbeit.

      Löschen
  3. Wir haben erst kürzlich zu Hause über Eichelkaffee diskutiert und was man sonst aus Eicheln machen könnte.... du hast immer so passende Rezepte parat!! Vielleicht mache ich sie nach, einmal schauen, wie sich das Suchen und Vorbereiten der Waldschätze entwickelt... aber die kekse klingen auch ohne Bucheckern gut!!

    lg

    (ich geh auch gern in den Wald!)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Genau, die Kekse sind auch ohne Bucheckern gut. Um ehrlich zu sein: Die Bucheckern hat man beim Knabbern dann auch gar nicht herausgeschmeckt. Sie sind eher "schmückendes Beiwerk" :-)

      Löschen
    2. genauso ist es mir mit den Pinienkernen gegangen, aber Walnüsse obenauf schmeckt man gut heraus!
      lg

      Löschen
  4. Ein schöner Spruch von Peter Rosegger, ich muss auch unbedingt wieder einmal in den Wald! Ich spazier jetzt immer 'nur' durch die Weingärten, das nächste richtige Wäldchen ist schon ein Stückerl weiter weg von uns.
    Ich hab da irgendwo ein Rezept für Newtella aus Eicheln, muss ich einmal raussuchen...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dafür sind bei mir die nächsten Weingärten ziemlich weit weg (vom Hobby-Weingarten meines Vaters einmal abgesehen)! Hihi...
      Eichel-Nutella??? Her mit dem Rezept!!!

      Löschen
  5. Bucheckerln knabbere ich seit Kindheit, wenn ich durch Waelder streife. Ich hab noch nie Probleme bekommen.
    Die Kekse gefallen mir sehr gut!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke Eline! Ja, ich hatte auch noch nie Probleme und kenn auch keine, die welche bekommen hätten. Ich glaub, ernst wird's eh erst, wenn man wirklich große Mengen auf einmal isst. Und das wird wohl keiner so schnell schaffen - einfach weils zu mühsam wäre ;-)

      Löschen
  6. Toll! Habe gerade überlegt, ob das mit den Eicheln der Muckefuck war, aber wahrscheinlich war der aus gerösteter Gerste. Muss noch mal nachschauen. Jedenfalls super Ideen! Schönes Wochenende wünscht Doris, die Anemone

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hm, ich glaub, als muckefuck kann man wohl alles bezeichnen, was unter kaffeeersatz fällt, oder? Das Wochenende war tatsächlich schön, danke! :-)

      Löschen
  7. Wie schön, der Waldsatz - den ich jetzt erst entdecke!

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...