Donnerstag, 6. Juni 2013

Im Untergrund


Menschen, die bei diesem Wetter nicht huaschdad werden, sind Rossnaturen oder Couchpotatoes. Zwischendrin gibt es Leute wie das Minimädel und mich, die mal rausgehen, mal drinnen bleiben, mal zu viel anhaben – und mal zu wenig. Wenn dann der Husten kommt, hilft selbst gemachter Hustensaft aus frisch gesammelten Kräutern. Er wirkt sanft, weshalb von ihm zwar keine großen Wunder erwartet werden sollten (schon gar nicht über Nacht), aber er schmeckt fein und auch Kinder nehmen ihn gern – vor allem dann, wenn sie beim Ein- und Ausgraben helfen dürfen.

Ein- und Ausgraben? Genau. Ich setze meinen Hustensaft ja gerne als Schichtsirup an. Dafür gibt es aber (wieder einmal) nicht die eine Rezeptur und dementsprechend ist die Vielfalt an Anleitungen, die sich dafür finden, relativ groß. Mit Spitzwegerich oder Maiwipferl, mit Zucker oder Honig, gut verschlossenen oder luftdurchlässig beziehungsweise dunkel oder sonnig beziehungsweise ein oder drei Monate gelagert. Hm.


Rezeptefülle führt zu Abenteuerlust, zumindest bei mir. Deshalb probiere ich dieses Jahr einen Erdkammersirup aus. So geht’s:

1. Zuerst werden frische Hustenkräuter gesammelt: Maiwipferl von Tanne oder Fichte, Spitzwegerichblätter, Quendel oder Huflattichblätter eignen sich gut dafür. Ich habe mich für eine Mischung aus Fichtenwipferln, Spitzwegerich und Quendel entschieden. Fichtenwipferl wirken durch ihre ätherischen Öle lockernd und lösend, ebenso der Quendel. Quendel wirkt außerdem krampflösend und antibiotisch. Und die Schleimstoffe des Spitzwegerichs hüllen die gereizten Atemwege schützend ein und mindern so den Hustenreiz (der mich sonst in der Nacht ganz wuschi macht).

2. Die Kräuter säubern und in etwa 1 cm große Stücke schneiden.


3. Nun werden die Kräuter abwechselnd mit feinem Kristallzucker (wer mag, kann auch feinen Rohzucker oder Honig verwenden) in ein großes Glas mit Bügelverschluss geschichtet. Man beginnt mit einer Schicht Kräuter, dann Zucker, dann Kräuter, usw. Die etwa 1 cm dicken Lagen zwischendurch immer wieder mit einem Löffel gut anpressen. Mit Zucker abschließen.

4. Das Glas bleibt nun einige Stunden stehen, dafür muss es noch nicht verschlossen werden. Diese Wartezeit sorgt dafür, dass sich der Inhalt noch etwas setzt.

5. Dann nochmals bis oben hin mit Zucker auffüllen und das Glas gut verschließen.


6. Jetzt kommt die Erdkammer. Dafür im Garten ein etwa 50 cm tiefes Loch graben. Es soll so breit sein, dass das Glas ganz locker hineingeht.


7. Das Glas wird nun in Zeitungspapier gewickelt oder auch in ein Plastiksackerl, wenn es sehr nass ist (so wie jetzt).

8. So, und jetzt wird’s ein bisserl grauslich, zumindest für die meisten. Jetzt kommt nämlich eine große Schaufel frischer Pferdemist (am besten aus eigener „Erzeugung“ J) in die Erdkammer. Darauf kommt das eingewickelte Glas, dann wieder Pferdemist. Schließlich wird das Ganze noch mit Erde zugedeckt. Der Pferdemist ist so etwas wie eine zusätzliche Heizdecke für den Sirup, es geht aber natürlich auch ohne.

9. Die Erdkammer gut markieren, damit man sie später wieder findet.


10. Jetzt heißt es nur noch abwarten: 2 Mondzyklen, also Monate lang.

Durch die gleich bleibende Wärme unter der Erde beginnt der Zucker zu vergären, die Wirkstoffe der Pflanzen gehen in den entstehenden Sirup über. Vielleicht sind es aber auch die von Sibylle von Olfers so wunderbar illustrierten Wurzelkinder, die für uns eine Medizin daraus zaubern?

Kommentare:

  1. hi,

    den Hustensaft macht meine Oma auch immer aus den Tannenwipferl (so heißt's bei uns). Der hilft immer bei Husten, viel besser als das Ganze Wick...-Zeugs!

    LG Netzchen

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  2. Im Garten eingraben ... *tief seufz* Daran scheitert es.

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    1. Ich stell dir gern ein Loch im Garten zur Verfügung, für zwei oder mehrere Monate ;-)

      Ansonsten, kenne ich diese Sachen nur ohne Loch und ohne Pferdemist!

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  3. du machst Sachen, unglaublich. Tannenwipferlsaft kenn ich ja, aber vergraben ist mir ganz neu :-)

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  4. Ja, Tannenwipferl sagen wir eh auch, wobei es (zumindest hier) meist Fichtenwipferl sind ;-)

    Daran hab ich eh auch gedacht, Turbohausfrau - in der Stadt geht das nicht so recht ... Vielleicht einmal in einer Nacht- und Nebelaktion im Park? Oder Wienerwald? Ansonsten steht ja das Angebot der giftigenblonden - und bei mir darfst auch graben, wennst magst ;-)

    In ein paar Wochen schauen wir dann, was wieder rauskommt aus dem Loch, Küchenschabe :-)

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  5. Liebes Mädel vom Land,
    das klingt alles sehr toll - nur hab ich leider JETZT Husten und kann keine zwei Monde warten. Kann ich den Wegerich auch als Tee aufbrühen? Oder was fällt Ihnen noch Tolles ein?
    Danke vorab!

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